mini|hochkant|Das Haus der Narrenzunft in Freiburg mit dem Fasnetmuseum mini|hochkant|Schild am Zunfthaus der BNZ Die Breisgauer Narrenzunft Freiburg (BNZ) ist die Dachorganisation von 34 Narrenzünften und dem Herrenelferrat der schwäbisch-alemannischen Fastnacht in Freiburg im Breisgau.
Neben der Straßenfasnet (schwäbisch-alemannischer Prägung) mit einem großen Narrensprung am Fasnetsmontag pflegt die Breisgauer Narrenzunft auch die karnevalistische Tradition der Freiburger „fünften Jahreszeit“ und veranstaltet eine „Kappensitzung“ und den „Seniorennachmittag“ mit humoristischen Beiträgen.
Die Narrenzunft ist in Form eines eingetragenen Vereins organisiert. Ihre Mitgliedszünfte haben fast 2.000 Mitglieder, darunter ca. 250 Kinder und Jugendliche (Narresome) bis 16 Jahren (Stand: 2024).breisgauer-narrenzunft.de: Oberzunftmeister der BNZ ist Matthias Moser von der Narrenzunft der Blaue Narre e.V. 1939 Freiburg (Stand: 2024).breisgauer-narrenzunft.de:
Geschichte Im Januar 1934 hatten sich die Vorstände der beiden Freiburger Karnevalsvereine an OB Franz Kerber gewandt und baten um "Zustimmung zur Bildung einer einzigen und einheitlichen Karnevalsgesellschaft auf der Grundlage nationalsozialistischer Anschauungen". Unter Verweis auf den "Arier-Paragraphen" waren schon im Dezember 1933 mehrere jüdische Fastnachtsfunktionäre aus den Gremien ausgeschlossen worden.
Was die Freiburger Fastnachter in ihrem Schreiben als "nationalsozialistische Anschauungen" verstanden wissen wollten, war eine künftige "alemannische Volksfas(t)nacht". Im Südwesten hatten sich die organisierten Narren angesichts der Fastnachtsverbote nach dem Ersten Weltkrieg von als karnevalistisch und von außen importiert empfundenen Traditionen ab- und historischen oder vermeintlich historischen Bräuchen zugewandt. Bei solchen hatte es ab 1924 Lockerungen der Verbote gegeben. Dies sollte die "Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte" unterstützen, die Ende 1924 in Villingen gegründet wurde. Nun orientierten sich die Fastnachtsvereine vielerorts neu, auch wenn es wie im Fall Freiburgs vor Ort keine entsprechenden Bräuche gegen hatte. Vorreiter bei der Neuausrichtung in Baden war der Landesverein Badische Heimat mit seinem Geschäftsführer Hermann Eris Busse, der auch grundlegende Schriften zur Fastnacht publizierte. Als Prototyp galt dabei die Narrenzunft Elzach mit der zentralen Figur des Schuttig. Dabei interpretierten Busse und andere Volkskundler die Fas(t)nacht als in vorchristlicher Zeit gründendes urtümliches, tief in der "germanischen Volksseele" verwurzeltes Ritual zur Vertreibung des Winters. Die Verankerung des Brauchs im christlichen Jahreslauf wurde negiert. In diesem Sinn erhofften sich die Freiburger Narren mit ihrer Anbiederung an die NS-Obrigkeit eine stärkere Unterstützung durch die lokalen Behörden.
Die Gründung der BNZ erfolgte am 13. April 1934. Sie führte einerseits die Tradition des 1882 gegründeten Carnevalsvereins Freiburg und der 1927 gegründeten Großen Karnevalsgesellschaft fort, die in dem neuen Verein aufgingen, wollte aber vor allem Fasnetsbrauchtum alemannischer Prägung in Freiburg einführen. Dazu wurden bestehende Strukturen der bisherigen Vereinsfastnacht aufgenommen und „Narrennester“ in den Freiburger Stadtteilen gegründet.herrenelferrat-freiburg.de: Die Breisgauer Narrenzunft war 1937 Gründungsmitglied im Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (V.O.N.) und bildet deren „Vogtei Freiburg“.
Das Zunfthaus der Breisgauer Narrenzunft Freiburg e.V. befindet sich seit 1977 in der Zunftstube im „Haus Zum Grünen Jaspis“ in der Turmstraße in Freiburg. Die oberen Geschosse des Hauses sowie drei Räume eines benachbarten Gebäudes dienen als Fasnetmuseum, in dem Narrenfiguren und andere Objekte zur Geschichte der Fasnet in Freiburg ausgestellt sind. Im angrenzenden Haus befindet sich außerdem ein Sitzungsraum, der vom Geschäftsführenden Zunftrat und den Vereinen für Sitzungen, Tagungen und vieles mehr genutzt wird. Auch die Oberrheinische Narrenschau in Kenzingen (das Museum des V.O.N.) zeigt zahlreiche Narrenfiguren der Breisgauer Narrenzunft Freiburg e.V.
