Die Liste der Stolpersteine in Apolda enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunstprojekts von Gunter Demnig in Apolda verlegt wurden. Mit ihnen soll der Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Apolda lebten und wirkten.
Hintergrund Initiiert wurden die Apoldaer Stolpersteine durch den Verein Prager-Haus Apolda e. V. im Mai 2008. Unterstützt wird das Projekt von der Stadt Apolda.
Bis November 2019 wurden in Apolda 77 Stolpersteine verlegt. Die ersten drei Steine wurden für jüdische Bürger am 7. Mai 2008 in den Gehweg gegenüber dem Prager-Haus in der Bernhard-Prager-Gasse 8 eingelassen. Entsprechend dem Konzept von Demnig wird in Apolda an alle Opfer des Faschismus erinnert: an Verfolgte und Ermordete aus politischen, religiösen und rassistischen Motiven. Es folgten weitere Verlegungen 2009, 2010, 2011, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018. Die jüngste Verlegung erfolgte am 27. November 2019.
Liste der Stolpersteine Die Tabellen sind teilweise sortierbar, die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach der Adresse.
Auenstraße, Bahnhof, Bahnhofstraße, Bergstraße, Bernhard-Prager-Gasse, Bernhardstraße Bild Name AdresseKoordinaten Verlegedatum Inschrift Anmerkung 100px Zwangsarbeitslager Auenstraße 50 'GROSSE AUE'ZWANGSARBEITSLAGER1942-1945HIER WAREN INTERNIERTETWA 500FRAUEN KINDER UND MÄNNERAUS OSTEUROPA/UDSSR Auf dem VfB-Sportplatz in der „Großen Aue“ richteten die NS-Behörden Apoldas 1942 ein mit Stacheldraht umzäuntes Lager mit sechs Holzbaracken ein, in denen bis zu 500 Männer, Frauen und Kinder untergebracht waren. Die Erwachsenen mussten täglich in den Rüstungsbetrieben, vor allem dem größten, der Rheinmetall-Borsig AG, bei der Herstellung von Kriegsmaterial arbeiten: Granatzünder, Flak-Munition und Leuchtspurmunition. Pate des Steins ist die Ortsgruppe Apolda der Partei DIE LINKE. 100px Auenstraße 50 MARIA ISCHUPRINARUSSLANDJG. 1911TOT 15.8.1944 Maria Ischuprina, geboren am 15. Mai 1911 in Seschnikowa/Russland, war eine Zwangsarbeiterin im Lager „Große Aue“ und starb am 5. August 1944 an Lungentuberkulose, eine damals schon heilbare Krankheit. Unterernährung und schlechte medizinische Versorgung raubten dem Körper die Abwehrkraft. Patin des Steins ist Marion Schneider, Auerstedt. 100px Auenstraße 50 LAGER GROSSE AUEGRIGORI KLOPOWJG. 1940TOT 3.12.1943 Der am 10. Mai 1940 in Werchowje/Kreis Smolensk geborene Junge wurde von seinen Eltern Xenija Klopowa und Ssemen Klopow auf den Zwangsarbeitertransport nach Apolda mitgenommen und starb im Zwangsarbeiterlager Große Aue an Masern. Der durch Hunger und fehlende medizinische Betreuung geschwächte Körper ist dieser auch damals heilbaren Krankheit erlegen. Die Paten des Steins sind Olga und Axel Vitzthum, Bad Sulza. 100px Auenstraße 50 LAGER GROSSE AUEXENIJA KLOPOWARUSSLANDBEFREIT/ÜBERLEBT Die Mutter von Grigori, Zwangsarbeiterin im Lager „Große Aue“, die 1945 befreit wurde. Paten des Steins sind Olga und Axel Vitzthum, Bad Sulza. 