Nikolaus von Kreuznach, von Kreuczna oder de NaviculacrucisZu lateinisch navicula „Nachen“ und crux „Kreuz“., auch Nicolas von Wien, de Vienne (* um 1430 in Kreuznach; † 10. August 1491 in Wien) war ein deutscher Jurist und Theologe, der dreimal Rektor und zeitweise Vizekanzler der Universität Wien war.

Leben Universität Nikolaus von Kreuznach wurde in der Grafschaft Sponheim geboren„NIcolaus de Crutzennach oppido comitatus Spanhemens[is], Magu[n]tin[a]e dioces[is]“ = „Nikolaus von Kreuznach, aus einer Stadt in der Grafschaft Sponheim, Mainzer Diözese“.Vgl. Johannes Trithemius: Cathalogus illustrium viro[rum] germania[m] suis ingenijs et lucubrationibus omnifariam exornantium. s. l. [Mainz], s. n. [Friedberg] 1495. und besuchte vermutlich die Lateinschule Kreuznach.

Im März 1447 wurde ein „Nyc. Crucenach“ aus der Diözese Mainz in die Artistenfakultät der Universitas Studii Coloniensis immatrikuliert. Als „Armer“ und Stipendiat des Johannes von St. Goar zahlte er keine Studiengebühren.Vgl. Hermann Keussen: Die Matrikel der Universität Köln 1389 bis 1599, Bd. I 1389–1466. Hermann Behrendt, Bonn 1892, S. 380 (Digitalisat bei OpenLibrary) Bereits im Herbst 1447 immatrikulierte sich „Nicolaus de Creuczenach“ in Wien;Vgl. zum folgenden Joseph Aschbach: Geschichte der Wiener Universität, Bd. I. Verlag der k. k. Universität, Wien 1865. S. 567f, 595 und 617. dort studierte im selben Jahr auch Johannes Mosellär (Moseler)Der Familienname meint wohl: aus Obermoschel. aus Kreuznach. Da ein so früher Universitäts-Wechsel nicht üblich war und später verschiedene gleichnamige Personen zeitgleich belegt sind, dürfte es sich um zwei unterschiedliche Studenten namens „Nikolaus“ gehandelt haben.

Im September 1449 war Nikolaus von Kreuznach in Wien Baccalarius artium. Im April 1452 wurde er als Lizentiat zur Inceptio (Vorbereitung auf die Prüfung) zum Magister artium zugelassen.

Seit etwa 1456 wurde er von Kaiser Friedrich III. von Habsburg (1415–1493) als Professor an der Wiener Universität angestellt. Nikolaus von Kreuznach las zunächst über lateinische Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Zwischen 1456 und 1466 sind dort folgenden Vorlesungen von ihm belegt, mit denen er als Magister Artium von der Artistenfakultät beauftragt wurde:Vgl. „Wiener Artistenregister“ 1416–1555 (Digitalisate im Archiv der Universität Wien). Summa de arte dictandi (1456, 1459, 1461, 1463) des Jupiter Monoculus (Jovis Francigena), Secunda pars doctrinalis puerorum (1457) des Alexander de Villa Dei, Libri sophisticorum elencorum (1458) in Anlehnung an De sophisticis elenchis des Aristoteles, Obligationum et insolubilium tractatus (1460, 1466) des Johannes Hollandrinus, Parva logicalia (1464) des Petrus Hispanus, eine Kurzfassung der Summulae logicales Liber secundus Phisicorum (1465) des Aristoteles. 1458 wurde er zum Examinator der Ungarischen Nation sowie 1463 und 1466 zum Examinator der Rheinischen Nation beim Bakkalarexamen gewählt und vereidigt.

Seit 1452 studierte Nikolaus von Kreuznach an der juristischen Fakultät. 1458 erwarb er das juristische Baccalaureat, vor 1468 das Lizenziat der DekretalienVgl. Georg Eder: Catalogus Rectorum et illustrium virorum Archigymnasii Viennensis. Raphael Hofhalter, Wien 1559, S. 35f und 39 (Google-Books). und 1469 den Doktor der Dekretalien. An der theologischen Fakultät legte er 1459 als „Cursor biblicus“ das Buch Leviticus und 1460 die Briefe des Paulus an Timotheus aus.Vgl. Friedrich Stegmüller (Hrsg.): Repertorium Biblicum Medii Aevi, Bd. IV Commentaria. Auctores N-Q. Instituto Francisco Suárez, Madrid 1954, S. 51. Auch hier muss er vorher ein Examen absolviert haben. Als Baccalar der Theologie wird er 1465 genannt, 1467 als Magister der Theologie. 1468 als Rektor war er „sacrae paginae Professor“ (= „Professor der Heiligen Schrift“).

