mini|hochkant|Peter Hoeres (2019) Peter Hoeres (* 13. November 1971 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Historiker. Er ist Professor für Neueste Geschichte an der Universität Würzburg.
Leben Peter Hoeres' Vater ist der Philosoph Walter Hoeres.Anna Hofmeister: Die Zeichen der Moderne. Peter Hoeres betrachtet die Weimarer Republik (Rezension zu: Die Kultur von Weimar, 2008). In: Deutsche Tagespost, Nr. 157/158 vom 30. Dezember 2008, S. 12. Hoeres studierte von 1992 bis 1997 Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Frankfurt am Main und der Universität Münster. Nach dem Magister Artium 1998 war er wissenschaftliche Hilfskraft und Dozent für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen am Standort Essen.
Im Anschluss war Hoeres Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „Computergestützte Hochschullehre im Fach Geschichte“ an der Universität Münster. 2002 wurde er bei Hans-Ulrich Thamer in Geschichte mit der Dissertation Krieg der Philosophen. Die deutsche und die britische Philosophie im Ersten Weltkrieg zum Dr. phil. promoviert, wofür er ein Jahr später mit dem Dissertationspreis der Universität Münster ausgezeichnet wurde. Von 2004 bis 2007 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Hans-Ulrich Thamer am Historischen Seminar in Münster und von 2007 bis 2011 bei Frank Bösch am Historischen Institut der Universität Gießen, wo er auch assoziiertes Mitglied des International Graduate Centre for the Study of Culture wurde.
Im Jahr 2010 erhielt Hoeres das Postdoctoral Fellowship des Deutschen Historischen Instituts Washington und 2011 ein Forschungsstipendium der Gerda Henkel Stiftung. 2011 habilitierte er sich mit der von Frank Bösch betreuten Arbeit Außenpolitik und Öffentlichkeit. Massenmedien, Meinungsforschung und Arkanpolitik in den deutsch-amerikanischen Beziehungen von Erhard bis Brandt. Danach vertrat er die Professuren für Fachjournalistik Geschichte an der Universität Gießen und für Neueste Geschichte an der Universität Mainz.
Hoeres wurde 2013 Professor für Neueste Geschichte an der Universität Würzburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören internationale Geschichte, Kulturgeschichte, Mediengeschichte sowie Wissenschafts- und Ideengeschichte. Er gehörte von 2012 bis 2016 dem Ausschuss des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands an.
Hoeres hat zwei DFG-Projekte zur Geschichte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) geleitet. Dabei veröffentlichte er im September 2019 eine Geschichte dieser Zeitung. Derzeit leitet er ein BMZ-Projekt zur globalen Aufarbeitung von Diktaturvergangenheiten, in dessen Rahmen die Website after-dictatorship.org herausgegeben wird und ein BMBF-Projekt zur Aufarbeitung der Franco- und Salazar-Diktaturen in Spanien und Portugal.BMBF-Projekt, auf geschichte.uni-wuerzburg.de. Darüber hinaus ist Hoeres als Mitglied der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Leiter der NDB-online.Ressorts in der Redaktion der NDB, auf ndb.badw-muenchen.de, abgerufen am 7. März 2021. Hoeres erstellte im 2020 erteilten Auftrag von Heidi Goëss-Horten das Gutachten über den Vermögens- und Geschäftsaufbau von Helmut Horten im Kontext der „Arisierung“ in der Zeit des „Dritten Reiches“.Cathrin Kahlweit: Ein Leben für die Kunst. In: Süddeutsche Zeitung, 13. Juni 2022, S. 10.Sabine B. Vogel: Kurz vor ihrem Tod vollendete sie ihr Lebenswerk. In: Die Welt, 13. Juni 2022.Olga Kronsteiner: Der Fall Helmut Horten: Erbe mit Schattenseiten. In: Der Standard, 22. Januar 2022.