100px Auenstraße 50 LAGER GROSSE AUESSEMEN KLOPOWRUSSLANDBEFREIT/ÜBERLEBT Der Vater von Grigori, Zwangsarbeiter im Lager „Große Aue“, der 1945 befreit wurde. Paten des Steins sind Olga und Axel Vitzthum, Bad Sulza. 100px Auenstraße 50 ANNASTRELTSCHONOKRUSSLANDBEFREIT / ÜBERLEBT Anna war die Mutter von Jacob, war Zwangsarbeiterin im Lager „Große Aue“ und wurde 1945 befreit. Pate des Steins ist Thomas Thieme, Weimar. 100px Auenstraße 50 JACOBSTRELTSCHONOKRUSSLANDJG. 1939TOT 28.1.1944 Jacob war der fünfjährige Sohn von Mutter Anna und Vater Ssemen, der in einem anderen Zwangsarbeitslager untergebracht war, die beide ihre Befreiung 1945 erlebten. Jacob starb ein Jahr zuvor an Mangelernährung und fehlender medizinischer Behandlung an Miliartuberkulose. Patin des Steins ist Hannelore Jöck, Apolda. 100px Auenstraße 50 ALEXANDERKUSINRUSSLANDBEFREIT / ÜBERLEBT Alexander war der Vater des Jungen Iwan Kusin, der am 25. Juni 1941 in Penewitschi/Hwastowitscheski geboren wurde und am 18. Dezember 1943 im Zwangsarbeitslager Große Aue an der Ruhr-Krankheit starb. Vater Alexander und Mutter Alexandra wurden 1945 befreit. Pate des Steins ist Dr. Ernst-Michael Christoph, Apolda. 100px Auenstraße 50 ALEXANDRAKUSINRUSSLANDBEFREIT / ÜBERLEBT Alexandra war die Mutter des Jungen Iwan Kusin, der am 25. Juni 1941 in Penewitschi/Hwastowitscheski geboren wurde und am 18. Dezember 1943 im Zwangsarbeitslager Große Aue an der Ruhr-Krankheit starb. Vater Alexander und Mutter Alexandra wurden 1945 befreit. Pate des Steins ist Dr. Ernst-Michael Christoph, Apolda. 100px Auenstraße 50 IWANKUSINRUSSLANDJG. 1941TOT 18.12.1943 Iwan Kusin, der am 25. Juni 1941 in Penewitschi/Hwastowitscheski geboren wurde und am 18. Dezember 1943 im Zwangsarbeitslager Große Aue an der Ruhr-Krankheit starb, war der Sohn von Alexander und Alexandra die 1945 befreit wurden. Pate des Steins ist Dr. Ernst-Michael Christoph, Apolda. 100px Auenstraße 50 IWANBISJUKINRUSSLANDJG. 1942VERHUNGERT 25.11.1943 Iwan Bisjukin, der am 19. Januar 1942 in Piniwitschi geboren wurde und am 25. November 1943 im Zwangsarbeitslager Große Aue an Unterernährung und Marasmus starb, war der Sohn von Olga Bisjukina, die 1945 befreit wurde. Patin ist Christina Julich, Apolda. 100px Auenstraße 50 OLGABISJUKINARUSSLANDBEFREIT / ÜBERLEBT Olga Bisjukina ist die Mutter von Iwan Bisjukin, der am 19. Januar 1942 in Piniwitschi geboren wurde und am 25. November 1943 im Zwangsarbeitslager Große Aue an Unterernährung und Marasmus starb. Sie wurde 1945 befreit. Patin ist Martina Natschke, Apolda 100px Bahnhofstraße 69 LUKAINSWENKOWITSCHJG. 1902DEPORTIERTZUR ZWANGSARBEITTOT IM ZUGAUFGEFUNDENTOT 10.8.1944 Die 1902 geborene Lukain stammte aus Cholopenitsch und wurde als Schwerstverletzte aus dem Waggon des Eisenbahntransports ausgeladen. In der Sterbeurkunde ist vermerkt: „Kompletter Schädelbruch mit Gehirnverletzung, Zermalmung beider Füße.