Albula/Alvra ist eine im Jahr 2015 entstandene politische Gemeinde in der Region Albula des Schweizer Kantons Graubünden. Sie liegt im mittleren Albulatal und wird von bedeutenden Verkehrsachsen durchquert. Albula/Alvra ist eine offiziell zweisprachige Gemeinde mit Deutsch und Rätoromanisch als Amtssprachen.Gesetz über die Amtssprachen der Gemeinde Albula/Alvra vom 17. Juni 2016. In: albula-alvra.ch. Abgerufen am 18. Juni 2024.
Das Gemeindegebiet befindet sich im regionalen Naturpark Parc Ela und gehört mit dem Gebiet «Rhätische Bahn in der Kulturlandschaft Albula/Bernina» seit 2008 zum UNESCO-Welterbe.
Geschichte Entstehung der Gemeinde Die Gemeinde Albula/Alvra entstand am 1. Januar 2015 durch die Fusion der vorher selbständigen Gemeinden Alvaneu, Alvaschein, Brienz/Brinzauls, Mon, Stierva, Surava und Tiefencastel. Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts wurden Gebietsreformen im Albulatal geplant. Besonders im Bildungswesen gab es seit längerem eine regionale Zusammenarbeit. Von den damals elf Gemeinden im Tal nahmen sieben am Fusionsprojekt teil. Bei Volksabstimmungen am 28. Februar 2014 hiess die Bevölkerung der sieben Gemeinden den Fusionsvertrag mit durchschnittlich 87 Prozent Ja-Stimmen gut. In: Südostschweiz.ch. 28. Februar 2014, abgerufen am 8. März 2014.
Das neu geschaffene Gemeindewappen zeigt über dem blau-weiss gewellten Schildfuss, der den Fluss Albula symbolisiert, auf rotem Grund sieben Sterne für die vereinigten Gemeinden. Die offizielle Blasonierung lautet: «In Rot über gewelltem und dreimal geteiltem Schildfuss von Weiss/Blau/Weiss/Blau sieben fünfstrahlige gelbe Sterne, kreisförmig angeordnet.»
+ Teile der Gemeinde Name Fläche km² Einwohner31. Dezember 2013 Dichte pro km² Alvaneu 35,63 403 11 Alvaschein 4,08 142 35 Brienz/Brinzauls 13,37 128 10 Mon 8,46 90 11 Stierva 10,56 134 13 Surava 6,68 196 29 Tiefencastel 14,85 254 17 Total 93,63 1347 14
Geschichte des Gemeindegebiets In der Landschaft an der mittleren Albula sind Siedlungsspuren und Funde aus der prähistorischen Zeit und auch der Abbau von Erz nachgewiesen.Jürg Rageth: Ur- und frühgeschichtliche Funde von Tiefencastel. In: Bündner Wald, 42, 1989, S. 27–30.Leandra Naef: Die spätbronzezeitliche Schlackenhalde von Stierva, Tiragn. In: Archäologie GRaubünden, 1, 2013, S. 107–121. Bei Tiefencastel befindet sich der Flussübergang der seit der Antike bedeutenden Alpenstrasse vom Septimer- und vom Julierpass über die Albula. Die Verkehrsroute folgt südlich davon dem Tal der Julia, die bei Tiefencastel in die Albula mündet, und überquert gegen Norden den Sattel von Lenzerheide nach der Kantonshauptstadt Chur im Rheintal. In der Umgebung der Transitstrasse sind Spuren bronzezeitlicher und römischer Siedlungen bekannt. Seit der Spätantike lag die Landschaft im Zentrum des Gebiets von Churrätien.
Mehrere Ortsnamen der Siedlungen von Albula/Alvra sind erstmals in Urkunden aus dem frühen und dem hohen Mittelalter erwähnt: 831 Tiefencastel als villa in castello Impitinis um 840 Brienz/Brinzauls als Brinzola um 840 Stierva als Seturiuo 1154 Alvaschein als Alvisinis
In der Karolingerzeit entstand in einer Hügelzone nahe von Alvaschein das Kloster Uapitines, bekannt als Sankt Peter von Mistail. Von der Anlage ist noch die Klosterkirche erhalten, die ein gutes Beispiel einer karolingischen Saalkirche ist.Elvira Braunschweiler (u. a.): Kirche und ehemaliges Frauenkloster St. Peter Mistail. Kanton Graubünden. Bern 2011.
Die Gegend um Tiefencastel war um das 12. Jahrhundert Grenzland zwischen den Herrschaftsgebieten des Bischofs von Chur im Oberhalbstein und der Freiherren von Vaz im Norden, deren ehemaliges Herrschaftszentrum mit der Burg Belfort zwischen Brienz/Brinzauls und Alvaneu liegt.
