miniatur|Felix Kolmer, hier abgebildet als Abiturient im Jahr 1940 Felix Kolmer (geboren 3. Mai 1922 in Prag; gestorben 5. August 2022 ebenda) war ein tschechischer Physiker und Holocaustüberlebender.

Leben Kolmers Vater, ein Kaufmann für Elektrotechnik in Prag und während des Ersten Weltkrieges Mitglied der Tschechoslowakischen Legionen in Italien, verstarb bereits 1932, Kolmers Mutter starb 1941 als Häftling im Ghetto Theresienstadt. Die Zerschlagung der Tschechoslowakei durch das Deutsche Reich im März 1939 brachte eine Wende in Kolmers Leben. Die Kolmers verloren ihre Wohnung und mussten zur Großmutter ziehen. Im Juni 1940 machte er sein AbiturThe Faces of Resistance: Felix Kolmer (* 1922), bei der Václav-Havel-Bibliothek (englisch), danach war ihm als Juden das Studium verwehrt. Er fand eine Lehrstelle als Tischler.Prof. Ing., DrSc. Felix Kolmer (1922) – Lebenslauf, bei Memory of Nations 1941 wurde er für das Aufbaukommando zwangsverpflichtet, das in Theresienstadt das Ghetto einrichten sollte. Er wurde Mitglied einer Widerstandsorganisation unter den Häftlingen. Im Oktober 1944 wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Seine Befreiung erlebte er im KZ Friedland, einem Außenlager des KZ Groß-Rosen.

Nach dem Krieg studierte Kolmer Physik und wurde auf dem Gebiet der Akustik promoviert. Er war ab 1949 Mitarbeiter und später Direktor des Instituts für experimentelle Akustik, Optik und Drucktechnik, wo er als Autor bzw. Co-Autor 200 Zeitschriftenbeiträge und Aufsätze veröffentlichteTo live is forbidden, bei KAM po Česku. Er war auch als Assistent und Dozent an der Technischen Universität Prag beschäftigt und war Mitglied verschiedener internationaler akustischer Gesellschaften. Von 1982 bis 2017 (also bis zum Alter von 95 Jahren) lehrte Kolmer als Professor der Abteilung für Tontechnik an der Film- und Fernsehfakultät der Akademie der Musischen Künste (FAMU).Nie vom Hass vergiftet. Der tschechisch-jüdische Auschwitzüberlebende Felix Kolmer ist tot, Antifa, 4. September 2022

Kolmer engagierte sich in Wiedergutmachungsfragen für die Holocaustüberlebenden in der Tschechoslowakei. Er war u. a. Vorsitzender des Bundesverbandes Information und Beratung für NS-Verfolgte e. V., stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Prag und Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees.

Schriften mit Z. Faiman, B. Klimeš, J. Ledrer, J.B. Slavík, J. Tichý: Problematika zvukové pohltivosti materiálů – Určeno pro posluchače fak. elektrotechn. inženýrství. Prag : SNTL, 1957. mit Jaroslav Kyncl: Prostorová akustika : Vysokošk. příručka pro vys. školy techn. směru. Prag : SNTL, 1982.

Literatur Ján Rakytka: Leben verboten – die Geschichte eines Überlebenden des Holocaust, der an den Entschädigungsverhandlungen teilnahm. Hrsg. vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Übers. ins Dt. von Andreas Weber. Prag : Dt.-Tschech. Zukunftsfonds, 2001 (1999)

Weblinks

In: Theresienstadt Lexikon.

Einzelnachweise

Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Physiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Tschechische Technische Universität Prag) Kategorie:Häftling im KZ Groß-Rosen Kategorie:Häftling im KZ Auschwitz Kategorie:Häftling im Ghetto Theresienstadt Kategorie:Überlebender des Holocaust Kategorie:Person des Judentums (Tschechien) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Sächsischen Verdienstordens Kategorie:Hundertjähriger Kategorie:Tscheche Kategorie:Tschechoslowake Kategorie:Geboren 1922 Kategorie:Gestorben 2022 Kategorie:Mann