(Kurzform: OpenDocument, ODF; englisch für „offenes Dokumentformat für Büroanwendungen“) ist ein international genormter quelloffener Standard für Dateiformate von Bürodokumenten wie Texten, Tabellendokumenten, Präsentationen, Zeichnungen, Bildern und Diagrammen.
OpenDocument nutzt für das eigentliche Dokument eine XML-basierte Auszeichnungssprache, deren Elemente an den Standard HTML angelehnt sind. Für mathematische Formeln wird eine Untermenge von MathML und für Formatierungsangaben eine eigene XML-basierte Sprache benutzt. OpenDocument kann mit beliebigen weiteren XML-Sprachen ergänzt werden.
Es wurde ursprünglich von Sun Microsystems entwickeltnetzwelt.de., durch die Organisation OASIS als Standard spezifiziert und 2006 als internationale Norm ISO/IEC 26300 veröffentlicht. Die Entwicklungen rund um ODF sowie die Unterschiede sind in einem Interview mit Italo Vignoli beschrieben.
Normung Ende 2002 wurde bei OASIS das Open Office XML Format Technical Committee gegründet, um ein offenes XML-basiertes Dateiformat für Office-Anwendungen auf Basis des Dateiformats von OpenOffice.org zu schaffen.
Die Europäische Kommission empfahl 2004 im Rahmen ihres IDA-Programms (Interchange of Data between Administrations), unter anderem OASIS, OpenDocument einer offiziellen internationalen Standardisierungsbehörde wie etwa der ISO vorzulegen. Eine offizielle Empfehlung für ein bestimmtes Format wurde jedoch von der Kommission nicht ausgesprochen.
Die erste Version des OpenDocument-Formats wurde im Mai 2005 veröffentlicht. Im März 2006 wurde die OpenDocument Format Alliance gegründet, mit dem Ziel, vor allem Regierungen und Behörden davon zu überzeugen, das OpenDocument-Format zu nutzen.
Im Rahmen der internationalen Normung ist das OpenDocument-Format unter der Nummer ISO/IEC 26300 als Open Document Format for Office Applications (OpenDocument) v1.0 seit Dezember 2006 genormt.
+ OpenDocument-Format Normungsfortschritt ODFVersion als OASIS-Standardanerkannt als ISO/IEC-Standardveröffentlichtv1.02005-05-012006-12v1.1 2007-02-022012-03v1.22011-09-292015-07v1.32021-04-27(in Arbeit)v1.42025-12-03(noch nicht eingereicht)
Versionsfortschritt
ODF v1.1 enthält zusätzliche Funktionen, um die Barrierefreiheit zu verbessern.
ODF v1.2Open Document Format for Office Applications Version 1.2. enthält weitere Barrierefreiheitsfunktionen, eine auf OpenFormula basierende Spezifikation für Tabellenkalkulationsformeln, Unterstützung für digitale Signaturen und RDF-basierte Metadaten, sowie einige von der Nutzerschaft vorgeschlagene Funktionen.
ODF v1.3 ermöglicht die OpenPGP-basierte Verschlüsselung von Dokumenten, enthält bedeutende Verbesserungen bei digitalen Signaturen (XAdES) und in den Bereichen Änderungsverfolgung und Dokumentsicherheit, ergänzt Details bei Elementbeschreibungen und weitere zeitgemäße Optimierungen.
ODF v1.4 erweitert die Spezifikation der Schreibrichtungen, ermöglicht komplexe Hintergründe mit Farbverläufen oder Schraffuren für mehr Objekttypen und die Positionierung von Objekten relativ zu Seitenrändern. Die neue Funktion EASTERSUNDAY ermöglicht Tabellenkalkulationen, das Osterdatum und davon abgeleitete Termine zu berechnen. Bei der Formelsetzung sind nun alle Versionen der MathML-Formelsprache zugelassen.
Technische Beschreibung Eine OpenDocument-Datei ist entweder eine einzelne XML-Datei oder eine Sammlung verschiedener XML-Dateien und anderer Objekte (z. B. eingebundener Bilder), die zu einer Datei im ZIP-Format zusammengefasst werden. Als Dateiendung für OpenDocument-Dateien werden odt für Texte, ods für Tabellen, odp für Präsentationen und odg für Vektorgrafik verwendet. Diese Archivdateien enthalten spezielle Einträge, die sich an der Struktur des Java-Archive-Formats orientieren.