Seit 1987 vergibt die Narrenzunft jährlich einen „Narrenpreis“ an einen Prominenten. Erster Preisträger war Ministerpräsident Lothar Späth.
Das Vereinsorgan der Breisgauer Narrenzunft Freiburg e.V. ist die „Friburger Narreposcht“. Diese Publikation erscheint dreimal jährlich und dient als Vereinsmagazin, das über das vielfältige Vereinsleben der einzelnen Vereine berichtet. Neben allgemeinen Mitgliederinformationen bietet die „Friburger Narreposcht“ auch historische Einblicke in die Anfänge der Breisgauer Narrenzunft Freiburg e.V. und vieles mehr. Die Finanzierung dieses Magazins erfolgt durch Anzeigeneinnahmen.
Die Breisgauer Narrenzunft hat vier ihrer Mitgliedsvereine zu „Erznarren“ ernannt: Erznarr Nr. 1 ist die Zunft der Fasnetrufer, Erznarr Nr. 2 ist die Herdermer Lalli-Zunft 1930, Erznarr Nr. 3 ist die Narrenzunft der Blaue Narre e.V. und Erznarr Nr. 4 sind die Oberwiehre Kindsköpf. Die ersten drei Erznarren bilden zudem das Logo bzw. Wappen der Breisgauer Narrenzunft Freiburg e.V., das auf allen offiziellen Dokumenten und bei der Bewerbung von Veranstaltungen verwendet wird. Die Breisgauer Narrenzunft Freiburg e.V. umfasst als Untergliederung auch den Herrenelferrat, der als repräsentatives Organ fungiert.
Narrenruf
Der Narrenruf in Freiburg ist „Narri – Narro“. Den einzelnen Zünften ist es unbenommen, zusätzlich einen eigenen Zunftruf zu benutzen.
Mitgliedszünfte
Zunft Gründung Figuren/Gruppen Bild Commons Breisgauer Narrenzunft – zunftübergreifend 1934 Herrenelferrat BNZ-Clownerie Münsternarr 1981 - 2018 Markus J. Weber seit 2023 Mario Rotzinger 150px Commons Zunft der Bächleputzer von 1935 Website: http://baechleputzer.de/ 1935 Bächleputzer 150px Commons Blaue Narre 1939 Website: http://blaue-narre.de/ 1939 Blauer Narr BobbeleBild: „Bobbele“ der Blaue Narre Altes Paar (Narreneltern)Bilder: Narrenmutter, Narrenvater der Blaue Narre 150px Commons Friburger Bobbili Website: http://friburger-bobbili.de/ 1963 Bobbili 150px Commons Bohrer-Zunft Günterstal Website: http://www.bohrer-zunft.de/ 1935 Bohrer 150px Commons Narrenzunft Zähringer Burgnarren Website: http://www.zaehringerburgnarren.de/ 1955 Burgnarr 150px Commons Zunft der Haslacher Dickköpf 1934 Dickkopf 150px Commons Zunft der Fasnetrufer Website: https://www.fasnetrufer.de/ 1934 Fasnetsrufer 150px Commons Zunft der Feuer-Narre Website: http://www.feuer-narre.de/ 1953 Feuernarr 150px Commons Zunft der Fuhrleute Website: https://www.fuhrleute.de/ 1934 Fuhrmann 150px Commons Gigili-Geister Freiburg-Munzingen Website: https://gigili-geister.de/ 1978 Gigili-Geist 150px Commons Narrenzunft der Friburger Glunki e.V. Website: http://www.friburgerglunki.de/ 1939 Glunki Hemdglunker 200x200px Commons Narrenzunft der Freiburger Hexen Website: https://www.freiburger-hexen.de 1963 Hexe TeufelBild: Teufel der Freiburger Hexen 150px Commons Narrenzunft der Unterwiehremer Käsrieber Freiburg Website: https://www.kaesrieber-freiburg.de/ 1951 Käsrieber 150px Commons Narrenzunft Oberwiehremer Kindsköpf Website: http://www.oberwiehre-kindskoepf.de/ 1934 Kindskopf 150px Commons Herdermer Lalli-Zunft 1930 Website: https://www.lalli-zunft.de/ 1930 Lalli 150px Commons Miau-Zunft Freiburg Website: https://www.miau-zunft.com/ 1937 Katze 150px Commons Hochdorfer Mooskrotten Website: https://www.mooskrotten.de/ 1970 Mooskrotte 150px Commons Narrenzunft Mooswaldwiibli Freiburg-Landwasser Website: https://www.mooswaldwiibli.de/ 1975 Mooswaldwiibli 150px Commons Zunft Friburger Münsterstadt-Narren Website: http://www.muensterstadtnarre.de/ 