mini|hochkant|Paolo Veronese: Juno überschüttet Venedig mit Gaben, 365 × 147 cm, Öl auf Leinwand, Deckengemälde im Dogenpalast, Venedig, ca. 1553

Die venezianische Malerei, auch gelegentlich genannt venezianische Schule,Venezianische Schule, Artikel in: Lexikon der Kunst, Bd. 12, Karl Müller Verlag, Erlangen, 1994, S. 128–131, hier: 128. entstand und entfaltete sich auf dem Gebiet der Republik Venedig. Ihre erste große Glanzzeit hatte sie im späten 15. und 16. Jahrhundert mit den Künstlern Giovanni Bellini, Tizian, Giorgione, Veronese und Tintoretto, die mit ihrem malerischen Stil, der Betonung der Farbe (colorito alla veneziana).David Rosand: Die venezianische Malerei im 16. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 394–457, hier: S. 455. im Gegensatz zum Zeichnerischen (disegno) und dem modellierenden Gebrauch von Licht und Schatten einerseits im Gegensatz zu den Kunstzentren Florenz und Rom standen, andererseits international und auf Jahrhunderte hinaus einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Kunst hatten. Eine zweite und letzte Blüte erlebte die Malerei in Venedig im 18. Jahrhundert, ebenfalls mit internationalem Erfolg.Venezianische Schule, Artikel in: Lexikon der Kunst, Bd. 12, Karl Müller Verlag, Erlangen, 1994, S. 128–131.

Nicht alle Maler der venezianischen Schule stammten selber aus Venedig und einige wichtige künstlerische Impulse kamen von auswärtigen Künstlern, die nur zeitweilig in der Lagunenstadt wirkten.

Geschichte Byzantinisches Erbe und Gotik, 13. bis frühes 15. Jahrhundert mini|hochkant|Lorenzo Veneziano: Madonna und Kind mit Distelfink und zwei Stiftern, um 1360–1365, Tempera und Gold auf Holz, 108,3 × 65,7 cm. Metropolitan Museum, New York

In der Kunstgeschichte wird der Entstehungszeitpunkt im 13. bis ins frühe 14. Jahrhundert angesetzt. Noch weit bis ins 14. Jahrhundert war die Venezianische Kunst stark von der byzantinischen Kultur und ihrem Formalismus geprägt. Neuere Tendenzen vom italienischen Festland, besonders die Kunst Giottos, der ganz in der Nähe in Padua die Arenakapelle ausmalte, wurden zuerst gar nicht oder nur sehr zögerlich angenommen. Auch am mystischen Goldgrund und der Verwendung von reichlich goldenen Schmuckelementen wurde noch lange festgehalten.

Der erste bedeutende Maler war Paolo Veneziano, der den byzantinischen Stil mit gotischen Elementen abwandelte,Venezianische Schule, Artikel in: Lexikon der Kunst, Bd. 12, Karl Müller Verlag, Erlangen, 1994, S. 128–131, hier: 128.Giovanni Lorenzoni: Byzantinisches Erbe, Klassizismus und abendländischer Beitrag zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 92–117, hier: 112–113.Sandro Sponza: Die venezianische Malerei im 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 176–201, hier: 179–183. und 1345 zusammen mit seinen Söhnen Luca und Giovanni die für die Wochentage bestimmte Pala Feriale als Abdeckung der Pala d’oro im Markusdom malte (Museo Marciano, Venedig).Giovanni Lorenzoni: Byzantinisches Erbe, Klassizismus und abendländischer Beitrag zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 92–117, hier: 113–114.Sandro Sponza: Die venezianische Malerei im 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 176–201, hier: 179–183.

Lorenzo Veneziano war der bedeutendste Maler Venedigs in der zweiten Hälfte des Trecento und vielleicht ein Schüler Paolos. Bei ihm tritt die gotische Eleganz noch stärker hervor.

