mini|Die Kirche in Großlangheim Die Kirche St. Jakobus in Großlangheim ist die Pfarrkirche des unterfränkischen Ortes. Sie wird auch St.-Jakobus-Maior oder Kirche St. Jakobus der Ältere genannt und befindet sich an der Kirchgasse inmitten des Dorfes.

Geschichte Die Geschichte der Großlangheimer Kirche ist eng mit der Dorfherrschaft der Grafen zu Castell verbunden. Sie förderten früh das Dorf mit seiner frühchristlichen Taufkirche. Im 14. Jahrhundert stifteten sie ein neues gotisches Gebäude im Norden ihres Schlosses. Es war dem heiligen Antonius geweiht und existiert noch als Antoniuskapelle. Im 16. Jahrhundert erhielt das Hochstift Würzburg die Dorfherrschaft und die Kirche wurde im Stile der Echtergotik erneuert. Weitere umfassende Renovierungen fanden im frühen 19. Jahrhundert statt.

Vorgängerbauten Die ersten Spuren christlichen Lebens in Großlangheim stammen aus der Zeit um das Jahr 900. Damals war das Dorf bereits Sitz einer Pfarrei. Dies ist durch die Funktion des örtlichen Gotteshauses als frühchristliche Taufkirche zu erklären. Bereits damals war Fröhstockheim als Filiale nach „Lanchem“ eingepfarrt, was sich erst im Jahr 1330 änderte. Die Kirche in Großlangheim war den Heiligen Johannes Baptist, Maria und dem Drachentöter Georg geweiht. Diese Patrone unterstreichen den Taufkirchencharakter.Kath. Pfarramt St. Jakobus Großlangheim (Hrsg.): St. Jakobus in Großlangheim. S. 3.

Nach der Ersterwähnung im 10. Jahrhundert wurde die Taufkirche erst im 11. Jahrhundert wieder genannt. Sie war als Eigenkirche den aufsteigenden Grafen zu Castell zugefallen, die später auch die Dorfherrschaft über Großlangheim innehatten. Die romanische Kirche war damals in die Burganlage integriert, deren Reste noch auf der sogenannten Schlossinsel im Südwesten des Ortes zu sehen sind.

Als erster Pfarrer wurde im Jahr 1224 Heinrich erwähnt. Der einzige weiter überlieferte Seelsorger im gleichen Jahrhundert war Albert im Jahr 1297. Neben den Gottesdiensten wurde die Kirche bis ins 15. Jahrhundert zusätzlich auch für kirchliche Sendgerichte genutzt, die unter dem Vorsitz des jeweiligen Würzburger Fürstbischofs stattfanden. 1399 gab es erstmals eine Früh- und Mittelmesse in der Kirche.Großlangheim. Kulturpfad Castell; abgerufen am 3. März 2014.

Wechselnde Dorfherrschaften mini|Das Wappen Großlangheims zeigt den Kirchenpatron Jakobus Maior Mit dem Jahr 1447 endete die Herrschaft der Casteller Grafen in Großlangheim. Fortan übernahm die Familie der Truchseß von Wetzhausen die Herrschaft über das inzwischen als Markt aufgestiegene Großlangheim. Mittlerweile war ein neues, repräsentativeres Gotteshaus im Nordosten des Dorfes entstanden, dessen Turm wohl um 1400 gebaut worden war. Im Jahr 1457Während u. a. Käsbauer (S. 142) diese Jahreszahl erwähnt, wird u. a. bei Schock-Werner (S. 235) 1453 genannt. erschien die neue Kirche erstmals in den Quellen. Sie war dem älteren Jakobus geweiht worden, um die Lage des Ortes zwischen zwei Wallfahrtswegen zu unterstreichen.

Die Ausstattung des neuen Kirchengebäudes wurde unter der Herrschaft des Philipp Truchseß von Wetzhausen am Ende des 15. Jahrhunderts komplettiert. Neben der Beschäftigung vieler Handwerker aus der Umgebung schuf die Werkstatt des berühmten Würzburger Holzschnitzers Tilman Riemenschneider die Holzskulpturen im Kircheninneren. Grund hierfür war die entfernte Verwandtschaft des Dorfherren mit dem Förderer des Schnitzermeisters, dem Fürstbischof Lorenz von Bibra.

Im Jahr 1517 fiel Großlangheim an das Würzburger Hochstift, das die Herrschaft in den nächsten Jahrhunderte innehatte. Im Jahr 1525 wurde das Dorf im Deutschen Bauernkrieg von marodierenden Bauernhaufen geplündert. Die wertvollsten Ausstattungsgegenstände der Kirche konnten jedoch gerettet werden. Das Kirchengebäude wurde in Mitleidenschaft gezogen, was eine Erneuerung unumgänglich machte. Gottesdienste fanden allerdings weiterhin in der Kirche statt, was durch zwei Messestiftungen in den Jahren 1540 und 1570 belegt ist.Anton Käsbauer: Markt Großlangheim. S. 149.

