Das Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet, besitzt mit über 250.000 Objekten eine der größten kunst-, kultur- und regionalgeschichtlichen Sammlungen im Land Brandenburg. Der Bestand spiegelt dabei das bürgerliche Engagement und die Sammelleidenschaft der Gründerjahre wider. Die vielfältigen Sammlungen umfassen kulturhistorische und militärhistorische Bereiche ebenso wie Werke künstlerischen Schaffens.

Parallel zur ständigen Ausstellung werden Sonderausstellungen zur Stadt-, Kunst- und Kulturgeschichte gezeigt, sowie Veranstaltungen und Diskussionsreihen zu aktuellen Themen in der Stadt durchgeführt. Nach mehrfachen Umzügen erfolgte 2012 die Neuaufstellung und Neuausrichtung des Museums im Alten Rathaus am Alten Markt, seinem Gründungsort. Seit 2023 ist Thomas Steller Direktor des Potsdam Museums.

Geschichte Von der Gründung bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Am 20. April 1909 gründeten Bürger der Stadt den Museumsverein in Potsdam. Laut Satzung war sein Ziel, ein städtisches Museum zu errichten. Vorausgegangen waren Schenkungen Potsdamer Bürger an die Stadt: bis 1909 wurden 485 Stück „patriotische Gegenstände“ gesammelt.Peter Herrmann, Thomas Wernicke: Zur Geschichte des Städtischen Museums zu Potsdam (1909–1946), S. 9. Im gleichen Jahr erging ein Aufruf an die Einwohner der Stadt, für eine erste Ausstattung des künftigen Museums zu spenden. Der Spendenertrag von 15.000 Mark war eine Grundlage für die erste Ausstellung im Nordflügel des Rathauses am Alten Markt. Die folgenden Ausstellungen und die dem Museum übereigneten Sammlungen ließen bereits kurz nach der Gründung die Raumnot erkennen. So beschloss der Magistrat im Jahr 1910, dem Städtischen Museum eine Etage im Gebäude Brauerstraße 8 für Ausstellungen zur Verfügung zu stellen.Peter Herrmann, Thomas Wernicke: Zur Geschichte des Städtischen Museums zu Potsdam (1909–1946), S. 11. Die Jahre bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs waren durch wichtige Erwerbungen für das Museum (z. B. 800 Messbilder aus der Königlichen Messbildanstalt) und eine vielfältige Ausstellungstätigkeit gekennzeichnet. Ab 1914 verschlechterte sich die finanzielle Situation des Museumsvereins zunehmend. Im Jahr 1917 übernahm die Stadt Potsdam die Sammlungen und bildete eine städtische Museumsabteilung, die für die Finanzen des Museums zuständig war. Für die fachliche und organisatorische Seite blieb der Museumsverein verantwortlich. Von 1914 bis 1918 war der Maler und Sammler Fritz Rumpf ehrenamtlicher Museumsdirektor.Jutta Götzmann: Fritz Rumpf (1856-1927). Kunstmaler, Sammler und Museumsgründer, S. 47.

Von 1918 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Die Wiedereröffnung des Stadtmuseums erfolgte im Jahr 1920. Nach Umbauten konnte am 19. Mai 1923 im ehemaligen Marstall das Potsdamer Garnisonmuseum eröffnet werden. Nach der Wirtschaftskrise bezog im Jahr 1926 die kulturgeschichtliche Abteilung neue Räume im Gebäude Am Neuen Markt 6. Eine rege Ausstellungstätigkeit ist belegt.Thomas Wernicke: Chronik des Museums (1909-1948), S. 79 ff. Zum Beginn der 1930er Jahre verfügte das Stadtmuseum über fünf Abteilungen.Peter Herrmann, Thomas Wernicke: Zur Geschichte des Städtischen Museums zu Potsdam (1909-1946), S. 16.: Kulturhistorische Abteilung (Am Neuen Markt 6) Prähistorische Sammlung (Turmzimmer des Rathauses) Naturgeschichtliche Abteilung (Stadtschloss) Garnisonmuseum (Marstall) Städtische Gemäldesammlung (Marstall)

Von 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Während des Zweiten Weltkriegs wurden Museumsbestände schrittweise ausgelagert. Orte der Auslagerung waren z. B. die ehemalige Hagensche Villa in Potsdam, das Schloss Paretz und das Schloss Wartenburg/Elbe bei Wittenberg. Während des britischen Bombenangriffs am 14. April 1945 verlor das Museum neben einem großen Teil der Sammlungen nahezu alle Inventare, so dass es nicht möglich war, eine genaue Verlustliste zu erstellen.

