Die Schmalblättrige Wiesenraute oder Einfache Wiesenraute (Thalictrum simplex) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Wiesenrauten (Thalictrum) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Sie ist in Eurasien weitverbreitet.
Beschreibung Die Schmalblättrige Wiesenraute ist eine sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 10 Zentimeter erreicht. Sie besitzt eine kriechende Grundachse und ist kahl. Die Laubblätter sind im Umriss länglich, doppelt gefiedert mit länglichen oder linealen Fiedern. Die Fiederblättchen sind 3 bis 5 mm breit, oberseits matt, gelappt oder gezähnt. Populationen in Deutschland besitzen immer zumindest einige ganzrandige Blättchen.Rothmaler: Exkursionsflora von Deutschland, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Berlin, 20. Auflage 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3, Seite 308
Die Blütezeit erstreckt sich von Ende Juni bis Ende Juli. Der rispig zusammengezogene Blütenstand ist kurz verzweigt. Die Blüten sind anfangs nickend, dann aufrecht. Die Perigonblätter sind um 3 mm lang und gelblich. Die Staubblätter sind meist grünlich und überhängend.
Die Nüsschen sind 2 mm lang, eiförmig, kantig gerippt und haben eine pfeilförmige Narbe.
Ökologie Die Schmalblättrige Wiesenraute wird hinsichtlich ihrer Lebensform in der Exkursionsflora von Rothmaler zu den Geophyten gestellt, die Datenbank BIOLFLOR von W.Durka ordnet sie den Hemikryptophyten zu.
Die Schmalblättrige Wiesenraute wird von Insekten und durch Wind bestäubt. Die Ausbreitung der Diasporen kann mittels Wind und Wasser erfolgen. Die vegetative Vermehrung wird durch unterirdische Ausläufer sichergestellt.
Vorkommen Die Schmalblättrige Wiesenraute ist eine eurasiatisches Florenelement. Sie ist in den meisten Gebieten des kontinentalen Europa verbreitet, im Westen tritt sie dort seltener auf. Zu ihren weiteren Verbreitungsgebieten gehören der Kaukasus, West- und Ostsibirien, die Mongolei, China, Korea und Japan.
Die Schmalblättrige Wiesenraute besiedelt in Mitteleuropa Kalkmagerrasen, gebüschreiche Halbtrockenrasen mit quelligen Stellen und Flachmoore in den Mittelgebirgen mit Kalkstein, im Alpenvorland, in der westlichen und nördlichen Schweiz sowie in Graubünden. Sie fehlt in Oberösterreich, in Österreich findet man sie nur in Gebieten mit Kalkstein. Die Schmalblättrige Wiesenraute ist überall in Mitteleuropa sehr selten.
Die Schmalblättrige Wiesenraute gedeiht am besten auf kalkhaltigen, wechselfeuchten bis wechseltrockenen, stickstoffarmen Lehm-, Löß- oder Torfböden. Sie ist eine Charakterart des Verbands Molinion, kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Mesobromion oder Geranion sanguinei vor.
Taxonomie und Systematik Die Erstveröffentlichung von Thalictrum simplex erfolgte 1755 durch Carl von Linné in Flora Suecica (Svecica) Exhibens Plantas per Regnum Sveciae Crescentes 2. Auflage Seite 191. Das Artepitheton simplex bedeutet "einfach". Ein Synonym ist Thalictrum bauhini
Innerhalb der Art Thalictrum simplex sind acht Unterarten beschrieben: Thalictrum simplex subsp. simplex: Bei dieser Unterart sind die Fiederblättchen der oberen Blätter länglich-keilförmig, gelappt oder gezähnt. Die Chromosomenzahl ist 2n = 56. Sie kommt in Eurasien vor. In Deutschland kommt sie selten in Bayern und Baden-Württemberg vor; früher kam sie auch in Berlin-Brandenburg und in Schleswig-Holstein vor. In der Schweiz kommt sie in Graubünden, Wallis, Waadt und Genf vor. Sie gilt als stark gefährdet. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 2+w+ (frisch ber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental). Thalictrum simplex subsp. altaicum : Sie kommt vom südwestlichen Sibirien bis zur Mongolei vor. Thalictrum simplex subsp. amurense : Sie kommt in China, Korea, Japan und im fernöstlichen Russland vor. Thalictrum simplex subsp. boreale (Syn.: Thalictrum simplex subsp. rariflorum ): Sie kommt in Norwegen, Schweden, Finnland und im nordeuropäischen Russland vor. Thalictrum simplex subsp. galioides : Bei dieser Unterart sind die Fiederblättchen der oberen und unteren Blätter ungeteilt schmal-lanzettlich bis fadenförmig und 10- bis 20-mal so lang wie breit. Die Chromosomenzahl ist 2n = 28. Sie kommt in Frankreich, Deutschland, Österreich, Liechtenstein, in der Schweiz, in Italien, Slowenien, Ungarn, Tschechien und in der Slowakei vor. In Deutschland kommt sie zerstreut in Bayern und Baden-Württemberg, selten in Thüringen und früher in Hessen und Rheinland-Pfalz vor. In der Schweiz ist sie vom Aussterben bedroht. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental). Thalictrum simplex subsp. gallicum : Sie kommt in Frankreich und in Österreich vor. Sie hat eine eiförmige, schlaffe Blütentraube. Thalictrum simplex subsp. rhodopaeum : Sie kommt im südlichen Bulgarien vor. Thalictrum simplex subsp. tenuifolium : Sie kommt in Frankreich, Deutschland, Österreich, Italien, Liechtenstein, Kroatien, Slowenien, Polen, in der Slowakei, in der Ukraine und in Schweden vor. In Deutschland kommt sie selten in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen-Anhalt vor; früher auch in Rheinland-Pfalz und in Niedersachsen.
Literatur Otto Schmeil, Jost Fitschen (Begr.), Siegmund Seybold: Die Flora von Deutschland und der angrenzenden Länder. Ein Buch zum Bestimmen aller wild wachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen. 95. vollst. überarb. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01498-2. Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil, Spezieller Teil (Pteridophyta, Spermatophyta): Lycopodiaceae bis Plumbaginaceae. 2., ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3322-9. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Ulmer-Verlag, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 420.
Einzelnachweise
Datenblatt mit Fotos.
Ralf Hand (2014): Thalictrum. – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Thalictrum Jens G. Rohwer: Ranunculaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 349.
Weblinks
Verbreitung auf der Nordhalbkugel Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben) Steckbrief.
Kategorie:Hahnenfußgewächse