mini|Leipzig, Karl-Liebknecht-Straße 132, ehemaliger Hauptsitz der Hochschule für Bauwesen, dann der TH Leipzig, heute HTWK-Hauptsitz (Geutebrück-Bau) Die Technische Hochschule Leipzig (THL) wurde am 17. Januar 1977 gegründet als ein Zusammenschluss der Hochschule für Bauwesen Leipzig (HfB) und der Ingenieurhochschule Leipzig (IHL). Gründungsziel war die Schaffung einer Technischen Hochschule universitären Typs mit einem speziellen Profil, das technologisch-konstruktive Aspekte mit Theorie und Ökonomie verbindet sowie durch Ausbildung, Weiterbildung und Forschung zur personellen und wissenschaftlichen Unterstützung des mitteldeutschen Industrie- und Wirtschaftsraumes dient.

Im Zug der deutschen Wiedervereinigung wurde entschieden, die THL abzuwickeln, sodass sie im Jahre 1996 ohne juristische Nachfolge geschlossen wurde. Mit den Gebäuden und aus dem Sachbestand der THL – jedoch nur teilweise aus dem Personal – wurde 1992 die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) als juristisch eigenständige Institution neu gegründet.

Geschichte

Die TH Leipzig besitzt mehrere institutionelle Wurzeln, so die „Zeichnungs-, Mahlerey- und Architektur-Academie zu Leipzig“, gegründet 1764 vor über 250 Jahren von dem Maler Adam Friedrich Oeser (er malte die Nikolai-Kirche in der heutigen Gestalt neu aus; Johann Wolfgang Goethe gehörte zu seinen Studenten und blieb lebenslang befreundet), die 1838 gegründete „Königlich Sächsische Baugewerkenschule zu Leipzig“, die „Städtische Gewerbeschule zu Leipzig“ (gegründet 1875) und die „Fachschule für Bibliothekstechnik und -verwaltung Leipzig“ (gegründet 1914).

Innerhalb dieser Akademie leitete J. P. Habersang die Architekturabteilung und lehrte das Fach Baukunst. Zu seinem wissenschaftlichen Konzept gehörte die Anwendung mathematisch-naturwissenschaftlicher Kenntnisse. Seit 1823 stand der Architekt und Baumeister Albert Geutebrück dieser Architekturabteilung vor. Nach seinen Plänen erfolgte 1838 die Gründung der Königlich-Sächsischen Baugewerkenschule zu Leipzig, zu deren Gründungsdirektor er bestellt wurde. Geutebrück, der gleichzeitig Stadtbaumeister war, erkannte die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Orientierung in der Ausbildung für das Baugewerbe.

Ein Befürworter der technischen Bildung in Leipzig war auch Jacob Leupold, der eine Bergwerks- und Mechanikerschule in Leipzig plante. Der Akademieprofessor Ludwig Nieper gründete 1875 die „Städtische Gewerbeschule zu Leipzig“. Sie ist die historische Wurzel für die technikwissenschaftliche Ausbildung in den beiden neuen Fachgebieten Maschinenbau und Elektrotechnik. Diese Gewerbeschule bot in Verbindung mit umfangreichen Werkstätten einen fachtechnischen, durch handwerkliche Praxis untermauerten Unterricht. Speziell für diese Bedürfnisse wurde 1894 ein neu errichteter Baukörper in der Wächterstraße 13 direkt neben dem Akademiegebäude fertiggestellt, der auch eine eigene Maschinenhalle umfasste. Dieses Gebäude wurde später zum Hauptsitz der Ingenieurhochschule Leipzig (IHL).

In den Jahren 1877 bis 1892 war August Föppl einer der bedeutenden Lehrer dieser Gewerbeschule. Er machte sich schon in Leipzig um die theoretische Durchdringung technischer Prozesse verdient.

Ein sehr bekannt gewordener Schüler dieser Städtischen Gewerbeschule war der in Leipzig geborene und aufgewachsene Walter Ulbricht, der eine Ausbildung zum Möbeltischler durchlaufen und diese im Jahre 1911 abgeschlossen hatte.

Unmittelbare Vorgängereinrichtungen

Die THL entstand also nicht neu, sondern setzte auf höherem Niveau eine lange Tradition technischer Bildungseinrichtungen fort, eingeschlossen die mit der Buchstadt Leipzig eng verbundenen Lehrstätten für Bibliothekare, Buchhändler, Museologen und Polygrafen. Die Wirtschaftswissenschaften waren ihrerseits der Stadt Leipzig als einem bedeutenden Handels-, Messe- und Wirtschaftszentrum mit langer Tradition verpflichtet.

