mini|200px|Kirche von Schlatt mini|200px|Dorfkern von Oberschlatt mit traditionellen Fachwerkhäusern

Schlatt (bis 1999 Schlatt bei Winterthur genannt) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz.

Sie besteht aus den Ortschaften Unterschlatt, Oberschlatt, Waltenstein (Mundartname: Waltschte) und Nussberg.

Geographie mini|Historisches Luftbild von Walter Mittelholzer (1923) Schlatt liegt im Osten des Kantons Zürich, zwischen Winterthur und Turbenthal. Schlatt gehört zum Zürcher Oberland und liegt als Bestandteil des Tössberglandes auf der Hörnlikette. Die Gemeinde Schlatt grenzt im Norden an Elsau, im Osten an Elgg, im Südosten an Turbenthal, im Südwesten an Zell und im Westen an die Bezirkshauptstadt Winterthur (Aussenwacht Eidberg, bis 1922 Gemeinde Seen).

Von der Gemeindefläche dienen 46,1 % der Landwirtschaft, 46,0 % sind Waldgebiet, 3,5 % sind Siedlungs- und 3,0 % Verkehrsfläche, 0,7 % sind Gewässer und ebenfalls 0,7 % unproduktive Fläche (Stand 2018).Gemeindeporträts. Schlatt. Flächen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2018. Der tiefste Punkt auf dem Gemeindegebiet liegt auf (Heitertal), der höchste auf (Funkenbüel).

Oberschlatt liegt am Bäntalbach, Waltenstein am Bolsternbach. Beide Bäche fliessen bei Kollbrunn in die Töss.

Bevölkerung + Bevölkerungs­entwicklungQuellen: 1634/1792: HLS, 1850–1950: Eidgenössische Volkszählungen, danach: Gemeindeporträts. Schlatt. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2000–2022. Jahr Einwohner 1634 317 1792 722 1850 700 1900 521 1960 475 2000 611 2005 649 2010 734 2015 735 2020 778 2022 759

2022 waren 50,20 % der Bevölkerung reformierter Konfession, 11,1 % katholisch, und 38,7 hatten eine andere oder keine Konfessionszugehörigkeit.Gemeindeporträts. Schlatt. Konfession. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022.

Schlatt verfügt über eine eigene Primarschule, in der zurzeit etwa 95 Schüler unterrichtet werden. Die Oberstufe besuchen die Schüler in Elsau (Volksschule) bzw. in Winterthur (Gymnasium).

Politik Gemeindepräsident ist Urs Schäfer (parteilos, Stand 2023).Gemeindevorstand. Website der Gemeinde Schlatt.

Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Schlatt: SVP 44,68 % (+1,96), glp 11,89 % (+4,39), SP 11,56 % (−0,64), FDP 7,09 % (+1,83), Grüne 7,03 % (−8,90), EDU 3,34 (+0,07), EVP 3,05 % (−2,79), Mitte 3,01 % (−0,57).

Geschichte Das hüglige und stark bewaldete Gemeindegebiet wurde wohl erst im 8. Jh. besiedelt. Alemannischen Ursprungs sind die Dörfer Schlatt und Nussberg. Ihre erste schriftliche Erwähnung wird geliefert von Schenkungsurkunden an das Kloster St. Gallen, die ältere erwähnt 744 oder 746 den Ort Nuzperech (Nussberg), die andere nennt 754 Sclatte (Unterschlatt). Der Siedlungsname Schlatt geht zurück auf ein altes Wort für «Abhang, Bodensenkung; Mulde, Tal».Schlat(t), schlet(t), schlit(t), schlot(t), schlut(t). In: Schweizerisches Idiotikon. Band IX. S. 762–764. Die Bezeichnung als Nidern-Schlatta ist 1306 bezeugt (Niderschlatt 1504), die Nennung der höher gelegenen Siedlung als Ober-Schlatt ist allerdings erst für 1642 belegt.Unterschlatt auf ortsnamen.ch. Der Name Waltensteyn ist erstmals 1539 erwähnt.Waltenstein auf ortsnamen.ch.

Diesen klösterlichen Besitz verwalteten die Herren von Schlatt (1094 wird Freiherr Hesso von Slâte genannt), im 12. bis 14. Jh. Ministerialen der Kyburger und Habsburger. Die Kirche wird 1241 als Eigentum des Ritters Konrad von Schlatt erwähnt. Sie steht auf einer Terrasse neben der Burg Schlatt, etwas abseits des Dorfes Unterschlatt, auf einem Sporn des Tüebbergs. Ein erster Bau wird aufgrund von Mauern unter der Kirche für das Hochmittelalter nachgewiesen. Bei einem Umbau im 14./15. Jh. wurde der Chor mit einer gemauerten Chorschranke (Lettner) abgetrennt, wie man sie von Kloster-, Bischofs- und Stiftskirchen kannte. In der Reformationszeit um 1525 erfuhr die Kirche einen Umbau im spätgotischen Stil, 1655 erhielt sie eine neue, hölzerne Kanzel und einen neuen Taufstein.