1975 Münsterstadt-Narr 150px Commons Ranzengarde Concordia von 1858 Website: https://www.ranzengarde-concordia.de/ 1858 Abteilungen: Spielmannszug Freiburger Ratspfeifer Kinder und Jugend Marketenderei Biedermeier Damen Artillerie Mannschaft 150px Commons Reblaus-Zunft Freiburg-St. Georgen Website: https://www.reblauszunft.de/ 1950 Reblaus 150px Commons Reitercorps („Bürgercavallerie“) 1934150px Commons Narrenzunft der Ribblinghieler Website: http://www.ribblinghieler.net/ 1957 Ribblinghieler 150px Commons Scherbezunft Freiburg Website: http://www.scherbezunft.de/ 1975 Scherbe 150px Commons Friburger Schloßberggeister 1979 Website: http://www.friburger-schlossberggeister.de/ 1979 Schloßberggeist 150px Commons Zunft der Schnogedätscher Freiburg-Mooswald Website: https://www.schnogedaetscher.de/ 1938 Schnogedätscher 150px Commons Sioux-West Website: http://www.sioux-west.de/ 1954 Indianergruppe 150px Commons Schwarzwälder Tannenzapfen Website: http://www.schwarzwaelder-tannenzapfen.de/ 1955 Tannenzapfen 150px Commons Zunft der Turmsträßlerinnen Website: https://www.turmstraesslerinnen.de/ 1990 Turmsträßlerin 150px Commons Zunft der Waldseematrosen Website: http://www.waldseematrosen.de/ 1935 Matrose 150px Commons Freiburger Westhansele Website: https://www.freiburger-westhansele.de/ 1953 Westhansele 150px Commons Narrenzunft Wetterhexen Website: https://www.wetterhexen-freiburg.de/ 1988 Wetterhexe Teufel 150px Commons Narrenzunft der Wühlmäuse Freiburg-Littenweiler Website: http://www.narrenzunft-wuehlmaeuse.de/ 1948 Wühlmaus 150px Commons
Einzelfiguren werden in der Tabelle kursiv dargestellt.
Weitere Freiburger Narrenzünfte
Im Stadtgebiet von Freiburg gibt es noch viele weitere Narrenzünfte außerhalb der Breisgauer Narrenzunft, darunter die Narrenzunft der Friburger Waldhexen, die feurigen Salamander Ebnet (V.O.N.), die Sadansbrode Freiburg, die Freiburger Schönbergbären, die Friburger Hölle-Leue, die Uffhuser Roller St. Georgen, das Gässlevieh St. Jerge, die Moordruden und viele weitere.
Ehemalige Mitglieder der Breisgauer Narrenzunft Freiburg e.V. sind die Ammonshörner Freiburg-Lehen und die Tiengener Erdmännle (Die Narrenzunft hat sich im Jahr 2023 aufgelöst) und die Badische Schalmeienkapelle.
Ehemalige Mitgliedszünfte
Zunft Gründung Figuren/Gruppen Bild Commons Narrenzunft Ammonshörner Freiburg-Lehen Website: http://www.ammonshoerner.de/ 1984 Ammonshorn150px Commons Tiengener ErdmännleDie Narrenzunft hat sich im Jahr 2023 aufgelöst. 1975 Erdmännle 150px Commons
Weblinks Offizielle Website Offizielles Instagram-Profil Offizielle Facebook-Seite
Literatur
Bertold Hamelmann: Helau und Heil Hitler - Alltagsgeschichte der Fastnacht 1919 - 1939 am Beispiel der Stadt Freiburg , Edition Isele Eggingen 1989, ISBN 3-925016-42-2 Peter Kalchthaler, Hans Sigmund: Hexen, Lalli, Flecklehäs. Ein Führer durch die Freiburger Fastnacht Verlag Herder, Freiburg 2007, ISBN 978-3-451-23071-4 Wulf Wager (Redaktion): Vorsicht närrisch! Fastnacht am Oberrhein – Eine Herzensangelegenheit . Wager, Altenriet 2011, ISBN 978-3-9812371-3-9 Peter Kalchthaler: "Der Elferrat ist nicht judenrein" Fastnacht in Freiburg zwischen Volksbrauch und "Volkstum" , in: Peter Kalchthaler, Tilmann von Stockhausen (Hrsg.): Freiburg im Nationalsozialismus. (= Schriftenreihe der Badischen Heimat 12). Rombach Verlag, Freiburg 2017, ISBN 978-3-7930-5163-3
Einzelnachweise
Freiburg Kategorie:Verein (Freiburg im Breisgau) Kategorie:Kultur (Freiburg im Breisgau) Kategorie:Dachverband (Deutschland) Kategorie:Verbandsgründung 1934