Die Technische Hochschule Leipzig wurde 1977 durch Zusammenführung von zwei Hochschulen gebildet: Hochschule für Bauwesen (HfB) Leipzig, Rektor seit 1970: Kurt Fiedler Ingenieurhochschule Leipzig (IHL), Rektor seit 1969: Detlev Schmidt.

Die Hochschule für Bauwesen war eine Neugründung aus dem Jahre 1954, die nicht durch eine Zusammenlegung vorhandener Ingenieurschulen entstanden ist, sondern diese blieben auch nach Gründung der HfB weiterbestehen.

Die Ingenieurhochschule ist bei ihrer Gründung im Jahre 1969 aus der Zusammenlegung von zwei Einrichtungen hervorgegangen: Ingenieurschule für Automatisierungstechnik Leipzig und Ingenieurschule für Polygraphie Leipzig.

1988 wurde zusätzlich die Ingenieurschule für Energiewirtschaft Leipzig in die THL integriert.

Ihren Sitz hatten Akademie und Baugewerkenschule mehr als 60 Jahre gemeinsam im Akademieflügel der Pleißenburg (heute Neues Rathaus), wechselten 1886–1890 in die Alte Nikolaischule und danach in das Neue Akademiegebäude in der Wächterstraße 11 (heute Hochschule für Grafik und Buchkunst HGB, unmittelbar neben dem früheren Hauptgebäude der IHL in der Wächterstraße 13). In gleichen Unterrichtslokalitäten wirkten also die Lehrkräfte beider Schulen zum beiderseitigen Nutzen.

Hauptgebäude der THL wurde der vorhandene Baukörper in der Karl-Liebknecht-Straße 132, in dem bereits die Hochschule für Bauwesen (HfB) und einige der Vorgänger ihren Sitz hatten. Hinzu kamen als weitere Hochschulteile das bisherige Hauptgebäude der Ingenieurhochschule Leipzig (IHL) in der Wächterstraße 13 (damals Dimitroffstraße) sowie der IHL-Gebäudekomplex Polygrafie am Gutenbergplatz.

Leitungsstrukturen der Technischen Hochschule Leipzig

Mit der dritten Hochschulreform vom Sommer 1968 wurden in der DDR an allen Hochschulen und Universitäten nahezu einheitliche Strukturen eingeführt, sodass die nachfolgende Darstellung weitgehend allgemeingültigen Charakter hat (Abweichungen gab es vorwiegend an den Universitäten im medizinischen Bereich). Im Verlauf dieser Hochschulreform wurden die bestehenden Institutsstrukturen vollständig aufgelöst, und als größere Einheiten wurden Sektionen eingeführt (etwa vergleichbar mit den US-amerikanischen Department-Strukturen). Ziel war hierbei eine stärkere strukturelle Zentralisierung im Hochschulwesen. Zeitgleich begann bei der Deutschen Akademie der Wissenschaften ein ähnlicher Konzentrationsprozess als Akademiereform, indem hier Zentralinstitute gebildet wurden.

Der Aufbau von Sektionen an der THL war innerhalb des Hochschulwesens und mit den Wissenschaftsakademien fachlich abgestimmt (Ergänzungen zu Studiengängen und Forschungsprofilen, Vermeidung von Überschneidungen) sowie auf das mitteldeutsche Industriegebiet ausgerichtet. Basierend auf den vorhandenen Sektionen der beiden Vorgängerhochschulen wurde die TH Karl-Marx-Stadt (heute TU Chemnitz) mit ihrem Profil Maschinenbau und die benachbarte TH Leuna-Merseburg mit ihrem Profil Chemie und Verfahrenstechnik berücksichtigt. Die Sektionen des Bauwesens wurden zum Profil der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar und der Deutschen Bauakademie Berlin passend gehalten sowie mit der regionalen Bauindustrie koordiniert. Die beiden Sektionen des Elektroingenieurwesens wurden profilmäßig auf die TU Dresden, die HfV Dresden, die TH Ilmenau, die TH Magdeburg sowie auf das Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse (ZKI/AdW) abgestimmt.

An der THL wurden nachstehende Sektionen aufgebaut, die jeweils von einem ordentlichen Professor als Sektionsdirektor geleitet wurden, dessen personelle Besetzung im Laufe der Jahre teilweise gewechselt hat. In der Regel war jeder Sektion ein Studiengang zugeordnet, der durch weitere Vertiefungsrichtungen untersetzt wurde:

Sektion Technologie der Bauproduktion (STB), Direktoren: Gunter Arnold, Werner Stärtzel, Stefan Röhling. Standort: Karl-Liebknecht-Straße. Sektion Ingenieurbau (SIB), Direktoren: Johannes Bosold, Alfred Bernt, Wolfgang Wittig. Standort: Karl-Liebknecht-Straße. Diese beiden Sektionen wurden im Jahre 1988 zusammengeführt zu einer einheitlichen Sektion Bauingenieurwesen, Direktor: Wolfgang Wittig, Stellv. Direktor: Stefan Röhling. Standort: Karl-Liebknecht-Straße.

