Patience or Bunthorne’s Bride (deutsch: Patience oder Bunthornes Braut) ist eine ästhetische komische Oper („Aesthetic Comic Opera“) in zwei Akten von William Schwenck Gilbert und mit der Musik von Arthur Sullivan.
Die am 23. April 1881 an der Opera Comique in London uraufgeführte Oper persifliert die ästhetische Bewegung im Allgemeinen und ihre affektierten Anhänger, indem sie für die Charaktere der rivalisierenden Dichter Bunthorne und Grosvenor Merkmale der realen Poeten Algernon Charles Swinburne, Dante Gabriel Rossetti, Oscar Wilde und James McNeill kombiniert. Das Stück verspottet männliche Eitelkeit und Chauvinismus in der Armee. Während Patience lief, baute Produzent Richard D’Oyly Carte das neue, moderne Savoy-Theater als speziellen Spielort für die Operetten von Gilbert und Sullivan, weswegen diese oft auch als „Savoy Operas“ bezeichnet werden. Es war das erste Theater und gleichzeitig das weltweit erste öffentliche Gebäude, welches vollständig elektrisch beleuchtet war.
Entstehung
mini|Oscar Wilde in Amerika Patience bereitete dem Librettisten Gilbert mehr Mühe als die meisten seiner anderen Opern. Inhaltlich basiert die Operette auf seinem Gedicht The Rival Curates, erstmals veröffentlicht als Teil der vom Autor selbst illustrierten komischen Gedichtsammlung The Bab Ballads (1869). Das Werk diente bereits als Inspiration für die frühere Operette The Sorcerer. Im ersten Entwurf waren Reginald Bunthorne, der ästhetische Dichter, und Archibald Grosvenor, der idyllische Dichter noch als Geistliche in angrenzenden Gemeinden charakterisiert. Gilbert empfand jedoch eine frivole Behandlung des Klerus im viktorianischen England als zu kontrovers.Hudson Derek, Anmerkungen zur Oper in Godwin, Augustine Henry Gilbert&Sullivan. A critical appreciation of the „Savoy operas“. Kennikat Press; 1969, Port Washington, N.Y., S.172. Übersetzung vom Autor. Um sich gegen eine mögliche Strafe wegen Respektlosigkeit zu schützen, beschloss er, sich der ästhetischen Bewegung als Gegenstand seiner humoristischen Betrachtung hinzuwenden. Diese war u. a. mit Oscar Wilde verbunden und schon lange vorher von du Maurier in der satirischen Zeitschrift Punch verspottet worden. So erläutert die Strophe „A pallid and thin young man, A haggard and lank young man, A greenery-yallery, Grosvenor Gallery [berühmt als Heimat der Ästhetizismus-Bewegung], Foot-in-the-grave young man!“Gilbert, Patience, Duett Bunthorne und Grosvenor, 2. Akt (Ein bleicher und dünner junger Mann, ein hager und strähniger junger Mann, ein Grün-yallery, Grosvenor Gallery, Fuß-im-Grab junger Mann!) das Wesen von Patience resultierend aus einem wütenden Umdenken, welches die Premiere an der Opera Comique bis zum 23. April 1881 verzögerte.
mini|Aesthetic Teapot Male Die Sporting Times berichtete, dass Oscar Wilde ebenso wie sein Bruder William selbst im Premierenpublikum war.Hudson Derek, Anmerkungen zur Oper in Godwin, Augustine Henry Gilbert&Sullivan. A critical appreciation of the „Savoy operas“. Kennikat Press; 1969, Port Washington, N.Y., S. 172–173. Übersetzung vom Autor. In den Hauptrollen waren zu sehen: George Grossmith als Bunthorne, Rutland Barrington als Grosvenor, Leonora Braham als Patience, und Jessie Bond und Alice Barnett unter den „begeisterten Jungfrauen“. Es muss dran erinnert werden, dass Oscar Wilde 1881 gerade 25 Jahre alt war und noch keines seiner berühmten Bücher oder Theaterstücke veröffentlicht hatte. Er erfreute sich nur einer lokalen Berühmtheit und seine Homosexualität war 14 Jahre vor seiner Verurteilung im selbst angestoßenen Prozess wegen Verleumdung gegen den Vater seines Liebhabers nicht bekannt. Dennoch war er ein prominenter Ästhet, der durch seine Posen und Äußerungen in den Londoner Salons auf sich aufmerksam gemacht hatte. Als Vertreter der Ästhetizismus-Bewegung engagierte D’Oyly Carte Wilde für eine Lesetour durch die USA, um das amerikanische Publikum mit den realen Vorbildern und der Exzentrizität der Ästheten vertraut zu machen. Bei der Einreise in die USA fiel einer der berühmtesten Sätze Wildes bei der Zollkontrolle: „I have nothing to declare except my genius.“ Die Original-Produktion von Patience, eine der ersten Savoy-Opern, lief für 578 Aufführungen in London. Auch die Broadway-Produktion war erfolgreich. (22. Sept. 1881, Original Standard Theatre, New York, die Anzahl der Aufführungen ist nicht bekannt.)
