mini|St. Lambertus zwei Tage nach dem Brand (2023) mini|St. Lambertus im Jahr 2019 St. Lambertus ist eine ehemalige römisch-katholische Pfarrkirche im Merzenicher Ortsteil Bürgewald im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen.
Das Bauwerk ist unter Nr. 25 in die Liste der Baudenkmäler in Merzenich eingetragen und war dem hl. Märtyrer Lambert von Lüttich geweiht.
Am 15. Juni 2019 wurde die Kirche im Rahmen einer letzten heiligen Messe profaniert und sollte in Zukunft als Kulturzentrum der Gemeinde Merzenich genutzt werden. Im April 2023 brannte sie bis auf die Außenmauern nieder.
Lage Das Kirchengebäude steht in der Ortsmitte von Bürgewald auf einer kleinen Erhebung an der Ellener Straße. Umgeben wird die Kirche vom Friedhof. Ursprünglich lag das Bauwerk im Abbaubereich des Tagebaus Hambach und sollte diesem weichen und bis 2022 abgerissen werden. Aufgrund des früheren Kohleausstiegs wird der Tagebau Hambach deutlich verkleinert und Bürgewald nicht mehr durch den Tagebau in Anspruch genommen, wodurch St. Lambertus erhalten bleibt.
Geschichte mini|hochkant|Der ausgebrannte Glockenturm Sagen erzählen von einer Jagdkapelle, die im Bürgewald bereits im 8. Jahrhundert bestanden haben soll. Erstmals schriftlich erwähnt wird eine Pfarrkirche mit zugehöriger Vikarie aber erst im Liber valoris aus dem Jahr 1308. Morschenich war damals bereits eigenständige Pfarrei im alten Dekanat Jülich im Erzbistum Köln.
Die Pfarre blieb bis zur Franzosenzeit dem Erzbistum zugeordnet und wurde dann 1802 Pfarre im neugegründeten Bistum Aachen. Schon 1825 kam die Pfarre wieder an das Erzbistum Köln zurück. Seit 1930 gehört Morschenich zum wiedergegründeten Bistum Aachen.
Zum 1. Januar 2016 wurde die seit mindestens 1308 bestehende Pfarre aufgelöst und in die Merzenicher Pfarre St. Laurentius eingegliedert. Seitdem war St. Lambertus keine Pfarrkirche mehr, sondern Filialkirche.
Ein Feuer am 17. April 2023 führte zu großen Schäden am Gebäude. Trotz des Einsatzes von zeitweise mehr als 70 Einsatzkräften stürzten die Dächer von Kirchenschiff und Glockenturm vollständig ein. Dabei wurde der Innenraum komplett zerstört, sodass nur noch die Umfassungsmauern stehen geblieben sind. Eine Brandursache konnte bisher nicht ermittelt werden.
Im Dezember 2023 wurde bekannt, dass die Kirche wieder aufgebaut werden soll.
Baugeschichte Im 12. Jahrhundert wurde eine Kirche in Morschenich erbaut, die 1308 im Liber valoris Erwähnung findet. Vielleicht hatte diese Kirche bereits einen Vorgängerbau. Im 16. Jahrhundert wurde diese Kirche durch ein neues Gotteshaus ersetzt, von dem heute noch das Untergeschoss des Glockenturms erhalten ist. Ein Feuer zerstörte diesen Bau Mitte des 18. Jahrhunderts, nur das Turmuntergeschoss konnte erhalten werden. Im Jahr 1775 wurde an gleicher Stelle eine neue Saalkirche unter Einbeziehung des erhaltenen Turmuntergeschosses erbaut. Es war ein zweiachsiger Bau mit vorgebautem Glockenturm und eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor im Stil des Barock. Das Innere besaß bis zum Krieg eine komplett erhaltene barocke Ausstattung. Im Zweiten Weltkrieg wurde die barocke Kirche fast vollständig zerstört, nur die Nordwand des Kirchenschiffs und der Turm blieben stehen.
Mit dem Wiederaufbau der Pfarrkirche konnte erst Mitte der 1950er Jahre begonnen werden. Am 25. Juli 1954 wurde der Grundstein der neuen Kirche gelegt. Die Pläne dazu fertigte der Düsseldorfer Architekt Josef Lehmbrock an, der die verbliebenen Reste der alten Kirche mit in den Neubau integrierte. Die Konsekration fand am 3. oder 4. September 1955 statt. Im Jahre 1994 wurde das Dach saniert. 1998 erfolgte eine Außensanierung des Gotteshauses.Engelbert Robens: Die Geschichte der Pfarrkirche.
Am 15. Juni 2019 wurde das Gotteshaus profaniert, indem ein Schreiben des Aachener Bischofs Helmut Dieser verlesen, das Allerheiligste aus dem Tabernakel geholt und das Ewige Licht gelöscht wurde. Seitdem ist der Bau kirchenrechtlich keine Kirche mehr. Nach den Plänen der Gemeinde Merzenich soll die Morschenicher Kirche in Zukunft als Kulturzentrum genutzt werden. Die erste Veranstaltung in St. Lambertus seit der Profanierung war am 7. März 2020 ein Spendenkonzert für den Erhalt der Kirche.