mini|Leipzig, Wächterstraße 13, ehemaliger Hauptsitz der IHL und Sektionsgebäude der THL, heute Wiener-Bau: Fakultätsgebäude Ingenieurwissenschaften der HTWK (im Hintergrund Wächterstraße 11: Akademie-Gebäude, heute HGB); Gebäudekomplex nach Plänen des Architekten Hugo Licht Sektion Automatisierungsanlagen (SAA), Direktor: Werner Richter. Standort: Dimitroffstraße, heute Wächterstraße Sektion Elektroenergieanlagen (SEA), Direktoren: Friedrich-Wilhelm Kloeppel, Siegfried Altmann. Standort: Dimitroffstraße, heute Wächterstraße Sektion Polygrafie (SPO), Direktoren: Rudolf Panzer, Thomas Helbig. Standort: Gutenbergplatz Sektion Mathematik und Rechentechnik (SMR), Direktoren: Wolfgang Schäfer, Norbert Sieber, Hans-Jürgen Sebastian. Standorte: Gohlis, später Gustav-Freytag-Straße Sektion Sozialistische Betriebswirtschaft (SBW), Direktoren: Joachim Tesch, Norbert Kammler, Roland Hofmann. Standort: Gustav-Freytag-Straße Sektion Marxismus-Leninismus (SML, keine eigenen Studenten), Direktoren: Johannes Aurich, Heinz Braß, Helmut Gast. Standort: Gustav-Freytag-Straße Sektion Naturwissenschaften (SNW, seit 1983), Direktor: Hartmut Baumbach. Standorte: Gohlis, später Karl-Liebknecht-Straße Sektion Energietechnik (SET, seit 1988), Direktor: Werner Pfeiffer. Standort: Markkleeberg.

Als DDR-Zentren für die Aus- und Weiterbildung von Führungskräften des Bauwesens waren an der THL angesiedelt: Industrie-Institut Bauwesen (II), Direktor: Reimar Hiller, Schauder Institut für sozialistische Wirtschaftsführung Bauwesen (ISW), Direktoren: Lothar Brückner, Reimar Hiller.

1982 wurde das Weiterbildungszentrum Bauökonomie (WBZ) gebildet mit der Aufgabe, Praktiker des Bauwesens auf dem Gebiet Ökonomie weiterzubilden.

Innerhalb der Sektionen bestanden etwa 5 bis 7 Wissenschaftsbereiche (WB), die jeweils von einem ordentlichen Professor als Lehrstuhlinhaber geleitet wurden. Daneben gab es einen Dienstleistungsbereich mit Zeichenbüro, Werkstatt u. ä.

Der Sektionsdirektor wurde vom Rektor zeitlich unbefristet eingesetzt. Er hatte je einen Stellvertretenden Sektionsdirektor für Erziehung, Aus- und Weiterbildung (EAW) und einen Stellvertretenden Sektionsdirektor für Forschung. Beide Aufgabenbereiche wurden weitgehend selbständig von Hochschullehrern wahrgenommen. Zum Kreis der Sektionsleitung gehörten weiterhin die nebenamtlichen Funktionsträger der Gewerkschaft (FDGB), der Studenten (FDJ) und der Partei (SED). Außerdem gab es noch einen Sektionsrat, dem auch externe Mitglieder angehörten; er wurde nur in großen Abständen einberufen.

Der Personalbestand einer Sektion mittlerer Größe umfasste insgesamt etwa 120 Personen. Davon waren etwa 80 wissenschaftliches Personal: ordentliche und außerordentliche Professoren, Hochschuldozenten, Oberassistenten, Lektoren, Lehrer im Hochschuldienst sowie zugehörige wissenschaftliche Assistenten (mit 4-Jahres-Verträgen zur Promotion) sowie etwa 40 Angestellte (Laboringenieure, Zeichenbüro, Werkstatt, Sekretariate u. a.). Hinzu kamen noch etwa 30 Aspiranten (planmäßig und außerplanmäßig) und Forschungsstudenten mit dem Ziel der Promotion. Etwa 450 bis 550 Studierende gehörten insgesamt zu einer solchen Sektion.

Darüber hinaus gab es vereinzelt besondere Personalstrukturen. So hatte der 1981 gegründete Industrie-Hochschul-Komplex Anlagenautomatisierung an der SAA als gemeinsame Einrichtung von drei Industriebetrieben und der Hochschule bei seiner Auflösung 1990 über 60 feste Mitarbeiterstellen.