mini|hochkant=1.4|Buchmalerei um 1400. Links: Herzog Albrecht III. übergibt das Herzogskolleg der Universität. Rechts: Eine theologische Vorlesung Nikolaus von Kreuznach gehörte dem Herzogskolleg im Stubenviertel an. Er war 1462 und 1465 Prokurator der Rheinischen Nation und zehn Mal Dekan der Theologischen Fakultät (1467, 1470, 1472, 1474, 1477, 1479, 1481, 1484, 1488 und 1491). In den Jahren 1468, 1473/74 und 1481/82 war Nikolaus von Kreuznach Rektor der Universität Wien. Zeitweise amtierte er auch als ihr Vizekanzler.Vgl. Wolfgang Eric Wagner: Universitätsstift und Kollegium in Prag, Wien und Heidelberg (diss. phil.), Akademie Verlag, Berlin 2000, S. 109 Anm. 117, 117 Anm. 159, S. 140 und 433 ([Google-Books]). 1472 promovierte er den späteren Studienmeister, Provinzialvikar und Salzburger Inquisitor Chrysostomus Haman OP († 1487) zum Magister der Theologie.Vgl. Isnard Wilhelm Frank: Hausstudium und Universitätsstudium der Wiener Dominikaner bis 1500. (Archiv fur österreichische Geschichte 127). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1968, bes. S. 253.

In einem Urkundenfragment von 1460 wird Nikolaus von Kreuznach in unklarem Zusammenhang zusammen mit dem bischöflich Passauer Offizial in Wien Kaspar Hornperger († 1460),Grabmal in der Kirche Maria am Gestade in Wien. dem Breslauer Dompropst, Propst zu Worms, päpstlichen Gesandten und Rektor der Wiener Rathauskapelle Heinrich Senftleben († 1466) von Groß-Glogau, Propst Stephan von Landskron vom Augustiner-Chorherrenstift Landskron CanAug (* um 1412; † 1477)Zu ihm vgl. des Stiftes St. Dorothea in Wien, dem Notar Magister Jodocus Hausner († 1477) de Novoforo (Neumarkt),Kleriker der Eichstätter Diözese, Doktor der Dekrete, mehrmals Rektor der Universität. dem Rektor des Generalstudiums der Dominikaner Leonhard Huntpichler OP (* kurz nach 1400; † 1478)Las 1426 an der Wiener Artistenfakultät, Lehrer in Ungarn und Brixen, trat nach dem Tod seiner Frau um 1438/39 in Wien in den Dominikanerorden ein, 1443 immatrikuliert in Köln, 1446 Sententiar in Wien, wurde 1449 zum Magister promoviert, 1454 Provinzialvikar. de Valle Brixinensi (Brixen im Thale), dem Dekan der Wiener Theologischen Fakultät und späteren (1475–1488) Provinzial der Dominikanerprovinz Teutonia Jakob Fabri OP (* um 1415; † um 1490) de Stubach (Stubach im Pinzgau), dem Rektor des Generalstudiums der Karmeliten Johannes Carpentarii (Zimmermann) OCarm (* vor 1420; † kurz nach 1490) von Nürnberg und Prior Johannes von Markdorff (Hanns Markchdorf; Marchdorffer) OCarm († nach 1467) des Karmelitenklosters an der Herzogen Hof in Wien genannt.Urkunde vom 14. Februar 1460 aus dem Bestand des Klosters Weingarten, 15. Jahrhundert; Hessische Landesbibliothek Fulda (Aa 33); vgl. Regina Hausmann (Bearb.): Die theologischen Handschriften der Hessischen Landesbibliothek Fulda bis zum Jahr 1600. (Die Handschriften der Hessischen Landesbibliothek Fulda 1). Harrassowitz, Wiesbaden 1992, S. 81f.

Im November 1466 bestellte der Ordensgeneral Guglielmo de Becchi († 1491) aus Florenz „1o loco … fr. Nicolaum de Vienna Baccalaureum“ (= „an 1. Stelle den Baccalar Bruder Nikolaus von Wien“) sowie an 2. und 3. Stelle die Lektoren Leonhard von Regensburg und Erasmus von München zu Präsides des bayerischen Privinzialkapitels der Augustiner-Eremiten an Pfingsten 1467.Vgl. Adalbero Kunzelmann: Geschichte der deutschen Augustiner-Eremiten, Bd. III. (Cassiciacum XXVI/3). Augustinus-Verlag, Würzburg 1972, S. 240. Vermutlich ist damit Nikolaus von Kreuznach gemeint.

Sein antikonziliar eingestellter Kollege Leonhard Huntpichler fertigte 1467 ein Gutachten für den Graner Erzbischof Johann Vitez (Vitéz János) (1408–1472) über die neue Preßburger Universität an. Er zitierte Nikolaus von Kreuznach mit der Einschätzung, dass die 1460 neu gegründete Universität Basel wegen innerer Widersprüche offensichtlich schon fast wieder verlassen sei.Gutachten vom 6. Juli 1467, Wien: „Prae oculis statuenda est universitas nova Basiliensis iam fere desolata propter mutuas contrarietates, ut mihi retulit doctor egregius Magister Nicolaus de Naviculacrucis“; vgl. Isnard W. Frank: Das Gutachten eines Wiener Dominikaners für die Universität Preßburg aus dem Jahre 1467. In: Zeitschrift für Ostforschung 16 (1967), S. 418–439, bes. S. 435f + Anm. 25 (doi:10.25627/19671631759 www.zfo-online.de).

