mini|hochkant=1.5|Das Nordseereich (1014–1035) Das Nordseereich oder auch Anglo-Skandinavische Reich war ein unter König Knut dem Großen geeintes Großreich, das England, Dänemark, Norwegen und Teile Norddeutschlands, Schottlands und Schwedens umfasste. Es entstand durch die Krönung Knuts zum König von England im Jahr 1016, brach nach seinem Tod 1035 auseinander und erlosch mit dem Tod seines Sohnes Hardiknut im Jahr 1042.

Vorgeschichte Der dänische König Sven Gabelbart herrschte seit der Seeschlacht von Svold am 9. September 1000 über Norwegen mittels zweier Jarle. Nach der Teilnahme an einigen von Norwegen geleiteten Raubzügen in den Jahren 994–995 führte Sven einige groß angelegte Invasionen gegen England durch (1003–1005, 1006–1007, 1009–1012 und 1013), in denen er das Danegeld eintrieb. Zuvor hatte der englische König Æthelred II. das St.-Brice’s-Day-Massaker befohlen, bei dem am 13. November 1002 alle dänischen Bewohner Englands getötet werden sollten. Dabei kam auch Gabelbarts Schwester Gunhilde ums Leben. Im Jahr 1013 gelang Gabelbart die Eroberung Englands und die Vertreibung Æthelreds II. in die Normandie. Am 25. Dezember 1013 wurde er zum König von England erklärt und war bis zu seinem Tod dessen tatsächlicher Herrscher.

Gliederung England mini|Englische Grafschaften um 1025 Knut der Große war der zweite Sohn von Sven Gabelbart, der auf seinem Englandfeldzug am 3. Februar 1014 in Gainsborough starb. Knut lagerte zu diesem Zeitpunkt als Kommandant der Flotte am Trent und wurde von den Dänen als Svens Nachfolger bestätigt. Mit Svens Tod war die Invasion Englands aber vorerst gescheitert. Die englischen Adligen erkannten Knut nicht als ihren König an und riefen im Gegenzug für politische Reformen den von Sven 1013 in die Normandie vertriebenen König Æthelred zurück. Knuts verbündete Krieger von Lindsey waren noch nicht zum Kampf gerüstet, und so floh er vor Æthelreds Heer kampflos nach Dänemark.Frank Stenton: Anglo-Saxon England. 3. Auflage. Clarendon, Oxford 1971, ISBN 978-0-19-821716-9, S. 386.

Im Sommer 1015 stellte Knut eine neue Invasionsflotte auf und segelte mit Hilfe des norwegischen Jarls Erik Håkonsson wieder gegen England. Die Engländer waren untereinander zerstritten, und mit Hilfe eines Sohnes Æthelreds eroberte Knut Wessex. Noch vor der entscheidenden Schlacht starb Æthelred am 23. April 1016. Die Londoner erkoren seinen Sohn Edmund zum König, während sich die meisten Adligen in Southampton trafen und Knut die Gefolgschaft schworen. Dieser zog zunächst nach Norden und besetzte Northumbria, und anschließend wieder nach Süden, um London zu belagern. Um ihre Vorräte aufzufüllen, mussten die Belagerer aber wieder abziehen und wurden bei Otford von Edmund geschlagen. Bei der Verfolgung der Dänen durch Essex wurde Edmund wiederum in der Schlacht von Assandun von den Dänen geschlagen. Dadurch war er gezwungen, Knut die Herrschaft über alle englischen Territorien bis auf Wessex zu überlassen. Es wurde vereinbart, dass beim Tod eines der beiden Könige der jeweils andere die Krone über das gesamte Reich erhalten sollte. Als am 30. November 1016 Edmund starb, wurde Knut zu Weihnachten als König von England gekrönt.Stenton, S. 388 ff.

Im Sommer 1017 festigte Knut seinen Herrschaftsanspruch, indem er Æthelreds Witwe, Emma von der Normandie, heiratete, obwohl er zuvor schon die englische Adlige Ælfgifu von Northampton geheiratet hatte.Stenton, S. 397. Im selben Jahr teilte er sein Herrschaftsgebiet in die Grafschaften Wessex, Mercia, Northumbria und East Anglia auf.

