Hannas Reise ist eine deutsche romantische Komödie aus dem Jahr 2013 von Julia von Heinz. Der Film basiert lose auf dem Roman Das war der gute Teil des Tages von Theresa Bäuerlein.
Handlung Die ehrgeizige Hanna lebt mit ihrem Freund Alex in Berlin und steht vor dem Abschluss ihres BWL-Studiums. Um bei einem Vorstellungsgespräch mit sozialem Engagement zu punkten, lügt sie über einen angeblich bevorstehenden Einsatz mit Behinderten in Israel. Da ihre Mutter in leitender Position bei der Organisation „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ ist, erhofft sich Hanna von ihr eine pro forma ausgestellte Bescheinigung. Doch ihre Mutter besteht darauf, dass sie den Freiwilligendienst tatsächlich absolviert, und so fliegt Hanna für einen mehrmonatigen Aufenthalt nach Tel Aviv.
In Israel wohnt Hanna in einer WG mit den beiden anderen Freiwilligen Maja und Carsten. Sie arbeitet in einem Behindertendorf mit dem israelischen Betreuer Itay zusammen. Der provoziert sie einerseits mit Holocaust-Witzen, flirtet aber auch mit ihr. Er wollte eigentlich nach seinem Armeedienst mit Freunden nach Berlin ziehen, um dort einen Club zu eröffnen, kümmert sich nach dem Tod seines Bruders aber um dessen Witwe und Tochter und ist somit gezwungen, vorerst in Israel zu bleiben.
Mit der Zeit lernen Hanna und Itay sowohl einander als auch ihre Hoffnungen besser kennen und merken, dass man auch als junger Mensch „nicht bei null anfangen kann“. Neben der Arbeit im Behindertendorf gehört zu Hannas Freiwilligendienst auch der regelmäßige Besuch im Altersheim bei der Holocaust-Überlebenden Gertraud Nussbaum. Es stellt sich heraus, dass schon Hannas Mutter als Freiwillige bei ihr war. Von ihr erfährt Hanna nach und nach mehr über die Rolle ihrer Großeltern im Zweiten Weltkrieg und setzt sich mit ihrer Herkunft auseinander.
Am Ende ihres Freiwilligendienstes ist für Hanna die ursprünglich geplante Karriere nicht mehr so wichtig, und sie entscheidet sich spontan am Flughafen, noch ein paar Tage länger in Israel zu bleiben. Sie telefoniert mit Itay, der sich überraschenderweise in Berlin befindet. Es bleibt offen, was danach passiert.
Hintergrund Gedreht wurde im Oktober und November 2012 in Berlin und Tel Aviv. Der Film wurde sowohl von diversen deutschen Filmförderungsanstalten als auch von der israelischen Filmförderung unterstützt., S. 4 und 9. Abgerufen am 18. Februar 2014. Die Erstaufführung fand am 27. August 2013 im Rahmen des World Film Festivals in Montréal statt, der deutsche Kinostart war am 23. Januar 2014.Internet Movie Database: Starttermine. Abgerufen am 18. Februar 2014.
Hannas Reise ist die erste Hauptrolle für Karoline Schuch in einem Kinofilm.