Damit sich der Dateityp auch unabhängig von der Dateiendung und ohne Dekomprimierungsprogramm (siehe Datenkompression) ermitteln lässt, ist der erste Archiv-Eintrag der MIME-Typ des Dateiinhaltes im Klartext und unkomprimiert.
Grundsätzlich enthält jede OpenDocument-Datei in dem Archiv den Ordner META-INF mit der Datei manifest.xml. Die manifest.xml listet alle weiteren Dateien in der OpenDocument-Datei mit den MIME-Typen auf. Alle weiteren Dateien in der OpenDocument-Datei sind üblicherweise komprimierte XML-Dateien, die eine Dokumentstruktur, den Dokumentinhalt, die Dokumentstile und Dokumenteinstellungen beschreiben. Des Weiteren werden Multimediadateien, wie zum Beispiel Bilder, Filme und Musikdateien mit ihrem Binärformat, gegebenenfalls komprimiert, in der OpenDocument-Datei gespeichert.
Beispiel Eine OpenDocument-Textdatei Folgendes Beispiel visualisiert die Ordnerstruktur in einer OpenDocument-Textdatei:
Dabei ist die Datei mimetype innerhalb der Zip-Datei immer unkomprimiert, alle anderen Dateien können komprimiert sein. Im Ordner Pictures befindet sich, in diesem Beispiel, ein Bild im PNG-Format. Die Datei content.xml enthält die Textinhalte des Dokumentes. In styles.xml sind Formatierungen gespeichert. Die Datei meta.xml enthält Metadaten. Zum Beispiel, wie viele Seiten das Dokument enthält, wer der Autor ist und wann es angelegt bzw. geändert wurde. Die Datei thumbnail.png im Ordner Thumbnails zeigt ein kleines Dokumentabbild der ersten Seite des Dokumentes. Dieses Abbild kann von einem Dateibetrachter als Vorschaubildchen verwendet werden. Die dokumentspezifischen Einstellungen finden sich in der settings.xml. Üblicherweise finden sich dort die Druckeinstellungen. Die manifest.xml listet alle Dateien mit Dateityp in diesem Archivformat auf.
mimetype-Datei In der mimetype-Datei steht der Typ der Datei (siehe Abschnitt Dateiendungen und MIME-Typ). In diesem Beispiel application/vnd.oasis.opendocument.text.
manifest.xml-Datei Die manifest.xml hat in diesem Beispiel folgenden Inhalt: <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <manifest xmlns="urn:oasis:names:tc:opendocument:xmlns:manifest:1.0"> <file-entry media-type="application/vnd.oasis.opendocument.text" full-path="/"/> <file-entry media-type="application/vnd.sun.xml.ui.configuration" full-path="Configurations2/"/> <file-entry media-type="image/png" full-path="Pictures/10000000000001E800000118B5A37F3F.png"/> <file-entry media-type="" full-path="Pictures/"/> <file-entry media-type="text/xml" full-path="content.xml"/> <file-entry media-type="text/xml" full-path="styles.xml"/> <file-entry media-type="text/xml" full-path="meta.xml"/> <file-entry media-type="" full-path="Thumbnails/thumbnail.png"/> <file-entry media-type="" full-path="Thumbnails/"/> <file-entry media-type="text/xml" full-path="settings.xml"/> </manifest>
meta.xml-Datei An dem Beispiel der meta.xml Datei kann man sehen, welche Übersichtsinformationen in der OpenDocument-Datei gespeichert werden. Sie folgen teilweise dem Metadaten-Schema Dublin Core (Elemente im Namensraum dc).
<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <office:document-meta xmlns:office="urn:oasis:names:tc:opendocument:xmlns:office:1.0" xmlns:meta="urn:oasis:names:tc:opendocument:xmlns:meta:1.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" > <office:meta> <meta:generator>OpenOffice.org/1.9.118$Win32 OpenOffice.org_project/680m118$Build-8936</meta:generator> <meta:initial-creator>Vorname Nachname</meta:initial-creator> <meta:creation-date>2005-09-27T16:53:48</meta:creation-date> <dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator> <dc:date>2005-09-29T18:12:57</dc:date> <meta:printed-by>Vorname Nachname</meta:printed-by> <meta:print-date>2005-09-29T17:57:42</meta:print-date> <dc:language>de-DE</dc:language> <meta:editing-cycles>11</meta:editing-cycles> <meta:editing-duration>PT6H11M44S</meta:editing-duration> <meta:user-defined meta:name="Info 1"/> <meta:user-defined meta:name="Info 2"/> <meta:user-defined meta:name="Info 3"/> <meta:user-defined meta:name="Info 4"/> <meta:document-statistic meta:table-count="0" meta:image-count="4" meta:object-count="0" meta:page-count="5" meta:paragraph-count="92" meta:word-count="1460" meta:character-count="10405"/> </office:meta> </office:document-meta>
Thumbnails/thumbnail.png-Datei Das folgende Bild zeigt die Miniaturansicht der ersten Seite des Beispieldokumentes.
