mini|Stadtpfarrkirche Mariä Heimsuchung Die Stadtpfarrkirche Mariä Heimsuchung ist ein römisch-katholisches Kirchengebäude in Meersburg am Bodensee. Die Kirche befindet sich im Norden der Altstadt, an der Stettener Straße. Zusammen mit der Pfarrei St. Martin in Seefelden und mit St. Jodokus in Immenstaad bildet die Pfarrei die Seelsorgeeinheit Meersburg im Dekanat Linzgau (Region Bodensee/Hohenzollern) im Erzbistum Freiburg. Ihr sind die Wallfahrtskirche Maria zum Berge Karmel in Baitenhausen sowie die Kapellen St. Martin in Daisendorf und St. Peter und Paul in Stetten als Filialkirchen angegliedert.Pfarreien und Seelsorgeeinheiten, Website des Dekanats Linzgau, abgerufen am 4. März 2014.
Geschichte Schon im 13. Jahrhundert ist in Meersburg ein Kirchengebäude bezeugt. Der Turm der heutigen Kirche wurde jedoch im Jahr 1288 als Eckturm der damaligen Stadtbefestigung erbaut.Hammer, 2026, S. 2 1824 wurde die alte Kirche abgebrochen, der Turm blieb stehen. Vermutlich bis dahin war der Friedhof um die Kirche gelegen – einige in die Wand des Parkplatzes eingelassene Grabsteine zeugen hiervon. Das neue Kirchengebäude konnte 1833 fertiggestellt werden.
In den Jahren 2001 bis 2003 wurde eine grundlegende Innenrenovation mit teilweisen Umgestaltungen vorgenommen. Zelebrationsaltar, Ambo und die Sedilien wurden als Einheit neu geschaffen. Auch wurde das gleichfalls neu geschaffene Taufbecken in die Kirchenmitte verlegt. 2011 wurde der Chor und 2023 bis 2025 der Turm saniert.
Bauwerk mini|hochkant=0.65|Turmschaft der Stadtpfarrkirche mini|links|Stadtpfarrkirche im Stadtensemble Das Kirchengebäude besteht baugeschichtlich aus zwei Teilen: Zum einen dem Glockenturm, der einmal Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung war, und zum anderen dem Kirchenschiff, das im Jahre 1833 fertiggestellt wurde – als Ersatz für einen Vorgängerbau, der im Jahre 1824 abgerissen wurde. Der Turm im Westen ist fast ganz in das Kirchenschiff eingeschnitten. Im Osten des Langhauses schließt sich ein eingezogener Chor mit Fünfachtelschluss an. Langhaus und Turm sind mit einem Satteldach bedeckt, das vom Turm quer zur Firstrichtung des Kirchenschiffs und mit grün lackierten Biberschwanzziegeln eingedeckt.
Innenraum mini|Innenraum Der Kirchenraum ist im klassizistischen sogenannten „Weinbrenner-Stil“ erbaut. Die Decken wurden in den Jahren 1939 und 1940 gestaltet – mit einem großen Deckenbild im Stil und nach dem Zeitgeist der späten 30er Jahre.
Ausstattung Der Hochaltar besteht zum Teil aus einem spätgotischen Schrein aus dem 15. Jahrhundert. Dieser Mittelteil wurde in der Nähe von Weimar geschaffen und kam erst im Jahre 2002 nach Meersburg. Er zeigt die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind, umgeben von verschiedenen Heiligen. Auf den beiden angedeuteten Außenflügeln sind die beiden Patrone des früheren Bistums Konstanz, der hl. (Bischof) Konrad und der hl. Pelagius dargestellt.
Die beiden Seitenaltäre wurden im Jahre 1899 von der Kunstwerkstätte Mezger (Überlingen) geschaffen. Der linke Seitenaltar zeigt eine szenische Darstellung des Kirchenpatroziniums „Mariä Heimsuchung“, die Begegnung der schwangeren Maria mit Elisabeth; dargestellt sind zudem Zacharias, der Mann von Elisabeth, sowie zwei Engel neben der Gottesmutter, auf deren Flügel die Heiligen Aloisius von Gonganza und Agnes gemalt sind. Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Sebastian gewidmet, der in der Mitte des Retabels gezeigt ist. Neben ihm sind die Heiligen Gallus und Bonifatius, Benedikt, Franziskus, Otmar und Fridolin dargestellt.
Trotz der vergleichsweise spärlichen Ausstattung sind weitere Kunstwerke von Bedeutung: An der Nordwand befindet sich das Gemälde „Flucht nach Ägypten“ des Konstanzer Malers Johann Christoph Storer (1611–1671). Über den Türen der Seiteneingänge finden sich zwei barocke Büsten der heiligen Petrus und Paulus, die 1749 von Dominikus Hermengild Herberger geschaffen wurden. Unter der Orgelempore befindet sich eine Statue der schmerzhaften Muttergottes mit dem toten Sohn in den Armen, eine Pietà, 1920 geschaffen von der Kunstwerkstätte Mezger, Überlingen. Der Kreuzweg im hinteren Bereich der Kirche stammt von dem Konstanzer Maler Hans Breinlinger († 1963). Neben dem südlichen Seiteneingang erinnert eine Tafel an die in der „alten“ Meersburger Kirche beigesetzten Fürstbischöfe: Christoph Metzler, Kardinal Franz Conrad von Rodt, Maximilian Christoph von Rodt, Johann Georg von Hallwyl und Hugo von Hohenlandenberg.Joseph Bergmann: Die Reichsgrafen von und zu Hohenembs in Vorarlberg. (= Denkschriften / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse. Band 11). 1861. Daneben befindet sich ein Epitaph für den fürstbischöflichen Kanzler Friedrich Willibald Balbach von Gastel († 1754) von Dominikus Hermengild Herberger.
