Sigismund Ludwig Borkheim (geboren 29. März 1826Reinhold Rüegg: Erinnerungen eines deutschen Achtundvierzigers. Sigmund Borkheim. Heft 3, S. 125; Borkheim an Karl Marx 28. März 1870; Schreiben Borkheims vom 30. Mai 1871 (Public Record Office, London); Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 10. Die Angabe von Friedrich Engels, der als Geburtsjahr „1825“ angab ist irrig. in Glogau; gestorben am 16. Dezember 1885Faksimile der Sterbeurkunde in: Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 155. in Hastings) war ein deutscher Revolutionär 1848/49, Weinhändler und Publizist.

Leben Sigismund Ludwig Borkheim war der Sohn einer deutsch-jüdischen Familie. Bereits 1832 wohnte die Familie in Berlin. Er besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium. Dort lernte er Carl Wilhelm David Busch kennen, mit dem er auch noch später Kontakt hatte.Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 18. Nach Abschluss der Sekunda musste er aus finanziellen Gründen die Schule verlassen und erlernte ab 1842 den Beruf eines Buchdruckers. Im Herbst 1844 konnte Borkheim am Friedrichswerderschen Gymnasium sein Abitur ablegen.Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 17. Anschließend studierte er bis 1846 Medizin in Breslau, Greifswald und Berlin.

Borkheim wurde zum Militärdienst einberufen und meldete sich als 3-jährig Freiwilliger. In Glogau, wo er stationiert war, erlebte er die Märzrevolution, an der er sich gleich beteiligte. Er verteidigte den polnischen Aufstand im Großherzogtum Posen im Mai 1848. In einer Rede erklärte er: „daß die Polen ein Recht haben, ihre Freiheit und Selbstständigkeit zu erkämpfen, wie wir ja dieses Recht auch für uns in Anspruch genommen haben“.Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 28. Politisch verfolgt tauchte er in Berlin unter und schloss sich dem Demokratischen Klub an, dem u. a. Carl d’Ester und Rudolph Schramm angehörten. Obwohl nicht am Berliner Zeughaussturm vom 14. Juni 1848 beteiligt, wurde er verdächtigt. Er entzog sich einer Verhaftung mit Hilfe von Graf Hans Wilhelm Carl von Breßler(1801–1865) aus Löbau durch Flucht nach Muttenz. Hier lernte er Jakob Lukas Schabelitz und Friedrich Hecker kennen. Im September 1848 nahm Borkheim zusammen mit Wilhelm Liebknecht am Struve-Putsch teil. Er wurde sieben Monate im Gefängnis gefangen gehalten, aber im Prozess im Mai 1849 freigesprochen. Er war aktiv an der Badischen Revolution beteiligt und diente unter Friedrich Anneke und Johann Philipp Becker. Auch in späteren Jahren verteidigte er die badischen Kämpfer Friedrich von Beust, Max Dortu, Gustav Adolf Schlöffel, Carl Schurz, August Willich u. a.Der Volksstatt. Leipzig. Nr. 12 vom 10. November 1869; Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 128.

Nach der gescheiterten Revolution lebte Borkheim als politischer Flüchtling in Genf. Gemeinsam mit anderen Flüchtlingen (Max Cohnheim, Eduard Rosenblum. Adolf Korn und Max Joseph Becker) gab er den „Rummeltipuff. Organ der Lausbubokratie“ heraus,Rolf Dlubek.Es erschienen nur die Probenummer von 21. Dezember 1849 und die Nr. 1 vom 8. Januar 1850 gedruckt von Marc Vaney, Grande rue Nr. 8 in Genf. der 1860 von Carl Vogt gegen Karl Marx verwendet wurde.Karl Marx: Herr Vogt. London 1860. Kapitel „Die Schwefelbande“ (DEA Archiv Digitalisat) 1849/1850 schrieb er für die von Albert-Fréderic-Jean Galeer herausgegebene Zeitschrift Der Völkerbund, Genf. 1850 wurde Borkheim wegen eines Artikels im „Rummeltipuff“ aus der Schweiz ausgewiesen und am 1. Februar 1851 in Straßburg verhaftet. Er wurde in einem langen Gefangenentransport nach Calais gebracht. Am 6. Mai 1851 kam er in London an. In der ersten Zeit seines Exils stand er in Kontakt mit den Flüchtlingen August Schärttner, Franz Sigel, Gustav Adolph Techow, Gottfried Kinkel u. a.Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 51 ff. Er erhielt eine Stelle als Buchhalter.Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 55. Während des Krimkrieges berichtete er in Zeitungen über das KriegsgeschehenSo in der National-Zeitung, Berlin 1855, Nr. 81, 101 und 119. und erzielte größere Gewinne in Handelsgeschäften. Das plötzliche Ende des Krieges führte dazu, dass er sein eben erworbenes Vermögen verlor.Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 64.

