mini|Kirche St. Karl mini|Ansicht von Süden Die von Fritz Metzger entworfene Kirche St. Karl ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in der Stadt Luzern, die in den Jahren 1932–34 gebaut wurde. Sie zählt zu den wichtigsten Bauten der katholischen Kirchenarchitektur des 20. Jahrhunderts in der Schweiz.Fabrizio Brentini: Bauen für die Kirche. Katholischer Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. Klappentext. Sie ist die erste Beton-Kirche der Zentralschweiz und gilt als erstes Werk moderner Kirchenarchitektur in Luzern.Website der Pfarrei, Abschnitt Porträt Abgerufen am 3. März 2014. Deshalb ist sie auf der Liste der Kulturgüter in Luzern als national bedeutend aufgeführt.
Die Kirche befindet sich nordwestlich der Altstadt bei der St. Karli-Brücke direkt an der Reuss in Nähe des Luzerner Kantonsspital.
Geschichte mini|Karl Borromäus von Karl Bick Namensgebung und Vorgeschichte Karl Borromäus (1538–1584) hatte sich als Erzbischof von Mailand im 16. Jahrhundert dafür eingesetzt, dass die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545–1563) umgesetzt wurden. Als Karl Borromäus zum Kardinal ernannt wurde, baten die katholischen Orte der Eidgenossenschaft darum, dass Karl Borromäus zum Protektor, d. h. zum Fürsprecher für die Angelegenheiten der Eidgenossenschaft an der Römischen Kurie wurde. Auf seiner Visitationsreise durch die Schweiz im Jahr 1570 war Karl Borromäus auch in Luzern. So entstanden Kontakte zu Luzerner Familien. Zwei Söhne aus der Patrizierfamilie Cloos studierten im von Karl Borromäus gegründeten Collegium Helveticum in Mailand. Diese Familie erbaute um 1630 die Kapelle St. Karl neben ihrem Landhaus, heute das Herrenhaus an der Spitalstrasse 91a. Diese Kapelle wurde im Gedenken an seine Verdienste für Luzern und für die katholischen Orte dem Hl. Karl Borromäus geweiht. Als im 20. Jahrhundert die Pfarrei St. Karl gegründet wurde, übertrug man dieses Karl-Borromäus-Patrozinium auf die Pfarrkirche.Pfarrei St. Karl (Hrsg.): Willkommen in der Kirche St. Karl, Luzern. S. 2.
Entstehungs- und Baugeschichte Drei Fakten ermöglichten, dass die Kirche St. Karl zu einem der wichtigsten Bauten des katholischen Kirchenbaus im 20. Jahrhundert werden konnte. Der Bauplatz war so gewählt, dass die zu bauende Kirche an einem städtebaulich dominanten Punkt zu liegen kam: am Brückenkopf zwischen zwei Quartieren, an der Reuss gelegen, am tiefsten Punkt der hier zusammenkommenden Strassenzüge.Paul Hilber, zitiert nach: Fabrizio Brentini: Bauen für die Kirche. Katholischer Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. S. 66. Der zweite Umstand für den aussergewöhnlichen Kirchenbau lag in der damaligen Bevölkerung der umliegenden Quartiere. Es handelte sich mehrheitlich um Menschen aus wenig begüterten Schichten, die „für antiklerikale Propaganda sehr empfänglich“Fabrizio Brentini: Bauen für die Kirche. Katholischer Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. S. 65. war. Dies führte dazu, dass in diesem Quartier der Bau einer neuen Kirche samt Pfarrei vorangetrieben wurde. Der dritte Fakt, der zum Bau dieser Kirche führte, war der Umstand, dass der Luzerner Stadtpfarrer Joseph Ambühl im Jahr 1925 zum Bischof des Bistums Basel ernannt wurde. Er schützte die Realisierung dieses Kirchbaus vor allen Einwänden.Fabrizio Brentini: Bauen für die Kirche. Katholischer Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. S. 66.
