Bei dem Eisenbahnunfall von Abenheim wurde am 24. Juli 1954 ein Omnibus an einem unbeschrankten Bahnübergang der Bahnstrecke Worms–Gundheim zwischen Herrnsheim und Abenheim von einem Zug erfasst. 26 Menschen starben.
Unfallhergang Die Landstraße Heute: Kreisstraße 434. von Worms-Herrnsheim nach Worms-Abenheim kreuzte die Stichstrecke etwa 800 m östlich des Bahnhofes Abenheim mit einem nicht-technisch gesicherten Bahnübergang. mini|hochkant|Gedenkkreuz. Zustand vor dem Freischnitt im Sommer 2019 mini|Tafel zum Gedenken an den Unfall, Aufnahme 29. April 2022 Der Bus war im Rahmen eines Betriebsausflugs der Hochheimer Möbelfirma Schramm & Möller mit zwei anderen Bussen an den Eiswoog unterwegs. Die Busse fuhren einzeln mit großem Abstand, so dass die Insassen der beiden anderen Busse den Unfall nicht mitbekamen. Im Bus saßen neben dem Fahrer 28 Menschen. Claudia Wößner: Ein völlig zerstörter Bus – und 26 Tote. In: Wormser Zeitung vom 24. Juli 2019, S. 8. Der Bus näherte sich dem Bahnübergang, gleichzeitig fuhr der Personenzug 3912, gezogen von der Dampflokomotive 74 850 der Deutschen Bundesbahn, von Gundheim nach Worms auf diesen Bahnübergang zu. Die Lokomotive fuhr mit dem Tender voran, also „rückwärts“, was im Regelbetrieb auf Nebenstrecken völlig normal war.
Etwa 60 m vor dem Übergang riefen Fahrgäste dem Busfahrer noch zu, dass der Zug komme. Statt zu bremsen, gab dieser aber Gas. Nach Zeugenaussagen überholte er dazu bereits vor dem Übergang wartende Verkehrsteilnehmer, unter anderem ein Kraftfahrzeug, ein Motorrad und mehrere Fahrräder. Der Tachometer des Busses zeigte nach dem Unfall noch 69 km/h. Die Polizei stellte fest, dass es keine Bremsspuren gab. Die Geschwindigkeit des Zuges war nicht groß: Dampflokomotiven fuhren relativ langsam an und die vorgesehene Reisegeschwindigkeit des Zuges betrug durchschnittlich etwa 30 km/h. Deutsche Bundesbahn: Amtliches Kursbuch westliches Deutschland. Sommerfahrplan 1950, Tabelle 274f. Der Lokomotivführer sah den Bus und leitete eine Schnellbremsung ein, was aber nicht ausreichte, um den Zusammenstoß zu verhindern.
Die Lokomotive erfasste den Bus hinter den Vorderrädern und schob ihn 43 m vor sich her, bevor sie zum Stillstand kam. Anschließend war der Bus weitgehend zertrümmert.
Folgen 26 Menschen starben, 18 davon noch am Unfallort, fünf wurden darüber hinaus verletzt, darunter auch der Lokführer und der Heizer, die einen Schock erlitten. Die Fahrgäste im Zug blieben unverletzt.
Tausende Menschen nahmen an der Trauerfeier teil, darunter auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Peter Altmeier; Bundespräsident Theodor Heuss sandte ein Kondolenz-Telegramm. Für die Opfer wurde ein eigenes Gräberfeld auf dem Wormser Hauptfriedhof Hochheimer Höhe in Worms-Hochheim eingerichtet. Irene Spille: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 10 (Stadt Worms). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1992, ISBN 978-3-88462-084-7, S. 230.
Noch 1954 errichtete der Heimatverein 1953 Abenheim e. V. ein Holzkreuz an der Unfallstelle, das 1960 durch ein steinernes Kreuz mit Kruzifix ersetzt wurde. 1986 wurde es nochmals durch ein größeres ersetzt. Als der ursprüngliche Standort dem Bau der Überführung der Kreisstraße über den Autobahnzubringer im Weg stand, wurde es an seinen heutigen Standort in der Nähe des Unfallortes versetzt. Das Denkmal wurde im Sommer 2019 von üppigem Bewuchs freigeschnitten. Die heute nur noch schwer lesbare Inschrift lautet:
Weitere Rezeption Der Eisenbahnunfall ist das zentrale Ereignis einer Graphic Novel, die von Nina Beier im Rahmen einer Bachelorarbeit entwickelt wurde und in ihrer Masterarbeit detailliert ausgestaltet wurde.Ulrike Schäfer: Das Unglück, das Worms erschütterte. In: Wormser Zeitung. 24. Juli 2020, S. 11.
Literatur Jakob Gander: Eisenbahn Worms – Gundheim. In: Wir Herrnsheimer. Januar 1994, S. 13–15.
Jörg Koch: Betriebsausflug in den Tod, in: Ders.: Dunkle Geschichten aus Worms, Gudensberg-Gleichen 2021. ISBN 978-3-8313-3362-2, S. 40–44. Hans-Joachim Ritzau, Jürgen Höstel: Die Katastrophenszenen der Gegenwart = Eisenbahnunfälle in Deutschland Bd. 2. Pürgen 1983. ISBN 3-921304-50-4, S. 32. Claudia Wößner: Ein völlig zerstörter Bus – und 26 Tote. In: Wormser Zeitung vom 24. Juli 2019, S. 8.
Weblinks Foto des Unfalls
Anmerkungen
Einzelnachweise
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