mini|hochkant|St.-Nikolaus-Kirche (2017) Die Pfarrkirche St. Nikolaus in der Oberstadt von Eupen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens ist ein römisch-katholisches Kirchengebäude, das dem heiligen Nikolaus von Myra geweiht ist. Die heutige Kirche unweit des Marktplatzes mit ihren markanten Doppeltürmen gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt und wurde von 1720 bis 1726 nach Plänen des Aachener Stadtbaumeisters Laurenz Mefferdatis im Stil der Renaissance errichtet. Die Innenausstattung wurde im Stile des Lütticher und Aachener Barocks gestaltet und besitzt als kostbarstes Kunstwerk einen von Johann Joseph Couven zwischen 1740 und 1744 entworfenen mächtigen Hochaltar. Seit den 1990er-Jahren gehört sie zum Pfarrverband Eupen-Kettenis im Dekanat 05Dekanat 05 Eupen im Bistum Lüttich des Bistums Lüttich und seit 1939 steht sie unter Denkmalschutz.
Geschichte mini|St. Nikolaus um 1890 vor dem Umbau der Fassade und der Türme mini|St. Nikolaus um 1907 nach dem Umbau durch Lambert von Fisenne Bereits 1213 wird in den Annales Rodenses eine „Capella Sancti Nicolai“ in „Oipen“ urkundlich erwähnt, die zusammen mit Membach und Henri-Chapelle zur Pfarre Baelen gehörte und 1178 durch Herzog Heinrich III. von Limburg der Abtei Klosterrath geschenkt wurde. Der aus unregelmäßigen Bruchsteinen erbaute Südturm der heutigen Kirche ist ein Überbleibsel dieser ersten Kapelle, die schließlich im 14. oder 15. Jahrhundert durch eine gotische Kirche ersetzt wurde. Dabei wurde der alte Südturm in das neue Gebäude integriert. 1695 wurde St. Nikolaus von der Pfarre Baelen abgekoppelt und zur eigenständigen Pfarre erhoben sowie der bisherige Rektor Nikolaus Heyendal zum ersten Pfarrer ernannt, jedoch bereits 1697 von seinem Amt enthoben. Im Jahr 1707 wurde auf Initiative des neuen Pfarrers Caspar Henreco (1664–1742) das neue Pfarrhaus fertiggestellt, das ebenfalls 1939 in die Denkmalschutzliste aufgenommen wurde.Pfarrhaus St. Nikolaus, auf ostbelgienkulturerbe.be
Die heutige Kirche wurde schließlich von 1720 bis 1726 nach Plänen des Aachener Stadtbaumeisters Laurenz Mefferdatis unter Einbeziehung des alten Südturmes errichtet und 1729 konsekriert. Ein Jahr später übernahm die Pfarre die Lambertuskapelle auf dem Werthplatz sowie im Jahr 1803 nach der Säkularisation und dem Auszug der Kapuziner unter französischer Herrschaft deren vormalige Kirche zur Unbefleckten Empfängnis als Filialkirchen.
In der preußischen Zeit Eupens von 1815 bis 1920 gehörte die St. Nikolaus zum Erzbistum Köln, bevor sie nach dem Anschluss des Kreises Eupen an Belgien wieder dem Bistum Lüttich unterstellt wurde. Zwischenzeitlich wurden 1861 der neue Pfarrfriedhof zwischen der Kirche und dem Pfarrhaus angelegt sowie in den Jahren 1897 und 1898 die Fassade und die beiden Türme nach Plänen des Architekten Lambert von Fisenne in barocken Formen neu gestaltet. 1949 zerstörte ein Großbrand den Nordturm und es dauerte vier Jahre, bis er im alten Zustand wieder hergestellt worden ist. Zwischen 2013 und 2017 wurden beide Türme sowie die Fassade erneut grundlegend saniert und teilerneuert.Frederik Schunck: Sanierungsarbeiten fast fertig: St. Nikolaus-Kirche in Eupen mit neuen Kupfertürmen, Bericht und Video des BRF vom 3. April 2017