Unter dem Einfluss von Giottos Paduaner Fresken stand Guariento, der von 1365 bis 1368 das bis dahin größte Fresko in der Sala del Maggior Consiglio im Dogenpalast malte, eine Marienkrönung, die auch als Paradies bekannt war und den Maler sofort berühmt machte. Es wurde jedoch im Brand von 1577 zerstört und ist nur in Rudimenten erhalten.Es wurde durch das Paradies von Tintoretto ersetzt. Sandro Sponza: Die venezianische Malerei im 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 176–201, hier: 186 f. Auch Giovanni da Bologna (ca. 1340 – ca. 1393) wirkte nachweislich zwischen 1377 und 1389 in Venedig.Sandro Sponza: Die venezianische Malerei im 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 176–201, hier: 192. Andere venezianische Künstler dieser Zeit waren Catarino,Sandro Sponza: Die venezianische Malerei im 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 176–201, hier: 190. Nicolò Semitecolo und Stefano Plebanus.

mini|Jacobello del Fiore: Der Löwe von San Marco, ca. 1420 (?) Mit dem Beginn der Expansion der Republik auf das Festland (Terraferma) und dem Ausbau der Handelswege ins nördliche Europa, kam es zu einem Austausch von Künstlern und Innovationen in der Malerei, und ab Ende des 14. Jahrhunderts wurden Elemente der internationalen Gotik und des weichen Stils in die venezianische Malerei integriert. Die Stadt avancierte zu einem wichtigen Zentrum dieses Stils.

Ab 1409 wurde eine Reihe bedeutender Künstler nach Venedig berufen, um an der spektakulären und seinerzeit berühmten malerischen Ausgestaltung der Sala del Maggior Consiglio („Sala nova“) im Dogenpalast mitzuwirken, die aber tragischerweise durch den Brand von 1577 verloren ging und dann durch Werke von Tintoretto, Veronese u. a. ersetzt wurde.Sandro Sponza: Die venezianische Malerei im 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 176–201, hier: 196 ff. Zu den beteiligten Malern gehörten Gentile da Fabriano (mindestens 1408 bis 1409), Michelino da Besozzo (1408 bis 1415), Pisanello und Jacobello del Fiore.Sandro Sponza: Die venezianische Malerei im 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 176–201, hier: 197.Venezianische Schule, Artikel in: Lexikon der Kunst, Bd. 12, Karl Müller Verlag, Erlangen, 1994, S. 128–131, hier: 129 Letzterer schuf unter anderem 1415 das Urbild des berühmten Löwen, des Sinnbilds der Republik Venedig; wahrscheinlich war Jacobello der „Hofmaler“ der Dogen. Weitere Maler der Spätgotik waren Nicolò di Pietro und Michele Giambono. Gentile da Fabriano spielte für die weitere Entwicklung der venezianischen Kunst auch indirekt eine wichtige Rolle, da er in den 1420er Jahren in Florenz und Rom Lehrer von Jacopo Bellini war.

Frührenaissance, 15. Jahrhundert Das 15. Jahrhundert wurde vor allem von zwei Malerfamilien geprägt, die den Übergang von der Gotik zur Renaissance lebten: Den etwas konservativeren Vivarinis aus Murano mit Antonio, Bartolomeo und Alvise Vivarini, und den Bellinis, mit Jacopo und seinen Söhnen Gentile und Giovanni.Vivarini, Alvise, Vivarini, Antonio und Vivarini, Bartolomeo, in: Lexikon der Kunst, Bd. 12, Karl Müller Verlag, Erlangen, 1994, S. 181–182Bellini, Gentile, Bellini, Giovanni und Bellini, Jacopo, in: Lexikon der Kunst, Bd. 2, Karl Müller Verlag, Erlangen, 1994, S. 93–98