Der Kirchenrat schrieb am 8. März 1930 einen offenen Wettbewerb für den Bau einer Kirche für 900 Personen samt Unterkirche für 150 Personen aus. Die 68 eingereichten Vorschläge wurden von einem siebenköpfigen Preisgericht prämiert. Die ersten drei Projekte wurden für eine Weiterbearbeitung zugelassen. Am 29. Juli 1931 wurde entschieden, das Projekt des damals erst 33-jährigen Architekten Fritz Metzger der Kirchgemeinde zur Abstimmung vorzulegen. Die Modernität der geplanten Kirche sorgte beim bischöflichen Ordinariat zu Unruhe. So kritisierte der für Kunstfragen zuständige Dompropst Schwendimann beim Projekt von Fritz Metzger, die Säulenstellung nehme dem Altarraum seine herausragende Stellung und führe zu einer „demokratischen Gleichmacherei“.Fabrizio Brentini: Bauen für die Kirche. Katholischer Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. S. 68. Mühe bereitete Bischof Ambühl die „extrem sachliche Einfachheit“ des Projekts. Trotzdem lehnte der Bischof das vorliegende Projekt nicht gänzlich ab. Ein für den Bau der Kirche gegründetes Komitee argumentierte mit der Schaffung von Arbeitsplätzen in Zeiten der Weltwirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit. Bei der Kirchgemeindeversammlung am 17. April 1932 stimmten 2240 Personen für und 926 Personen gegen den Bau der Kirche. Bischof Ambühl nahm die Grundsteinlegung am 25. Juli 1933 selber vor. Nach einer für die Grösse der Kirche kurzen Bauzeit von gut einem Jahr wurde die Kirche am 28. Oktober 1934 eingeweiht.Fabrizio Brentini: Bauen für die Kirche. Katholischer Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. S. 66–69.
Die Pfarrei St. Karl ist zuständig für die beiden Quartiere Bramberg sowie Basel-/Bernstrasse und zählt knapp 3000 Katholiken (Stand 2014).Website der Pfarrei, Abschnitt Porträt. Abgerufen am 3. März 2014.
Baubeschreibung Kirchturm und Äusseres mini|hochkant=0.7|Glockenstube Die Kirche St. Karl befindet sich an der Reuss neben der St. Karli-Brücke. Die Reuss trennt die beiden Stadtteile Bramberg und Basel-/Bernstrasse. Der Kirchturm ist auf der Höhe der Glockenstube auf der Strassenseite skelettiert. Der Strasse folgend, wird der Kirchenbau durch einen runden Chor abgeschlossen, der die Strassenabzweigung nördlich der Kirche räumlich wiederholt. Auf der Südseite der Kirche befindet sich am Ufer der Reuss eine Terrasse, die die Architektur der Kirche mit der Flusslandschaft verbindet. Das am Flussufer weit vorspringende Dach wird von vier Säulen getragen, welche eine Verbindung von Aussen- und Innenraum bilden.Fabrizio Brentini: Bauen für die Kirche. Katholischer Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. 72–73.
Die Glocken wurden 1934 von der Firma H. Rüetschi, Aarau, gegossen und am 7. Oktober gleichen Jahres geweiht.Pfarrei St. Karl (Hrsg.): Willkommen in der Kirche St. Karl, Luzern. S. 20. Glocke Schlagton Gewicht Widmung Inschrift 1 b0 3382 kg Christkönig „Jesum Christum, Regem Regum, venite adoremus.“(Jesus Christus, den König der Könige, kommt, lasset uns anbeten.) 2 des1 1960 kg St. Karl „Tuo patrocino, S. Carole, pasto bone parochiam nostram defende.“(Durch dein Patrozinium, Heiliger Karl, guter Hirte, beschütze unsere Pfarrei.) 3 es1 1453 kg Maria „Sancta Maria, succurre miseris, ora pro populo, intercede pro clero.“(Heilige Maria, komm den Armen zu Hilfe, bitte für das Volk, stehe dem Klerus bei.) 4 ges1 806 kg St. Caecilia „Sancta Cäcilia, virgo prudens et maryr invicta, ora pro nobis. Cantores pristini sanctuarii dedicaverunt me in honorem sanctae Cäcilia MCMXXXIII.“(Heilige Cäcilia, du kluge Jungfrau und unbesiegte Märtyrerin, bitte für uns. Die Sänger des früheren Heiligtums haben mich der heiligen Cäcilia gewidmet.) 5 as1 585 kg St. Joseph „Sancte Joseph Filium ora in mortis nostrae hora gravissima.“(Heiliger Joseph, bitte den Gottessohn in der überaus schweren Stunde unseres Todes.) 6 b1 438 kg Bruder Klaus „Beate Nicoaë de Flue, Sanctissimi cultor mirabilis, intercede pro nobis.“(Seliger Nikolaus von Flüe, wunderbarer Verehrer des Allerheiligsten, tritt für uns ein.) 7 des2 237 kg Schutzengel „Parochiam nostram manus conservet Angelica dum huius vasculi sonitus transit per aera.“(Die Schar der Engel bewahre unsere Pfarrei, während der Klang dieses Glöckleins durch die Lüfte geht.)