Pfarrer 1695–1697: Nikolaus Heyendal (1658–1733), Rektor 1694/1695; Pfarrer 1697–1733: Caspar Henreco (1664–1742), Pfarrer 1733–1738: Johann Zülcher (1675–1767), Pfarrer 1738–1757: Johann Joseph Haghen (1699–1781), Pfarrer 1757–1777: Johann Gerhard Heyendal (1716–1777), Pfarrer 1777–1807: Johann Houben, Pfarrer (1736–1807), Pfarrer, ab 1803 Oberpfarrer 1807–1825: Johann Josef Müller (1768–1850), Oberpfarrer 1825–1828: Franz Joseph Klausener (1767–1828), Oberpfarrer, ab 1827 Dechant 1828–1847: Johann Anton Vincken (1776–1847), Oberpfarrer und zugleich Dechant 1847–1861: Paul Pauls (1801–1867), Oberpfarrer und zugleich Dechant 1861–1892: Jakob Tilmann Philipp Richartz (1821–1892), Pfarrer, von 1887 bis 1892 Dechant 1892–1909: Johann Heinrich Beys (1842–1909), Pfarrer, ab 1900 Dechant 1909–1912: Konrad Albrecht Ley (1843–1917), Oberpfarrer 1912–1929: Hermann Löchte (1850–1929), Pfarrer, von 1922 bis 1929 Dechant 1929–1940: Hubert Keufgens (1888–1961), Pfarrer und zugleich Dechant 1940–1945: Anton Offergeld (1890–1976), Pfarrverwalter und Dechant 1945–1954: Hubert Thissen (1905–1972), Pfarrer und zugleich Dechant 1954–1971: Benoît Ledur (1903–1999), Pfarrer und zugleich Dechant 1971–1990: Wim Geelen (1926–2017), Pfarrer und zugleich Dechant 1990–2001: Aloys Jousten (1937–2021), Pfarrer und zugleich Dechant; ab 2001 Bischof von Lüttich seit 2001: Helmut Schmitz, Pfarrer und zugleich Dechant, zugleich seit 2011 Pfarrer an St. Katharina in Kettenis und seit 2013 an St. Josef in Eupen
Baucharakteristik
Hinter dem hohen Eingangsbereich mit seiner Portalwand und den beiden flankierenden Türmen erstreckt sich die über sechs Joch reichende dreischiffige aus Sandstein erbaute Hallenkirche, die an ihrer Ostseite mit einer siebenseitigen Apsis abschließt und deren süd- und nordöstliche Gebäudeecken mit Blausteinquadern verstärkt sind. Hinter der Apsis ist die mehrgeschossige Sakristei angebaut, an der im 19. und 20. Jahrhundert Veränderungen vorgenommen wurden.
Für den nötigen Lichteinfall ins Kircheninnere sorgen sechs hohe Rundbogenfenster je Seite und vier an den Seitenwänden der Apsis, umrahmt mit Quadern aus Blaustein in Zahnschnittfolge. Der größte Teil der dort verwendeten Bleiverglasung wurde mehrfach, zumeist in der Glasmalerwerkstatt Oidtmann aus Linnich erneuert. Die ältesten vorhandenen Kirchenfenster stammen aus den Jahren 1866 bis 1868 und gehen auf Spenden einflussreicher Eupener Bürger zurück.Kirchenfenster Grand-Ry-Ackens, auf ostbelgien.net Kirchenfenster Hüffer, auf ostbelgien.netKirchenfenster The Losen-Hüffer, auf ostbelgien.net
Auf der Schieferdeckung, die mit kleinen Dachgauben geziert ist, ist in Höhe des Chores ein kleines oktogonales Glockentürmchen mit einem spitzen Zwiebelhelm aufgesetzt, das mit einer Kombination von Kreuz und Windfahne bestückt ist. mini|hochkant|Missionskreuz Die beiden Türme und die verbindende Westfassade der Kirche verdanken ihr heutiges Aussehen vor allem der Neugestaltung durch Lambert von Fisenne, der diese durch die Schaffung eines Figurengiebels und durch eine neue Verkleidung der Türme an den barocken Formen angepasst hat. Die monumentale Westfassade wird geprägt durch die beiden, über zwei Geschosse gehenden quadratischen Turmbauten mit ihren großen zugemauerten Rundbogenöffnungen. Die Mauersteine im Rundbogen des rechten Turmes stammen weitestgehend von dem Turmbau der ersten Kapelle aus dem 12./13. Jahrhundert. Ursprünglich sahen die Pläne von 1722 auch nur diesen einen Turm am südlichen Eck der Kirche vor, aber Mefferdatis entschied sich kurzfristig für die spiegelbildliche Ergänzung eines zweiten Turmes auf der Nordseite. Dessen Rundbogennische wurde mit Blausteinquadern ausgefüllt, in der oben ein ovales horizontales Ochsenauge eingebaut und mittig eine Sonnenuhr angebracht ist. Am Fuße des Turmes, stehend in einem kleinen steinernen Rundsockel, ist ein altes Missionskreuz aus dem Jahr 1852 mit einem kleinen Baldachin aufgestellt, dessen Christuskopf in Eisenguss dem aus dem 16. Jh. stammenden spätgotischen Kruzifix in der Pfarrkirche zu Baelen nachempfunden wurde.
