mini|Totenschild in der Frauenkirche, Esslingen: Nasal- und Reduplikationsstrich AŌ statt ANNO, AN̅OS statt ANNOS. mini|½ Sterbethaler 1665, Christian Ludwig von Braunschweig-Lüneburg: Nasalstriche für und für . mini|6 Mariengroschen 1700, Kurfürst Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg: Nasalstrich MARIE̅ / GROS. mini|Taufbucheintrag Friedrich Hölderlin 1770: Reduplikationsstriche Johan̅ und Mutter Johan̅a mini|Plakat im Kabarett der Komiker 1936: Reduplikationsstrich über dem Buchstaben n
Der Nasalstrich und der Reduplikationsstrich sind Abkürzungszeichen (Beizeichen) in Form eines Überstrichs, einer Tilde oder eines Hakens. Sie sind keine diakritischen Zeichen, sondern nur Abkürzungszeichen. Ein Querstrich über Vokalen, der deren Länge anzeigt, wird dagegen als Makron bezeichnet.
Unicode kodiert den Überstrich als kombinierendes Zeichen U+0305 (): M̅, m̅, N̅, n̅ (das heißt M/m/N/n gefolgt von U+0305).
Nasalstrich Wie die meisten Abkürzungszeichen des Deutschen wurde dieser Abkürzungsstrich im Mittelalter aus dem lateinischen Abkürzungsschatz übernommen. In die lateinische Schreibkultur kam er wahrscheinlich aus dem Griechischen, wo man ihn besonders am Zeilenende für silbenschließendes einsetzte, bspw. für ; als Abbreviatur für silbenschließendes m kommt der Nasalstrich bereits in lateinischen Texten der Antike vor. In lateinischen Texten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit steht er zumeist über Vokalen und ersetzt als Suspensionszeichen einen darauf folgenden oder vorausgehenden Nasal (m oder n) oder eine Silbe, die mit einem Nasal endet. Beispiele: für ; oder weiter verkürzt für ; für ; für ; für sowie für und für .
Die Tilde über dem spanischen ñ geht ebenso auf den Nasalstrich zurück wie der til, der im Portugiesischen die Nasalierung eines Vokals anzeigt (siehe Nasalvokale in der portugiesischen Sprache).
Der Nasalstrich hat oft dieselbe oder eine ähnliche Form wie Beizeichen mit anderer Bedeutung, bspw. p̅ für ; q̅ für oder am Wortende für ; e̅ für . Bei Nomina sacra wird zumeist die ganze Kontraktion überstrichen, zum Beispiel steht für ( „Gott“).
Reduplikationsstrich Der Reduplikationsstrich steht über Konsonanten wie m oder n und zeigt deren Verdoppelung an. Zum Beispiel steht „Him̅el“ für „Himmel“. Bei der deutschen Kurrentschrift steigert der Reduplikationsstrich die Lesbarkeit erheblich.Paul Arnold Grun: Schlüssel zu alten und neuen Abkürzungen. C. A. Starke, Limburg/Lahn 2002, ISBN 3-7980-0357-2.
Siehe auch Periodenstrich in der Mathematik
Literatur Elke von Boeselager: Schriftkunde: Basiswissen. Hahnsche Buchhandlung, 2004, ISBN 3-7752-6131-1, S. 57 ff. Bernhard Bischoff: Paläographie des römischen Altertums und des abendländischen Mittelalters. 3. Auflage. Erich Schmidt Verlag, 2004, ISBN 3-503-07914-9, S. 202 ff.
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Weblinks
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