Rezeption Der Film bekam in der deutschen Presse gemischte bis positive Kritiken. Gelobt wurde von Ariane Wälzer, dass er keine vorhersehbare Liebesgeschichte erzählt:
Auch Spiegel-Rezensentin Kirsten Rießelmann sieht zwar Schwächen, gewinnt dem Gespür der Regisseurin für ihr sensibles Sujet und ihre Charaktere aber auch viel Positives ab und fasst zusammen:
Julia Teichmann stellt im film-dienst fest, dass Hannas Charakter wie viele Angehörige der dritten Nachkriegsgeneration „keine Ahnung hat, was ihre Großeltern im Krieg gemacht haben“, sich aber im Lauf des Films glaubwürdig vom unsympathischen Karriere-Girl zur Identifikationsfigur wandle:
Zitty-Autor Martin Schwarz empfindet den israelischen Schauspieler Doron Amit als echten Glücksgriff:
Die Neue Osnabrücker Zeitung hebt besonders die gekonnte Herangehensweise der Regisseurin an ein schwieriges Thema hervor und fasst zusammen:
Eine ähnliche Meinung vertritt das Magazin cinema, das zudem das eindrückliche Spiel der unter anderem aus mehreren Tatort-Episoden bekannten Karoline Schuch positiv bewertet, die hier ihre erste große Hauptrolle verkörpert:
Auch andere Online-Quellen halten vor allem die Arbeit von Regisseurin und Darstellern für ausschlaggebend für die gelungene Bearbeitung des Themas. So ist auf kino.de zu lesen:
Allerdings wurde auch bemängelt, dass der Film versucht zu viele Themen anzuschneiden und dabei droht in Klischees abzudriften. So schreibt zum Beispiel Cornelia Geissler:
Auch in Israel bekam der Film überwiegend positive Kritiken. So schreibt Hannah Brown (Übersetzung aus dem Englischen):
Im renommierten israelischen Blog Motke wird der Film ebenfalls positiv besprochen (Übersetzung aus dem Hebräischen):
Obwohl Hannas Reise das (Hin-)Einwirken der Shoah in die Gegenwart und auf die zweite und dritte Nachkriegsgeneration beschreibt, erinnern negative Kritiken zum Teil doch an die emotional aufgeladenen Debatten zu Radu Mihăileanus und Roberto Benignis kontrovers diskutierten „Holocaust-Komödien“ Zug des Lebens (1998) bzw. Das Leben ist schön (1997), in denen heftig darüber gestritten wurde, inwieweit es überhaupt zulässig sei, die Shoah als größtes Menschlichkeitsverbrechen der Geschichte überhaupt zum Gegenstand oder Hintergrund einer humorvollen Erzählung zu machen. (Ralf Krämers Rezension zu Hannas Reise unter der Überschrift Darf man über den Holocaust Witze machen?Darf man über den Holocaust Witze machen? ist ein gutes Beispiel dafür.) Wie diese Filme sehen sich auch Hannas Reise und Regisseurin Julia von Heinz mit dem Vorwurf der Oberflächlichkeit konfrontiert.
So bescheinigt Uri Klein dem Film fehlenden Tiefgang im Umgang mit einer in Wahrheit komplexeren Thematik:
Kritikenspiegel Positiv: NDR.de, 22. Januar 2014, von Ariane Wälzer: film-dienst, Februar 2014, von Julia Teichmann: Hannas Reise: Spurwechsel in Israel. Erfrischende Komödie über deutsch-jüdische Bande. zitty, März 2014, von Martin Schwarz: Hannas Reise.
Positive Bewertungen auf Online-Portalen: Choices, von Rolf-Rüdiger Hamacher: Hannas Reise cinetastic, von Ronny Dombrowski: Hannas Reise kino-zeit.de, von Harald Mühlbeyer: Hannas Reise programmkino.de, von Dieter Oßwald: Hannas Reise filmreporter.de, von Tatjana Nietzel: Film: Hannas Reise kino.de, von mk: Hannas Reise
Eher positiv: Spiegel Online, 23. Januar 2014, von Kirsten Rießelmann: Kinofilm „Hannas Reise“: Israel als Karrierekick Neutral: Die Welt, 24. Januar 2014, von Ralf Krämer: Darf man über den Holocaust Witze machen? Filmstarts.de, von Lars-Christian Daniels: Hannas Reise Eher negativ: Frankfurter Rundschau, 24. Januar 2014, von Cornelia Geissler: Film „Hannas Reise“: Nach Israel, der Karriere wegen Haaretz, 13. Juni 2014, von Uri Klein: As deep as a Zionist TV infomercial.
Weblinks Offizieller Internetauftritt Offizielles Presseheft zum Film mit Informationen zum Inhalt, Besetzung, Stab und Dreh
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2013 Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Deutscher Film