Sir James Spearman Winter KCMG (* 1. Januar 1845 in Lamaline, Neufundland; † 6. Oktober 1911 in Toronto) war ein kanadischer Rechtsanwalt, Richter und Politiker der Tory Party, der zwischen 1897 und 1900 Premierminister der Kronkolonie Neufundland war.

Leben Rechtsanwalt und Mitglied des Abgeordnetenhauses Winter, Sohn eines Zollbeamten, absolvierte seine Schulausbildung an der General Protestant and Church of England Academy in St. John’s und wurde 1859 Kaufmannsgehilfe, ehe er 1861 ein Studium der Rechtswissenschaften in der Anwaltskanzlei von Hugh Hoyles begann. Nach seiner anwaltlichen Zulassung gründete er 1867 eine eigene Rechtsanwaltskanzlei, die er ab 1881 in einer Partnerschaft mit Donal Morison betrieb.

Seine politische Laufbahn begann 1873, als er als Kandidat der Conservative Party von Frederick Bowker Terrington Carter im Wahlkreis Burin als Abgeordneter in das Abgeordnetenhaus von Neufundland gewählt wurde. Seine Wahl wurde maßgeblich durch den protestantischen Orange Order in Canada geprägt, in dem sich Winter als Meister der Royal Oak Loge von St. John’s engagierte. In dieser Zeit begann seine Zusammenarbeit mit William Vallance Whiteway, der seit Mitte der 1870er Jahre zum führenden Politiker Neufundlands aufstieg und von 1878 bis 1885, 1889 bis 1894 sowie 1895 bis 1897 Premierminister der Kronkolonie war. Winter selbst war 1877 und 1878 Sprecher des Abgeordnetenhauses und fungierte danach zwischen 1878 und 1885 als Großmeister des Orange Order in Neufundland und Labrador.

Winter war ein stärkerer Konservativer und weniger Visionär als zahlreiche andere in Whiteways Partei und auch seine Unterstützung war nicht bedingungslos. Obwohl er eine Eisenbahnbaupolitik billigte, kritisierte er 1881 nachhaltig den ersten Eisenbahnbauvertrag zum Bau einer Strecke von St. John’s nach Halls Bay und gehörte zu den acht Abgeordneten, die dagegen stimmten. Die meisten Gegner des Vertrages gingen in die Opposition und traten der weitgehend handelsorientierten New Party bei, die zur Opposition gegen Whiteways fortschrittliche Politik gegründet worden war. Winter dagegen blieb Mitglied der Conservative Party, nachdem ihm das Amt des Solicitor General versprochen wurde.

Solicitor General 1882 bis 1885 mini|Der dreimalige Premierminister William Whiteway war zunächst Förderer Winters, später dessen ernsthafter Gegner Nach seiner Wiederwahl zum Mitglied des Abgeordnetenhauses im Wahlkreis Burin 1882 wurde Winter von Premierminister Whiteway zum Solicitor General ernannt. Obwohl die Regierung die Wahlen mit einer komfortablen Mehrheit gewonnen hatte, ging Whiteway eine Koalition mit der fast ausschließlich aus römisch-katholischen Mitgliedern bestehenden Liberal Party ein, um den Verlust seiner zur New Party übergetretenen Unterstützer auszugleichen. Diese Allianz und die fortgesetzte Loyalität wurde durch eine Auseinandersetzung zwischen dem protestantischen Orange Order und Katholiken in Harbour Grace im Dezember 1883 auf die Probe gestellt.

Winter und Whiteway fungierten als Ankläger der Krone in den Prozessen gegen neunzehn des Mordes angeklagten Katholiken. Zwei Freisprüche erzürnten zahlreiche Protestanten, darunter Winter, und führten zu einer aus unterschiedlichen Absichten begründeten Allianz zwischen der New Party und einem 1883 gegründeten und von Alexander James Whiteford McNeily dominierten politischen Ausschusses des Orange Order. Der Schutz der Rechte von Protestanten hatte bei einigen Priorität, während andere darin in erster Linie ein Manöver zur Schwächung der Regierung von Whiteway sahen, um mit etwas Glück diese durch eine neue Regierung zu ersetzen, die sich stärker für die Bedürfnisse des Handels einsetzte. Zu dieser Zeit blieb Winter, der nach wie vor Großmeister des Orange Order in Neufundland war, Mitglied der Regierung, was zu erheblichen Spannungen innerhalb des Ordens führte.