mini|Giovanni Bellini: Pala von San Giobbe, Öl auf Holz, um 1480, Venedig Eine wichtige Mittlerrolle für den Schritt zur Renaissance hatten der florentinische Maler Andrea del Castagno mit seinen 1442 in San Zaccaria gemalten FreskenThorsten Droste: Venedig: Die Stadt in der Lagune – Kirchen und Paläste, Gondeln und Karneval (Kunstführer), Dumont, Köln, 1996, S. 259 f und der ebenfalls aus Florenz stammende Bildhauer Donatello, der 1443 bis 1453 in Venedig lebte. Andrea Mantegna wirkte mit Antonio Vivarini in Padua zusammen, und später mit Giovanni Bellini, dessen Schwager er 1453 wurde, als er Jacopo Bellinis Tochter Nicolosia heiratete. Mantegna lebte bis etwa 1460 in der Lagunenstadt.Mariolina Olivari: Giovanni Bellini, Scala, Antella (Florenz), 1990, S. 3 und 9 ff

Stilistisch zeichnet sich die venezianische Frührenaissance neben Realismus und Anklängen an die Antike durch einen recht herben, strengen, spröden Stil mit deutlichen, scharfgezeichneten Konturen, Falten und dunklen Schatten aus – ähnlich wie bei den Künstlern der Schule von Ferrara, aber nicht ganz so hart wie bei Mantegna.

Gentile und Giovanni Bellini stiegen bald zu den führenden Malern Venedigs auf. Gentile vor allem mit Fresken und Historienbildern aus der Geschichte der Stadt. Seine Porträts wurden so sehr geschätzt, dass er nach Konstantinopel gesandt wurde, um den Sultan Mehmed II. und seinen Hofstaat zu malen. In Gentiles Fußstapfen als Historienmaler trat etwas später Vittore Carpaccio.

Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der venezianischen Malerei war der Aufenthalt von Antonello da Messina etwa 1474 bis 1476, der für die Einführung der Öltechnik verantwortlich war. Als erster Venezianer, der die neue Technik ausprobierte, gilt zwar Bartolomeo Vivarini, aber der erste große Meister wurde Giovanni Bellini, der ohnehin mittlerweile alle anderen Maler überflügelte, besonders im religiösen Bereich. Er war sehr offen für Neuerungen, entwickelte eine virtuose Technik und legte die Basis für den Charakter der venezianischen Malerei der Hochrenaissance und des 16. Jahrhunderts.Mariolina Olivari: Giovanni Bellini, Scala, Antella (Florenz), 1990, S. 75–76 Sein Stil entwickelte sich von anfänglicher Strenge zu einer immer weicheren Linienführung, Natürlichkeit und Realismus, und er begann seine Bilder mithilfe von Licht und Schatten zu modellieren und ging damit bereits in Richtung Giorgione,Mariolina Olivari: Giovanni Bellini, Scala, Antella (Florenz), 1990, S. 62 von dem er im Spätwerk weitere Neuerungen übernahm. Darüber hinaus ist Giovanni Bellinis Kunst erfüllt von lyrischen, freundlichen und lichterfüllten Stimmungen, auch wenn seine Figuren weiterhin hieratisch feierlich und seine Landschaften allegorisch und symbolisch verschlüsselt bleiben.Mariolina Olivari: Giovanni Bellini, Scala, Antella (Florenz), 1990, S. 30 und 53–54 Wahrscheinlich unter Bellinis Einfluss wurde auch die Malerei seiner Konkurrenten, der Vivarini, etwas weicher. Nicht durch Zufall war Giovanni Bellini für Albrecht Dürer bei dessen zweiter Venedigreise 1506 „noch immer der Beste in der Malerei“, und nur kurz zuvor wurde er von Marin Sanudo als „hervorragendster Maler Italiens“ bezeichnet.

Zu Giovanni Bellinis Schülern gehören Tizian und eventuell Lorenzo Lotto und Sebastiano del Piombo. Cima da Conegliano, der ab 1492 in Venedig lebte, war ein Bellini-Epigone,Cima, Giovanni Battista (auch Cima da Conegliano), in: Lexikon der Kunst, Bd. 3, Karl Müller Verlag, Erlangen, 1994, S. 222 f ebenso wie Marco Basaiti.

16. Jahrhundert

mini|Giorgione und/oder Tizian: Pastorale (Ländliches Konzert), 1511–12, Louvre, Paris