Bei der Kirche Kaukehmen (; der Ort hieß zwischen 1938 und 1946 „Kuckerneese“) im ehemaligen Ostpreußen handelt es sich um einen zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichteten massiven Saalbau mit einem später vorgesetzten Turm. Sie war bis 1945 evangelisches Gotteshaus für die Bewohner im Kirchspiel des heute Jasnoje genannten Ortes in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Im Jahr 2024 wurden die Konservierungsarbeiten am Kirchengebäude abgeschlossen.
Geographische Lage Das heutige Jasnoje ist ein 1500-Seelen-Ort zwei Kilometer südlich der Memel (heute russisch: Neman) und liegt 18 km von der Kreisstadt Slawsk (Heinrichswalde) und 138 Kilometer von der Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) entfernt. Durch den Ort verläuft die russische Regionalstraße R 513 von Sowetsk (Tilsit) nach Myssowka (Karkeln), südlich derer sich der Standort der Kirchenruine nahe dem Alten Markt befindet - Kirche Kaukehmen bei prussia39.ru (mit historischem Foto und aktuellen Bildern)..
Kirchengebäude Eine erste Kirche wurde in Kaukehmen in der Mitte des 16. Jahrhunderts „auf einem Hügel errichtet“ erwähnt. Sie riss man 1576 zugunsten eines Neubaus ab. An dessen Stelle entstand 1661 wieder eine Holzkirche,Kaukehmen bei wiki.genealogy.net die allerdings nach einigen Jahrzehnten wegen Baufälligkeit wieder abgebrochen werden musste. Im Jahre 1702 berichtet die Chronik, „dass das Wort Gottes nur noch unter höchster Lebensgefahr verkündigt werden konnte“.Bauten und Einrichtungen in Kaukehmen/Kuckerneese bei ostpreussen.net
In den Jahren 1704 bis 1708 entstand unter Mitwirkung von Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt und unter der Aufsicht von Paul Lagewald aus Trumpeiten (1938 bis 1946: Trumpenau, russisch: Schanino, nicht mehr existent) ein massiver SaalbauWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 93, Abb. 381 und 182 mit polygonalem Abschluss. Der Turm, der den bisherigen Glockenstuhl aus Holz ersetzte, wurde erst 1881 bis 1884 angebaut. Er trug vier Glocken und erhielt eine Turmuhr.
Im Jahre 1895 wurde die Kirche beschrieben: „Die gegenwärtige ev. Pfarrkirche ist 1661 erbaut, der Turm 1881–1884. Geputztes Ziegelmauerwerk; 18,8m l, 8,2m br, Schluß aus Achteck mit dahinter liegender Sakristei. Wetterfahne über dem Achteck; ein Teufel mit Fischschwanz und Drachenflügeln, ein Horn blasend; XVII Jh. Fenster, im Halbkreis geschlossen, liegen in rechteckigen Umrahmungen. Im Innern Gewölbe mit Stichbogen mit Ohren. Altar und Kanzel mit unschönem Schnitzwerk mit dem von Hallenschen Wappen und dem seiner Ehefrau Anna Maria von Rohr.“
Wohl wegen Fahrlässigkeit bei Lötarbeiten an der Dachrinne brannte die Kirche am 27. Mai 1904 vollständig aus. Die Wiederherstellung des Bauwerks dauerte bis 1906. Am 9. Dezember 1906 (2. Advent) wurde das mit 1.000 Sitz- und 500 Stehplätzen deutlich vergrößerte Gotteshaus wieder eingeweiht.
Die Kirche überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet, im Jahre 1947 war die Orgel sogar noch spielbar. Das änderte sich aufgrund der nachfolgenden zweckentfremdenden Nutzung des Kirchenraumes als Lagerhalle und des Kirchturms als Wasserturm. In den 1980er Jahren brach das Kirchendach ein. Erst als 1992 das Bauwerk der Russisch-orthodoxen Kirche übergeben wurde, erhielt das Kirchenschiff ein Notdach. Eine kirchliche Nutzung jedoch blieb aus. An der Südseite fügte man eine Lagerhalle an. Während die Sakristei im Osten wohl noch benutzbar ist, fehlt die gesamte alte Ausstattung. Seitdem im Jahre 2010 die Russisch-orthodoxe Kirche Eigentümerin der Kirche wurde, kam es mehrfach zu Reparaturarbeiten am Gebäude; seit Juli 2021 wird ein neuer Dachstuhl aufgebaut. Eine gottesdienstliche Nutzung findet nach wie vor nicht statt.
Ehemalige Ausstattung Zur Kirchenausstattung gehörten ein im barocken Stil gearbeiteter Kanzelaltar, die Altarbrüstung und der Taufstein. An der Süd-, West- und Nordseite waren Emporen angebracht. Die Decke über dem Innenraum war gewölbt. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammte das Altargerät, darunter ein silberner, innen vergoldeter Abendmahlskelch mit der Inschrift Merk. Heinrich Cöler, Amtmann in Kukkernese den. 9. Septbr. 1763. Es handelte sich um eine Arbeit aus Tilsit (heute russisch: Sowetsk). Auch gab es einen 1682 gestifteten Kronleuchter aus Messing mit sechzehn Armen, dessen Krönung ein Adler war, auf dem Jupiter mit Szepter und Blitzbündel saß.
