miniatur|rechts|William Vallance Whiteway Sir William Vallance Whiteway KCMG (* 1. April 1828 in Buckyett, Totnes, Devon, England; † 24. Juni 1908 in St. John’s, Neufundland) war ein kanadischer Rechtsanwalt und Politiker der Conservative Party sowie später der Liberal Party, der 1878 bis 1885, 1889 bis 1894 sowie 1895 bis 1897 drei Mal Premierminister der Kronkolonie Neufundland war. Whiteway machte sich insbesondere beim Bau der Eisenbahn in Neufundland (Newfoundland Railway) und des ersten Trockendocks in St. John’s verdient. Zum anderen führte er zahlreiche Verhandlungen mit Großbritannien wegen der Fischereirechte an der französischen Küstenregion Neufundlands sowie mit Kanada wegen eines möglichen Beitritts zur Kanadischen Konföderation.
Leben Rechtsanwalt, Mitglied und Sprecher des Abgeordnetenhauses miniatur|rechts|Mit Unterstützung des Unternehmers und späteren Premierministers Charles Fox Bennett begann Whiteway 1859 seine politische Laufbahn Whiteway stammte aus einer englischen Kaufmannsfamilie mit langjährigen geschäftlichen Verbindungen nach Neufundland und begann nach seiner Schulausbildung an der Grammar School in Totnes und einer Privatschule in Newton Abbot 1843 eine Tätigkeit als Kaufmannsgehilfe in St. John’s. Später studierte er Rechtswissenschaften und arbeitete nach seiner anwaltlichen Zulassung in Neufundland ab 1852 als Rechtsanwalt. Zu Beginn seiner Laufbahn wurde er durch seine Beziehungen zu angesehenen Kaufleuten, seinem Engagement in der anglikanischen Kirche und in der Freimaurerei zum Unterstützer der von Hugh William Hoyles geleiteten Conservative Party. Zu den Mandanten seiner Anwaltskanzlei gehörten dadurch Persönlichkeiten wie Charles James Fox Bennett. Dieser war einer der bekanntesten Kaufmänner der Kronkolonie, Förderer des ersten Kupferbergwerks in Tilt Cove und von 1870 bis 1874 selbst Premierminister Neufundlands.
Mit Unterstützung Bennetts begann Whiteway seine politische Laufbahn und wurde bei den Wahlen 1859 im Wahlkreis Twillingate and Fogo, der auch Tilt Cove umfasste, erstmals als Abgeordneter in das Abgeordnetenhaus von Neufundland gewählt. Seit dieser Zeit wuchs seine Überzeugung, dass Neufundland ein beträchtliches Potenzial an Bodenschätzen und Landwirtschaft habe, und er förderte zugleich eine Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten im Norden der Insel.
1865 erfuhr Whiteway eine Anerkennung durch die neue konservative Regierung unter Premierminister Frederic Bowker Terrington Carter, als er zum Kronanwalt (Queen’s Counsel) berufen wurde und das Abgeordnetenhaus ihn zum Sprecher wählte. Er vertrat seine Überzeugung zur Kanadischen Konföderation kurz nach der Veröffentlichung der Ergebnisse der Québec-Konferenz im Dezember 1864. Seine Unterstützung für eine Union mit Kanada empörte jedoch Bennett, der einer der führenden Gegner der Konföderation war. Ihr erbitterter Streit wurde auch in den Tageszeitungen von St. John’s ausgetragen und minderten letztlich auch seine Chancen auf eine Wiederwahl zum Mitglied des Abgeordnetenhauses.
Wahlniederlage 1869, Wiederwahl ins Abgeordnetenhaus 1873 und Solicitor General miniatur|rechts|Während der Amtszeit von Premierminister Frederick Carter fungierte Whiteway zwischen 1874 und 1878 als Solicitor General Bei den Wahlen 1869 sahen sich Whiteway und seine Unterstützer der vereinten Gegnerschaft Bennetts und der örtlichen Handelshäuser ausgesetzt und erlitten eine empfindliche Wahlniederlage, während Bennett als Nachfolger von Frederick Carter im Januar 1870 Premierminister wurde. Whiteways Unterstützung für die Konföderation gründeten sich auf seine Überzeugung, dass eine Union die Möglichkeiten der Kronkolonie für eine wirtschaftliche Vielseitigkeit und Wohlstand verbessern und andererseits seine Isolation aufbrechen würde. Zum anderen erhoffte er sich eine Ausweitung politischer Möglichkeiten. Nach der Ablehnung der Konföderation durch die Wahl von 1869 unterließ er jedoch deren aktive Unterstützung und konzentrierte sein Engagement wieder auf koloniale Themen. Obwohl er zwar nicht mehr Abgeordneter war, blieb er jedoch der Conservative Party verbunden und gehörte zu einer Gruppe, die die Regierung Bennetts und dessen Anti-Confederation Party mit allen Mitteln ablösen wollte. Aus diesem Grund verbanden die Konservativen Zusicherungen zum Ende einer Konföderation mit sektiererischen Angriffen auf die Regierung, um die Protestanten daran zu erinnern, dass Bennett auf die Stimmen der katholischen Wähler vertraute.
Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus 1873 verringerte sich die Mehrheit Bennetts drastisch, während Whiteway im Wahlkreis Trinity Bay wieder zum Mitglied des Abgeordnetenhauses gewählt wurde. Am 31. Januar 1874 übernahm Carter zum zweiten Mal das Amt des Premierministers, nachdem sich Bennetts Mehrheit aufgelöst hatte und seine Partei eine Schwächung bei den für den Herbst 1874 vorgesehenen Neuwahlen befürchtete.
Premierminister Carter berief Whiteway am 31. Januar 1874 zum Solicitor General in seine neue Regierung. In dieser Funktion war er maßgeblich mit der Vorbereitung des Verfahrens von Neufundland vor der Fischereikommission in Halifax unter Mitwirkung des kanadischen Marine- und Fischereiministers Albert James Smith 1877 befasst. Diese Kommission beurteilte die finanzielle Differenz zwischen den der USA gewährten Fischereirechten in britisch-nordamerikanischen Gewässern aufgrund des Vertrages von Washington von 1871 und den den Briten gewährten Rechten in US-amerikanischen Gewässern. Whiteway erhob einen Anspruch von 2.880.000 US-Dollar für Neufundland vor dem Tribunal, das der Kronkolonie schließlich einen Ausgleich von 1 Million US-Dollar gewährte. Die erstrittene Summe brachte ihm eine förmliche Anerkennung des Abgeordnetenhauses ein. Ein Großteil des Verfahrens betraf ferner den Wert von neufundländischem Ködermaterial im Falle des Zugriffs durch ausländische Küstenfischer, so dass er anschließend die Köderfrage als einen möglichen Ansatz bei Verhandlungen nicht nur mit US-amerikanischen, sondern auch mit französischen Fischern betrachtete, deren Anwesenheit in Saint-Pierre sowie an den West- und Nordostküsten Neufundlands (dem französischen Vertragsgebiet) anhaltende Probleme bereitete. Sowohl Whiteway als auch Carter waren überzeugt davon, dass der Aufschwung der Kolonie von einer Veränderung der alten Rechte Frankreichs abhänge, insbesondere seit Begutachtungen durch den schottischen Geologen Alexander Murray vermuten ließen, dass die sogenannte Vertragsküste wertvolle natürliche Ressourcen beinhalten würde.
Die Regierung Carter drängte auf die Ernennung von Richtern und auf Landbewilligungen in der Region, wobei das britische Kolonialministerium (Colonial Office) mit deutlicher Zurückhaltung auf derartige Forderungen reagierte. Aus Frustration über diese Haltung tätigte er zum Ärger des damaligen Gouverneurs der Kronkolonie, John Hawley Glover, Bemerkungen über die Nachteile der Verbindung mit dem britischen Weltreich und welche Vorteile gegebenenfalls aus einer Annexion durch die USA hervorgehen würden. Dadurch wollte er auf die Enttäuschung der Kolonie gegenüber Großbritannien hinweisen, um eine größere Bereitschaft der britischen Regierung zur Befriedigung der neufundländischen Interessen im Vergleich zu anderen, bedeutenderen Ländern zu erzielen.
