Der Bahnhof Schongau ist der Bahnhof der oberbayerischen Stadt Schongau. Im Durchgangsbahnhof trifft die Bahnstrecke Landsberg am Lech–Schongau auf die Strecke Schongau–Peißenberg. Außerdem war der Bahnhof Schongau Endpunkt einer heute stillgelegten Bahnstrecke aus Kaufbeuren. Der Bahnhof verfügt über zwei Bahnsteiggleise an einem Zwischenbahnsteig. Er wird täglich von ungefähr 20 Regionalverkehrszügen der Bayerischen Regiobahn (BRB) bedient.
Der Bahnhof Schongau wurde 1886 durch die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen als Endbahnhof der Strecke aus Landsberg am Lech in Betrieb genommen. Mit der Eröffnung der Strecke nach Peißenberg 1917 wurde der Bahnhof zum Durchgangsbahnhof, nach der Fertigstellung der Bahnstrecke aus Kaufbeuren 1923 zum Trennungsbahnhof. 1972 stellte die Deutsche Bundesbahn den Personenverkehr nach Kaufbeuren ein, im Güterverkehr war die Strecke bis Altenstadt noch bis 1992 befahrbar. Darauf folgte 1984 die Einstellung des Personenverkehrs von Landsberg nach Schongau. Von 1921 bis 1984 gab es in Schongau ein Bahnbetriebswerk mit einem zwölfständigen Ringlokschuppen.
Lage mini|links|Bahnhofstraße (2014)
Der Bahnhof Schongau befindet sich östlich der Schongauer Innenstadt, etwa 250 Meter vom Stadtzentrum entfernt. Das Empfangsgebäude steht westlich der Gleise und hat die Adresse Bahnhofstraße 17. Das Bahnhofsareal wird westlich von der Bahnhofstraße und der Hermann-Ranz-Straße und östlich von der Perlachstraße und dem Helgolandweg begrenzt. Nördlich des Bahnhofs erstreckt sich ein Gewerbegebiet, östlich und westlich der Gleise liegen Wohngebiete. An der südlichen Bahnhofsausfahrt überqueren die Staatsstraße 2014 und die Bahnhofstraße mit Bahnübergängen das Streckengleis. Südlich des Bahnhofs führt die Strecke auf einer Brücke über den Lech.
Am Bahnhof Schongau trafen drei eingleisige nicht elektrifizierte Nebenbahnen aufeinander, von denen bis heute zwei in Betrieb sind. Auf der Bahnstrecke Landsberg am Lech–Schongau (VzG 5365), die als Fuchstalbahn bezeichnet wird, findet kein planmäßiger Personenverkehr mehr statt. Sie wird im Güterverkehr durch die Augsburger Localbahn bedient und für Sonderfahrten genutzt. Die Strecke von Schongau nach Peißenberg (VzG 5444), auch als Pfaffenwinkelbahn bezeichnet, wird im Regionalverkehr durch die Bayerische Regiobahn bedient. Die Bahnstrecke Kaufbeuren–Schongau (VzG 5443), die Sachsenrieder Bähnle genannt wurde, diente bis 1972 dem Regional- und Güterverkehr. Das letzte Teilstück von Schongau nach Altenstadt wurde noch bis 1992 im Güterverkehr befahren.
In Schongau treffen, beziehungsweise trafen, folgende Kursbuchstrecken aufeinander: : Weilheim–Peißenberg–Schongau 966: Kaufbeuren–Schongau (bis 1972) 982: Landsberg (Lech)–Schongau (bis 1984)
Geschichte mini|links|hochkant=1.5|Schongau mit Bahnhof (um 1902) mini|links|hochkant=1.5|Schongau mit Bahnhof (2014) Errichtung (ab 1880)
Ab 1880 setzte sich die Stadt Schongau für eine Eisenbahnverbindung von Landsberg am Lech nach Schongau ein. Am 21. April 1884 beschloss die Bayerische Staatsregierung den Bau einer Lokalbahn auf dieser Strecke, die im Bahnhof Landsberg an die Bahnstrecke Kaufering–Landsberg am Lech anschließen sollte. 1885 begann der Bau der Strecke. Der Standort des Schongauer Bahnhofs war umstritten. Während die Stadt Schongau eine Lage nördlich der Stadt befürwortete, wollten die Königlich Bayerischen Verkehrsanstalten den Bahnhof östlich der Stadt am Lechanger errichten. Aufgrund der geringeren Kosten wurde die Lage am Lechanger beschlossen. Dafür musste eine neue Straße von der nördlichen Stadtausfahrt zum 40 Meter tiefer gelegenen Bahnhof angelegt werden. Der für den Bahnhof benötigte Grund wurde für 68.333 Mark erworben, wovon die Stadt Schongau 30.416 Mark trug. Für die Arbeiten am Bahnhof war das Eisenbausektionsamt Landsberg zuständig. Die erste Probefahrt von Landsberg nach Schongau fand am 25. September 1886 statt.
