Die Waltham Manufacturing Company ist ein ehemaliger US-amerikanischer Hersteller von Fahrrädern und Automobilen der Marken Orient, Waltham und Waltham Orient. Das Unternehmen wurde 1908 von C. H. Metz übernommen und 1909 zu Metz Company umbenannt bzw. reorganisiert.
Zum Waltham Steam Dampfwagen der Waltham Automobile Company gibt es eine indirekte Verbindung, der von der American Waltham Manufacturing Company hergestellte American Waltham hat hingegen keinen Bezug zu diesem Unternehmen.
Das Unternehmen ist nicht zu verwechseln mit der bekannten Waltham Watch Company.
Charles Herman Metz (1863–1937) war ein erfolgreicher Radsportler (New Yorker Staatsmeister auf dem Hochrad 1885) und entwarf danach Fahrräder für die Union Cycle Manufacturing Company in Highlandsville (Massachusetts), dem heutigen Newton Highlands.,Holbrook (1986), S. 69.Kimes (1985), S. 1463.Waltham Museum: Metz Collection: Inventory einem Nachbarort von Waltham (Massachusetts).
Orient Fahrräder mini|Orient Combination Tandem (1899) Gemeinsam mit seinen Partnern Prof. Herbert L. Thompson, Elmer G. Howe, Frank L. Howe und möglicherweise William ParrotParrot wird nur in Holbrooks Arbeit erwähnt (S. 69) gründete er 1893 die Waltham Manufacturing Company.
Das Unternehmen wurde nach dem Recht des Bundesstaats Maine eingerichtet,barthworks.com: 1881 Ordinary Otto Bicycle hatte aber seinen Sitz an der Rumford Avenue in Waltham (Massachusetts). Hergestellt wurden Fahrräder unter dem Markennamen Orient. Metz war der Geschäftsführer des Unternehmens. Der Markenname ist möglicherweise auf die Orient Fire Insurance Company zurückzuführen, für die er Versicherungen verkaufte.historicwaltham.org: Essays / Isabella Perruzzi / Charles Metz Die Produktion lief 1894 an.Waltham Museum: History (Zeitschiene)
John Robbins erhielt die Position des Werkleiters. Das Unternehmen verließ sich auch auf die Erfahrung von Charles Metz als Konstrukteur. Um Orient-Fahrräder bekannter zu machen, gründete das Unternehmen ein erfolgreiches Werks-Rennteam. Mit einem Gewicht von 20 lbs (ca. 9,1 kg),Holbrook (1986), S. 71. einem noch heute guten Wert, galten Orient-Rennräder damals zu Recht als besonders leicht.Holbrook (1986), S. 13. Als Modell Mile-A-Minute gelangten sie auch in den freien Verkauf.
Charles Metz Beitrag dazu war eine leichtere und dabei stabilere Vorderradgabel.Holbrook (1986), S. 70. Ein schwerer Unfall mit zwei Todesopfern anlässlich eines Fahrradrennens im Waltham Bicycle Park 1894 brachte Metz dazu, einen verbesserten Kettenantrieb einzuführen. Außerdem wurden ab etwa 1896 Spezialitäten wie Tandems und Mehrsitzer hergestellt, mit denen Rennfahrer für Steherrennen üben konnten; diese waren zeitweise auch als Freizeitgeräte populär.urbansimplicity.com (Blog): More Interesting Bikes Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die "Sicherheits-Fahrräder" mit kleineren und gleich großen Rädern vorn und hinten gegen das Hochrad weitgehend durchgesetzt. Je ein Ori-Six Sechs- und Ori-Ten-Zehnsitzer sind erhalten und im Waltham Museum resp. Henry Ford Museum in Dearborn ausgestellt.
Die Orient-Rennräder hießen zeitweilig Minuteman. Ob das eine Marke oder eine Baureihe war, ist unklar. Das Orient Fahrrad war nicht billig und trotzdem vergleichsweise erfolgreich. 1896 entstanden bereits ca. 15.000 Stück. Zu dieser Zeit baute die American Bicycle Company (A.B.C.) des Colonel Pope allerdings bereits eine runde Million Columbia-Fahrräder jährlich.
Die Waltham Manufacturing Company ist einer von vielen Automobilherstellern in den USA, deren Wurzeln ganz oder teilweise im Fahrradbau liegen; andere sind die American Bicycle Company des Col. Albert Augustus Pope, die Gebrüder Duesenberg, die Gebrüder Duryea, das Rambler-Fahrrad der Thomas B. Jeffery Company, das Pierce der Geo. N. Pierce Company, das Buffalo der E. R. Thomas Company, das Willys des John North Willys (Willys-Overland Company) oder das Fahrrad des Pioniers Alexander Winton. Das Demorest-Fahrrad stand am Anfang des Motorenherstellers Lycoming.