Innenraum Im Innern der Kirche umspannt eine nichttragende Wand die Gottesdienstgemeinde. Die vorgestellten Säulen folgen dem Grundriss der Kirche und betonen die Verbindung von Boden und Decke. Ein Fensterband unterhalb der Decke führt das Tageslicht durch Buntglasfenster gedämpft in das Innere der Kirche. Nebenaltäre und Beichtstühle befinden sich in Nischen, welche von aussen als nebenschiffartige Segmente wahrgenommen werden, im Innern den einheitlichen Raum von Kirchenschiff und Altarraum jedoch nicht beeinträchtigen. Der Architekt Fritz Metzger fasst die Grundsätze dieses Kirchbaus zusammen: Wand, Säule und Dach bilden die wesentlichen Elemente des Baus. „Das Tragen, Überdecken, Umschliessen… Diese Vorstellungen waren von Anfang an mit den Möglichkeiten des Eisenbetonbaus verbunden.“ Zur Einheit des Kirchenschiffs mit dem Altarraum schreibt Metzger: „Die Kirche will Heiligtum und Gemeinschaft sein.“Zitate nach: Fabrizio Brentini: Bauen für die Kirche. Katholischer Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. S. 73.
Künstlerische Ausstattung Aussenraum Im Aussenraum der Kirche befinden sich mehrere Kunstwerke: Beim Hauptaufgang der Kirche eine Karl-Borromäus-Statue von Eduard Bick aus Granit. Für das Hauptportal der Kirche auf der Südseite schuf August Blaesi (1903–1979) aus Sandstein die vier Evangelisten. Mit ihren reduzierten Formen passen sich die Figuren in die schlicht gestaltete Front der Kirche ein. Das Relief beim Sakristeieingang stammt von Leopold Haefliger (1906–1974) und erinnert daran, dass Karl Borromäus als Erzbischof von Mailand nicht wie andere einflussreiche Menschen die Stadt während der Pest verlassen hatte, sondern seinem Leitspruch Demut getreu sich der Kranken annahm. Die Supraporte über dem westlichen Eingang stammt ebenfalls von Leopold Haefliger. Es zeigt, wie Engel den Karl Borromäus nach dessen Tod in den Himmel geleiten. Dass diese Darstellung an der Westseite der Kirche angebracht wurde, verweist auf die Bedeutung des Westens als Ort des Sonnenuntergangs als Symbol für den Tod. Beim Abgang zur Unterkirche befindet sich eine Pietà, die aus dem Jahr 1903 stammt und in den 1950er Jahren hierher versetzt wurde. Sie stammt von Josef Vetter (1860–1936).Pfarrei St. Karl (Hrsg.): Willkommen in der Kirche St. Karl, Luzern. S. 18–19.
Oberkirche mini|Glasfenster von Hans Stocker mini|Taufe Jesu, Fresko von Hans Stocker mini|Tabernakel von Albert Schilling mini|Don Bosco, Glasfenster von Hans Stocker Im März 1934 schrieb die katholische Kirchgemeinde Luzern einen Wettbewerb zur Gestaltung der neu erbauten Kirche aus. Da Papst Pius XI. im Jahr 1925 das Christkönigsfest als Gegenbewegung zur Säkularisation eingeführt hatte, griff die Kirchgemeinde das Thema Christ-König auf und bestimmte Christus – Gottessohn – König zum Thema, dem die Gestaltung des Kircheninnenraums untergeordnet werden sollte. Von den 40 eingegangenen Entwürfen fiel der erste Preis an Hans Stocker. Stocker schuf in der Oberkirche Fresken, die an der Kirchenwand nur leicht zu haften scheinen. Die einzelnen Szenen wurden von Stocker auf das Wesentliche reduziert, spiegeln in den Landschaftselementen und durch die Gewänder der Personen die biblische Gegend Palästina und stellen durch die Porträtierung von Pfarreiangehörigen einen emotionalen Bezug der Gemeinde zur künstlerischen Gestaltung.
Das Bild in der Chorapsis zeigt Christus als Erlöser und Richter am Ende der Zeiten. Bis zur Umgestaltung des Altarraums im Zuge der Liturgiereform vom Zweiten Vatikanischen Konzil stand unter diesem Bild der Altar mit dem Tabernakel. Links und rechts von diesem Fresko sind im Chorraum die Apostel Petrus und Paulus samt dem Kirchenpatron Karl Borromäus zu sehen (rechts) sowie die Muttergottes, der Erzengel Michael sowie der heilige Niklaus von Flüe (links). Diesen Figuren folgen auf beiden Seiten heilige Jungfrauen (Agnes, Cäcilia, Agatha, Katharina von Alexandrien und Wiborada) und lateinische Kirchenlehrer (Ambrosius, Augustinus, Hieronymus, Gregor der Grosse und Thomas von Aquin).