Inhalt Erster Akt mini|Jessie Bond as Lady Angela in Patience 1881 Eine Gruppe von liebeskranken Jungfrauen ist in den ästhetischen Dichter Bunthorne verliebt. Vor dem Schloss Bunthornes singen sie den Chor: „Twenty love-sick maidens we“. Lady Jane, die älteste und Anführerin der Damen, teilt ihnen mit, dass Bunthorne sein Herz an das einfache Milchmädchen Patience verloren hat. Patience tritt auf und gesteht, dass sie noch nie jemanden geliebt hat und dankbar ist, dass sie die Liebe nicht unglücklich gemacht hat: „I cannot tell what this love may be“. Es erscheinen die früheren Verlobten der Jungfrauen, die Dragoner, angeführt von Oberst Calverly, welcher ein Lied über die Qualitäten eines schweren Dragoners darbietet. Die Aufmerksamkeit wird jedoch von Bunthornes Auftritt gestört, welcher an einem Gedicht schreibt, verfolgt von einem Zug liebeskranker Frauen. Die Dragoner sind wild vor Eifersucht, während sich Bunthorne an der Bewunderung der Frauen erfreut. Als er das Gedicht beendet, ohne den Protest der Dragoner zu verstehen, liest er es den Damen vor. Der Oberst erinnert sie an ihr Versprechen, aber die Mädchen kritisieren die britischen Uniformierten. Sie wollen einfühlsame Poeten wie Bunthorne. Als sie die Bühne verlassen, sinniert der Oberst über die Schwere dieser Zurückweisung und Beleidigung. Die Dragoner treten ab und Bunthorne kehrt zurück. In einem Monolog enthüllt er, dass er nichts mehr als eine ästhetische Farce ist. Anschließend gesteht er Patience seine Liebe und die Tatsache, dass er Gedichte nicht leiden kann. Noch aus Gewohnheit rezitierend, entfernt er sich. Dann belehrt Lady Angela Patience über die Natur der wahren Liebe. Verwirrt meint Patience, Liebe sei eine Pflicht und beschließt, dagegen zu handeln. Grosvenor präsentiert sich ihr, und beide umwerben sich gegenseitig. Patience will ihn nicht als ihre Jugendliebe anerkennen. Archibald erzählt ihr, dass er sie noch immer liebt. Er fügt jedoch hinzu, dass ihn alle Damen wegen seiner Schönheit unwiderstehlich finden. Er erklärt, auch ein Dichter zu sein, ein „Apostel der Einfachheit“, die personifizierte Ordnung, der Unfehlbare. Traurig wird sich Patience darüber klar, dass sie niemand lieben kann, der so perfekt wie Archibald ist, da es ein Vergnügen und keine widrige Pflichterfüllung wäre. Sie entfernen sich in gegensätzlicher Richtung. Bunthorne tritt wieder mit dem Damenchor auf: „Fickle Fortune will decide who shall be our Bunthorne’s Bride“ („Das unbeständige Schicksal wird entscheiden, wer Bunthornes Braut wird“). Mit gebrochenem Herzen, da er Patience nicht haben kann, schlägt er vor, für die Gemeinnützigkeit verlost zu werden. Als die Dragoner auf die Heiratszusagen der Mädchen pochen, empfiehlt ihnen Bunthorne Lose zu erwerben. Lady Jane tritt auf, und die Mädchen verbinden sich ihre Augen. Bunthorne drängt Jane dazu, das erste Los zu ziehen, doch Patience drängt sich vor und bittet Bunthorne um Verzeihung und stimmt zu, seine Braut zu sein – denn ihn zu lieben wäre Pflicht, nicht Vergnügen. Sie umarmen sich und die Mädchen umarmen die Offiziere. Archibald, seinen Kopf in ein Buch vergraben, erklärt, dass er ästhetisch geworden sei, weshalb alle Damen ihre Liebe zu ihm erklären.