Am 16. November 1886 wurde der Bahnhof durch die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen als Endpunkt der Lokalbahn Landsberg–Schongau feierlich eröffnet. Am Bahnhof waren drei Hauptgleise mit zwei Schüttbahnsteigen vorhanden, im Süden befanden sich ein Güterschuppen mit Gleiswaage, im Norden ein weiteres Nebengebäude. Im südlichen Bahnhofsgelände war eine Lokomotivstation mit einem zweiständigen Lokschuppen untergebracht. Das dreistöckige Empfangsgebäude war zum Zeitpunkt der Eröffnung noch nicht fertiggestellt und wurde erst im April 1889 in Betrieb genommen. Gegenüber dem Empfangsgebäude entstand eine Bahnhofsrestauration.
Nicht realisierte Planungen am Ende des 19. Jahrhunderts Um 1891 wurde geplant, das südwestlich von Schongau gelegene Lechbruck über eine Verlängerung der Fuchstalbahn mit Schongau zu verbinden. Dieses Vorhaben kam jedoch nicht zur Ausführung, stattdessen wurde die Strecke Marktoberdorf–Lechbruck gebaut.
mini|Gebäude der 1912–1977 betriebenen Bahnmeisterei von der Gleisseite (2014) mini|Ehemaliger Güterschuppen am aufgelassenen Gleis 1 (2014)
Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts
Am 14. Februar 1910 wurde der Bau einer Verbindungsstrecke zwischen der seit 1866 bestehenden Bahnstrecke von Weilheim nach Peißenberg und dem Bahnhof Schongau genehmigt. Noch im selben Jahr begannen südlich des Bahnhofs die Bauarbeiten für die Brücke über den Lech, die im Dezember 1912 vollendet wurde. Da die Bahnstrecke nach Peißenberg noch nicht fertiggestellt war, wurde die Brücke anfangs nur zur Anbindung des neuen Gleisanschlusses zur Papierfabrik Haindl (heute ein Werk der UPM-Kymmene) benutzt. Dadurch konnten nun Rohstoffe und Papier aus der Fabrik direkt über den Bahnhof Schongau und die Fuchstalbahn abtransportiert werden. 1912 wurde in Schongau eine Bahnmeisterei eingerichtet. Am 10. Januar 1917 wurde die Lokalbahn von Peißenberg über die Lechbrücke nach Schongau eröffnet, wodurch der Bahnhof Schongau zum Durchgangsbahnhof wurde. Da die Bedeutung des Bahnhofs mit der Eröffnung der neuen Strecke deutlich zunahm, erweiterten die Bayerischen Staatsbahnen die Gleisanlagen. Für die zusätzlichen Personenzüge aus Weilheim und Peißenberg errichteten sie einen dritten Bahnsteig. 1919 begannen die Bauarbeiten für eine bereits 1909 genehmigte Lokalbahn von Schongau durch den Sachsenrieder Forst zum Bahnhof Kaufbeuren an der Bahnstrecke Buchloe–Lindau. 1921 entstand nördlich des Bahnhofs ein Bahnbetriebswerk mit einem zwölfständigen Ringlokschuppen und einer Drehscheibe. Am 17. Februar 1923 eröffnete die Deutsche Reichsbahn die auch Sachsenrieder Bähnle genannte Strecke nach Kaufbeuren, wodurch der Bahnhof Schongau zum Trennungsbahnhof wurde. Die Gleisanlagen wurden dafür noch einmal erweitert.
Da Anfang der 1930er Jahre inzwischen 30 Weichen vorhanden waren, nahm die Deutsche Reichsbahn ein mechanisches Stellwerk in Betrieb.
Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Ende der 1950er Jahre wurden die Bahnsteige modernisiert. Von 1957 bis 1959 baute die Deutsche Bundesbahn das baufällige Empfangsgebäude grundlegend um und erweiterte es im Süden um einen Anbau mit Stellwerksvorbau. Wegen der großen Anzahl an Güter- und Personenzügen eröffnete die DB an der nördlichen Bahnhofsausfahrt 1959 ein zweites mechanisches Stellwerk.