Hoeres beschäftigte sich wiederholt kritisch mit der deutschsprachigen Ausgabe der Internet-Enzyklopädie Wikipedia. 2014 verfasste er einen Vortrag in der Sektion Wikipedia und die Geschichtswissenschaft des Deutschen Historikertages.Peter Hoeres: Hierarchien in der Schwarmintelligenz. Geschichtsvermittlung auf Wikipedia. In: Thomas Wozniak, Jürgen Nemitz, Uwe Rohwedder (Hrsg.): Wikipedia und Geschichtswissenschaft. De Gruyter/Oldenbourg, Berlin 2015, ISBN 978-3-11-037634-0, S. 15–32. Im Open access: doi:10.1515/9783110376357-004. Ein wesentlich erweiterter Aufsatz aus dem Jahr 2020 trägt den Titel Geschichtsvermittlung und Geschichtspolitik in der Wikipedia. Geschichtsvermittlung und Geschichtspolitik in der Wikipedia. In: Claudia Fröhlich, Harald Schmid (Hrsg.): Virtuelle Erinnerungskulturen (= Jahrbuch für Politik und Geschichte, Band 7), Franz Steiner, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-515-12507-9, S. 81–102. Im Herbst 2020 gehörte er zu den Erstunterzeichnern des Appells für freie Debattenräume.
Hoeres ist Mitglied der Görres-Gesellschaft und seit 2015 zusammen mit Thomas Brechenmacher Leiter von deren Sektion für Geschichte. Ab 2017 war Hoeres acht Jahre lang Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundeszentrale für politische Bildung. Er ist Mitglied des 2021 ins Leben gerufenen Netzwerks Wissenschaftsfreiheit. 2024 erklärte Hoeres seinen Austritt aus dem Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands mit der Begründung, dieser positioniere sich nicht klar genug gegen den Antisemitismus während des Krieges in Israel und Gaza. Hoeres ist Erstunterzeichner des Aufrufs „Kein Platz für Antisemitismus an Hochschulen!“ der Initiative „Profs against antisemitism“.
Kontroverse Im Jahr 2025 äußerte eine studentische Initiative aus der „Linken Liste“, „Grünen Hochschulgruppe“ und „Volt“ Kritik am Würzburger Lehrstuhl für Neueste Geschichte unter der Leitung von Hoeres und warf ihm eine inhaltliche Nähe zu neurechten Positionen vor, was eine öffentliche Debatte über Ausrichtung und Inhalte der Lehre auslöste. Die Kritik richtete sich insbesondere gegen den an seinem Lehrstuhl tätigen Historiker und Theologen Benjamin Hasselhorn.Pirmin Breninek, ""Nach Vorwürfen: Ministerium entlastet Würzburger Lehrstuhl"", br.de vom 9. April 2025Thomas Thiel, „Anklage auf Verdacht“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. März 2025. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst erklärte nach einem Gespräch mit Hoeres und dem Präsidenten der Universität, „dass die von Teilen der Studierenden kritisierten Äußerungen und Publikationen, auch von Lehrstuhlmitarbeitern, – entsprechend der Prüfungen der von der Hochschulleitung eingesetzten Taskforce – in keiner Weise zu beanstanden sind“. Die Taskforce hatte nur geprüft, „ob ein straf- oder disziplinarrechtlich relevantes Verhalten vorlag.“ Einer von dem Netzwerk Wissenschaftsfreiheit initiierten Solidaritätserklärung mit dem Lehrstuhl schlossen sich über 500 Professoren an (Stand: 10. April 2025).
Wissenschaftspolitische und gesellschaftliche Positionen Hoeres hatte Beiträge in der Tagespresse, darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Main-Post, der Tagespost und die Neuen Zürcher Zeitung, sowie in dem rechtspopulistischen Portal Tichys Einblick.
