mini|Außenstelle der libyschen Botschaft, Beethovenallee 12a (2014) Die Botschaft von Libyen in der Bundesrepublik Deutschland hatte von 1976/77 bis 2001 ihren Sitz im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg. Das ehemalige Kanzleigebäude der Botschaft befindet sich im Ortsteil Godesberg-Villenviertel an der Beethovenallee (Hausnummer 12a) und war von 2013/14 bis 2018 wieder Standort einer Außenstelle der Botschaft.

Geschichte Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland am 5. Juni 1961 eröffnete das Königreich Libyen zum 15. September des Jahres eine Botschaft am Regierungssitz Bonn, die die zuvor für das Land von der Königlich Britischen Botschaft und den Britischen Konsulaten ausgeübten konsularischen Funktionen übernahm.Tobias C. Bringmann: Handbuch der Diplomatie 1815–1963: auswärtige Missionschefs in Deutschland und deutsche Missionschefs im Ausland von Metternich bis Adenauer, Saur, München 2001, ISBN 978-3-598-11431-1, S. 252.Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Deutscher Bundes-Verlag, 1961, S. 1944. Die Kanzlei der Botschaft war zunächst an der Koblenzer Straße 115 (heute Adenauerallee) am Nordrand des Parlaments- und Regierungsviertels in Bonn beheimatet. Die Residenz der Botschaft, Wohnsitz des Botschafters, befand sich anfänglich im Ortsteil Venusberg (Waldauweg 11); sie wurde bereits bis 1964 nach Beuel ans Rheinufer (Uferstraße 17, heute Rheinaustraße) und bis 1966 nach Bad Godesberg (Arndtstraße 14, heute Am Arndtplatz) verlegt.Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: März 1962, Januar 1964, Juni 1966) Die Botschaftskanzlei zog 1966 in die Bonner Südstadt (Argelanderstraße 1) um. Als Residenz der Botschaft diente ab 1969 ein Anwesen im Bonner Ortsteil Gronau (Sträßchensweg 30), ab 1975 eines im Bad Godesberger Ortsteil Schweinheim (Belderbuschstraße 1).Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: Juni 1969)Der Spiegel, Band 28, Ausgaben 10–18, R. Augstein, 1974, S. 52.Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: April 1975, September 1975) 1976Michael Wenzel: Kleine Geschichte(n) Bad Godesberger Botschaften, Bonn, 2. Auflage 2011, S. 78. erwarb Libyen das nach Plänen des Bonner Architekten Edward Piotrowski (1919–2014)Karl Garbe (Hrsg.): Bonner Bilderbuch: Ein farbiges Kaleidoskop der Bundeshauptstadt. Junger Verlag, Bonn 1984, S. 207. errichtete vierstöckige Gebäude Beethovenallee 12a in Bad Godesberg, dem seinerzeitigen Schwerpunkt der diplomatischen Vertretungen, und verlegte seine Botschaftskanzlei bis zum darauffolgenden Jahr dorthin.Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in Bonn (Stand: Juni 1977) Von der libyschen Botschaft aus wurden seinerzeit auch Moscheen im Bundesgebiet betreut und finanziell unterstützt.Tim Szatkowski: Gaddafis Libyen und die Bundesrepublik Deutschland 1969 bis 1982. In: Zeitgeschichte im Gespräch, Band 15, Oldenbourg Verlag, 2013, ISBN 978-3-486-71870-6, S. 33.