Dänemark mini|hochkant|Knut der Große und seine Frau Ælfgifu (1031) Knuts älterer Bruder wurde nach Sven Gabelbarts Tod 1014 König Harald II. von Dänemark. Als dieser 1018 kinderlos starb, wurde Knut 1019 König und setzte seinen Schwager Ulf Jarl als Stellvertreter ein. Eine dänische Chronik besagt, dass die Dänen bereits zuvor Harald zu Gunsten Knuts entthronten, ihn aber wegen Knuts häufiger Abwesenheit wieder einsetzten, bevor Knut nach Haralds Tod endgültig König wurde.Edward A. Freeman: The History of the Norman Conquest of England: Its Causes and its Results. Volume 1. Clarendon, Oxford 1867, S. 404, note 1

König Olav II. Haraldsson von Norwegen und sein Schwager König Anund Jakob von Schweden fühlten sich durch das Anglo-Dänische Königreich bedroht. Sie nutzten durch Knuts Aufenthalt in England die Gelegenheit und Olav griff im Jahr 1025 oder 1026 Dänemark in Sjælland an, während Anund Jakob Dänemark von Osten angriff. Dabei wurden sie von Knuts Statthalter Ulf Jarl unterstützt, der Knuts Sohn Hardiknut zum König von Dänemark wählen lassen wollte. Knut segelte von England mit seiner Flotte zum Limfjord und es kam in Schonen zur Schlacht am Helgeå zwischen Knut und der norwegisch-schwedischen Koalition.Stenton, S. 402 ff. Der Ausgang der Schlacht ist umstritten, aber Olaf und Anund Jakob mussten sich zurückziehen.Jim Bradbury: The Routledge Companion to Medieval Warfare. Routledge, London 2004, ISBN 0-415-22126-9, S. 125; Philip J. Potter: Gothic Kings of Britain: The Lives of 31 Medieval Rulers, 1016-1399. McFarland, Jefferson, North Carolina:2009, ISBN 978-0-7864-4038-2, S. 12. Knut ließ Ulf Jarl zu Weihnachten 1026 wegen Kollaboration töten, obwohl er in der Schlacht an Knuts Seite gekämpft hatte.

1025 wurde Knuts und Emmas Tochter Gunhild dem Sohn Kaiser Konrads II. und seiner Frau Gisela von Schwaben, dem zukünftigen Kaiser Heinrich III. versprochen. Im Gegenzug wurde Knut als Herrscher über Schleswig anerkannt.Stenton, S. 407 f.Viggo Starcke: Denmark in World History. University of Pennsylvania, Philadelphia 1962, S. 282. Die Eider wurde damit zur Südgrenze seines Reiches.

Norwegen Olav II. unterstützte Æthelred 1014 bei seiner Rückeroberung Englands und zog so die Feindschaft Knuts auf sich.Herbert A. Grueber, Charles Francis Keary: A Catalogue of English Coins in the British Museum: Anglo-Saxon Series, Volume 2, Trustees [of the British Museum], London 1893, S. lxxvii. Im Herbst 1015 segelte er nach Norwegen und nutzte die Abwesenheit des Jarls Erik aus, der mit Knut in England kämpfte und Norwegen seinem Sohn Håkon Eiriksson überließ, und übernahm dort die Macht.Stenton, S. 402 f. Nach Sigvat Tordsson ist die Machtübernahme friedlich verlaufen, während Ottar Svarte und Snorri Sturluson von einer feindlichen Auseinandersetzung mit einer vorübergehenden Gefangennahme Håkons berichtete. Håkon ging daraufhin nach England. Olav gewann im darauffolgenden Jahr in der Schlacht bei Nesjar gegen den an Zahl unterlegenen Jarl Sven, Håkons Onkel väterlicherseits. Möglicherweise bestand ein gutes Verhältnis zwischen Olav und Knut oder sogar eine Absprache zwischen Olav, Knut und Håkon, dass Olav Norwegen erhalten und Håkon Jarl in England werden sollte. Die Überfahrt Olavs nach Norwegen mit nur zwei Handelsschiffen und die friedliche Aussprache mit Håkon sprechen dafür. Eine solche Absprache zwischen Knut und Olav erkläre auch, warum Sven 1016 so wenig Unterstützung für die Schlacht bei Nesjar fand.

Nach 1020 wurde Olav aufgefordert, sich Knut als Lehnsmann zu unterwerfen,Starcke, S. 284 da auch die vorherigen Könige Dänemarks Oberkönige in Norwegen gewesen waren. Aber Olav weigerte sich und es kam zum Konflikt, der in die Schlacht am Helgeå mündete.

Nach der Schlacht verlor Olav mehr und mehr an Ansehen bei der norwegischen Aristokratie, teils durch alte Bündnisse zwischen den Ladejarlen und dem dänischen König, teils durch die Tötung des norwegischen Häuptlings Erling Skjalgsson nach der Schlacht im Boknfjord und auch durch Zahlung großer Geldbeträge Knuts an die norwegischen Aristokraten. 1028 segelte Knut mit einer großen Flotte englischer und dänischer Schiffe nach Norwegen, um Olav zu bezwingen. Olav hatte nur wenig Verbündete, floh nach Nowgorod und Knut wurde auf den Thingversammlungen des Landes als König gehuldigt.Stenton, S. 404Starcke, S. 289Karen Larsen: A History of Norway. Princeton University, Princeton 1950, S. 104