Motorräder mini|De Dion-Bouton Tricycle in der Version mit 240-cm³-Einzylindermotor (1899) mini|De Dion-Bouton Quadricycle mit Einzylindermotor (1900) Das erste, mit Dampf betriebene Motorrad in den USA wird Sylvester H. Roper (1823–1896) zugeschrieben. Nachweislich war das zweite Roper-Modell von 1894 fahrbereit; Roper starb 1896 bei Fahrversuchen.The Art Of The Motorcycle. Guggenheim Museum, Las Vegas, ISBN 0-89207-207-5, S. 399.
1895 kaufte Metz einen der neuen, schnell laufenden De-Dion-Bouton-Motoren. Das waren Einzylinder-Viertaktmotoren mit 185 cm³ und ½ PS (368 W).
Gegen Ende der 1890er Jahre begann Metz, die Einzylindermotoren der Ateliers de Construction Mécanique l’Aster aus Saint-Denis (Frankreich) zu importieren. Dieses fertigte den ersten De Dion-Bouton Einzylinder in Lizenz mit 138 cm³ und ebenfalls ½ PS.
Im Frühjahr 1899 hatte das Unternehmen zudem mit De Dion-Bouton selbst einen Vertrag über den USA-weiten Alleinimport von De-Dion-Bouton-Motordreirädern und Quadricycles abgeschlossen und bezog auch von dort Motoren, für die das Werk in Puteaux bei Paris weltweiter Marktführer war.
Experimental-Motorrad 1898 begann Metz mit einem motorgetriebenen Fahrrad zu experimentieren. 1899 hatte er den gebürtigen Franzosen Albert Champion (1878–1927) ins Land geholt. Dieser beteiligte sich während seiner Anstellung bei Waltham Manufacturing an der Entwicklung des Orient-Aster, welche getrennt von der Fahrradproduktion im Waltham-Werk an der Seyon Street erfolgte.
Dazu gibt es allerdings widersprüchliche Angaben. Gemäß den meisten Quellen wurde das Orient Motorrad 1898 als eine Art Prototyp fertiggestellt. Zumindest dieses Exemplar wird auch Orient Motor Pacer oder Orient Tandem Pacer genanntstatnekov.com: Motorcycles Chapter 1 und benötigte zwei Personen zum Betrieb: Eine lenkte, die andere bediente den Einzylindermotor mit ½ PS Leistung. Die meisten Quellen nennen 1899 als Ankunftsjahr Champions in den USA; demnach könnte er an der Vorbereitung der Serienproduktion mitgewirkt haben. Gestützt wird dies durch die Tatsache, dass Champion zuletzt in Frankreich am Fahrrad-Rennen Paris–Roubaix 1899 teilnahm (das er gewann).
Serienbau Metz präsentierte sein Motorrad am 31. Juli 1900 erstmals der Öffentlichkeit. Anlass war eine Vorführung im Charles River Race Park in Boston (Massachusetts), wo Champion 5 Meilen (8,045 km) in etwas über 7 Minuten zurücklegte. Diese Veranstaltung gilt als erster belegter Motorrad-Sportanlass in den USA.Jerry Hatfield: Standard Catalog of American Motorcycles 1898–1981. Krause Publications, 2006, ISBN 0-89689-949-7, S. 399.theworldofmotorcycles.com: Antique Motorcycles: Charles Metz & Waltham Mfg.
Um 1900 hatte Waltham Manufacturing zwei Motorräder im Angebot: den genannten Orient Light Roadster mit 240 cm³ De Dion-Bouton-Motor und 2¾ PS (2 kW) und das kleinere Orient-Aster mit dem Motor von Aster und ½ PS aus 138 cm³ Hubraum. Letzteres wurde bis 1904 oder 1905 gebaut und war mit US$ 250 relativ teuer.theworldofmotorcycles.com: Orient Light Roadster Motorcycle (1900) Bei beiden Versionen war der Motor hoch im Rahmen eingebaut, was nicht nur die Gewichtsverteilung verbesserte, sondern dem Fahrer zudem erlaubte, während der Fahrt den Vergaser zu justieren.