mini|upright|center|alt=eine kleine Vorschau des Beispieldokuments |Miniaturansicht
Dateiendungen und MIME-Typen Folgende Tabelle zeigt einige verwendete Dateiendungen für die unterschiedlichen OpenDocument-Dateien.
OpenDocument-Dateiformat DateiendungMIME-Typ DokumenteText.odtapplication/vnd.oasis.opendocument.textTabellendokument.odsapplication/vnd.oasis.opendocument.spreadsheetPräsentation.odpapplication/vnd.oasis.opendocument.presentationZeichnung.odgapplication/vnd.oasis.opendocument.graphicsDiagramm.odcapplication/vnd.oasis.opendocument.chartFormel.odfapplication/vnd.oasis.opendocument.formulaBild.odiapplication/vnd.oasis.opendocument.imageGlobaldokument.odmapplication/vnd.oasis.opendocument.text-masterVorlagenTextvorlage.ottapplication/vnd.oasis.opendocument.text-templateTabellenvorlage.otsapplication/vnd.oasis.opendocument.spreadsheet-templatePräsentationsvorlage.otpapplication/vnd.oasis.opendocument.presentation-templateZeichnungsvorlage.otgapplication/vnd.oasis.opendocument.graphics-template
Weitere Dateiendungen werden in dem OASIS-Standard (Seite 697 f.) aufgelistet.
Kritik Abgrenzungsproblem zwischen Dokumentenformat und Programmiersprachen
Makro/Skript-Unterstützung: ODF definiert zwar einen XML-Tag für Makros und Skripte, aber weder Programmiersprache, Dokumentenmodell noch Anwendungs-Toolkit. Damit können Makros und Skripte nur eingeschränkt applikationsübergreifend genutzt werden. Diese Einschränkung aufzuheben würde jedoch bedeuten, alle Anwendungen auf eine Programmiersprache, ein Dokumentenmodell und ein Toolkit festzulegen, was nicht Aufgabe eines Dokumentenformats ist. Formeln in Tabellen: Der ODF-Standard legte bis Version 1.1 nicht fest, wie Formeln für Tabellen zu speichern sind. Berechnungen in einer Tabelle funktionieren daher nicht programmübergreifend gleich. In Version 1.2 des Standards wurde OpenFormula als umfassender einheitlicher Standard festgelegt. Alex Brown, der führend in den ISO-Standardisierungsprozess des konkurrierenden Formats OOXML involviert war, kritisierte, dass es – bedingt durch Fehler in den RELAX-NG-Schemata der verschiedenen Standardversionen – keine Anwendung gibt, die gültige OpenDocument-Dateien erzeugt. Die Entwickler widersprechen jedoch dieser Aussage und führen an, dass das getestete ODF 1.0 nicht mit OpenOffice.org 2.4 kompatibel sein kann (denn dieses verwendet ODF 1.1, welches jedoch nicht bei der ISO standardisiert ist); dadurch sei der Testaufbau fehlerhaft.
Programme mit Unterstützung für OpenDocument Integrierte Office-Pakete inklusive eventuell benötigter Plugins Programmpakete, die mindestens Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationssoftware enthalten, sind:
Apache OpenOffice: natives Standarddateiformat bei allen Versionen. Calligra Suite, eine Abspaltung von KOffice, nutzt ab der ersten Version 2.4 (2012) OpenDocument als natives Speicherformat. Euro-Office mit den Projektpartnern Ionos und Nextcloud haben Anfang Juni 2026 ihre quelloffene Web-Office-Suite veröffentlicht Google Drive (vormals Writely), kostenlose Online-Textverarbeitung (Google Docs), Tabellenkalkulation (Google Sheets), Präsentationen (Google Slides) und weitere IBM Docs KOffice verwendet ab Version 1.5 vom 11. März 2006 OpenDocument als Standardformat, ab Version 1.4 vom 21. Juni 2005 konnten die Formate bereits optional genutzt werden. LibreOffice: natives Standarddateiformat bei allen Versionen; LO ≥ v25.2 unterstützt ODF v1.4.