mini|hochkant|Familienwappen derer von Dernbach mini|hochkant|Familienwappen derer von Dernbach gen. Graul, goldene Blätter auf blauem Grunff mit silbernen Schindeln Herren von Dernbach treten seit dem frühen 13. Jahrhundert an verschiedenen Orten im rechtsrheinischen Gebiet auf, u. a. im Raum Montabaur, in der Herborner Mark sowie im Raum Gießen (Burg Vetzberg) und in Marburg. Ob sie und wie sie gegebenenfalls miteinander verwandt waren, ist nicht bekannt.

Das Westerwälder Geschlecht, aus der Ministerialität hervorgegangen, stand lange im Dienst ihrer alteingesessenen edelfreien Herrschaften, namentlich der Herren von Isenburg und Sayn, die ihre Stammburgen im Raum um Bendorf hatten.

Das Geschlecht im mittelhessischen Gebiet diente den Landgrafen von Thüringen/Hessen bzw. den Grafen von Gleiberg (Grafschaft Gleiberg).

Geschichte Das Geschlecht im Westerwald hochkant|mini|Wappen Dernbach (Westerwald) Aus dem Ritter- und Adelsgeschlecht derer von Dernbach bei Montabaur wird zuerst 1213 Gerardo de Derenbach genannt, und zwar im Zusammenhang mit einer Zahlung Heinrichs II. von Isenburg, der auf seiner Burg Grenzau residierte. Letztere wurde um 1213 erbaut, während die Burg Dernbach schon aus der Zeit um 1200 stammte und als Wasserburg der damals im Westerwald häufigsten Form des einzelnen festen Hofes entsprach. Sie war ein Lehen des Landesherrn Erzbischof Theoderich II. von Wied, dem die Ritter von Dernbach, darunter ein Ritter Mantho, ab 1217 mit dem Pferd dienten.Kurze Geschichte der Stadt und Burg Montabaur: aus dem Nachlasse des J[oseph] Kehrein / Josef Kehrein. Von Juvenalis Montanus, Görres, Koblenz 1901, S. 11. Der um diese Zeit als Besitzer zweier Höfe in Heiligenroth erwähnte Gerho von Dernbach ist sicher mit dem erstgenannten Gerardo (Gerhard) identisch, sodass erst mit Cunradus de Derenbach, Rektor von Nordhofen (1259/79), ein weiteres Mitglied der Ministerialenfamilie von Dernbach, „die mit ihrer namensgebenden Wasserburg Lehnsleute der Erzbischöfe von Trier waren“, urkundlich nachgewiesen ist.Thomas Bohn: Gräfin Mechthild von Sayn (1200/03 – 1285); eine Studie zur rheinischen Geschichte und Kultur. 2002, S. 435. Jutta de Derenbach lebte als Nonne im Kloster Dirstein bei Diez/Lahn ebenfalls noch im 13. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert setzen dann die Eheleute Gerhard (1364 verstorben) und Gutgin von Dernbach die Linie fort. Ihre Söhne Gerhard (vermutlich 1374 verstorben) und Philipp von Dernbach (1393 verstorben) sind schließlich die letzten des niederadeligen Geschlechts, das mit seinem Wappenschild auf die Herkunft als Ministerialen des Hauses Isenburg verweist. Ihre Burg hatte Dietrich von Grenzau/Isenburg bereits 1380 von Philipp gekauft. Sie ist – nach grundlegender Erneuerung im 19. Jahrhundert – heute in Privatbesitz.Marianne Pöller: Chronik von Dernbach. 1976/77, S. 102.

Es gab noch weitere Geschlechter, die sich von Dernbach nannten, u. a. in Kirchen an der Sieg. Hier gab es zwei Adelsgeschlechter (z. B. Rost von Dernbach) die sich so nannten, aber unterschiedliche Wappen hatten, was ihre Eigenständigkeit betont. Diese Geschlechter starben vermutlich mit Herrmann von Dernbach aus, der 1492 letztmals genannt wird.Helmut Gensicke: Dernbach und die Dernbacher. In: Heimatkalender 1962 des Kreises Neuwied. S. 43–45.

Das Geschlecht in Hessen Die „Herren von Dernbach“ waren ein in mehrere Familienzweige aufgegliedertes Uradelsgeschlecht in Hessen. Seine Mitglieder standen überwiegend in Verbindung bzw. in Diensten der Landgrafschaft Hessen. Hier hatten sie einflussreiche Stellungen inne als hohe Verwaltungsbeamte, Amtmänner oder Burgmannen. So waren sie z. B. Vertreter des Landgrafen in seiner Nebenresidenz Marburg, dem „Land an der Lahn“ und in der Herborner Mark; waren Burgmannen in Marburg, Frauenberg, Gemünden, Mellnau und Kalsmunt (Wetzlar). Ein Familienzweig wurde von „Kaiser Leopold“ in den „Reichsfreiherrenstand“ und ein anderer in den „Reichsgrafenstand“ erhoben. Mit „Peter Philipp von Dernbach gen. Graul“ stellten sie einen „Fürstbischof“, der zugleich zwei Bistümern vorstand, und zwar „Bamberg“ und „Würzburg“.