Charles Metz gilt auch als „Erfinder“ des Begriffs motor cycle, englisch für Motorrad. Er verwendete ihn erstmals 1899 in einer Anzeige für sein Orient-Aster Motorrad.theworldofmotorcycles.com: Vintage Motorcycle Marsh-Metz
Champion wurde einer der ersten Motorrad-Werksfahrer in den USA. Später entwickelte er eine verbesserte Zündkerze und gründete 1905 ein Unternehmen zu dessen Herstellung und Verkauf. Aus seiner Champion Ignition Company wurde 1927 die AC Delco Division von General Motors.Waltham Museum: Waltham Hall of Fame / Inventors
Wer war Erster? mini|Thomas Autobi (1900) Zwar wird meist die Thomas von 1900 als das erste kommerziell hergestellte Motorrad der USA genannt; Nicht ganz klar ist jedoch, wann Waltham Manufacturing die Serienfertigung seines Orient-Aster aufnahm: Bereits 1899, wie eine Anzeige des Herstellers und manche Quellenmotorcycle.com: Motorcycle history Part 2 nahelegen oder, gemäß anderen, kurz nach dem Bostoner Rennen, also frühestens im August 1900. Je nach dem, wäre die Orient zuerst auf dem Markt gewesen...
Auf jeden Fall war Waltham Manufacturing innovativ und baute eines der frühesten Motorräder mit Ottomotor in den USA. Sie ist wohl auch die erste in größerer Stückzahl hergestellte Maschine. Waltham Manufacturing wird gelegentlich als erste Motorradfabrik in den USA genannt.
Das erste organisierte Motorradrennen an der Westküste fand im Mai 1901 auf einer Pferderennbahn in Los Angeles (Kalifornien) statt. Vier Teilnehmer mussten den Rundkurs über eine Meile (1,609 km) zehn Mal zurücklegen. Sieger wurde Ralph Hamlin auf Orient mit einer Zeit von 18½ Minuten. Mit einem Durchschnitt von 31 mph (49,89 km/h) gewann eine Orient auch das erste offizielle Straßenrennen für Motorräder in den USA, das im Mai 1902 zwischen Irvington (New Jersey) und Milburn (New York) durchgeführt wurde. Die Distanz betrug 10 Meilen (16,09 km).
Motorenbau mini|Der von Charles H. Metz entworfene Motorradmotor Metz war vorausschauend genug, dass er einen eigenen Motorenbau in Erwägung zog. Ausgehend von der De-Dion-Bouton-Konstruktion, und mit der Unterstützung von Albert Champion, erschienen zunächst Motorradmotoren, die auch an andere Motorradbauer verkauft wurden. Metz richtete dazu auch eine eigene Gießerei ein. Ab 1902 wurden auch größere Einzylinder gebaut, gefolgt von Vierzylindern mit 16 und 20 PS (12 und 15 kW) ab etwa Ende 1904 und einem Zweizylinder-V-Motor mit 8 PS (6 kW) ab 1906; dieser war als Option für die Buckboard-Modelle erhältlich, die alle serienmäßig mit einem halb so starken Einzylindermotor ausgeliefert wurden.Holbrook (1986), S. 77.
Orient Autogo und Quad mini|Das Orient Autogo, hier mit optionalem Personenanhänger, war ein Lizenznachbau des oben abgebildeten De-Dion-Bouton Tricycles (1899) Tricycles und Quadricycles sind drei- resp. vierrädrige Fahrzeuge, welche ähnlich wie ein Motorrad aufgebaut sind. Dem Fahrer stehen Sattel und Lenker zur Verfügung; der Motor ist hinten angebracht.
Die Produktion eigener Tricycles und Quadricycles unter der Bezeichnung Orient Autogo und Autogo Quad erfolgte kurz nach der Einführung der Motorräder. Wahlweise waren jeweils der 3-PS-Aster-Motor oder der 5-PS-De Dion-Bouton-Motor erhältlich. Letzteres Unternehmen stellte das wohl bekannteste Motordreirad her und war wahrscheinlich auch Lizenzgeberin für die Rahmenkonstruktion des Orient Autogo, welches in der eigenen Literatur als "Automobil" bezeichnet wurde. Ende 1901 lief diese Produktion aus.
Von 1897 bis 1901, Lizenznehmer und Kopien wie das Autogo nicht mitberechnet, verkaufte Marktführer De Dion-Bouton allein etwa 15.000 Motordreiräder.Holbrook (1986), S. 74.
Automobilbau Tinker & Piper Dampfwagen
Der Automobilbau begann bei Waltham Manufacturing auf Umwegen. Zwei Mitarbeiter, George M. Tinker und John W. Piper, erhielten von Metz die Erlaubnis, in einer abseits gelegenen Ecke des Werks an der Seyon Street einen Dampfwagen zu bauen. Zwei weitere folgten. Mit der Ermutigung von Charles Metz verließen Tinker und Piper das Unternehmen Anfang 1900 und gründeten im Ort die Waltham Automobile Company, welche noch bis 1902 oder 1903 leichte Dampfautos herstellte.Waltham Museum: The Waltham Steam Cars of Piper and Tinker
Orient Electric