Nach Einführung einer neuen Verfassung und Deklaration der Sozialistischen Arabischen Volksrepublik (1977) wurde die Botschaft in Bonn gemeinsam mit anderen libyschen Botschaften am 1. September 1979 bezugnehmend auf die Staatsdoktrin der direkten Demokratie in „Volksbüro“ umbenannt und anstelle des Botschafters mit einem sechsköpfigen – in Bonn tatsächlich fünfköpfigen – „Volkskomitee“ besetzt, dessen einzelne Mitglieder für bestimmte Bereiche zuständig waren und von den libyschen Staatsbürgern in der Bundesrepublik gewählt wurden.konkret, Neuer Konkret Verlag, 1979, S. 24.Ingrid Schnurbusch: Libyen im Fadenkreuz: 25 Jahre Gaddafi, Bouvier, 1994, ISBN 978-3-416-02503-4, S. 99. Als Geschäftsträger a. i. fungierte ein als Sekretär des Volkskomitees im Volksbüro bezeichnetes Mitglied. Die Residenz im Ortsteil Schweinheim (Belderbuschstraße 1) diente nun als Wohnhaus dieses Sekretärs.Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in Bonn (Stand: November 1980)Libyer leben in Angst vor Gadhafis Häschern, General-Anzeiger, 6. April 1985, Stadtausgabe Bonn, S. 3Streunende Hunde, Der Spiegel, 3. Januar 1983 Am 13. November 1982 soll es dort während eines Treffens des libyschen Studentenverbandes zu einer Folterung zweier Studenten durch die Mitglieder des Volkskomitees gekommen sein, um ein Geständnis zu erpressen oder die Namen im Ausland lebender oppositioneller Libyer zu erfahren. Entsprechende staatsanwaltschaftliche Ermittlungen begannen im Dezember 1983.Internationales Afrika Forum, Bände 19–20, Europäisches Institut für Politische, Wirtschaftliche und Soziale Fragen, 1983, S. 19.IPRAS Zaidi participates in torturing libyan students in Bonn, Nov. 82, YouTube Am 9. April 1986 wies die Bundesregierung auf Wunsch der USA nach dem Bombenanschlag auf die Diskothek La Belle in Berlin zwei Angehörige des libyschen Volksbüros aus.Wolf-Rüdiger Baumann: Die Fischer Chronik Deutschland 1949–1999. In: Fischer Taschenbücher Allgemeine Reihe, Fischer Taschenbuch, 1999, ISBN 978-3-596-14245-3, S. 518. Das Volksbüro in Bonn galt seinerzeit als ein Ausgangspunkt des internationalen Terrorismus.Eine Grundstimmung der Angst, Der Spiegel, 21. April 1986 Libyen verfügte in Bonn auch über ein der Botschaft unterstehendes Gesundheitsbüro im Ortsteil Gronau (Sträßchensweg 20).Peter Niggl: Libyen im Fadenkreuz, Teil II, 1996

Infolge der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin (1999) zog das libysche Volksbüro im Dezember 2001Kerstin Englert, Jürgen Tietz (Hrsg.): Botschaften in Berlin, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-7861-2472-8, S. 161. dorthin um. Im vormaligen Botschaftsgebäude in Bonn wurde daraufhin ein Generalkonsulat mit dem Konsularbezirk Nordrhein-Westfalen belassen, das Anfang 2007Michael Wenzel: Kleine Geschichte(n) Bad Godesberger Botschaften, Bonn, 2. Auflage 2011, S. 24., businesstravel.de geschlossen wurde.Bek. d. Ministerpräsidenten – III A 2 – 02.36 - 2/09 v. 2.12.2009: Schließung des Generalkonsulats der Sozialistischen Libysch-Arabischen Volks-Dschamahirija in Bonn, Ministerialblatt (MBl. NRW.) – Ausgabe 2009 Nr. 34 vom 30. Dezember 2009, S. 606 Es folgte ein mehrjähriger Leerstand des Gebäudes, bis dort 2013/14 wieder eine Außenstelle der Botschaft eingerichtet wurde, die aus einem Gesundheitsbüro – mit der Aufgabe der Betreuung libyscher Staatsbürger, die sich in Deutschland einer medizinischen Behandlung unterziehen lassen möchten – bestand und zuletzt mit einem Beigeordneten Attaché besetzt war (Stand: September 2018).Liste der diplomatischen Vertretungen und anderer Vertretungen in der Bundesrepublik Deutschland (PDF; 418 KB) (Stand: 19. September 2018), Auswärtiges Amt Im September/Oktober 2018 wurde die Außenstelle geschlossen.Liste der diplomatischen Vertretungen und anderer Vertretungen in der Bundesrepublik Deutschland (PDF; 418 KB) (Stand: 19. September 2018), Auswärtiges AmtListe der diplomatischen Vertretungen und anderer Vertretungen in der Bundesrepublik Deutschland (PDF; 431 KB) (Stand: 1. Oktober 2018), Auswärtiges Amt

Siehe auch Liste der diplomatischen Vertretungen in Bonn (→ Eintrag) Liste der libyschen Botschafter in Deutschland

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Einzelnachweise

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