Seit dem 15. Jahrhundert gehörten die Ortschaften des Albulatals und des Oberhalbstein dem Gotteshausbund an, der 1471 mit dem Grauen Bund und dem Zehngerichtebund den Freistaat der Drei Bünde bildete. Dieser wurde 1799 als Kanton Rätien ein Teil der Helvetischen Republik, die in den ehemaligen Bürgergemeinden neu die Einwohnergemeinden einführte. Diese Gemeindeform wurde 1803 vom neuen Kanton Graubünden übernommen.
Seit dem Mittelalter stand bei Alvaneu in der Nähe der Albula ein Heilbad, das Kuren mit schwefelhaltigem Wasser aus einer Mineralquelle anbot.Victor Weber: Das Schwefelbad zu Alveneu im Kanton Graubünden 930 M.ü.M. nebst den benachbarten Mineralquellen von Tiefenkasten und Solis. 1876. Seit 2001 wird der Betrieb als Kur- und Wellnesshotel geführt.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts baute der Kanton Graubünden die neue Passstrasse über den Julier und etwas später die Talstrasse nach Bergün. Um 1900 entstand die Albulabahn mit dem Bahnhof Tiefencastel.
Geographie Gemeindegebiet Die neue Gemeinde mit den sieben Fraktionen zählte (Stand 2015) rund 1370 Einwohner. Ihr Verwaltungssitz befindet sich im zentralen Talort Tiefencastel. Nachbargemeinden sind Arosa, Bergün Filisur, Lantsch/Lenz, Schmitten, Surses, Thusis, Vaz/Obervaz sowie Zillis-Reischen.
Landschaft Das Gemeindegebiet von Albula/Alvra hat eine Fläche von 9363 Hektaren und liegt zum grössten Teil im mittleren Albulatal zwischen der Mündung des Landwassers in die Albula und der Schinschlucht. Im Gebiet von Albula/Alvra befindet sich ein 16 Kilometer langer Abschnitt des Flusses, in welchen bei Tiefencastel von links auch noch die Julia (rätoromanisch Gelgia) einmündet. Die Ortschaften Alvaneu Bad, Surava, Tiefencastel und Alvaschein liegen im Talgrund an der Kantonsstrasse, die von der Schinschlucht nach Bergün/Bravuogn bzw. Davos führt. Mon und Stierva liegen südlich der Albula am nordöstlichen Abhang des Piz Curvér (), Vazerol, Brienz/Brinzauls und Alvaneu Dorf auf Hangterrassen nördlich der Albula.
Weit im Norden von Alvaneu und ausserhalb des Einzugsgebiets der Albula gehört das Hochtal Welschtobel (rätoromanisch Igl Cuolm) im Flussgebiet der Plessur zur Gemeinde. Es wird vom Welschtobelbach gegen Norden entwässert, der bei Arosa in die Plessur mündet. Seit dem 15. Jahrhundert gehörte das vom Albulagebiet aus nur auf dem Fussweg über den Furclettapass erreichbare Tal mit der Alp Ramoz zum Gebiet Inner-Belfort und später zur Gemeinde Alvaneu. Die höchsten Berggipfel nördlich von Brienz/Brinzauls und Alvaneu und an der Gemeindegrenze sind das Aroser Rothorn (), das Lenzer Horn () und das Erzhorn ().
Der tiefste Punkt des Gemeindegebiets liegt in der Albulaschlucht bei Solis auf , die höchste Erhebung am Piz Mitgel südöstlich von Tiefencastel auf
Rutschung Brienz/Brinzauls Das Dorf Brienz/Brinzauls liegt auf einem Erdrutschgebiet, das seit sehr langer Zeit in Bewegung ist,Felix Schmid: Zur Geologie der Umgebung von Tiefencastel (Kanton Graubünden). Zürich 1965. und unterhalb eines aktiven Erosionsgebietes am Piz Linard. Seit 2008 und erneut seit 2019 ereigneten sich immer wieder Steinschläge und Hangrutschungen in der Nähe des Dorfes. Der Gemeindeführungsstab von Albula/Alvra ist für die Analyse der Gefahrensituation und behördliche Massnahmen zuständig. Wegen einer akuten Verschärfung der Bergsturzgefahr ordnete die Instanz die vollständige Evakuierung des Dorfes Brienz/Brinzauls zum 12. Mai 2023 an.Von Felssturz bedroht. Bündner Bergdorf Brienz muss evakuiert werden. In: srf.ch, 9. Mai 2023. Infolge eines erneuten Felssturzes kam es am 17. November 2024 zu einer erneuten Evakuierung des Ortes, die Bewohner mussten ihr Dorf verlassen und dürfen es voraussichtlich bis Frühjahr 2025 nicht mehr betreten.https://www.albula-alvra.ch/infobrienzerrutsch Infos zum Brienzer Rutsch auf der Webseite der Gemeinde Albula
Wappen
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Jahr 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Einwohner 1363 1346 1369 1347 1322 1331 1331
Sprachen Albula/Alvra befindet sich, sprachgeographisch gesehen, an der Sprachgrenze bzw. im Mittelbündner Grenzraum zwischen der deutschen und der rätoromanischen Sprache. Die Gemeinde ist offiziell zweisprachig. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben in den damaligen sieben Gemeinden 64 Prozent der Einwohner Deutsch und 30 Prozent Romanisch als ihre Hauptsprache an. Bis zum 19. Jahrhundert sprach die Bevölkerung aller sieben Fraktionen allgemein den romanischen Dialekt Surmiran, und die Ortschaften gehörten zum traditionell rätoromanischsprachigen Gebiet Graubündens. Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts nahm vor allem in den Strassendörfern der Gebrauch der deutschen Sprache wie in vielen rätoromanischsprachigen Gebieten durch die Zuwanderung, wirtschaftliche Beziehungen, den Bau der Eisenbahn, den Tourismus und die Sprachpolitik zu und drängte das Romanische zunehmend an den Rand. In den beiden Dörfern Alvaneu und Surava führte die Germanisierung schon in den Anfängen des 20. Jahrhunderts dazu, dass das Rätoromanische weitgehend aufgegeben wurde. In den anderen Dörfern blieb die romanische Umgangssprache teilweise erhalten. Der Anteil der romanischsprachigen Bevölkerung in den Ortschaften variiert stark. Während in Surava und Alvaneu gemäss Zensus 2000 der Anteil von romanischsprachigen Personen noch 11 Prozent resp. 17 Prozent betrug, waren es in Stierva und Mon noch 66 Prozent resp. 52 Prozent.