Familienzweige und ihre Wappen

mini| 1226 taucht ein Conrad von Dernbach auf der Burg Vetzberg (Vogtsburg der Grafen von Gleiberg/Merenberg) bei Gießen auf.Horst W. Müller: Dernbach und die „von Dernbach“. Hinterländer Geschichtsblätter, Nr. 3 und Nr. 4, 2005, sowie Nr. 1 und Nr. 2, 2006, Mitteilungsblatt des Hinterländer Geschichtsvereins e. V., Biedenkopf Vermutlich war er Vasall der Herren von Merenberg. Er gilt als Ahnherr der Dernbacher in Hessen. Vom hessischen Zweig, die sich mal „von Dernbach“, mal „von Voitsberg“ nannten, sind fünf Geschlechter bekannt, und zwar: „von und zu Dernbach“ (siehe Wappen: schwarze Waldkleeblätter bzw. Seeblätter oder Veilchenblätter im Dreipass in goldenem Feld), „Wolf von Dernbach“ (silberne Blätter wie vor in blau mit Schindeln), „Krieg von Derbach/Vetzberg“ und „Holzappel von Vetzberg“ (silberne Blätter wie vor in blau mit Stern bzw. Krone), „Rode von Dernbach“ (goldene Blätter wie vor in blau), „von Dernbach gen. Graul“ (goldene Blätter wie vor in blau mit silbernen Schindeln). Es gab noch weitere Linien, die aber früh ausstarben, mit Beinamen wie „Ruchschade“ (Minnesänger), „Mul“, „Kolb“, „Scheze“ und „Hulsbach“.Walther Möller: Die Wappengruppe mit den Seeblättern, Veröffentlichung der Familiengeschichtlichen Vereinigung Darmstadt, 4. Band 1935

Dernbacher Fehde und ihre Folgen

Nahezu 100 Jahre dauerte eine kriegerische Auseinandersetzung, die Dernbacher Fehde, gegen die aufstrebenden Grafen von Nassau, die 1333 beendet wurde. 1325/27 wurde der Sitz der Herren von Dernbach, die Burg Alt-Dernbach, zerstört. Zusammen mit den Herren von Bicken errichteten sie danach bis 1350 die Burg Neu-Dernbach in der heutigen Gemeinde Bad Endbach, Landkreis Marburg-Biedenkopf (Hessen). Von 1350 bis 1748 waren die Landgrafen von Hessen ihre Lehensherren. Nach dem Aussterben der Familie 1748 zog Landgraf Ludwig VIII. Dernbach als heimgefallenes Lehen ein.Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6.

mini|Neuer Gutshof der Staatsdomäne Dernbach 1764, im Hintergrund die Burgruine Peter von Dernbach gen. Graul verkaufte 1540 die ihm gehörende Hälfte des Burgsitzes Dernbach an den Landgrafen und zog nach Wiesenfeld (Burgwald) zu seinem Verwandten, dem hessischen Stiftsvogt Philipp von Dernbach. Zu seinen Nachkommen gehören Balthasar von Dernbach gen. Graul, Fürstabt von Fulda und Peter Philipp von Dernbach gen. Graul, Fürstbischof von Bamberg und Würzburg und die „Reichsgrafen von Dernbach.“

Der letzte Bewohner des Burgsitzes in Dernbach, Peter Philipp Friedrich von und zu Dernbach, starb am 2. Januar 1729 nach einem Sturz vom Pferd. Mit Friedrich Ludwig Christian von Dernbach, Hauptmann der Garde in Kassel, starb 1748 der letzte hessen-darmstädtische Lehnberechtigte aus der evangelischen Linie. Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt zog danach die Burg und die zugehörigen Ländereien (die gesamte Gemarkung Dernbach umfassend) als erledigtes Lehen ein, wandelte es in eine Staatsdomäne um und ließ 1750 ein neues Gutshaus erbauen.

Der kurhessische katholische, freiherrliche Zweig erlosch mit Theresa Freifrau von Schorlemer geb. Freiin von Dernbach am 1. November 1965 in Weilburg.Horst W. Müller: Dernbach und die ‚von Dernbach‘. In: Hinterländer Geschichtsblätter. Biedenkopf, Nr. 3, Oktober 2005, Nr. 4, Dezember 2005, Nr. 1, März 2006 und Nr. 2, Juni 2006.

Kein Schloss

Eine Zeichnung von J. Bayrer aus dem Jahr 1764 zeigt den Neubau (aus dem Jahr 1750) des Verwalterhauses mit Nebengebäuden der Domäne Dernbach. Diese Darstellung wird fälschlich oft als Schlossbau Dernbach bezeichnet. In Dernbach gab es nie ein Schloss. Die Herren von und zu Dernbach wohnten in Gebäuden des Gutshofes außerhalb der Burg. Schon 1570 galt die Burg als zerfallen.