Zweiter Akt Lady Jane begleitet sich selbst auf dem Cello und beklagt die unangebrachte Zuneigung Bunthornes zu Patience. Sie glaubt, dass Bunthorne ihrer bald müde wird und hofft, dass es nicht zu lange dauert, da Ihr „rabenschwarzes Haar bald silbern wird“. Archibald, von den Mädchen verfolgt, offenbart, dass er der Anbetung müde ist. Er akzeptiert, dass alle ihn lieben, er aber die Liebe nicht erwidern kann, da sein Herz irgendwo ist. Mutlos verabschieden sich die Mädchen. Patience nähert sich Archibald, begierig seiner Versicherung der Liebe zu Ihr. Voller Tränen erzählt Patience Bunthorne, dass Archibald das nobelste, reinste und perfekteste Wesen sei, es sei also ihre Pflicht ihn nicht zu lieben. Wieder allein, ruft sie die Erinnerung an die Zeit zurück, als sie noch nicht wusste, was Liebe ist. Bunthorne und Jane kehren wieder und er beklagt die Tage, als er das Zentrum der Attraktion war, vor Archibalds ästhetischer Verwandlung. Er gelobt, ihn mit seinen eignen Spielregeln zu schlagen, und Jane sichert ihm Unterstützung zu. Die drei Offiziere treten auf. Anstelle ihrer Uniform tragen sie nun ästhetische Kleidung. Sie planen ihre Rivalen zu täuschen. Trotz ihrer Tapferkeit fehlt ihnen das Vertrauen. Als Angela und Saphir von ihrer ästhetischen Erscheinung beeindruckt sind gewinnen sie an Selbstsicherheit zurück. Archibald gesteht Bunthorne, von der Verherrlichung der Damen genug zu haben und stimmt zu, sein Aussehen und Benehmen zu verändern. Bunthorne ist erfreut, als Patience eintritt. Er informiert Patience über Archibalds wahres Ebenbild. Patience ist zuerst erfreut, dann desillusioniert – sie kann ihn nicht lieben, wenn er ebenfalls so ein perfektes Wesen ist. In dem Moment tanzt Archibald mit dem Gefolge von Mädchen und Dragonern herein. Seine Erscheinung ist jetzt banal, nicht mehr ästhetisch. Zuerst ist Patience verdutzt über die Verwandlung, dann aber erfreut, als er verspricht, für immer ein gewöhnlicher, junger Mann zu bleiben. Bunthorne erkennt seine Niederlage an, aber Lady Jane beansprucht ihn auf der Stelle und sie umarmen sich. Die drei Offiziere treten auf und der Herzog wählt Lady Jane zur Braut, im Geiste der Fairness für ihre sehr mangelnde Attraktivität. Zurück bleibt Bunthorne, ein brautloser Ästhet, zufrieden mit einer Tulpe oder Lilie. Niemand ist Bunthornes Braut. („Each of us will wed the other, Nobody be Bunthorne’s Bride!“)Dempsey Peter im Begleitheft der CD, Patience, Naxos Great Opera Recordings 8.110233, London 1951.Übersetzung vom Autor.
Orchester Die Orchesterbesetzung umfasst die folgenden Instrumente:Herta-Elisabeth Renk: Patience or Bunthorne’s Bride. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 6: Werke. Spontini–Zumsteeg. Piper, München/Zürich 1997, ISBN 3-492-02421-1, S. 180–182.
Holzbläser: zwei Flöten (2. auch Piccolo), Oboe, zwei Klarinetten, Fagott Blechbläser: zwei Hörner, zwei Kornette, zwei Posaunen Pauken, Schlagzeug: große Trommel, Becken, kleine Trommel, Triangel Streicher
Die Aufführungen von Patience Theater Premiere letzte Vorstellung Aufführungen Bemerkungen Opera Comique 23. April 1881 8. Oktober 1881 170 Savoy Theatre 10. Oktober 1881 22. November 1882 408 Standard Theatre, New York 22. September 1881 23. März 1882 177 Autorisierte US-Produktion Savoy Theatre 7. November 1900 20. April 1901 150 Erste Londoner Wiederaufnahme Savoy Theatre 4. April 1907 24. August 1907 51 Erste Savoy Repertoire Saison; mit drei weiteren Opern. Bis zum Schluss der gesamten Saison. J. C. Williamson brachte die Produktion nach Australien und in die USA (Theatre Royal, Sydney, 19. Dezember 1881; USA: Uhrigs Cave, St. Louis 28. Juli 1881, Standard Theater New York 22. September 1882). Carte begann seine offizielle Produktion von Patience am Broadway neun Monate nach der Premiere in London, obwohl die Ästhetizismus-Bewegung Amerika nicht erreicht hatte. Die D’Oyly Carte Opera Company brachte das Stück nach Deutschland (Krolls Theater Sanfthilde (eng.) 30. April 1887) und Österreich (10 Aufführungen im Carltheater, beginnend am 28. Mai 1887).
In Ungarn wurde am 5. November 1887 im Budapester Theater NepSzinhaz (dem nunmehr zerstörten Volkstheater) eine übersetzte Version und in Spanien eine Mundart-Version aufgeführt.