Erste Amtszeit als Premierminister 1878 bis 1885 Verhandlungen mit Frankreich und Großbritannien Whiteway übernahm im April 1878 von Frederick Carter das Amt des Premierministers. Als wichtigste Pläne seiner Regierung stellte er heraus, dass für die zukünftige Entwicklung Neufundlands im Falle der auf dem Land liegenden Ressourcen zwei Dinge notwendig seien: Erstens sollte eine Eisenbahn durch die Insel gebaut werden, um das Binnenland zu erschließen, und zweitens musste eine Vereinbarung mit den Franzosen getroffen werden, welche die industrielle Entwicklung an der Westküste erlaubt. Des Weiteren wollte er St. John’s zu einem großen Hafen ausbauen und verteidigte in diesem Zusammenhang den dortigen Bau von Trockendocks. Diese Pläne waren jedoch abhängig von einer Zusammenarbeit mit der Imperialregierung in London, die als einzige mit den Franzosen verhandeln konnte und die nach seiner Hoffnung auch die Eisenbahn- und Dockpläne aus strategischen Gründen unterstützen würde.
1879 trug Whiteway seine Pläne in London vor und erhielt hierfür Zuspruch durch das Kolonialministerium, welches in ihm in Bezug auf die Problematik mit der französischen Küstenregion einen kompromissbereiteren Partner sah als die anderen neufundländischen Politiker. Daraufhin wurde ein Treffen zwischen ihm und dem französischen Außenminister William Henry Waddington arrangiert, in dem er den britischen Botschafter durch seine „fähige, taktvolle und tatsachenbezogene Gesprächsführung“ (‚ability, tact and indeed moderation‘) beeindruckte. Allerdings kam es zu keinen konkreten Vereinbarungen, so dass die britische Regierung eine Unterstützung für den Dock- und Eisenbahnbau mit der Begründung ablehnte, dass derartige Arbeiten eher von inländischer als von imperialer Bedeutung seien.
Allerdings erhielt die Regierung von Whiteway, der für seine Verdienste bei den Verhandlungen mit der Fischereikommission in Halifax 1880 zum Knight Commander des Order of St. Michael and St. George geschlagen wurde und fortan den Namenszusatz „Sir“ führte, später einige andere Zugeständnisse: 1881 erhielt die Kolonialregierung die alleinige Zuständigkeit zur Ernennung von Richtern an der französischen Vertragsküste und zur Abgabe von Landbewilligungen in dieser Region. Ferner wurden die Siedler an der Westküste mit dem Recht zur Teilnahme an den Wahlen von 1882 ausgestattet.
Pläne zum Eisenbahnbau Der Prozess zur Einbeziehung der Küste in die Rahmenarbeit der Kolonialverwaltung begann bereits unter Carter, und Whiteway beabsichtigte die beiden Seiten der Insel durch sein Eisenbahnprojekt zu verbinden. Allerdings lehnte die britische Regierung nicht nur eine finanzielle Unterstützung ab, sondern verweigerte auch die Erlaubnis für eine Endstation an der Westküste. Aus diesem Grund rückte er von dem Ursprungsplan ab und plante stattdessen eine Ostküsten-Eisenbahnlinie, die irgendwann Teil einer Eisenbahnlinie für die Gesamtinsel sein könnte.
Sein Vorschlag zum Bau einer Schmalspurbahn von St. John’s nach Halls Bay fand 1880 die Zustimmung des Abgeordnetenhauses. In der Folgezeit wurden Schlepptender bestellt, Standortuntersuchungen durchgeführt und eine erhitzte öffentliche Debatte erreichte neue politische Bereiche. Die ersten Gegenstimmen kamen aus den Reihen der konservativen Unterstützer Whiteways, als einige Fischgroßhändler ernsthafte Bedenken äußerten über „eine Erfahrung, die so neu, so teuer, so abweichend von unseren üblichen Gewohnheiten und Wollen und zur gleichen Zeit so unwiederbringlich in seinen guten oder schlechten Ergebnissen sei“ (‚an experience so new, so expensive, so divergent from our ordinary habits and wants, and at the same time so irretrievable in its results for good or evil‘). Letztlich fürchteten diese, dass der Plan zu einem kolonialen Bankrott und zur Konföderation führen würde und der Prozess ihre Unternehmen schwer schädigen würde.
Whitewey und die Eisenbahn-Unterstützer waren andererseits nicht sehr besorgt, seitdem sie auf Unterstützung der liberalen Opposition zählen konnten, die nunmehr von Joseph Ignatius Little geführt wurde. Anfang 1881 erwog die Regierung den Kauf von zwei Schlepptendern, wobei Whiteway ein Angebot bevorzugte, das von Albert L. Blackman für ein aus New York City kommendes Syndikat abgegeben wurde. Dies brachte ihn jedoch in Probleme mit Ambrose Shea, einen führenden Liberalen, der wiederum ein kanadisches Angebot unterstützte.