Orgel Die Orgel wurde 2014 durch den Orgelbauer Josef Maier (Hergensweiler) technisch neu erbaut.Zur (Neu)Konzeption der Orgel Das Pfeifenmaterial stammt überwiegend aus der Vorgängerorgel, die 1972 von dem Orgelbauer Eugen Pfaff (Überlingen) mit 29 Registern auf zwei Manualen und Pedal im neobarocken Stil erbaut worden war. 24 Register wurden aus diesem Instrument übernommen, und bilden als Rückpositiv und Hauptwerk den barocken Kern des Instruments. Erweitert wurde die Disposition um 12 Register, die maßgeblich in einem dritten Manualwerk als Schwellwerk untergebracht wurden. Dieses „Récit expressif“ soll die Darbietung romantischer Orgelliteratur ermöglichen. Im Interesse eines besseren Bassfundaments wurden im Hauptwerk und Pedal jeweils ein 16'-Register hinzugefügt, und im Pedal zusätzlich ein 32'-Register. Spieltisch, Gehäuse, Windanlage und die gesamte Trakturanlage wurden neu erbaut; zusätzlich wurde die Orgel mit einer elektronischen Setzeranlage ausgestattet. Das Instrument hat heute 36 Register auf drei Manualwerken und Pedal.Zur Disposition
I Rückpositiv C–g3 1. Holzgedeckt 8′ 2. Salicional 8′ 3. Praestant 4′ 4. Flauto dolce 4′ 5. Quinte ′ 6. Octave 2′ 7. Terz ′ 8. Larigot ′ 9. Scharff III 1′ 10. Cromorne 8′ Tremulant II Hauptwerk C–g3 11. Bordun 16′ (n) 12. Principal 8′ 13. Holzflöte 8′ 14. Gamba 8′ 15. Voce umana 8′ (n) 16. Octave 4′ 17. Spitzflöte 4′ 18. Quinte ′ 19. Superoctave 2′ 20. Mixtur IV ′ 21. Fagott 16′ 22. Trompete 8′ III Récit expressif C–g3 23. Rohrflöte 8′ (n) 24. Dolce 8′ (n) 25. Schwebung 8′ (n) 26. Cornett V 8′ (n) 27. Spillflöte 4′ (n) 28. Schalmey-Oboe 8′ (n) Tremulant (n) Pedal C–f1 29. Untersatz 32′ (n) 30. Principal 16′ (n) 31. Subbass 16′ 32. Octavbass 8′ 33. Gemshorn 8′ 34. Choralbass 4′ 35. Posaune 16′ 36. Trompete 8′ Koppeln: I/II, III/I, IIII/II, III/III (Suboktavkoppel), I/P, II/P, III/P Anmerkung (n) = Neues Register (2014)
Glocken Im Turm der Kirche hängt ein sechsstimmiges Glockengeläut: Vier historische Bronzeglocken werden durch zwei Exemplare aus dem 20. Jahrhundert ergänzt.Glockeninspektion Erzbistum Freiburg: Kath. Pfarrkirche Mariä Heimsuchung in Meersburg
Glocke Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser Gewicht Schlagton 1 1953 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 1550 mm 2700 kg c′+6 2 1625 Leonhard Ernst (I), Lindau 1160 mm 950 kg e′-1 3 1999 Karlsruher Glockengießerei 1046 mm 848 kg g′+8 4 1508 Niklaus Oberacker, Konstanz 975 mm 700 kg a′+11 5 1721 Leonhard Rosenlächer, Konstanz 730 mm 300 kg c″+8 6 1600 J. Gesus, Konstanz 600 mm 150 kg g″+4
Denkmalschutz Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Sie wird auch aufgrund ihrer prominenten Lage im Seeufer-Panorama als „regional bedeutsames und raumwirksames Kulturdenkmal“Hammer, 2026, S. 3 beschrieben. Der in historischer nördlicher Ortsrandlage am höchsten Punkt der Oberstadt liegende Kirchenbau ist laut Landesamt für Denkmalpflege „ein wichtiges Zeugnis der Kirchengeschichte wie der Stadtentwicklung Meersburgs. Der heutige Bau, der dem Abbruch der alten Kirche 1824 folgte, ist mit seiner noch jüngeren Ausstattung ein baugeschichtliches Dokument des 19. Jahrhunderts“.
Literatur Jürgen Michler: Kirchen und Kapellen Meersburg am Bodensee (= Kleine Kunstführer. Band 1709). Schnell & Steiner, München/Zürich 1988.
Einzelnachweise
Weblinks
Informationen zur Kirche und deren Ausstattung auf der Website der Seelsorgeeinheit
Stadtpfarrkirche Stadtpfarrkirche Kategorie:Pfarrkirche des Erzbistums Freiburg Kategorie:Mariä-Heimsuchung-Kirche Kategorie:Klassizistisches Bauwerk im Bodenseekreis Kategorie:Klassizistische Kirche Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Erbaut in den 1830er Jahren