Anfang Februar 1860 bemühte sich Marx um persönlichen Kontakt zu Borkheim. Nach einem ersten persönlichen Treffen gab Borkheim Marx ausführlichen Bericht über die sogenannte „Schwefelbande“. Marx druckte diesen Brief vollständig in seinem Buch „Herr Vogt“ ab.Marx-Engels-Werke. Band 14, S. 390–393. Von da an datiert eine lebenslängliche Freundschaft und Korrespondenz der beiden. Auch half Borkheim Marx einen Verlag für sein Buch zu finden und beteiligte sich an den Druckkosten mit zwölf £.Karl Marx an Friedrich Engels 15. September 1860 (Marx-Engels-Werke. Band 30, S. 91.)

Ende Juli 1867 wurde er Mitglied der internationalen Arbeiterassociation.Borkheim an J. Ph. Becker 27. August 1867; Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 97. Am 19. September 1867 widmete Karl Marx ihm den ersten Band von Das Kapital.„Seinem L. S. Borkheim Karl Marx London 19. Sept. 1867.“ (Izumi Omura: Ein Widmungsexemplar der Erstauflage des ersten Bandes des „Kapitals“. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 26, Berlin 1989, S. 266; derselbe: Die Widmungsexemplare des ersten Bandes des „Kapitals“ in Japan. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 1992. Argument, Hamburg 1992, ISBN 3-88619-743-3, S. 133.) 1867 trat Borkheim auf dem Genfer Kongress der Internationalen Liga für Frieden und Freiheit auf. Hier begann er seine Auseinandersetzung mit dem Panslawismus Herzens und Bakunins.Kapitel Die Genfer „Perle“. In: Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 91 ff. Zwischen 1868 und 1871 setzte er seine Kritik in Aufsätzen in den Zeitungen Demokratisches Wochenblatt, Die Zukunft und Der Volksstaat fort.Kapitel Mit Florett und Keule kontra Panslawismus und Bakunismus. In: Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 109 ff. Im März 1870 enttarnte Borkheim Nečaev als Betrüger, Provokateur und verkappten Anhänger Bakunis.Der Volksstaat. Nr. 22, 34 und 35 1870.

S. L. Borkheim war u. a. 1869 Repräsentant des Weinhändlers „Maison Schröder & Schÿler“ (Bordeaux)Die Firma wurde 1739 von dem aus Hamburg stammenden Jean-Henri Schÿler (1708–1776) und dem Lübecker Jacques Schröder (1691–1755) gegründet und besteht noch heute. Borkheim belieferte Friedrich Engels mit dem Rotwein aus Margaux des Weingutes Château Kirwan. („Idea of happiness Château Margaux 1848“. In: Familie Marx privat. Akademie Verlag, Berlin 2005 Abb. 40, ISBN 3-05-004118-8, S. 312–313. in London.Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 126.)

Während des Deutsch-Französischen Krieges stellte er sich gegen die preußischen Kriegsziele.Kapitel: Gegen preußischen Militarismus und deutschen Größenwahn. In: Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 128 ff. Im August 1870 war er mit Unterzeichner des Aufrufes von Charles Cassal und Eugen Oswald: „To the People of France and of Germany“.An das französische Volk! An das deutsche Volk! In: Der Volksstaat. Leipzig Nr. 70 von 31. August 1870. S. 2.Neu gedruckt in: Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung I. Werke · Artikel · Entwürfe. September 1867 bis März 1871. Band 21. Akademie Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-05-004588-7, S. 1052–1055. Während in Berlin am 16. Juni 1871 die siegreichen preußischen Truppen gefeiertDer Festeinzug der siegreichen Truppen am 16. Mai 1871 in Berlin. (Klio e. V.) wurden, erhielt Borkheim seine Naturalisierungsurkunde als britischer Staatsbürger. An Marx schrieb er begeistert: „Von heute ab bin ich civis anglicabus.“Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 132.

Seit Mitte 1875 war er aufgrund eines Schlaganfalles linksseitig gelähmt. Am 13. November 1877 verstarb seine Frau Hannah. Borkheim arbeitete in den letzten Lebensjahren an seinen Lebenserinnerungen. Er starb am 16. Dezember 1885 in Hastings infolge einer Lungenentzündung.

Sigismund Ludwig Borkheim war seit 1860 mit Hannah Brokheim geb. Herdman (gest. 1877)Faksimile der Sterbeurkunde in Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 154. verheiratet. Sie hatten einen Sohn Frederick Borkheim (geb. 1866).Faksimile der Geburtsurkunde in Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 124.Heinrich Gemkow: Der alte Engels und der junge Borkheim. Ein Briefwechsel-Fragment.

Von ihm sind 71 Briefe an Johann Philipp Becker,Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 8. 243 Briefe an Karl Marx und 133 Briefe an Friedrich Engels erhalten.Rolf Dlubek, S. 35. Ein Brief von Borkheim an Gottfried Kinkel vom 16. Mai 1852 befindet sich im Kinkelnachlass in der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn.

Werke Von Liverpool nach Balaklava. In: National-Zeitung, Berlin Nr. 81 von 17. Februar 1855, Nr. 101 vom 1. März 1855 und Nr. 119 vom 11. März 1855. Napoléon III. und Preußen. Antwort eines deutschen Flüchtlings auf „Preußen in 1860“ von Edmond About. A. Petsch & Co., London 1860. Antwort auf Edmont About: La Prusse en 1860. L. Rauh, Berlin 1860. ; Edmont About: Preußen im Jahre 1860. Martini & Grüttesien, Elberfeld 1860. Die Moskauer Zeitung und Thiers. In: Hermann. Deutsches Wochenblatt aus London. London Nr. 430 von 30. März 1867. Ma perle devant le Congrès de Genève. Par un diplomate prolétaire. A. LaCroix, Bruxelles 1867. Digitalisat Meine Perle vor dem Genfer Congress. Von einem proletarischen Diplomaten. Verlags-Magazin, Zürich 1868. Digitalisat S. B.: Russische politische Flüchtlinge in West-Europa. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 5 vom 1. Februar 1868; Nr. 6 vom 8. Februar 1868; Nr. 17 vom 25. April 1868; Nr. 20 vom 16. Mai 1868. Zur orientalischen Frage. Ein Briefwechsel. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 36 Beilage vom 5. September 1868, Nr. 37 vom 12. September 1868 und Nr. 38 Beilage vom 19. September 1868. An den Redakteur der „Vereinigten Staats von Europa“. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 36 Beilage vom 5. September 1868. A. Serno-SolowiewitschÜber Nikolaj Aleksandrovič Serno-Solov'evič siehe V. I. Romanenko: Mirovozzrenie N.A. Serno-Solov'eviča. Leningrad 1954. (Russisch).: Unsere russischen Angelegenheiten. Antwort auf den Artikel des Herrn Herzen: „Die Ordnung herrscht!“ Aus dem Russischen übersetzt von S. L. Borkheim. Verlag der Expedition des „Volksstaat“, Leipzig 1871. MDZ Reader Digitalisat Zur Erinnerung für die deutschen Mordspatrioten 1806–1807. Separatabdruck aus dem „Volksstaat“. Verlag der Expedition des „Volksstaat“, Leipzig 1871.Widmungsexemplar von Borkheim an Marx siehe Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung IV. Band 32. Akademie Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-05-003440-8, S. 157 Nr. 151. Faksimile der Widmung in: Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim, S. 133. Zur Erinnerung für die deutschen Mordspatrioten 1806–1807. Mit einer Einleitung von Friedrich Engels. Verlagsbuchhandlung, Hottingen-Zürich 1888 (=Sozialdemokratische Bibliothek Band XXIV) Parteien und Politik des modernen Rußland. Aus dem Englischen. Verlags-Magazin, Zürich 1872. MDZ Reader Digitalisat Die Hanauer Turner im badisch-rheinpfälzischen Aufstande 1849. Nach den Papieren ihres Corpsadjutanten, des verstorbenen Albert Dammerow. Von dem noch lebenden Sigismund Ludwig Borkheim, Batterieführer in der badisch-rheinpfälzischen Rebellenarmee. In: Volksstaat-Kalender 1875. Leipzig 1874. Der schweigende Stabsschreier Moltke und sein jüngster Leipziger Korrespondent. In: Der Volksstaat, Leipzig Nr. 35 vom 25. März 1874.Digitalisat DEA Archiv MEW Band 18. Irrtümlicher Weise Friedrich Engels zugeschrieben. Vergleiche Waltraut Opitz: Ludwig Sigismund Borkheim - Autor des Artikels „Der schweigende Stabsschreier Moltke und sein jüngster Leipziger Korrespondent“. Zum Prozeß Bazaine. In: Der Volksstaat. 25. März bis 6. Mai 1874. Reinhold Rüegg (Bearbeiter): Erinnerungen eines deutschen Achtundvierzigers. (Sigmund Borkheim). In: Die Neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. 8 (1890), Heft 3, S. 125–139. Digitalisat