Im Februar 1885 verbündeten sich Vertreter des Orange-Ordens und der New Party im Abgeordnetenhaus, um die Allianz zwischen Whitewayn und den katholischen Liberalen zu beenden und diese in die Opposition zu zwingen. Der nächste Schritt in dieser Strategie war die Vereinigung aller Nicht-Liberalen in einer neuen als Reform Party gegründeten protestantischen Partei unter dem Vorsitz von Winter, während Whiteway mit einer annehmbaren Funktion außerhalb der Politik abgefunden werden sollte. Nachdem Whiteway zunächst eine Zusammenarbeit abgelehnt hatte, trat Winter im Juni 1885 als Solicitor General in dessen Regierung zurück und trat auch aus der Conservative Party aus. Im Oktober 1885 willigte Whiteway schließlich doch in einen Rücktritt ein und stimmte auch einer Vereinigung seiner kleiner gewordenen Conservative Party mit der Reform Party zu. Allerdings wurde ein für beide Seiten annehmbarer Parteivorsitzender zur Bedingung gemacht, der in dem Mitglied des damaligen Oberhauses, Robert Thorburn, gefunden wurde.

Attorney General 1885 bis 1889 Wirtschaftsprobleme und Streit um Fischereirechte mini|Gegen Robert Thorburn unterlag Winter bei seinem Bemühungen 1885 Premierminister zu werden, übernahm aber in dessen Kabinett das einflussreiche Amt des Attorney General Nachdem Thorburn daraufhin Premierminister der Kronkolonie wurde, übernahm Winter das Amt des Generalstaatsanwaltes (Attorney General) in dessen Kabinett. Bei den kurz darauf im Herbst 1885 abgehaltenen Wahlen zum Abgeordnetenhaus, die von heftiger sektiererischer Rhetorik geprägt waren, wurde Winter mit Unterstützung des Orange Order im Wahlkreis Harbour Grace abermals als Abgeordneter wiedergewählt und die Reform Party in ihrer Macht bestätigt. Die bis dahin durch Vertreter des Orange Order geschürte und Anti-Whiteway-Politiker manipulierte religiös motivierte Politik trat danach in den Hintergrund, mit der Folge, dass innerhalb eines Jahres mehrere führende Katholiken der nunmehr toleranten Reform Party-Regierung beitraten, und die bisherige Liberale Partei aufgelöst wurde. Die Reformpartei konnte dadurch ihre Position ausbauen und Alternativen zu Whiteways Schwerpunkten der Eisenbahn- und innenpolitischen Entwicklung erarbeiten. Winter, der einer der erfahrensten und einflussreichsten Mitglieder der Regierung war, versäumte allerdings die Gelegenheit, zu einer der wichtigsten und dominantesten öffentlichen Persönlichkeiten der Kronkolonie zu werden.

Das zentrale Problem der Regierung Thorburn war die Versöhnung ihres eigenen Konservativismus mit dem von den Liberalen geforderten Preis für den Zusammenschluss der Parteien sowie mit den anwachsenden Ausgaben, die durch die wirtschaftliche Depression bedingt waren. Dieses führte zu einer feindlichen politischen Haltung gegenüber französischen Fischern und dem von Winter eingeführten Bait Act (Ködergesetz) an beiden Ufern der Kronkolonie sowie zum Neufundland-Ufer-Abkommen. Gleichzeitig drängte Winter das britische Kolonialministerium (Colonial Office), ihm die Erlaubnis für Verhandlungen mit den USA zu einem Gegenseitigkeitsabkommen zu geben. Daraufhin wurde eine eigene Fischereibehörde gegründet, die sich auch mit der ländlichen Entwicklung befasste. Zur gleichen Zeit unternahm die Regierung erhebliche Ausgaben bei öffentlichen Bauvorhaben, die erstmals in der Geschichte der Kronkolonie einen ausländischen Kredit notwendig machten. Zum Ende der Kreditlaufzeit wurde dieser für den Eisenbahnbau verwendet, so dass letztlich keine Alternative zur progressiven Politik der Vorgängerregierung Whiteways geboten wurde.