Von 1945 bis in die Gegenwart miniatur|Potsdam Museum im Holländischen Viertel 2011

Bereits im Mai 1945, kurz nach Kriegsende, wurde mit den ersten Bergungsarbeiten in den Trümmern begonnen.Peter Herrmann, Thomas Wernicke: Zur Geschichte des Städtischen Museums zu Potsdam (1909–1946). S. 17.

Die Verwaltung wählte 1946 den Ehemaliger Leibreitstall als Haus zur Unterbringung und Ausstellung der noch verfügbaren Bestände. Unter großen Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung konnte am 16. Oktober 1946 das Potsdamer Heimatmuseum in diesem Gebäude eröffnet werden. In den folgenden Jahren war das städtische Museum an wechselnden Standorten in Potsdam untergebracht. Die Hiller-Brandtschen Häuser waren zeitweilig Ausstellungsort des Museums, ein Haus im Holländischen Viertel (Nr. 3) und das Museumshaus Im Güldenen Arm in der Hermann-Elflein-Straße 3. Das Museum konnte nach der DDR weitergeführt werden. So sind im Museumshaus Im güldenen Arm nun auch weiterhin Sammlungen untergebracht, die vom Brandenburgischen Kulturbund e. V. betreut werden.

Im Jahr 2004 wurde der Förderverein des Potsdam-Museums e. V. gegründet, um das Museum finanziell und ideell zu unterstützen.

Im April 2008 fiel der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zur Neuaufstellung des Potsdam Museums am Alten Markt.Jutta Götzmann, Markus Wicke: Neuzugänge und Neupositionierung. S. 222. Unter Leitung der Gründungsdirektorin Jutta Götzmann zog das Museum im August 2012 mit der Eröffnung der Ausstellung Friedrich und Potsdam – die Erfindung (s)einer Stadt zurück an seinen angestammten Ort ins Alte Rathaus.Im Auftrag der Landeshauptstadt Potsdam, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Jutta Götzmann (Hrsg.): Friedrich und Potsdam – Die Erfindung (s)einer Stadt. München 2012. Ein Jahr später wurde die stadtgeschichtliche Dauerausstellung Potsdam – eine Stadt macht Geschichte eröffnet. Seit Oktober 2023 ist Thomas Steller Direktor des Museums.https://www.potsdam-museum.de/de/artikel/dr-thomas-steller-im-interview

Sammlungen In seiner über 100-jährigen Geschichte hat das Potsdam Museum eine der umfangreichsten regionalgeschichtlichen Sammlungen aufgebaut. Ebenso wie die Militaria- und die Fotosammlung besitzt auch die Kunstsammlung überregionale Bedeutung.

Bildende Kunst Die Bereiche Malerei, Grafik und Plastik vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart umfassen knapp 13.500 Objekte.

Zur historischen Gemäldesammlung gehören Veduten der Stadt Potsdam und Porträts ihrer Bürger. Die Sammlung Grafik-Topografie des Potsdam Museums umfasst Ansichten der Stadt seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert. Zu den frühesten Veduten gehören Kupferstiche und Radierungen von Jean Baptiste Broebes, Johann David Schleuen d. Ä. und Andreas Ludwig Krüger, die das Baugeschehen um das Stadtschloss und rund um den Alten Markt künstlerisch dokumentierten. Handzeichnungen von Architekten des 19. Jahrhunderts belegen den Bauboom zur Zeit der Könige Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Wilhelm IV.

Einen weiteren thematischen Schwerpunkt der Sammlung bildet die Landschaftsmalerei. Ein erster großer künstlerischer Nachlass konnte 1918 von den Erben des Malers Carl Gustav Wegener erworben werden.Jutta Götzmann: Von Potsdam über Rom nach Neapel. Carl Gustav Wegener und sein besonderer Blick auf die Landschaft. In: Carl Blechen und Carl Gustav Wegener im Dialog – Romantik und Realismus in der Landschaftsmalerei. S. 21. Arbeiten u. a. von Eduard Freyhoff, C.G. Gemeinert und Wilhelm Barth folgten.

