mini|Denkmal für das Magdeburger Recht in Kiew mini|Denkmal am Abend mit Blick Richtung Dnepr Das Denkmal für das Magdeburger Recht (), auch Säule des Magdeburger Rechts (, ), Denkmal für die Taufe der Kiewer Rus (, ) oder Unteres Denkmal des Heiligen Wladimir (, ) gilt als das älteste noch existierende Denkmal in der jetzigen ukrainischen Hauptstadt Kiew.Der Samsonbrunnen ist nur wenige Jahre jünger. Es liegt im heutigen Rajon Podil an der Uferchaussee im Kreschtschaty jar. Es erinnert an die Wiederherstellung der Privilegien des Magdeburger Rechtes für die Stadt Kiew durch den russischen Kaiser Alexander I. und gleichzeitig an die Taufe der Rus durch den Kiewer Großfürsten Wladimir I. im Jahre 988.

Geschichte Nach Quellen aus dem 17. Jahrhundert (Kijewo-Petscherski paterik, Kiewer Synopsis) taufte Großfürst Wladimir 988 in dem durch den Kreschtschaty jar verlaufenden Bach zunächst seine zwölf Söhne und am nächsten Tag alle Einwohner Kiews. Der Ort der Taufe wird indirekt durch Dokumente aus dem 14. Jahrhundert bestätigt, nach denen sie Taufe in der Nähe der späteren Peterskirche stattfand. Es ist bekannt, dass eine Peterskirche Teil des Klosters des Heiligen Dmitri war, welches sich auf der Michailshöhe befand. Dieses Ereignis gilt als Beginn der Christianisierung der Rus.

Der Ort wurde von der Russisch-Orthodoxen Kirche als Taufstätte verehrt. Die Quelle des Bachs wurde eingefasst und 1684 über ihr eine kleine Kapelle errichtet, in der unter anderen auch Ikonen der Heiligen Boris und Gleb und Wladimirs I. aufbewahrt wurden. Die Kapelle unterstand der Geburtskirche, deren Geistliche am 2. Mai, dem Gedenktag an Boris und Gleb, und am 15. Juli, dem Gedenktag an Wladimir I, Prozessionen zur Segnung des Brunnenwassers abhielten. Die Kapelle ist auf dem Plan Uschakows aus dem Jahre 1695 als Kreschtschatik (Крещатик) bezeichnet.

Das heutige Denkmal wurde in den Jahren von 1802 bis 1808 vom Architekten Andrei Iwanowitsch Melenski errichtet. Abweichend davon vermutet Maria Kodomska eine Urheberschaft von Oleksij Eldesin. Der russische Kaiser Alexander I. hatte 1802 die Privilegien des Magdeburger Rechts für Kiew wiederhergestellt. Ursprünglich war das Magdeburger Recht der Stadt Kiew 1494 verliehen worden. Kaiserin Katharina II. entzog der Stadt jedoch am 20. Oktober 1775 mit dem Dekret „Über den Beitritt Kiews zu Kleinrussland“ dieses Recht wieder, Kaiser Paul I. stellte es mit Dekreten vom 30. November 1796 und 16. September 1797 formell wieder her. Während diese Dekrete in die Gesetzessammlung aufgenommen wurden, ist die bei der Urkunde Alexander I. jedoch nicht der Fall. Die „Vollständige Sammlung der Gesetze des Russischen Reiches“ wurde jedoch erst unter Kaiser Nikolaus I. erstellt; und es wird vermutet, dass dieser Gesetze, die er zwischenzeitlich wieder abgeschafft hatte, nicht in die Gesetzessammlung aufnahm. Das von den Kiewer Bürgern aus Dankbarkeit dem Kaiser gewidmete Denkmal sollte sowohl an die Taufe der Rus, als auch an die Wiederherstellung des Magdeburger Rechts und an den Dreikönigstag erinnern. Die Kiewer Bevölkerung hatte die Wiedereinführung drei Tage mit Illuminationen und Bällen gefeiert und 10.000 Rubel für das Denkmal gesammelt.