Die 2014 von der Bevölkerung der Vorgängergemeinden angenommene neue Gemeindeverfassung der Gemeinde Albula/Alvra bezeichnet das Deutsche und das Rätoromanische als offizielle Amtssprachen.Verfassung der Gemeinde Albula/Alvra. In: albula-alvra.ch. Abgerufen am 18. Juni 2024.Andreas Glaser: Der Sprachenstatus von Gemeinden nach einer Fusion – Albula/Alvra und Surses. In: Zeitschrift für Gesetzgebung und Rechtsprechung in Graubünden, 33, 2014, S. 246–251. 2016 wurde ein mit der Lia Rumantscha und der Uniun Rumantscha Grischun Central ausgearbeitetes kommunales Gesetz zur Förderung der romanischen Sprache erlassen.Gesetz zur Förderung der romanischen Sprache der Gemeinde Albula/Alvra vom 27. Juni 2016. In: albula-alvra.ch. Abgerufen am 18. Juni 2024.
Nationalität Ende 2015 waren von den in der Gemeinde ansässigen Personen 1147 Schweizer Staatsangehörige, 184 Einwohner waren ausländischer Herkunft. Der Ausländeranteil beträgt somit 13,8 Prozent.
Konfessionen Alle sieben Ortschaften der Gemeinde sind traditionell katholisch geprägt. Im Jahr 2000 waren 1027 Personen römisch-katholisch, was einem Bevölkerungsanteil von 75,1 Prozent entspricht. Daneben gab es 14,4 Prozent evangelisch-reformierte Christen, 1,5 Prozent Muslime und 3,4 Prozent Konfessionslose. Die restliche Bevölkerung gehörte anderen Glaubensgemeinschaften an oder machte keine Angaben zu einem Glaubensbekenntnis.
Politik Die von der Gemeindeversammlung erlassene Gemeindeverfassung datiert vom 27. Juni 2014. Die Stimmberechtigten bilden in ihrer Gesamtheit das oberste Organ der Gemeinde. Sie üben ihre Rechte nach Massgabe dieser Verfassung in der Urnengemeinde und in der Gemeindeversammlung aus.
Gemeindevorstand Der Gemeindevorstand ist die Verwaltungs- und Polizeibehörde der Gemeinde. Er besteht aus dem Gemeindepräsidenten und sechs weiteren Mitgliedern. Für die Amtszeit 2025–28 wurden die untenstehenden Personen in den Gemeindevorstand gewählt. Nach dem vorzeitigen Rücktritt von Daniel Albertin, hat die Stimmbevölkerung Manuela Gebert zur neuen Gemeindepräsidentin gewählt. +FunktionNameGemeindepräsidiumDaniel Albertin (bis 31.12.2026)Manuela Gebert (ab 1.1.2027)VizepräsidiumPatrizia ZaniniVorstandsmitgliedFlavia BalzerVorstandsmitgliedMartin ChristenVorstandsmitgliedReto CrameriVorstandsmitgliedAgnes SimeonVorstandsmitgliedIvan Sonder
Grossratswahlen Die Gemeinde Albula/Alvra bildet zusammen mit der Gemeinde Vaz/Obervaz den Wahlkreis Alvaschein. Bei den Wahlen 2026 wurden Luana Bergamin (Mitte) und Daniel Albertin (Mitte) in den Grossen Rat gewählt. Die Wähleranteile in der Gemeinde Albula/Alvra verteilten sich wie folgt: +20262022Mitte55,3 %68,0 %FDP24,4 %5,1 %SP9,6 %13,0 %SVP8,7 %10,3 %GLP2,0 %3,6 %
Nationalratswahlen Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Albula/Alvra: