mini|St. Blasius von Westen mini|St. Blasius von Osten St. Blasius ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Buchenbach im Südschwarzwald. Sie gehört mit den Pfarreien Herz Jesu in Stegen und St. Jakobus in Eschbach zur Seelsorgeeinheit Dreisamtal des Erzbistums Freiburg.
1811 erbaut, stellt sie sich heute (wieder) im Gewand des Historismus dar, speziell der Neugotik. Besonders der katholische Priester und Kunsthistoriker Manfred Hermann hat ihre Geschichte, die exemplarisch für das Schicksal von Kirchen des 19. Jahrhunderts ist, erforscht.
Geschichte der Pfarrei mini|Entwicklung der Urpfarrei Kirchzarten. Oberried kam 1252 zum dortigen Wilhelmitenkloster, wurde aber erst 1786 Pfarrei.Weber 1967. mini|Buchenbach 1661. Der Wagensteigbach hieß damals „Dreysame“. Buchenbach mit seinen früher selbständigen Ortsteilen Falkensteig, Unteribental und Wagensteig gehörte im Frühmittelalter kirchlich zur Pfarrei St. Gallus (Kirchzarten), deren Patronatsherr das Benediktinerkloster St. Gallen und ab 1297 die Kommende des Johanniterordens in Freiburg im Breisgau war. Der Kirchzartener Sprengel war riesig, mit einer West-Ost-Erstreckung von 20 km. Nur beritten waren bei Versehgängen abgelegene Täler zu erreichen, und Pfarrer, Patronatsherr und Vögte stritten wiederholt, wer für das Pferd aufzukommen hatte.Weber 1967, S: 102–104. Deshalb wurden im Laufe der Jahrhunderte immer mehr periphere Gebiete abgetrennt, und 1786 wurden im Zuge des Josephinismus Oberried, Eschbach und Buchenbach eigene Pfarreien. Damals gab es im Areal des heutigen Buchenbach drei größere Kapellen: eine dem heiligen Blasius von Sebaste geweihte in Buchenbach selbst, genauer in Oberbuchenbach, das von dem talabwärts, westlich des Pfaffendobelbachs gelegenen Unterbuchenbach zu unterscheiden ist, an der Stelle der heutigen Pfarrkirche und erstmals erwähnt 1463; eine dem heiligen Nikolaus von Myra geweihte in Falkensteig; und eine ebenfalls dem heiligen Nikolaus geweihte in Wagensteig.St. Blasius Buchenbach in Dreisamtal-online.eu, abgerufen im Juni 2026. Das Blasius-Patrozinium geht auf Besitz des Klosters St. Blasien in Buchenbach zurück, dem Kloster im Investiturstreit übertragen von Rudolf von Schwaben, Gegenkönig gegen Heinrich V. Als Neben-Patrone kamen später die heilige Anna und die heilige Agatha hinzu. Die Blasiuskapelle fasste 300 Personen, zu klein für die 1786 gezählten 1220 Seelen.
Die Einrichtung der neuen Pfarrei verzögerte sich. Die Falkensteiger und Unteribentäler fanden den Weg nach Oberbuchenbach zu weit; auch führe er durch Waldstücke, in denen die Jugend Gelegenheit haben werde, „sich jeder Gattung von Ausschweifung zu überlassen“.Heitz 1996, S. 334. Man solle lieber eine neue Kirche in Unterbuchenbach errichten. Erst 1796 erhielt Buchenbach einen eigenen Pfarrverweser, Franz Joseph Mayer, der aber 1802, der Streitereien müde, eine andere Pfarrei übernahm, und erst 1809 einen ordentlichen Pfarrer, Maurus Thaddäus Farenschon, Pfarrer bis 1814 († 1860). Unter ihm wurde die alte Blasiuskapelle abgebrochen und an ihrer Stelle, also in Oberbuchenbach,Die Angabe „in Unterbuchenbach“ in der Amtlichen Kreisbeschreibung ist irrig. wurden die Pfarrkirche und ein Pfarrhaus erbaut.
Der Kirchzartener Pfarrer Joseph Anton Schleicher (Pfarrer von 1793 bis 1801) sagte in seiner Abschiedspredigt am 3. April 1796:Heitz 1996, S. 336–337.
Baugeschichte
Klassizistische Kirche Am 12. Mai 1811 wurde der Grundstein gelegt, und schon am 15. November 1811 konnte die Kirche geweiht werden. Baumeister war Johann Weber aus Bräunlingen (1756–1826), der letzte Klosterbaumeister des Klosters St. Peter auf dem Schwarzwald. Webers Pläne wurden von dem Freiburger Professor für Architektur Friedrich Arnold überarbeitet,Gerhard Everke: Christoph und Friedrich Arnold – Zwei Architekten des Klassizismus in Baden. Band 2: Werkkatalog. Phil. Diss. Universität Freiburg 1991, S. 461–463. und der Bau wich von diesen Plänen nochmals ab.
