miniatur|hochkant|Eugène-Melchior de Vogüé Der Vicomte Marie-Eugène-Melchior de Vogüé (* 24. Februar 1848 in Nizza; † 24. März 1910 in Paris) war ein französischer Diplomat und Literat.
Leben De Vogüé wuchs auf dem Château de Gourdan in der Gemeinde Saint-Clair bei Annonay auf. Er kämpfte freiwillig im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) und wurde bei der Schlacht von Sedan verletzt. Nach seiner Gesundung begann er eine diplomatische Karriere als Botschaftsattaché in Konstantinopel unter seinem Onkel Melchior de Vogüé. Dann war er Botschaftssekretär in Kairo und St. Petersburg, wo er am 25. Januar 1878 in der Kapelle des zaristischen Winterpalasts Alexandra Annenkow heiratete, Tochter von General Nicholas Annenkow und Schwester von Michail Nikolajewitsch Annenkow, dem Erbauer der Transkaspischen Eisenbahn. Das Paar bekam drei Söhne.
De Vogüé verließ 1882 den diplomatischen Dienst und begann zu schreiben. Schon als Diplomat hatte er mit Syrie, Palestine, Mont Athos (1876) und Histoires orientales (1880) zwei wichtige Bücher veröffentlicht, bevor er 1886 sein Hauptwerk Le Roman russe schrieb, das in Frankreich lange das Bild von der intellektuellen russischen Oberschicht prägte und das literarische Werk Russlands des 19. Jahrhunderts in Frankreich bekannt machte. Seine Romane Le Maître de la Mer und Les Morts qui parlent wurden später in die Anthologie Collection Nelson aufgenommen. Außerdem übersetzte er zahlreiche russische Schriftsteller in die französische Sprache und machte Dostojewski einem größeren französischen Publikum bekannt. Mit nur 40 Jahren wurde der Vicomte 1888 in die Académie française gewählt. Ab 1889 war er korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg. De Vogüé schrieb regelmäßig für die Revue des Deux Mondes und das Journal des débats.
Von 1893 bis 1898 wagte er als Abgeordneter für das Département Ardèche in der französischen Abgeordnetenkammer einen Ausflug in die Politik. Seine Schwerpunkte in dieser Zeit waren die Unterstützung der katholischen Soziallehre von Leo XIII. in der Dritten Französischen Republik und die französische Kolonialpolitik. Als Dreyfus-Gegner war er um die Jahrhundertwende Mitglied der antidreyfusardischen Ligue de la patrie française.
Werke Syrie, Palestine, Mont-Athos, 1876 Vangehli, 1877 Boulacq et Saqquarah, 1879 Chez les Pharaons, 1879 Histoires orientales, 1880 Les Portraits du siècle, 1883 Le fils de Pierre le Grand, 1884 Mazeppa, 1884 Histoires d’hiver, 1885 Le Roman russe, 1886 Souvenirs et visions, 1887 Le portrait du Louvre, 1888 Remarques sur l’exposition du centenaire, 1889 Le manteau de Joseph Olenine, 1890 Spectacles contemporains, 1891 Regards historiques et littéraires, 1892 Heures d’histoire, 1892 Cœurs russes, 1893 Notes sur le Bas-Vivarais, 1893 Cœurs russes, 1894 Devant le siècle, 1896 Jean d'Agrève, 1897 Histoire et poésie, 1898 Les morts qui parlent, 1899 Le rappel des ombres, 1900 Pages d’Histoire, 1902 Le Maître de la mer, 1903 Sous l'horizon, 1904 Maxime Gorki, 1905 Les Routes, 1910
1932 veröffentlichte Félix de Vogüé mit Journal du vicomte Eugène-Melchior de Vogüé: Paris, Saint-Pétersbourg 1877–1883 (Les Cahiers Verts, Paris) das Tagebuch seines Vaters.
Einzelnachweise
Weblinks
Le Roman russe in der Bibliothèque russe et slave (französisch) Bücher von de Vogüé bei archive.org
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