Baubeschreibung St. Lambertus ist eine moderne zweischiffige Halle aus Bruchstein. Der dreigeschossige Glockenturm sowie die Nordwand sind noch barock. Der Chor im Osten ist abgerundet.
Ausstattung Die Buntglasfenster der Kirche stammten aus dem Jahr 1975 und das Turmfenster aus dem Jahr 1980. Sie waren Werke des Dürener Künstlers Herb Schiffer und wurden beim Brand im April 2023 zerstört. Die steinerne Lambertusfigur im Chor schuf der Dürener Künstler Herbert Halfmann im Jahr 1990. Sie wurde aus der Kirche ausgebaut und soll in der Lambertuskapelle am Umsiedlungsstandort aufgestellt werden.Engelbert Robens: Die Geschichte der Pfarrkirche. Ebenso zählte zur Ausstattung ein barockes Taufbecken, welches ebenfalls ausgebaut und in der neuen Lambertuskapelle einen neuen Platz finden soll.
Glocken Im Glockenturm von St. Lambertus befinden sich drei Glocken aus Graueisen, die von der Firma J. F. Weule aus Bockenem 1949 gegossen wurden. Sie ersetzen ein im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzenes, ebenfalls dreistimmiges, Geläut mit den Schlagtönen g′, h′ und c″. Die kleinste und älteste Glocke war ein Guss von Peter Boitel aus dem Jahr 1828, die beiden größeren Glocken wurden bei den Gebr. Ulrich in Apolda 1925 gegossen. Ob die Glocken durch den Brand beschädigt wurden, ist bislang nicht bekannt. Nr. Name Durchmesser(mm) Masse(kg, ca.) Schlagton(HT-1/16) Gießer Gussjahr 1 – 1.268 800 fis′ +8 Fa. J. F. Weule, Bockenem 19492 – 1.050 460 a′ +3 Fa. J. F. Weule, Bockenem 19493 – 931 330 h′ +-0 Fa. J. F. Weule, Bockenem 1949 Motiv: Te DeumNorbert Jachtmann: Glockenmusik in der Region Düren
Ersatzbau
Am Umsiedlungsstandort Morschenich-Neu wurde 2019 mit dem Bau einer neuen St.-Lambertus-Kapelle begonnen, die nach Plänen der beiden Architekten Mathias Paulssen und Axel Maria Schlimm errichtet wird und ursprünglich im Verlauf des Jahres 2020 fertiggestellt werden sollte. Nach einigen Verzögerungen konnte St. Lambertus nach vier Jahren Bauzeit am 4. Februar 2024 von Bischof Helmut Dieser eingesegnet werden.
Pfarrer Folgende Pfarrer wirkten an St. Lambertus als Seelsorger bis zur Auflösung der Pfarre 2016:Hubert Böhr: 7000 Jahre Merzenich. Von der Steinzeit bis zum Jahr 2000, Aachen 2014, S. 193f. von – bis Name um 1550 Peter Unkel von Zulpge 1559–1564 Bartholomäus von Mirweiler ?–1681 Lambert Brewer 1681–1718 Johann Martin Bey 1718–1720 Franz Sauvage 1720–1724 Johann Wilhelm Fabry 1725–1726 Johann Damian Dackweiler 1726–1740 Konrad Schnorrenberg 1740–1757 Johann Josef Custodis 1757–1780 Johann Josef Herckenrath 1780–1782 Matthias Hambuch 1782–1839 Lambert Schopen 1839–1844 Peter Wilhelm Schöngen von – bis Name 1844–1862 Johann Adam Jansen 1862–1884 Josef Bollbach 1886–1888 Anton Platzbecker (Pfarrverwalter) 1888–1907 Anton Platzbecker 1907–1913 Franz Josef Mertens 1913–1921 Jakob Filusch 1921–1944 Josef Schreiner 1944–1946 vakant 1946–1963 Hubert Frembgen 1963–1970 Franz Dombret 1970–1973 Heinrich Biegai 1973–1993 Helmut Kaiser 1993–2015 Heinz Dieter Hamachers
Weblinks
Kirche Morschenich auf der Website der Gemeinde Merzenich
Einzelnachweise
Kategorie:Lambertuskirche Kategorie:Profaniertes Kirchengebäude im Bistum Aachen Kategorie:Kirchengebäude in Merzenich Kategorie:Baudenkmal in Merzenich Kategorie:Erbaut in den 1770er Jahren Kategorie:Erbaut in den 1950er Jahren Kategorie:Geläut Kategorie:Ehemalige Pfarrkirche Kategorie:Profaniertes Kirchengebäude in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Zerstört in den 2020er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk im Kreis Düren