“ Sie verstarb im Krankenhaus. Ihr Grab mit der Steinplatte befindet sich auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof von Apolda. Der Stolperstein für die sowjetische Zwangsarbeiterin wurde am Bahnhofseingang verlegt durch Mitglieder der Gewerkschaftsjugend Transnet 100px Bahnhofstraße 69 HELENA WLASOWAJG. 1891DEPORTIERT ZURZWANGSARBEITTOT IM ZUGAUFGEFUNDEN2.3.1944 Die 53 Jahre alte verheiratete Elena war 1891 im russischen Gagelowo Kreis Loknja geboren worden. Sie wurde am 2. März 1944 um 15:00 Uhr aus dem Eisenbahnwaggon des Transportzuges Ru.3347 nach Pirmasens als Tote am Bahnhof Apolda ausgeladen. Ihr Grab mit der Steinplatte befindet sich auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof von Apolda. Der Stolperstein für die sowjetische Zwangsarbeiterin wurde am Bahnhofseingang verlegt durch Mitglieder der Gewerkschaftsjugend Transnet 100px Bahnhofstraße 15 HIER WOHNTEMINNA SALINGERJG. 1868UNFREIWILLIG VERZOGEN1936 DRESDENDEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 9.12.1943 Minna Salinger geb. Braun war die Ehefrau des Kaufhausbesitzers Eugen Salinger. Nach der „Arisierung“ ihres Kaufhauses verzog sie mit Ehemann Eugen nach Dresden, wo dieser 1937 starb. Patin des Steines ist Marion Schneider, Auerstedt. 100px Bahnhofstraße 53 HIER WOHNTEJAKOB BUKOFZERJG. 1886„SCHUTZHAFT“ 1938BUCHENWALDDEPORTIERT 1942BELZYCEERMORDET Jakob, geboren am 4. März 1886 in Schönau Kreis Schwetz war ein jüdischer Kaufmann, der mit seiner ersten Ehefrau Martha Josefsohn aus Dirschau und ihrem gemeinsamen Sohn Gustav 1919 nach Berlin zog, wo er die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. In Berlin kam ihr zweites Kind Annemarie zur Welt. 1931 zog die Familie nach Apolda, wo Ehefrau Martha im gleichen Jahr verstarb. 1934 heiratete Jakob die aus Wien stammende jüdische Damenschneiderin Emma Scheuer. 1938 wurde Jakob in das KZ Buchenwald eingeliefert und nach zwei Monaten entlassen. Seinen Textilhandel durfte er nicht mehr ausüben. Am 10. Mai 1942 wurde er zusammen mit Ehefrau Emma in das Ghetto Belzyce deportiert und im Oktober gleichen Jahres im KZ Majdanek ermordet. Patin des Steins ist Pfarrerin Dr. Susanne Böhm, Apolda. 100px Bahnhofstraße 53 HIER WOHNTEEMMA BUKOFZERJG. 1890DEPORTIERT 1942BELZYCEERMORDET Emma geborene Scheuer war eine jüdische Damenschneiderin, die den Witwer Jakob Bukofzer in Apolda 1934 heiratete. Sie eröffnete einen „Salon für moderne Damenschneiderei“, den sie jedoch bereits 1938 wieder aufgeben musste. Zusammen mit ihrem Ehemann wurde sie am 10. Mai 1942 in das Ghetto Belzyce deportiert und im Oktober gleichen Jahres in Majdanek ermordet. Patin des Steins ist Pfarrerin Dr. Susanne Böhm, Apolda. 100px Bahnhofstraße 59 HIER WOHNTEERWIN RAPHAELJG. 1892DEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 3.3.1943 Jüdischer Kaufmann, verheiratet mit einer nichtjüdischen Frau, der sich 1936 von ihr einvernehmlich trennte, um für ihre Kinder Käte, Lieselotte und Wolfgang, die als „Geltungsjuden“ ebenfalls vom Tod bedroht waren, den geschützten Status von „Mischlingen“ zu erreichen. Alle drei haben überlebt.Peter Franz, Udo Wohlfeld: Jüdische Familien in Apolda, Weimar 2008