Durch die Stilllegung des Bergwerks Peiting 1968 nahm der Güterverkehr in Schongau ab. Am 1. Oktober 1972 stellte die Deutsche Bundesbahn wegen sinkender Fahrgastzahlen den Personenverkehr zwischen Schongau und Kaufbeuren ein. Am 31. Dezember 1972 wurde auch der Güterverkehr zwischen Altenstadt und Kaufbeuren eingestellt und die Strecke stillgelegt. Es blieb nur ein geringfügiger Güterverkehr auf dem Abschnitt von Schongau nach Altenstadt übrig. Da dadurch die Rangiertätigkeiten im Bahnhof deutlich zurückging, wurde ein Teil der Güter- und Rangiergleise im östlichen Bahnhofsbereich zurückgebaut. 1977 wurde die seit 1912 bestehende Bahnmeisterei aufgelöst, die zuletzt auf der Strecke Landsberg–Schongau bis Denklingen und auf der Strecke Schongau–Peißenberg bis Hohenpeißenberg zuständig war. 1983 wurde (anlässlich eines Neubaus einer Straßenbrücke über die Strecke am Schongauer Krankenhausberg) das nördlich des Bahnhofs auf einer Länge von 1,5 Kilometern parallel zur Strecke aus Landsberg verlaufende Gleis nach Altenstadt zurückgebaut und stattdessen am Verzweigungspunkt der beiden Strecken mit einer neuen Weiche direkt in die Strecke Landsberg–Schongau eingeführt. 1984 stellte die Deutsche Bundesbahn auch zwischen Landsberg und Schongau den Personenverkehr ein. Seitdem findet auf der Strecke nur noch Güterverkehr statt. Das Schongauer Bahnbetriebswerk wurde nun nicht mehr benötigt und 1984 stillgelegt. In den Jahren 1992 und 1993 entstand im Empfangsgebäude ein neues Reisezentrum mit Fahrkartenschalter. 1998 wurde das Gebäude nochmals umgebaut, sodass danach zwei Fahrkartenschalter vorhanden waren.
mini|Zustand Februar 2014: Übergang über Gleis 1 (aufgelassen, verfüllt Mai 2015), 2, 3 und 4 (auf letzterem ein LINT 41) und dazwischen liegende Bahnsteige 21. Jahrhundert
Der Güterschuppen ist mit Stand 2017 im Besitz der Stadt Schongau. Ende 2014 war der Abriss des Güterschuppens geplant, um die Grundfläche für Parkplätze zu nutzen. Dieses Vorhaben wurde nicht umgesetzt (Stand Ende 2022) und war in dem im April 2016 zur Diskussion gestellten Parkraumkonzept der Stadt Schongau auch nicht berücksichtigt, war jedoch mit Stand Dezember 2017 weiterhin in der Diskussion. Auch die Errichtung einer Grünanlage im Bereich des Güterschuppens wird erwogen. Im Januar 2018 wurde auf dem betroffenen Gelände der Baumbewuchs entfernt.
mini|hochkant=0.8|Warnschilder wegen zu großer Enge am 2020 neu errichteten Bahnsteig zwischen Gleis 2 und 3, Oktober 2022 Am 17. Mai 2016 nahm die Deutsche Bahn im Bahnhof Schongau ein Video-Reisezentrum in Betrieb, in dem die Fahrkarten über Automaten mit Video-Kontaktmöglichkeit zu einer beratenden Person an anderem Ort verkauft werden. Der Fahrkartenverkauf durch eine im Bahnhof anwesende Person im bisherigen Reisezentrum wurde zeitgleich eingestellt.Bürgerbahnhof Oberland: Reisezentrum Schongau auf bahnhof-schongau.de, vom 28. April 2016, abgerufen am 27. Juli 2017. Laut einem Zeitungsbericht vom Dezember 2022 sollen die Video-Reisezentren auf der Pfaffenwinkelbahn wieder abgebaut werden.
Anfang 2017 bekanntgewordene Planungen der Deutschen Bahn für einen barrierefreien Gleiszugang waren zunächst umstritten, jedoch wurde der Umbau in der Zeit von Juni bis September 2020 mit einem Aufwand von 3,2 Millionen Euro umgesetzt. Dabei wurde zwischen den Gleisen 2 und 3 ein neuer Bahnsteig errichtet, während der Bahnsteig am Gleis 4 entfiel und somit keine Zustiegsmöglichkeit für eventuelle Personenzüge auf der Fuchstalbahn Richtung Landsberg am Lech mehr besteht. Dabei wurde laut Zeitungsberichten vom Oktober 2022 der neue Bahnsteig um 10 cm zu schmal ausgeführt, sodass die errichteten Fahrkartenautomaten und Sitzgelegenheiten wieder abgebaut werden müssten. Ende Dezember 2022 waren diese noch zu sehen, allerdings weisen Warnschilder auf die zu große Enge hin.
Aufbau Empfangsgebäude mini|hochkant=2|Blick über die Gleisanlagen nach Norden, mit LINT 41 auf Gleis 4 (2014)