Er schaltete sich in die Diskussion um die auf dem 52. Deutschen Historikertag in Münster 2018 verabschiedete Resolution Gegen den politischen Missbrauch von Geschichte ein. Damit wollte der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) vor Angriffen auf die demokratischen Institutionen warnen, welche die Grundlagen der politischen Ordnung gefährdeten. Gemeinsam mit Dominik Geppert argumentierte Hoeres in der FAZ, Verfahren und Inhalt der Abstimmung seien wissenschaftlich fragwürdig und ein politischer Irrweg. Es würden genau jene Tendenzen befördert, welche die Resolution zu bekämpfen vorgebe. „Pegida und AfD leben davon, dass in Deutschland das Juste milieu die Diskursgrenzen immer enger ziehen und vieles, was gesellschaftlich umstritten ist, aus dem Kreis des legitimerweise Diskutierbaren ausgeschlossen sehen möchte.“Dominik Geppert, Peter Hoeres: Gegen Gruppendruck und Bekenntniszwang. In: FAZ, 12. Oktober 2018. Vgl. Gerrit Dworok: Rückkehr zur Streitgeschichte? Anmerkungen zur „Resolution des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands zu gegenwärtigen Gefährdungen der Demokratie“. In: Gerrit Dworok, Thomas Exner (Hrsg.): Komplexität und Wahrheit. Wissenschaft im Spannungsfeld von Beschreibung, Deutung und Verzerrung. Nomos, Baden-Baden 2019, S. 224 f. Geppert und Hoeres sprachen von „Gruppendruck“ und einem „Zwang zum öffentlichen Bekenntnis“. Statt „strittige Fragen sachlich und kontrovers zu diskutieren,“ sei es vielmehr darum gegangen „das moralisch vermeintlich Richtige per Akklamation zur Geltung zu bringen“.Dominik Geppert, Peter Hoeres: Gegen Gruppendruck und Bekenntniszwang. In: FAZ, 12. Oktober 2018. Vgl. Krijn Thijs: Demokratie als Funktionsbedingung. (Zwischen-)Bilanz der Kontroverse um die „politische“ Resolution des Historikerverbandes. In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 16 (2019), H. 1. , S. 154–163. Krijn Thijs konnte die Kritik am Stimmverfahren nicht überzeugen, weil weder an der Entstehung der Resolution noch am Stimmverfahren viel auszusetzen gewesen sei.Krijn Thijs: Demokratie als Funktionsbedingung. (Zwischen-)Bilanz der Kontroverse um die „politische“ Resolution des Historikerverbandes. In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 16 (2019), H. 1. , S. 154–163. Die Vorstandsmitglieder Frank Bösch und Johannes Paulmann sahen in der Kritik eine „auf politische Lagerbildung angelegte Charakterisierung des VHD und seiner Mitglieder“, die weder der Vielfalt im Verband noch den Zielen des Vorstands entspreche. Die Verspottung der Mitglieder-Resolution als „staatstragend“ (Geppert/Hoeres) belege die „Verschiebung der politischen Mitte – in der Sprache, den Zuordnungen und im Ton. Von der Geschichtswissenschaft wird ‚politische Neutralität‘ eingefordert, aber mit politischen Argumenten, die von Lagerdenken geprägt sind.“ Fraglich sei, ob der Aufschrei, der die Resolution als „linksliberale Komfortzone“ (Geppert/Hoeres) denunziere, nicht mehr zum Aufstieg von Rechtspopulisten beitrage, als es angeblich die Erklärung des VHD tue.Frank Bösch, Johannes Paulmann: Es geht um unsere Sache. In: FAZ, 17. Oktober 2018. Petra Terhoeven, Mit-Initiatorin der Resolution, hielt den Widerspruch für symptomatisch: „Wenn dieser Text als linksliberales, sogar parteipolitisches Papier gilt, zeigt das, wie weit sich der Diskurs nach rechts verschoben hat.“
Ende 2025 äußerte sich Hoeres in einem Gastbeitrag in der Zeitung Die Welt zur Neubesetzung der Präsidentenstelle der Bundeszentrale für politische Bildung. Darin schrieb er in einem Meinungsartikel, dass die Bpb „zu einer identitätspolitischen Agentur in einem undifferenzierten Kampf gegen rechts umgebaut“ worden sei. Es gebe zwar weiterhin traditionelle politische Information, aber im Kern sei die Bpb laut Hoeres „kaum mehr von einer rotgrünen Vorfeldorganisation zu unterscheiden.“ Der CDU/CSU attestierte er „Naivität und Selbstaufgabe im von links geführten Kulturkampf.“
Hoeres hält Vorträge bei Stiftungen und Akademien, darunter die rechtskonservative bzw. neurechte Berliner Bibliothek des Konservatismus, aber auch in der Evangelischen Stadtakademie Bochum, dem Frankfurter Institut für Stadtgeschichte bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung,Z. B. im Rahmen der Gemeinschaftstagung „Wissenschaftsfreiheit“ (23.–25.05.2025) in Kooperation mit der Görres-Gesellschaft [abgerufen am 10. April 2025]. der Saarbrücker Union Stiftung und den Staatlichen Archiven Bayerns„Medienpluralismus und Republikschutz“ (20. April 2023) [abgerufen am 10. April 2025] in der Vortragsreihe „Demokratie im Abwehrmodus. Bayern im Krisenjahr 1923“ [abgerufen am 10. April 2025]..
Schriften (Auswahl) Monographien Der Krieg der Philosophen. Die deutsche und die britische Philosophie im Ersten Weltkrieg. Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-71731-6 (Rezension, Rezension). Die Kultur von Weimar. Durchbruch der Moderne (= Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Band 5). be.bra Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-89809-405-4 (Rezension, Rezension).