Zwischen 1466 und 1474 unter dem Episkopat des Passauer Bischofs Ulrich von Nußdorf († 1479) ist Nikolaus von Kreuznach vermutlich zum Priester geweiht worden.

Prokurator im Kanonisationsprozess miniatur|links|Leopold der Heilige vor Klosterneuburg, Miniatur um 1490|180px

Kaiser Friedrich III. und seine Frau Eleonore Helena von Portugal hatten sich 1465 an Papst Paul II. (1417–1471) gewandt, um die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold III. von Babenberg (1073–1163) zu erwirken. 1468 ernannte Kaiser Friedrich III. seinen Geheimsekretär Thomas Berlower († 1496) von Cilly (Celje), Magister „Nikolaus Chreutznach“ und Magister Thomas Harder, den Kustos von Stift Klosterneuburg, zu seinen Prokuratoren im Kanonisationsprozess.Vgl. Paul Uiblein: Die Kanonisation des Markgrafen Leopold und die Wiener Universität (1985). In: Paul Uiblein: Die Universität Wien im Mittelalter. Beiträge und Forschungen [Gesammelte Aufsätze]. (Schriftenreihe des Universitätsarchivs 11). WUV-Universitätsverlag, Wien 1999, S. 489–536, bes. S. 496 (Google-Books, eingeschränkte Vorschau). Im Mai 1470 kamen die Prokuratoren in Rom mit Kardinaldiakon Francesco Todeschini-Piccolomini von Sant’Eustachio (1439–1503) – dem späteren Papst Pius III. – in dessen Residenz zu Beratungen zusammen.Vgl. Vincenz Oskar Ludwig: Der Kanonisationsprozeß des Markgrafen Leopold III. des Heiligen In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg 9 (1919), S. 1–218, bes. S. lxx, lxxxvii, 23, 27–29, 92, 97 und 103. Am 6. Januar 1485 erfolgte die Heiligsprechung Leopolds durch Papst Innozenz VIII. (1432–1492, reg. 1484).

Pfründe an St. Agnes zur Himmelpforte 1470 war Nikolaus von Kreuznach Inhaber des Benefiziums am Heiligenkreuzaltar des Prämonstratenserinnen-Klosters St. Agnes zur Himmelpforte (Himmelpfortgasse) in Wien.Vgl. Alfons Zák: Das Frauenkloster Himmelpforte in Wien (zirka 1131-1586). In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Neue Folge 4/5, 1905/06, S. 137–224 (bes. S. 211, ) und Neue Folge 6, 1907, S. 93–188 (); vgl. Paul Uiblein: Die Universität Wien im Mittelalter. Beiträge und Forschungen [Gesammelte Aufsätze]. (Schriftenreihe des Universitätsarchivs 11). WUV-Universitätsverlag, Wien 1999, S. 270 Anm. 216. Im selben Jahr hielt er am Stephanitag (2. Weihnachtstag) die Eröffnungsrede in einer Versammlung vor Kaiser Friedrich III. im Stephansdom.Vgl. Bayerische Staatsbibliothek München (Clm 3590, Blätter 123r–128r).

Gutachten zur Melker Abtwahl Nach der Wahl von Ludwig III. Schanzler († 1480) aus Krems zum Abt des Benediktinerstiftes Melk 1474, die zunächst nur vom päpstlichen Kardinal-Legaten Marco Barbo (1420–1491), Patriarch von Aquileia, in Augsburg bestätigt worden war,Vgl. Ignaz Franz Keiblinger: Geschichte des Benedictiner-Stiftes Melk in Niederösterreich, Bd. I. Friedrich Beck, Wien 1851, S. 642–644 (Google-Books). erhob sich die Frage, ob ein gewählter, aber noch nicht bestätigter Abt schon zur Administration des Klosters berechtigt sei. „Nicolaus de Kräucznach sacre theologie et iuris canonici doctor“ verfasste zu dieser Frage ein Gutachten, das sich an der Auslegung des Kanonisten Kardinal Jean Lemoine (Johann Monachus) (* um 1250; † 1313) zu dem Dekret Avaritiae de electione et electi potestate (VI.1.6.5) von Papst Gregor X. auf dem Zweiten Konzil von Lyon (1274) orientierte. Johannes Schlitpacher OSB de Weilheim, ein führender Vertreter der Melker Klosterreform, wandte gegen Nikolaus ein, der besondere Umstand, dass ein bevollmächtigter päpstlicher Legat sich in der Provinz aufhalte, müsse berücksichtigt werden.Stiftsbibliothek des Benediktinerstiftes Melk (Cod. 131 (585, L 4), Blatt 236v; vgl. Blatt 234rb).

Pfründner der P(f)ob-Stiftung am Stephansdom und an St. Hieronymus mini|180px|Franziskaner-Kirche St. Hieronymus