Kirchenneubau Erst zur Zeit der Gegenreformation am Ende des 16. Jahrhunderts begann man konkrete Pläne zur Neuerrichtung umzusetzen. Grund hierfür war unter anderem der Einsturz des Turmes im Jahr 1575. Treibende Kraft hinter dem Neubau war der neue Dorfherr und Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. Im Jahr 1596 wurde mit dem Umbau des Langhauses begonnen. Als Baumeister hatte man Adam Zwinger gewinnen können, der auch der ausführende Steinmetz der Dettelbacher Wallfahrtskirche war. Die Erweiterungen des Langhauses zogen sich bis ins Jahr 1601 hin. Dabei wurde der Turm um ein Geschoss aufgestockt. Heute noch erhaltene Steinmetzzeichen im neu errichteten Geschoss weisen Jobst Pfaff aus Iphofen als den ausführenden Meister aus. Nach dem Tod Bischof Julius Echters übernahm Johann Gottfried von Aschhausen das Amt. Auch er ließ an der Kirche in Großlangheim weiterbauen, 1616 wurde das Beinhaus im Kirchhof abgerissen, 1617 der Chor neu ausgeführt. Sein Nachfolger Philipp Adolf von Ehrenberg ergänzte 1623–1627 die Fresken im Inneren der Kirche.Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. S. 62.

Kirchliche Neuordnung Der Dreißigjährige Krieg verschonte Großlangheim und seine Kirche weitgehend. Im 18. Jahrhundert folgten einige Ergänzungen der Ausstattung, bevor die Säkularisation und Mediatisierung des Jahres 1803 die Herrschaft des Hochstifts Würzburg über das Dorf beendete und Großlangheim bayerische Landgemeinde wurde. Kirchlich übernahm das Dekanat Stadtschwarzach die Pfarrei Großlangheim, ab 1906 wurde sie Teil des Dekanats Kitzingen.

Kurz nach der umfassenden Neuordnung der staatlichen und kirchlichen Verhältnisse unternahm das Königreich Bayern Anstrengungen, die Großlangheimer Kirche erneut zu erweitern. Grund hierfür war ein Bevölkerungsanstieg, durch den das alte Gotteshaus nicht mehr allen Gemeindemitgliedern Platz bot. Die Pläne wurden allerdings erst in den Jahren 1821/1822 realisiert. Ausführender Architekt war Josef Herbig aus Dettelbach.Johannes Sander: Kirchenbau im Umbruch.

In den Jahren 1905/1906 und 1952 wurde die Kirche umfassend renoviert. Heute gehört sie neben den Kirchen in Fröhstockheim, Kleinlangheim, Mainbernheim, Rödelsee und Wiesenbronn zur Pfarreiengemeinschaft Großlangheim-Rödelsee. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ordnet das Kirchengebäude als Baudenkmal unter der Nummer D-6-75-131-16 ein.Denkmalnummer D-6-75-131-16. Geodaten.bayern.de; abgerufen am 23. Februar 2014.

Architektur mini|Die Anbauten im Süden der Kirche Die Kirche, ursprünglich als spätgotischer Saalbau im 16. und 17. Jahrhundert errichtet, wurde im 19. Jahrhundert mit zwei halbrunden Anbauten versehen, die das Kirchengebäude breiter als lang erscheinen lassen. Es ist geostet, in einem Westturm befindet sich das Hauptportal.

Langhaus Die ursprüngliche Form des zweijochigen Langhauses mit Satteldach ist durch die barockisierenden Anbauten kaum noch erkennen. Die halbrunden exedrenartigen Erweiterungen sind mit Halbkuppeln abgeschlossen.Tilmann Breuer: Franken: die Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. S. 407. Sie bestehen jeweils aus vier Fensterachsen, die sich um ein zentrales Seitenportal gruppieren. Alle Fenster sind spitzbogig. Auch die Portale weisen, mit Fenstern versehen, hohe Spitzbogen auf. Eierstableisten umlaufen die Traufe der Anbauten. Auf der Westseite blieben mehrere kleine Fenster des ursprünglichen Langhauses erhalten, die teilweise Schallluken aufweisen.

Das Langhaus wurde während der Umbauten im 19. Jahrhundert innen eingewölbt. Es besitzt ein gratiges Kreuzgewölbe, das allerdings nur das alte gotische Langhaus umspannt. Der Beginn der Anbauten ist innen an der Nord- und Südseite durch breite, rechteckige Säulen gekennzeichnet. Gegliedert sind die Erweiterungen durch ein schmales, umlaufendes Gesims.