Gescheiterte Pläne für einen Eintritt in die Kanadische Konföderation Vielmehr wurde die Stabilität der Regierung Thorburns schwer geschädigt, nachdem Winter sich für den Versuch entschied, die Kronkolonie der Kanadischen Konföderation anzuschließen. Beeinflusst durch den Wunsch Neufundlands nach einem unabhängigen Gegenseitigkeitsabkommen mit den USA, interessierte sich die kanadische Regierung unter Premierminister John Macdonald erstmals seit den 1860er Jahren für eine Union mit Neufundland. Im Oktober 1887 besuchte der kanadische Finanzminister Charles Tupper St. John’s zu Gesprächen, die sich als unschlüssig erwiesen. Auf einer kurz darauf stattgefundenen Fischereikonferenz in Washington, D.C. hatte Tupper die Gelegenheit zu längeren Gesprächen mit Winter, der Neufundland auf dieser Konferenz vertrat. Winter kehrte im Februar 1888 nach St. John’s zurück mit einem ausgearbeiteten System für eine Union und der kanadischen Zustimmung für eine förmliche Konföderationskonferenz, wenn er dies wünschte.

Die Reformpartei war in dieser Angelegenheit jedoch so gespalten, dass trotz einer Einladung aus Ottawa keine Delegation zu Verhandlungen entsandt wurde. Letztlich verringerte die Absicht eines Eintritts in die Konföderation die Wahlerfolgsaussichten der Partei.

Wahlniederlage 1889 und Oppositionsjahre 1889 erlitt die Reform Party eine empfindliche Wahlniederlage einer neuen Liberalen Partei unter William Whiteway, der daraufhin zum zweiten Mal Premierminister der Kronkolonie wurde.

Winter, der für seine Verdienste bei der Fischereikonferenz in Washington 1888 zum Knight Commander des Order of St. Michael and St. George geschlagen wurde und fortan den Namenszusatz „Sir“ führte, kandidierte im Wahlkreis Harbour Grace abermals für ein Mandat im Abgeordnetenhaus. Trotz der vorherigen erheblichen, zum Teil unrechtmäßigen Ausgaben in diesem Bezirk erreichte er allerdings mit 604 Wählerstimmen lediglich den letzten Platz unter den Wahlkreiskandidaten und schied somit aus dem Abgeordnetenhaus aus. Das Wahlergebnis spiegelte dabei auch den Groll der örtlichen Orange-Order-Mitglieder gegenüber dem aus ihrer Sicht bestehenden Betrug am Orden durch Winter und der Regierung wider.

Gleichwohl blieb er politisch aktiv und spielte 1890 eine führende Rolle gegen den britisch-französischen Modus Vivendi bezüglich der Hummer-Fischerei an der französischen Küste. Dabei versuchte er, die Liberalen als unfähig in der Verteidigung kolonialer Interessen gegenüber einer französischen Aggression darzustellen, um für die Opposition Gründe für eine patriotische Haltung herauszustellen. Winter, Alfred Bishop Morine und Patrick J. Scott reisten nach England als „Volksdelegierte“, um Whiteway in Verlegenheit zu bringen und eine extreme Sicht der Rechte Neufundlands in diese Kontroverse zu bringen. Zu dieser Zeit gab sie in London ein Flugblatt heraus, gaben zahlreiche Interviews und trugen generell dazu bei, den Eindruck herzustellen, dass sich die Kronkolonie in einem Status virtueller Aufständigkeit befand.

Ende 1890 trat Winter als Vertreter des Klägers in dem bekannten Verfahren Baird et al. v. Walker auf. James Baird, ein Anhänger der Tories, Kaufmann und Eigentümer einer Hummer-Fabrik, die aufgrund des bestehenden Modus Vivendi geschlossen worden war, hatte den Kommodore des Marinegeschwaders von Neufundland erfolgreich wegen Hausfriedensbruchs verklagt. Der Prozesserfolg brachte zum einen die britische Regierung in Verlegenheit und trug zum anderen dazu bei, eine Krise innerhalb der Regierung Whiteway anzustoßen.