Eine Orgel errichtete Johann Josua Mosengel im Jahr 1722 mit einem Manual und elf Registern. Diese Orgel wurde 1758 repariert und 1764 durch den Orgelbauer Albrecht Jordan instand gesetzt. Johann Scherweit errichtete bereits 1843/1844 eine neue Orgel in das Mosengel-Gehäuse, die auf zwei Manualen und Pedal nun über 24 Register verfügte.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, S. 214–215 Die Scherweit-Orgel im Mosengel-Gehäuse verbrannte im Jahr 1904 mit der Kirche. Nach deren Wiederherstellung erbaute die Werkstatt Bruno Goebel in Königsberg (Preußen), die die Nachfolge von Max Terletzki angetreten hatte, eine neue Orgel mit 27 Registern auf zwei Manualen und Pedal.
Das Geläut bestand zuletzt aus drei Glocken.
Kirchengemeinde Eine lutherische Kirchengemeinde gab es in Kaukehmen seit 1576,Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen 1968, S. 483 und bereits seit 1547 waren hier Geistliche tätig. Aufgrund der Größe von Gemeinde und Kirchspiel waren ab 1557 jeweils zwei Pfarrer gleichzeitig im Amt. Die zweite Pfarrstelle wurde allerdings 1704 aufgehoben, dann aber doch wieder ab 1874 errichtet. Ursprünglich gehörte die Pfarre Kaukehmen – ihr war bis 1695 die Kirche Plaschken (heute litauisch: Plaškiai) zugeordnet – zur Inspektion Tilsit. Bis 1945 war sie dann Teil des Kirchenkreises Niederung (Elchniederung) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung kam das kirchliche Leben in dem inzwischen in „Kuckerneese“ umbenannten Ort zum Erliegen.
Heute liegt Jasnoje im Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Slawsk (Heinrichswalde) innerhalb der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Kaukehmen (Kuckerneese) 28 Ortschaften und Wohnplätze::
Name Änderungsname1938 bis 1946 RussischerName LitauischerName Name Änderungsname1938 bis 1946 RussischerName LitauischerName *Alt Sellen *Leitgirren Leitgiriai Baubeln Sommershöfen Obojan Lyszeiten1936–1938: Lyscheiten Lischau Wischnjowka *Groß Allgawischken Schlichtingen Gribki Neu Sellen *Groß Schilleningken Didieji Šilininkai Neuhof *Heinrichsfelde Andruliai Neuhoff Kaplanischken *Neusorge Abrusowo *Kaukehmen Kuckerneese Jasnoje Sausseningken Milchhof Tscherkasskoje Kaukehnellen Sköpen Mostowoje Killucken Skulbetwarren Klein Allgawischken Allgau Oserki Skuldeinen Gribki Klein Schilleningken Šilininkeliai Trumpeiten Trumpenau Schnaino Klein Trumpeiten Kleintrumpenau Usseinen Stellwagen Dalneje *Kloken Kljutschi *Warskillen Kalinowka Kuckerneese Wietzischken
Pfarrer Zwischen 1547 und 1945 waren an der Kirche Kaukehmen als evangelische Geistliche tätigFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 63:
Alexander Radonius d. Ä., 1547–1583 Laurentius Cressovius, ab 1557 Alexander Radonius d. J., 1580–1593 Ambrosius Hartwich, 1593–1602 Christoph Rothmann, 1602–1630 Christoph Baumgart, 1630–1637 Christoph Langhancke, 1637–1656 Martin Rosochatius, 1655–1692 Christoph Enders, 1656 Michael Glaser, 1656–1667 Johann Schöning, 1667–1677 Johann Klemm, 1677–1699 Martin Förstenau, 1693–1704 Johann Heinrich Vorhoff, 1700–1727 Johann Behrend, 1728–1749 Johann Christoph Tarrach, 1749–1767 Salomo Korella, 1767–1809 Hermann Christ. David Wittich, 1809–1824 Christian Ferdinand Zippel, 1824–1847 Carl Friedrich August Heinrici, 1850–1858 Carl Leopold Friedrich Neiß, 1858–1873 Christoph Sturies, 1873–1891 Ludwig Emil Mack, 1874–1877 Eugen Oskar Theodor Weiß, 1878–1880 Emil Ludwig Albrecht, 1885–1919 Johann Wilhelm Georg Schulz, 1891 Rudolf Ernst Jacob Dennukat, 1891–1905 David Buske, 1896–1934 Edwin Ernst Freutel, 1905–1909 (wohnte in Skören) Bernhard Kirschner, 1920–1921 Walter Max Emil Braun, 1921–1923 Eugen Artur Gatz, 1924 Alfred Schulz, 1925–1927 Kurt Karl Robert Hochleiter, 1927–1930 Bruno W. R. Schiemann, 1931 Egmont Bergatt, 1934–1937 Heinz Zimmer, 1938–1940 Herbert Potschka, 1935–1945 Heinrich Zippel, 1940–1942 Friedrich Schumacher, 1942–1945
Kirchenbücher Die Kirchenbücher von Kaukehmen sind nur noch als Verfilmungen des Reichssippenamtes erhalten und lagern heute im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig. Vorhanden sind:
Taufen = 1668–1824, 1828–1844, 1848, 1859–1874 Trauungen = 1750–1848, 1863–1874 Begräbnisse = 1749–1762, 1767–1848, 1863–1874
Weblinks
Fotos der Kirche Kaukehmen, Aufnahmen von November 2010:
Einzelnachweise
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