Chor Der Chor der Kirche ist auf drei Seiten geschlossen. An der Nordseite wurde die alte Sakristei angebaut, im Süden kam später eine neue Sakristei hinzu. Im Chor befinden sich vier Fenster mit einem zentralen Rundfenster an der Ostseite, das von zwei spitzbogigen Fenstern eingerahmt wird. Beide sind zweibahnig und mit nachgotischem Maßwerk verziert, das dem an der Wallfahrtskirche in Dettelbach stark ähnelt. An der Südseite befindet sich das vierte, ebenfalls mit Maßwerk ausgestattete Chorfenster. Durch seine Dreibahnigkeit unterscheidet es sich von den anderen.Barbara Schock-Werner: Die Bauten im Fürstbistum Würzburg. S. 235.

Innen überspannt den Chor ein Sterngewölbe. Ein runder Schlussstein ist der zentrale Punkt des Gewölbes. Von ihm gehen die zweifach gekehlten Rippen aus, die in glockenförmigen Renaissancekonsolen auslaufen. Ein umlaufender Eierstab schmückt den Chor zusätzlich. Er ist an den Kreuzungspunkten durchgesteckt und gekappt. Ein runder Chorbogen leitet zum Langhaus über. Auf der Nordseite befindet sich die Tür zur Sakristei mit einem geraden Sturz und Stabwerk. Oberhalb des Türsturzes ist das Wappen von Julius Echter angebracht.

Turm Der Westturm besteht aus vier Geschossen, das unterste enthält auf der Westseite das gotische Hauptportal mit einer profilierten Rahmung und einem Spitzbogen. Die einzelnen Geschosse sind durch umlaufende Gesimse außen zu erkennen. Das zweite Geschoss hat keine Fenster. Das dritte mit der Glockenstube hat zweibahnige spitzbogige Fenster mit spätgotischem Maßwerk und Schallluken.

Auf der Höhe des dritten Geschosses läuft das Langhaus aus. Darüber erhebt sich das vierte Geschoss des Turmes mit im Süden und Norden einbahnigen und im Osten und Westen zweibahnigen Rechteckfenstern. Unterhalb der Fenster befinden sich im Süden und Westen Turmuhren. Der Kirchturm ist mit einem typischen Spitzhelm der Echterzeit abgeschlossen und von einer goldenen Turmkugel und einem Windrichtungsgeber bekrönt. An der linken Seite des Turmes steht die von einem Pultdach bedeckte Ölberggruppe.Kath. Pfarramt St. Jakobus Großlangheim (Hrsg.): St. Jakobus in Großlangheim. S. 6.

Ausstattung mini|hochkant|Der Hochaltar im Chor Zu allen Zeiten wurde die Ausstattung der Jakobuskirche ergänzt. Insbesondere am Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts kamen einige besonders wertvolle Stücke in die Kirche. Im 18. Jahrhundert folgten barocke Ausstattungsstücke. Bei den Umbauten im 19. Jahrhundert wurden fehlende und beschädigte Kunstwerke ergänzt, dabei erhielt die Kirche ihr überwiegendes klassizistisches Gepräge.

Hochaltar Der Hochaltar der Kirche füllt mit seinen Anbauten und Figuren die gesamte Ostwand des Chores aus. Ein Altar ist im Gotteshaus erstmals aus dem Jahr 1700 überliefert. In den folgenden Jahrhunderten wurde er ergänzt und umgearbeitet, sodass heute ein Stilgemisch besteht. Um 1756 kamen barocke Elemente hinzu, die von Johann Michael Babelitsch geschaffen wurden. 1820 tauschte man verloren gegangene mit klassizistischen Teilen aus. Im Jahr 1904 folgte das von Hans Sperlich gemalte Altarbild. Im gleichen Jahr vervollständigte Hans-Michael Driessler den Tabernakel.

Der Altar ist zweisäulig mit Durchgängen zu beiden Seiten des Tabernakels. Zwei Heiligenfiguren stellen links Maria mit dem Kind und rechts den heiligen Josef mit einer Lilie dar, Inschriftenmedaillons unter den Figuren enthalten die Namen. Josef wurde aus einer älteren Jakobusstatue umgearbeitet, die Lilie ersetzt den Pilgerstab des Heiligen.

Das zentrale klassizistische Altarblatt zeigt die Verklärung Christi. Neben Jesus erscheinen Mose und Elija den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes, wobei Jakobus, der Kirchenpatron, im Zentrum des Bildes kniet. Eingerahmt wird das Bild von den Altarsäulen, er ist mit Puttenköpfen und Blumengehängen aus Stuck verziert. Über dem Bild sind zwei Engel um ein unbeschriftetes Medaillon postiert.