Eingeweiht wurde das Denkmal am 15. August 1802. Die Namen Denkmal für das Magdeburger Recht und Säule des Magedburger Rechts beziehen sich auf die Wiedereinführung des Magdeburger Rechts, der Name Denkmal für die Taufe der Kiewer Rus auf die Taufe der Kiewer durch Wladimir I. Der Name Unteres Denkmal des Heiligen Wladimir bezieht sich wiederum auf die Taufe und dient nach 1853 zur Unterscheidung vom später errichteten Denkmal für Wladimir den Heiligen. In einem Plan der Oberstadt aus dem Jahre 1803 wird es als Denkmal des Heiligen Wladimir bezeichnet.

Kaiser Alexander I. war nicht vorab über den Bau des Denkmals unterrichtet worden und soll darüber empört gewesen sein. Der Kiewer Generalgouverneur Andrei Semjonowitsch Fensch wurde wenig später von Alexander I. seines Amtes enthoben.

Beschreibung Das klassizistische Denkmal hat eine Höhe von insgesamt 23 m. Der aus Ziegeln gemauerte Sockel mit drei Bögen hat eine Höhe von fünf Metern. Darüber erhebt sich eine 18 Meter hohe toskanischen Säule. Gekrönt wird sie von einer goldenen Kugel, die ein Kreuz trägt. Tafeln am Denkmal erinnerten an den Architekten und die Widmung des Denkmals.

Der Kiewer Metropolit Serapion Aleksandrowski verfügte 1804, das jeden Mittwoch in der Pfingstwoche eine Prozession von der Sophienkathedrale zur Segnung des Quellwassers durchzuführen sei. In der Folgezeit verfiel das Denkmal. Von 1843 bis 1849 fanden keine Prozessionen mehr statt.

1861 begann die Restaurierung des Denkmals, im gleichen Jahr wurden die Prozessionen wieder auf den 15. Juli gelegt. 1862 wurde im inneren des Denkmals eine kleine Kapelle eingerichtet. In ein in der Kapelle befindliches Becken wurde das Wasser der Quelle über eine Rohrleitung geleitet. 1867 entstand ein neueres, größeres Becken. Die Ikonen der Kapelle wurden in einen Steinpavillon über dem Becken verlegt, der die frühere Kapelle ersetzte und weiterhin der kirchlichen Jurisdiktion unterstand. Das Denkmal sollte bereits 1863 in die Jurisdiktion des Kiewer Höhlenklosters übergeben werden. Dieses lehnte schließlich 1881 die Übernahme ab, da sich die Anlage weit außerhalb ihres Gebietes befand. 1882 wurde das Denkmal in die Verantwortung der Kreuzerhöhungskirche gegeben, 1906 in die des Epiphaniasklosters.

Einem Inspektionsbericht zufolge befand sich das Denkmal 1912 wieder in einem desolaten Zustand. Im Folgejahr begannen umfangreiche Restaurierungsarbeiten unter Leitung des russischen Architekten Michail Bobrussow.

Für die Prozessionen, Pilger und Besucher wurde 1883 eine Holztreppe in der Schlucht gebaut. Diese wurde 1915 durch eine Treppe aus Stahlbeton nach einem Entwurf Bobrussows ersetzt.

Eine erneute Restaurierung des Denkmals begann 1963 unter der Leitung von Walentyna Iwaniwna Kornejewa, einer Kiewer Architektin und Restaurateurin; eine weitere 1987 unter Leitung von Iryna Mahomediwna Malakowa. Zu Zeiten der Sowjetunion war das goldene Kreuz entfernt worden, es wurde inzwischen wieder angebracht.

Weblinks

Beschreibung des Denkmals (russisch)

Literatur

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Denkmal in Kiew Kategorie:Erbaut in den 1800er Jahren Kategorie:Klassizistisches Bauwerk in Kiew Kategorie:Podil