Als Hochaltar schenkte die evangelische Kirchengemeinde Freiburg im Breisgau den Altar der ihr überlassenen Kirche des säkularisierten Freiburger Augustinerchorherren-Klosters Allerheiligen. Auch die beiden Seitenaltäre waren Säkularisationsgut. Sie stammten aus dem Zisterzienserinnenkloster Günterstal. Conrad Huber aus Weingarten (Württemberg) (1752–1830) malte für sie neue Oberbilder. Als Orgel wurde die Chororgel des Freiburger Münsters übernommen. Der Waldshuter Meister Johann Christoph Albrecht hatte sie 1708 hergestellt. Als der aus Pfaffenweiler stammende Orgelbauer Nikolaus Schuble 1811 den Auftrag für ein neues Instrument in Freiburg erhielt, nahm er die alte Orgel in ZahlungBernd Sulzmann: Freiburger Orgelmacher des 17., 18. und 19. Jahrhunderts. In: Schau-ins-Land, 98, 1979, S. 109. (Digitalisat). und transferierte sie nach Buchenbach.Kleinhans 1996, S. 347 und Hermann 2002, S. 24. Pfarrer Josef Franz (Pfarrer in Buchenbach von 1834 bis 1846)Karl Auchter: Mutig das Wort Gottes verkünden – Geistliche in Buchenbach. In: Ursula Huggle, Ulrike Rödling: Unsere Heimat Buchenbach. Vom Kirchspiel zur Gemeinde. Buchenbach 1996, ISBN 3-922675-63-8, S. 360–367, hier S. 362. nannte sie 1846 „ein unbrauchbares Werk, um 278 Gulden für ein wahrhaft weggeworfenes Geld angekauft, [...] ein altes wurmstichiges Werk“.Kleinhans 1996, S. 347. Die ersten Glocken fertigte die Glockengießerei „Gebrüder Bayer“ aus Freiburg.
mini|hochkant|St. Blasius im neugotischen Zustand, etwa 1910 Neugotische Kirche Einen ersten Anlauf zu einer Vergrößerung unternahm die Pfarrei 1838, einen zweiten 1866. Verwirklicht wurde ein Plan des Baudirektors des Erzbistums Freiburg Max Meckel von 1897. 1898 begannen die Arbeiten, und am 20. Oktober 1901 wurde die umgebaute Kirche vom Freiburger Erzbischof Thomas Nörber geweiht. Wenig später malte Carl Philipp Schilling sie aus, und die Überlinger Werkstatt „Gebrüder Mezger“ mit dem Bildhauer Eugen (um 1870–1908) und dem Fassmaler Victor (1866–1936)Anna Barbara Lorenzer: Zwischen Konservieren, Restaurieren und Konstruieren. Restaurierauffassung um 1900: die Werkstatt der Gebrüder Mezger in Überlingen am Bodensee. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt der Denkmalpflege, 39, 2010, S. 82–86 (Digitalisat abrufbar), abgerufen im Juni 2026. schuf die Altäre und den Schalldeckel der Kanzel. 1942 mussten drei Glocken für Kriegszwecke abgegeben werden. 1951 erhielt die Kirche vier neue Glocken der Heidelberger Gießerei Friedrich Wilhelm Schilling. 1961 wurde der Chor neu gedeckt und das Äußere renoviert.
mini|St. Blasius nach der Purifizierung, etwa 1970
Purifizierte Kirche Unter Pfarrer Eugen Hirst (1902–1973; Pfarrer in Buchenbach von 1949 bis zu seinem Tod) wurde die Kirche von 1963 bis 1967 im Zuge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils umgestaltet. Ein Hauptziel der Umgestaltung war, neben den Erfordernissen der Liturgiereform, die Verbesserung der Heizmöglichkeiten. Unterhalb des sichtbaren Sprengwerks der Dachkonstruktion wurde eine neue Holzdecke eingezogen, um die Wärme besser im unteren Bereich halten zu können. So wurde das Raumbild der Kirche völlig verändert. Vom Jüngsten Gericht am Triumphbogen wäre nur noch der untere Teil sichtbar gewesen. Da die Neugotik sowieso nicht viel galt, entschloss man sich von Seiten des Erzbischöflichen Bauamts, die Kirche radikal zu purifizieren.