Waltenstein ging ursprünglich auf einen einzigen grossen Gutshof zurück. 1277 verlieh das Kloster St. Gallen die Vogtei Waltistal an die Freiherren von Teufen, 1279 kam sie in österreichische Hände. Die Herren von Schlatt bewohnten die Turmburg bis 1361. In der Folge wechselte diese mehrmals den Besitzer, bis sie 1568 zum Pfarrhaus umgebaut wurde.

Oberschlatt gehörte zur Herrschaft Elgg, die 1452 mit der Grafschaft Kyburg an Zürich kam. Wie Oberschlatt gelangte Waltenstein 1452 in zürcherischen Besitz. Die niedergerichtlichen Rechte in Oberschlatt gehörten allerdings zum «Stählernen Bund» (Stäheliner Bund) und wurden mit diesem erst 1494 von Zürich erworben. Von 1475 an ernannte Zürich den Pfarrer. Das Kollaturrecht ging 1485 an Zürich und dann 1529 an Winterthur. Die Kirche wurde um 1500 neu erbaut. Für den zürcherischen Landvogt amteten vor allem Angehörige der seit 1543 in Oberschlatt ansässigen Familie Furrer als Weibel oder Vogt. Die Mühle Heitertal bei Eidberg ist 1361 erwähnt und bleibt bis heute in Betrieb (Stand 2018).Geschichte. Website der Mühle Heitertal.Albert Büchi: . In: Der Tößthaler. 22. Juni 2016.Kunz Mühle Heiterthal AG. Handelsregister des Kantons Zürich, Nr. CHE-109.351.848 (AG gegründet 2001).Ines Rütten: Noch klappert die Mühle im Heitertal. In: Der Landbote. 22. Dezember 2016.

Zur Zeit der textilen Heimindustrie Ende 18. Jh. erreichte die Einwohnerzahl einen Höchststand (722 Einwohner im Jahr 1792, verglichen mit 317 im Jahr 1634). Die politische Gemeinde entstand 1798, zunächst im Distrikt Elgg und ab 1803 im Bezirk Winterthur.

Eine Industrialisierung fand in der Gemeinde nicht statt, abgesehen von einer kleinen Baumwollspinnerei, die ab 1825 bei der Mühle Unterschlatt betrieben wurde. Die Strasse zum Bahnhof Räterschen wurde 1847–1853 gebaut. Eine Abwanderung setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jh. ein, die Bevölkerung sank von 700 im Jahr 1850 bis auf 475 im Jahr 1960. Ab den 1960er Jahren setzte durch den Bau von Einfamilienhäusern wieder ein allmählicher Anstieg der Bevölkerung ein, auf 611 Personen im Jahr 2000, und auf 734 im Jahr 2010.

Die vier Zivilgemeinden bewahrten innerhalb der politischen Gemeinde bis 1928 eine gewisse Selbständigkeit. Das Gemeindewappen, In Silber ein blauer Doppeladler mit roten Fängen, wurde auf Beschluss des Gemeinderats vom 5. Juni 1928 eingeführt. Es geht zurück auf das Wappen der Herren von Schlatt, bezeugt (ohne Tingierung) im Siegel des Ritters Konrad von Schlatt in der Urkunde aus dem Jahr 1279 und in den Tinkturen Silber und Blau erstmals in der Zürcher Wappenrolle von 1340.Schlatt bei Winterthur. In: Die Gemeindewappen des Kantons Zürich (= Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Band 49). 1977, S. 90 (PDF; 5,6 MB; archiviert in E-Periodica der ETH Zürich).

Sehenswürdigkeiten

Sonstiges In der Gemeinde ist verschiedenstes Gewerbe, wie z. B. Coiffeure, Autogarage, Schmied, Getränkelieferant, Architekt, Treuhandbüros und Fahrschulen, ansässig. Die Postautolinie 680 verbindet Schlatt und Oberschlatt mit Winterthur und Elgg.

Persönlichkeiten Oscar Egg (1890–1961), Radrennfahrer Barbara Ganz (* 1964), Radrennfahrerin Peter Steiger (* 1960), Radrennfahrer

Literatur Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band VII: Der Bezirk Winterthur. Südlicher Teil. Schlatt (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 76). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 1986, ISBN 978-3-7643-1786-7, S. 240–266 (Digitalisat). Jakob Zollinger: Streifzug durch die Geschichte der Gemeinde Schlatt. Elgg 1963. Eugen Ott: Mühle Heidertal in der Dorf- und Schulgemeinde Eidberg, im Kirchspiel Schlatt am Schauenberg und in der alten Grafschaft und Landvogtei Kyburg. In: Zürcher Taschenbuch 2006. 2005, S. 63–108 (Digitalisat).

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Schlatt ZH Statistische Daten der Gemeinde Schlatt Schlatt in Zahlen per 31.12.2022. Website der Gemeinde Schlatt

Einzelnachweise

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