Hessische Dernbacher als Burgmannen in Montabaur 1429 werden Johann und Heidrich von Dernbach, Brüder, als Burgmannen in Montabaur erwähnt. Johann von Dernbach tritt 1466 als Burgmann in Montabaur auf. Im gleichen Jahr weist er seiner Frau Demund sein Trierer Burglehen zu Montabaur als Witwengut zu. Johanns Bruder Heidenreich von Dernbach wird 1456 und 1467 in Montabaur genannt. Die Herren von und zu Dernbach besaßen seit 1520 in Bottenhorn (heute Gemeinde Bad Endbach) zwei Höfe als kurtrierisches Burglehen von Montabaur.

Gab es unbekannte verwandtschaftliche Beziehungen zu dem Geschlecht der Dernbacher auf dem Westerwald oder warum traten hessische Dernbacher in den Dienst des Bischofs von Trier?

Tötung des Ketzerrichters Konrad von Marburg Angehörige des Adelsgeschlechtes von Dernbach erschlugen am 30. Juli 1233 in der Nähe von Marburg (bei Beltershausen) den Beichtvater der Hl. Elisabeth und Ketzerrichter (Inquisitor) Konrad von Marburg und seine Begleiter. Sie waren entweder selbst von Konrad der Häresie verdächtigt worden oder standen in Verbindung zu anderen Verdächtigen, sehr wahrscheinlich zum Grafen Heinrich III. (Sayn), der zu Unrecht der Ketzerei angeklagt war. Der Anschlag, zu dem sich die Ritter freimütig bekannten, wurde allerdings von einem außerordentlichen Gericht nicht mit der im Mittelalter üblichen Härte bestraft, sondern mit einer eher symbolischen „Buße“ geahndet, was de facto einen Freispruch bedeutete.

Aus welchem Geschlecht/Linie (Westerwald oder Hessen) die Attentäter stammten ist unklar, naheliegend wäre Herren von Dernbach/Westerwald wegen ihrer Nähe zum Grafenhaus Sayn oder Herren von Dernbach/Hessen aus der Umgebung von Marburg.Balthasar Kaltner: Konrad von Marburg und die Inquisition in Deutschland. Verlag von F. Tempski, Prag 1882, S. 159.

Wappen Wappen derer von Dernbach im Westerwald Das Wappen derer von Dernbach bei Montabaur ist seit dem 14. Jahrhundert urkundlich bekannt, und zwar aus dem Balduineum (Wappenbuch) des Erzbischofs Balduin von Trier, Graf von Lützelburg. Es zeigt zwei rote und einen schwarzen Balken auf Silber und verweist damit auf die Herkunft des niederadeligen Rittergeschlechts als Ministerialen der Herren von Isenburg. Die Farben der Balken stehen für die von den Brüdern Rembold (Rot) und Gerlach (Schwarz) von Isenburg gegründeten Hauptstämme des bedeutendsten Adelsgeschlechtes im Westerwald. Schildform (umgekehrter gotischer Bogen) und Balkenornamentik sind den beiden Stammwappen des Hauses Isenburg entlehnt, deren Balken die Eisenbeschläge ihrer Schilde symbolisieren und zugleich den Anfang ihres Geschlechternamens (Ysen = Eisen). Das Wappen des Gerardo de Derenbach ist heute das Gemeindewappen von Dernbach (Westerwald).Marianne Pöller: Chronik von Dernbach. Eigenverlag, 1976/77, S. 125–129, 193–205.

Wappen derer von Dernbach in Hessen Der Wappenschild der Stammlinie von und zu Dernbach (Burg Neu-Dernbach)Fr. Cast: Historisches und genealogisches Adelsbuch des Königreichs Württemberg. Stuttgart 1839, S. 416.Konrad Tyroff: Wappenbuch des gesammten Adels im Königreich Württemberg. 1. Band, Nürnberg 1844 S. 147. zeigt in Gold, worin sich drei schwarze Herzen (Wald-Kleeblätter, Seeblätter, Veilchenblätter ?) mit den Spitzen zusammenlaufend befinden, über demselben ruhend zwei Turnierhelme, wovon der rechte (wird immer vom Wappenträger aus gesehen) einen zwischen zwei goldenen Fähnlein sitzenden, silbernen Schwan zeigt, der linke ein weiß ausgeschlagenes schwarzes, mit zwei Pfauenschwänzen bestecktes Barret (Turnierhut). Die Helmdecken sind innen golden, außen schwarz. Die Helmzier mit dem silbernen Schwan (siehe Fresko in der Ballersbacher Kirche) stammt von den Dernbachern, die ursprünglich in der Herborner Mark begütert waren und die Wasserburg Alt Dernbach bei Herbornseelbach innehatten. Sie bauten später die Höhenburg Neu Dernbach nördlich von Wommelshausen.