Mit der Gründung der städtischen Gemäldesammlung im Marstall im Jahr 1930 wurden zeitgenössische regionale Künstler in die Sammlung aufgenommen, darunter Karl Hagemeister, Heinrich Basedow d. J. und Philipp Franck. In den 1960er und 1970er Jahren erwarb das Museum Künstlernachlässe und -bestände der Potsdamer Maler Otto Heinrich, Hans Klohss und Siegward Sprotte.Jutta Götzmann und Thomas Gädeke im Auftrag des Potsdam Museums – Forum für Kunst und Geschichte und des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf (Hrsg.): Die Welt farbig sehen – Siegward Sprotte Retrospektive. Seeing the World in Colour – Siegward Sprotte Retrospective. Bönen 2013.

1976 wurde die „Galerie Sozialistische Kunst“ (GSK) als Abteilung des Bezirksmuseums gegründet. Mit etwa 5200 Werken der Malerei, Grafik und Plastik – sowie in geringem Umfang der Fotografie und Gebrauchsgrafik – bildet sie im heutigen Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte den größten Bestandteil der Kunstsammlung nach 1945.Jutta Götzmann: Rückzugsorte und Experimentierflächen. Künstlerische Denk- und Freiräume in der Galerie Sozialistische Kunst. In: Stadt-Bild/Kunst-Raum. Entwürfe der Stadt in Werken von Potsdamer und Ost-Berliner Künstlerinnen und Künstlern (1949–1990). S. 25.

Die Sammlung Bildende Kunst wird in die Gegenwart fortgesetzt. Den Auftakt bildete das Gemälde „Brocken V“ von Bernd Krenkel über Saskia und Andreas Hüneke vom Potsdamer Kunstverein e. V. In den letzten Jahren wurden Arbeiten von Claudia Berg, Christoph Bouet, Frank Gottemeier, Barbara Raetsch, Peter Rohn, Stefan Pietryga, Ulla Walter und Anna Werkmeister erworben. Große Grafikserien erreichten das Potsdam Museum über Schenkungen von Gernot Ernst und Christian Heinze.

Künstlerische und baugebundene Plastik bildet einen weiteren Bereich der Sammlung Bildende Kunst. Zwischen 1945 und 1970 wurden Spolien zum Abriss freigegebener Bürgerhäuser und Kirchen in der Stadtmitte von Museumsmitarbeitern geborgen. Hier sind vor allem bauplastische Teile der Garnison- und der Heiliggeistkirche zu erwähnen. Zur künstlerischen Skulptur gehören darüber hinaus religiöse Bildwerke aus Brandenburger Kirchen sowie Porträtbüsten der preußischen Könige und ihrer Architekten.

Fotografische Sammlung Die Fotografische Sammlung umfasst derzeit circa 100.000 Motive zur städtebaulichen, politischen und kulturellen Geschichte der Stadt Potsdam und ihrer Umgebung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.

mini|hochkant|Städtische Lichtbildstelle Potsdam, Schillerplatz, 1937, Gelatinetrockenplatte, Potsdam Museum

Ein besonders wichtiger Sammlungs- und Forschungsschwerpunkt liegt auf der Architektur- und Stadtfotografie. Weitere thematische Schwerpunkte bilden Porträt- und Landschaftsaufnahmen, Ereignis- und Alltagsdarstellungen, fotojournalistische Arbeiten sowie verstärkt auch künstlerische Fotografie.Landeshauptstadt Potsdam, Der Oberbürgermeister (Hrsg.): Auslöser Potsdam. Photographen und ihre Bilder. Potsdam. Von 1850 bis heute. Potsdam 2006.

Neben der Abbildung der topografischen und sozialen Geschichte der Stadt erforscht diese Abteilung die Potsdamer Fotografiegeschichte. Der Bestand umfasst daher exemplarisch das Spektrum fotografischer Arbeiten von den frühesten Potsdamer Atelierfotografen (beispielsweise Hermann Selle, Atelier Selle & Kuntze und Ernst Eichgrün) über namhafte Potsdam-Fotografen wie Max Baur bis hin zu Potsdamer und Berliner Gegenwartsfotografen (z. B. Frank Gaudlitz, Göran Gnaudschun und Manfred Hamm). In die Sammlung integriert sind z. T. umfangreiche Konvolute professioneller Potsdamer Lichtbildner und Amateurfotografen sowie auch Bildbestände der in den 1930/1940er Jahren der Städtischen Bauverwaltung angegliederten Lichtbildstelle.

Militaria