Die Chthoniidae sind eine Familie der Pseudoskorpione.

Merkmale Die Arten der Familie Chthoniidae haben bis zu vier lateral im vorderen Teil des Cephalothorax gelegene Augen. Ein Augenpaar ist jedoch meist reduziert oder nicht ausgebildet. Höhlen bewohnende Arten sind meist blind, ihre Augen sind zurückgebildet. Diese Pseudoskorpione der Familie Chthoniidae sind sehr klein und erreichen eine Gesamtlänge von wenigen Millimetern. Sie tragen wie die Echten Skorpione imposante paarige Pedipalpen, die in je einer großen Schere enden. Die Pedipalpen erreichen fast dieselbe Länge wie der restliche Körper. Bei den Chthoniidae trägt die Palpenhand zwei Sinneshaare (Trichobothrien).

Der Cephalothorax verjüngt sich nach hinten. Daran schließt das Opisthosoma an.

Vorkommen Die Arten der Chthoniidae sind weltweit verbreitet. Sie leben im Laubstreu und in der Erde sowie unter Felsen, Steinen oder in Höhlen. Viele Arten sind Troglobionten und kommen in Höhlensystemen rund um den Erdball vor.

Taxonomie und Systematik Eugen von Daday beschrieb 1888 die Chthoniinae als eigene Unterfamilie der Pseudoskorpione, 1894 wurde sie von Hansen zur Familie erhoben. Diese Familie enthielt damals noch die Unterfamilie Dithinae, die heute unter dem Namen Tridenchthoniidae eine eigene Familie bildet. Max Beier fügte in seiner Darstellung der Pseudoskorpione für das Sammelwerk Das Tierreich 1932 in die Familie Chthoniidae auch die Tribus Pseudotyrannochthoniini ein, die 1993 als eigene Familie Pseudotyrannochthoniidae ausgegliedert wurde. 1992 wurde die Gattung Lechytia in die Familie Lechytiidae klassifiziert, seither gab es keine größeren Veränderungen in der Systematik der Familie Chthoniidae, mit Ausnahme der Erstbeschreibung einer neuen Tribus nach dem Fund der Art Ayyalonia dimentmani in der israelischen Ajalon-Höhle.

Die ausgegliederten drei Familien Tridenchthoniidae, Lechytiidae und Pseudotyrannochthoniidae bilden zusammen mit den Chthoniidae und den aus dem fossilen Bernstein bekannten Dracochelidae die Überfamilie Chthonioidea.

Gattungen Die Familie Chthoniidae umfasst 28 Gattungen in der derzeit einzigen Unterfamilie Chthoniinae, die in drei Triben geteilt wird. Die größte Gattung ist Chthonius mit rund 230 Arten in mehreren Untergattungen.

Tribus Ayyaloniini mit der einzigen Art Ayyalonia dimentmani Ćurčić, 2008 – Israel

Tribus Chthoniini Anisoditha Chamberlin & R.V. Chamberlin, 1945 Aphrastochthonius J. C. Chamberlin, 1962 – Mexiko, südliche Vereinigte Staaten, Guatemala, Kuba Apochthonius J. C. Chamberlin, 1929 – Nordamerika Austrochthonius J. C. Chamberlin, 1929 – Südamerika, Australien, Neuseeland Caribchthonius Muchmore, 1976 – Karibik Chiliochthonius Vitali-di Castri, 1975 – Chile Chthonius C. L. Koch, 1843 – weltweit verbreitet: Europa bis Iran, Nordafrika, Balearen, Vereinigte Staaten Congochthonius Beier, 1959 – Demokratische Republik Kongo Drepanochthonius Beier, 1964 – Chile Francochthonius Vitali-di Castri, 1975 – Chile Kleptochthonius J. C. Chamberlin, 1949 – Vereinigte Staaten Malcolmochthonius Benedict, 1978 – Vereinigte Staaten Mexichthonius Muchmore, 1975 – Mexiko, Texas Mundochthonius J. C. Chamberlin, 1929 – Eurasien, Dominikanische Republik, Nordamerika Neochthonius J. C. Chamberlin, 1929 – Kalifornien Pseudochthonius Balzan, 1892 – Süd- und Mittelamerika, Afrika Sathrochthoniella Beier, 1967 – Neuseeland Sathrochthonius J. C. Chamberlin, 1962 – Australien bis Neukaledonien, Südamerika Spelyngochthonius Beier, 1955 – Sardinien, Spanien, Frankreich Stygiochthonius Carabajal Marquez, Garcia Carrillo & Rodriguez Fernandez, 2001 – Spanien Tyrannochthoniella Beier, 1966 – Neuseeland

Tribus Tyrannochthoniini Lagynochthonius Beier, 1951 – Australasien, Europa, Afrika Maorichthonius J. C. Chamberlin, 1925 – Neuseeland Paraliochthonius Beier, 1956 – Europa, Afrika, Florida Troglochthonius Beier, 1939 – Italien, ehemaliges Jugoslawien Tyrannochthonius J. C. Chamberlin, 1929 – Brasilien bis in den Süden der Vereinigten Staaten, Australasien, Afrika, Hawaii Vulcanochthonius Muchmore, 2000 – Hawaii

Literatur Max Beier et al. (Hrsg.): Pseudoscorpionidea I: Subord. Chthoniinea et Neobisiinea. In: Max Beier, Richard Hesse, Robert Mertens, Franz Eilhard Schulze, Heinz Wermuth (Hrsg.): Das Tierreich. Lieferung 57, De Gruyter, 1932 (Nachdruck 2011) W. B. Muchmore: Pseudoscorpions from Florida and the Caribbean area. 13. New species of Tyrannochthonius and Paraliochthonius from the Bahamas, with discussion of the genera (Chthoniidae). Florida Entomologist, 67, S. 119–126, 1984

Weblinks

M. S. Harvey: Chthoniidae, Pseudoscorpions of the World, Version 2.0, Western Australian Museum, Perth 2011-2014, abgerufen am 10. März 2014

Einzelnachweise J. C. Chamberlin: New and little-known false scorpions, principally from caves, belonging to the families Chthoniidae and Neobisiidae (Arachnida, Chelonethida). Bulletin of the American Museum of Natural History, 123, S. 303–352, 1962 Max Beier et al. (Hrsg.): Pseudoscorpionidea I: Subord. Chthoniinea et Neobisiinea. In: Max Beier, Richard Hesse, Robert Mertens, Franz Eilhard Schulze, Heinz Wermuth (Hrsg.): Das Tierreich. Lieferung 57, De Gruyter, 1932 (Nachdruck 2011), S. 35 W. Schawaller: Fossile Chthoniidae in Dominikanischem Bernstein, mit phylogenetischen Anmerkungen (Stuttgarter Bernsteinsammlung: Arachnida, Pseudoscorpionidea). Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde (B), 63, S. 1–19, 1980

Božidar P. M. Ćurčić: Ayyalonia dimentmani n. g., n. sp. (Ayyaloniini n. Trib., Chthoniidae, Pseudoscorpiones) from a cave in Israel. Archives of Biological Sciences, 60, 3, S. 331–339, 2008 M. S. Harvey: Chthoniidae, Pseudoscorpions of the World, Version 2.0, Western Australian Museum, Perth 2011-2014, abgerufen am 10. März 2014

Kategorie:Pseudoskorpione Kategorie:Pseudoscorpionida