Der alte Plattenboden wurde ebenso wie das Gestühlpodest entfernt, das Gestühl abgelaugt und vereinfacht, die Gemälde, Ranken und Teppichmuster der Wände wurden weiß überstrichen, die neugotischen Altäre auf Verlangen des Stiftungsrates zwar belassen, aber ohne ihre Zierrate und Fassung. „So kann die Buchenbacher Pfarrkirche als Beispiel für eine rigorose ‚Entleerung‘ und ein Vorgehen gegen Dekor und dunkle Farben der Neogotik dienen.“Hermann 2002, S. 18. St. Blasius Buchenbach steht damit neben der Pfarrkirche St. Raphael im Heidelberger Stadtteil Neuenheim, über die Martin Mosebach schrieb:Martin Mosebach: Häresie der Formlosigkeit. 3., erweiterte Auflage. Karolinger Verlag, Wien 2003, ISBN 3-85418-102-7, S. 72. „Die Schneedecke der Abstraktion senkte sich über die gestaltenreiche Communio sanctorum.“ Am 11. Juni 1967 weihte der Freiburger Weihbischof Karl Gnädinger den neuen Zelebrationsaltar.
mini|St. Blasius nach der Wiederherstellung, 2007 Wiederhergestellte Kirche Hatte die klassizistische Kirche 90 Jahre und die neugotische 66 Jahre Bestand, so die purifizierte nur 33 Jahre. „Knapp 40 Jahre nach der letzten Renovierung hatte sich die innere Einstellung zum Kirchenraum gewandelt. Man empfand ihn als kalt und verarmt, ohne Atmosphäre. So konnte bei der Innen-Erneuerung [...] im Jahr 2000 das Hauptziel nur die Rückgewinnung des alten Raumbildes der Zeit um 1900 sein.“Hermann 2002, S. 21. Sie erfolgte durch den Bad Krozinger Restaurator Johannes Berger. Im Chor wurde ein Plattenboden mit einem Muster ähnlich dem von 1900 verlegt; die alte Decke wurde wieder freigelegt; die Gemälde, Ranken und Teppichmuster der Wände wurden bestmöglich wiederhergestellt, die neugotischen Altäre neu gefasst und mit Zierraten versehen. Da das Gehäuse eines der alten Seitenaltäre in der Pfarrgarage erhalten geblieben war, konnte das Fehlende nachgebaut werden, so dass nunmehr die beiden Figurengruppen wieder einen entsprechenden, wenn auch gegenüber dem Original stark reduzierten Rahmen haben. Der Zelebrationsaltar von 1967 wurde als Unterbau für den alten Hochaltar verwendet. Den neuen Zelebrationsaltar, sowie den Ambo und den Taufstein aus rotem Sandstein schuf der Steinbildhauermeister Daniel Rösch (* 1963).Ulrich Kluge: Ein eher leiser Hirte. Der Bildhauer Daniel Rösch gestaltet ein Relief von Erzbischof Oskar Saier. In: Badische Zeitung vom 30. Januar 2009. Abgerufen am 8. Mai 2014. Die Arbeiten begleitete Pfarrer Ansgar Kleinhans (* 1944; Pfarrer in Buchenbach seit 1985).Pfarrer Kleinhans hat den christlichen Weg der Gemeinde geprägt. In: Badische Zeitung vom 12. Februar 2014. Abgerufen am 14. März 2014. Am 21. Januar 2001 weihte Erzbischof Oskar Saier, der aus dem Ortsteil Wagensteig stammte, den neuen Zelebrationsaltar.
Gebäude Die klassizistische Kirche von 1811 war ein Saal mit jederseits drei – nicht wie im ursprünglichen Plan vier – rundbogigen Fenstern. Über der westlichen Fassade erhob sich ein Dachreiter. Der Chor schloss mit drei Seiten des Achtecks und besaß vier ebenfalls rundbogige Fenster.
Meckel fügte beim neugotischen Umbau im Westen einen neuen Eingangs- und Emporenteil an. Über das westliche Hauptportal setzte er ein dreibahniges Spitzbogenfenster mit reichem Maßwerk, neben das Hauptportal zwei Rechteckfenster. Die Rundbogen der Fenster im Schiff ersetzte er durch Spitzbogen. An die Südwestecke baute er einen 36 m hohen Turm mit quadratischem Grundriss, der in vier Geschossen aufsteigt und mit einem eingeknickten Spitzhelm schließt. Ein Hausteinsockel aus Sandstein, Gesimse und Hausteinquadern an den Ecken beleben ihn. Im Osten führt eine Wendeltreppe bis ins dritte Geschoss, wo sie durchfenstert endet. Unter dem Helm tragen kleine Kragsteine das Traufgesims. Die sandsteinumrahmten Zifferblätter der Turmuhr überkragen das Traufgesims. Der neue Chor schließt wie der alte in drei Seiten des Achtecks und besitzt drei zweibahnige und ein dreibahniges Spitzbogenfenster. Im Innern öffnet sich die Orgelempore mit drei Bögen. Zwei Spitzbogen übereinander leiten in den Chor. Die seit 2000 unversehrt wieder sichtbare Bretterdecke trägt mit ihrem warmen Braunton und grünen Ranken zur Freundlichkeit des Inneren bei.
Ausstattung Wandmalerei und Glasfenster