Håkon Eiriksson wurde wieder als Jarl eingesetzt, da Knut nach England zurückkehrte. Als Håkon 1029 nach einer Englandreise auf der Nordsee verschollen war, war Norwegen ohne einen starken Herrscher, da Knut seinen 13-jährigen Sohn Sven Alfivason als Jarl über Norwegen ernannte. Dies bewog Olav dazu, Anfang 1030 nach Norwegen zurückzukehren, um seine Krone zurückzugewinnen. Er wurde dabei vom schwedischen König Anund Jakob und auch von seinem Halbbruder Harald Sigurdsson unterstützt. Seine Gegner aber sammelten ein gewaltiges Bauernheer, es kam zur Schlacht von Stiklestad, in der Olav schließlich fiel.

Schweden Nach der Schlacht von Helgeå beanspruchte Knut auch einen Teil von Schweden.Rex totius Angliæ et Denemarciæ et Norreganorum et partis Suanorum, "King of all England and Denmark and Norway and part of Sweden". Freeman, S. 479, note 2. Er ließ Münzen mit der Inschrift „CNVT REX SW“ (Knut, König der Schweden) in der schwedischen Hauptstadt Sigtuna, in Lund und auch in Dänemark prägen. West-Götaland und Blekinge galten als neuerworbene Territorien des Reiches.Brita Malmer: The 1954 Rone Hoard and Some Comments on Styles and Inscriptions of Certain Scandinavian Coins from the Early Eleventh Century. In Coinage and History in the North Sea World, c. AD 500-1200: Essays in Honour of Marion Archibald. Hrsg. von Barrie Cook und Gareth Williams. Brill, Leiden 2006, ISBN 90-04-14777-2, S. 435 ff., S. 443 Aber Münzen sind keine eindeutigen Beweise, dass Knut tatsächlich Herrscher über Teile Schwedens war; so existieren Münzen, die Knut als Herrscher Irlands zeigen. Die schwedische Geschichte ist zu diesem frühen Zeitpunkt nicht sehr klar umrissen.Franklin D. Scott: Sweden: The Nation's History. 2nd ed. Southern Illinois University, Carbondale 1988, ISBN 0-8093-1489-4, S. 25 f.

Tributpflichtige Gebiete mini|350px|Das Nordseereich mit seinen Vasallenstaaten und Verbündeten.

Die Dänen herrschten von Jomsburg über die wendischen Gebiete an der Oder. 1022 unternahm Knut mit Godwin und Ulf Jarl eine Expedition durch die Ostsee, um seine Ansprüche über diese Gebiete zu bekräftigen.Starcke, S. 281 f Als Statthalter setzte er dort seine erste Frau Ælfgifu und seinen ältesten, noch minderjährigen Sohn Sven ein, der 1029 Jarl von Norwegen wurde.Theodor Schieder: Handbuch der europäischen Geschichte. Bd. 1. Klett-Cotta, Stuttgart 1968, S. 985

In der Schlacht bei Carham im Jahr 1018 besiegte der schottische König Malcolm II. die Angelsachsen unter dem Ealdorman of Bamburgh Eadwulf Cudel,David W. Rollason: Northumbria, 500-1100: Creation and Destruction of a Kingdom. Cambridge University Press, Cambridge 2003, S. 276, ISBN 0-521-81335-2 dem Bruder des von Knut 1016 besiegten Uhtred von Northumbria. Damit fiel das Land zwischen Dunbar und dem Tweed an Schottland. Knut fiel 1031 mit einer Armee in Schottland ein und unterwarf Malcolm II. und zwei weitere Könige.Stenton, S. 419 Einer der beiden, Echmarcach mac Ragnaill, war König von Galloway und der Isle of Man und wurde 1036 König von Dublin. Diese und möglicherweise auch die WaliserM.K. Lawson: Cnut: England's Viking King. Tempus, Stroud 2004, ISBN 0-7524-2964-7, S. 103: "Cnut's power would seem in some sense to have extended into Wales". leisteten Tributzahlungen nach dem Vorbild des Danegeld, das Æthelred bereits den Dänen zahlen musste. Knut gelang es, seine Macht auf die keltischen Länder auszubauen, konnte sie aber nicht endgültig in sein Reich zwingen.Starcke, S. 284

Verbündete Gebiete Wegen der Wikinger-Vergangenheit und durch die Ehe Knuts mit Emma von der Normandie galt die Normandie als verbündetes Herzogtum.

Ob Polen mit den Dänen liiert war, ist nicht gesichert, da die Quellen über Knuts Mutter Sigrid die Stolze, die angeblich aus Polen stammte, nicht eindeutig sind.

Herrschaft mini|Knuts ‚Quatrefoil‘ type penny mit der Inschrift „CNUT REX ANGLORU[M]“ (Knut, König der Engländer), geprägt in London von dem Münzmeister Edwin.