An den Außenseiten beider Türme sind in den dortigen Rundbogennischen Fenster in Form und Größe vergleichbar mit denen im Kirchenraum eingebaut. Oberhalb der Rundbögen setzt sich über ein rundum verlaufendes Gesims der bei beiden Türmen identische Aufbau durch ein kleineres Geschoss fort, das aus dem Umbau von Fisenne stammt und in das zu allen Seiten mit Lamellen ausgestattete Rundbogenöffnungen für die Schallausbreitung der Glocken eingebaut sind. Darin sind vier Glocken installiert, die bei Gaulard in Tongern gegossen wurden und aus Spendengeldern der Familien Grand Ry, Hüffer und anderen stammen. In den darüber liegenden rechteckigen Giebelaufbauten sind mittig runde Nischen eingelassen, die im rechten Turm jeweils eine Uhr beinhalten und beim linken Turm auf der Eingangsseite mit dem Wappen von Papst Leo XIII. geschmückt ist.Wappen Papst Leo XIII., auf ostbelgien.net Als Abdeckung der Türme kommen mit einem kleinen oktogonalen Zwischentürmchen unterbrochene Zwiebelhelme mit Kreuz und Wetterfahne zur Ausführung, die die alten Zeltdächer ersetzten und deren Verkleidung aus Kupfer besteht. mini|hochkant|Details Mittelaufbau Westfassade Die Westfassade selbst besteht im unteren Bereich aus regelmäßigen Blausteinquadern in der zwischen zwei toskanischen Säulen auf quadratischen Sockeln und einem kleinen Rundbogengiebel die schwere hölzerne Rundbogendoppeltür aus dem 18. Jahrhundert eingelassen ist. Im Keilstein über der Eingangstür ist die Jahreszahl 1724 eingraviert und im kleinen Türgiebel steht in einer Kartusche das Chronogramm: „Deo eIVs Matri b. annae b. nICoLao praesVLI eVpenses posVere“ („Die Eupener haben diese Kirche Gott, seiner Mutter, der heiligen Anna und dem heiligen Bischof Nikolaus als Pfarrpatron errichtet.“) geschrieben. Über einem darüber liegenden kleinen doppelten Rundbogenfenster auf Höhe der Orgelempore erhebt sich ein horizontal wie vertikal dreiteiliger Giebelaufsatz aus Sandstein, der durch Gesimse und Pilaster aufgeteilt ist.
Der untere horizontale Abschnitt beinhaltet an beiden Seiten jeweils auf einem Rechteckfeld eine Kartusche mit gekreuztem Wappenschild. In dem dazwischen liegenden und mit Rollwerk verzierten Rechteckfeld ist der Hinweis: „QUOD PIETAS POSUIT PERFICIT PIETAS IN FRONTISPICIO FASTIGIUM CELSIORESQUE SURGUNT TURRES“ („Was frommer Sinn begründet vollendet frommer Sinn: An der Vorderfront erheben sich ein Giebel und die hochragenden Türme“) in goldener Schrift eingraviert. Im mittleren Giebelabschnitt befinden sich drei Figurennischen, in denen von links nach rechts die Statuen des Nikolaus von Myra, von Jesus Christus auf einem Podest mit der Inschrift: „VENITE AD ME OMNES“ und der hl. Anna mit der jungen Maria aufgestellt sind, die allesamt um 1897 in der Werkstatt des Aachener Bildhauers Wilhelm Pohl hergestellt wurden.
Über einem weiteren Gesims, das mit dem des Turmaufbaus einhergeht, schließt sich der Schlussaufsatz des Gesamtgiebels an, hinter dem sich der Dachboden befindet. Die beiden niedrigeren geschwungenen Seitenteile betonen den dreigeteilten Mittelaufbau, der im unteren Abschnitt ein kleines Rechteckfenster, im mittleren auf einer Kartusche das Jesusmonogramm und darüber in einem durchbrochenen Dreiecksgiebel ein Kreuz aufweist.
Der Kirchplatz vor dem Haupteingang ist zum Marktplatz hin durch Blausteinpfeilern und Eisengittern abgetrennt, wobei auf einem der Pfeiler die Jahreszahl 1767 eingraviert ist. Ursprünglich befand sich unmittelbar um das Kirchengebäude herum Eupens erster Friedhof, von dem heutzutage nur ein kleiner historischer Teil an der nordöstlichen Seite übrig geblieben ist. Dieser Kirchenfriedhof mit seinen teilweise aus dem 17. Jahrhundert stammenden vierzehn Grabplatten und einigen Grabkreuzen in der Einfriedungsmauer wurde ebenfalls 1939 unter Denkmalschutz gestellt.Alter Friedhof St. Nikolaus, auf ostbelgienkulturerbe.be Ein weiterer alter Grabstein befindet sich im Kircheninneren, so unter anderem im sogenannten Bethanienraum, der 1987 durch den belgischen Architekten Yves Delhez an der Südseite angebaut wurde.Bethanienraum – Wappen Simonis, auf ostbelgien.net
Innenarchitektur mini|Innenraum