Die Große Jagdspinne (Dolomedes plantarius), auch Gerandete Wasserspinne oder Große Floßspinne genannt, ist eine Spinne aus der Familie der Fischerspinnen (Dolomedidae). Sie ist paläarktisch verbreitet und neben der gattungsverwandten Gerandeten Jagdspinne (D. fimbriatus) eine von zwei in Europa vorkommenden Fischerspinnen. Die hygrophile (feuchtliebende) Art bewohnt vor allem die Uferbereiche pflanzenreicher Gewässer mit keiner oder nur geringer Strömung. Sie ist vielerorts durch den Rückgang geeigneter Habitate stark bedroht. Die Große Jagdspinne hat eine mehrheitlich braune Grundfärbung und an den Flanken des Körpers helle Längsbänder. Wie einige andere Uferjäger (Dolomedes) zeichnet sie sich durch eine für Spinnen stattliche Größe aus und ist mit einer maximalen Körperlänge von 25 Millimetern als Weibchen die größte natürlich in Deutschland vorkommende Spinne und nach der Südrussischen Tarantel (Lycosa singoriensis), die auch in Österreich vorkommt, die zweitgrößte natürlich vorkommende im deutschsprachigen Raum.

Mit anderen Uferjägern teilt die Große Jagdspinne die semiaquatische Lebensweise und ist in der Lage, unter Wasser unterzutauchen und dort für einige Zeit zu verweilen, die Atmung unter Wasser wird durch gespeicherte Luftvorräte ermöglicht. Diese Fähigkeit wird mitunter genutzt, um Prädatoren (Fressfeinden) zu entkommen. Die Spinne nutzt das Wasser außerdem als Jagdgrund und verweilt lauernd am Wasserrand. Wurde ein Beutetier registriert, stürzt sich die Spinne blitzartig in das Wasser, um das Beutetier zu ergreifen. Sie kann allerdings auch außerhalb des Wassers jagen. In das Beutespektrum der opportunistischen Gerandeten Wasserspinne fallen beliebige Gliederfüßer und auch kleinere Wirbeltiere.

Das Fortpflanzungsverhalten der Großen Jagdspinne ist wie bei anderen Spinnen der Überfamilie der Lycosoidea üblich mit einer ausgeprägten Balz verbunden, bei der sich das Männchen unter tapsenden Beinbewegungen dem Weibchen nähert, ehe die Paarung erfolgt. Ein begattetes Weibchen fertigt nacheinander Eikokons ab und betreibt eine für die Überfamilie ebenfalls typisch ausgeprägte Brutpflege. Ein Kokon wird bis zum Schlupf der Jungtiere vom Muttertier permanent mit sich getragen. Unmittelbar vor dem Schlupf fertigt es ein Brutgespinst an und deponiert den Eikokon darin. Es bewacht diesen als auch die Nachkommen, ehe diese sich trennen und eigenständig heranwachsen.

Merkmale mini|Weibchen im Größenvergleich Die Größenangaben der Große Jagdspinne variieren je nach Quelle und Autor. Gökhan Gündüz, Rahşen S. Kaya und Furkan Eren (2025) geben beim Weibchen eine Körperlänge von 7,5 bis 22,7 und beim Männchen eine von 12,9 bis zu 15,4 Millimetern. Heiko Bellmann (2016) gibt beim Weibchen eine maximale Körperlänge von bis zu 26 Millimetern an. Damit ist die Art ein sehr groß werdender Vertreter der Echten Webspinnen (Araneomorphae) und überdies die größte in Deutschland natürlich vorkommende Spinne. Im deutschsprachigen Raum sind lediglich die in Österreich vorkommende Südrussische Tarantel (Lycosa singoriensis) mit einer maximalen Körperlänge von 40 Millimetern sowie die ursprünglich aus Asien stammende und in Europa nur in menschlichen Behausungen etablierte Warmhaus-Riesenkrabbenspinne (Heteropoda venatoria) mit einer maximalen Körperlänge von 35 Millimetern größer werdend. Die durchschnittlichen Maße der Großen Jagdspinne dürften sich beim Weibchen aber auf 13 bis 20 und beim Männchen auf 10 bis 16 Millimeter belaufen. Die Beinspannweite der Art beläuft sich auf gut 70 Millimeter. Der grundsätzliche Körperbau entspricht dem anderer Uferjäger (Dolomedes).

Sexualdimorphismus Die Große Jagdspinne weist einen für Spinnen typischen Sexualdimorphismus (Unterschied der Geschlechter) auf. Dieser macht sich neben den Dimensionen auch bei der Färbung von Männchen und Weibchen bemerkbar. Er ist bei dieser Art im Vergleich jedoch nicht so stark ausgeprägt und beide Geschlechter teilen sich bei der Färbung einige Gemeinsamkeiten.

+ Körpermaße der Großen Jagdspinne in Millimetern nach Gündüz, Kaya und Eren Geschlecht Länge des Peltidium oder Carapax (Rückenschild des Prosomas, bzw. Vorderkörpers) Breite des Carapax Länge des Opisthosomas (Hinterleibs) Breite des OpisthosomasMännchen7,5 bis 9,76,5 bis 8,310 bis 136,2 bis 6,8Weibchen6,2 bis 7,45,5 bis 6,56,7 bis 85,3 bis 5,6

Weibchen mini|Frontale Detailansicht eines Weibchens Der Carapax des Weichens hat eine braune bis dunkelbraune Grundfarbe und marginal (randseitig) deutliche Längsbänder aus relativ hellen Setae (chitinisierten Haaren). Die Cheliceren (Kieferklauen) sind braun gefärbt. Das Sternum weist eine hellbraune Färbung mit dunklen Rändern auf. Die Extremitäten sind allesamt braun gefärbt. Die Beine tragen robuste Stacheln und ausgeprägten Scopulae (Bedeckungen aus Haftsetae). Das dunkelbraune Opisthosoma hat beidseitig je ein Band aus dunkelgelben Setae an den. Die Spinnwarzen haben eine hellgelbe Färbung.

+ Beinlängen des Weibchens in Millimetern nach Gündüz, Kaya und Eren Beinpaar  Femur (Schiene) Patella (Glied zwischen Femur und Tibia) Tibia (Schiene) Metatarsus (Fersenglied) Tarsus (Fußglied) Gesamtlänge 1 7,5 bis 9,7 3 bis 3,9 7,2 bis 9,3 7,2 bis 9,2 3,6 bis 4,6 28,5 bis 36,7 2 6,5 bis 8,3 2,5 bis 3,2 6 bis 7,8 5,7 bis 7,4 3,2 bis 4,1 23,9 bis 30,8 3 6,2 bis 8,1 2,9 bis 3,7 5,9 bis 7,6 5,1 bis 6,6 2,8 bis 3,6 22,9 bis 29,6 4 7,7 bis 10,1 3,5 bis 4,5 7,1 bis 9,1 7,3 bis 9,3 3,6 bis 4,6 29,2 bis 37,6

Männchen mini|Männchen Der Carapax des Männchens gleicht dem des Weibchens hinsichtlich der Färbung und Setae, so auch die Cheliceren sowie die Farbe und der Beschaffenheiten der Extremitäten. Allerdings ist das Sternum des Männchens hellbraun gefärbt, besitzt aber wie das des Weibchens eine dunkle Berandung. Das Opisthosoma gleicht ebenfalls nahezu dem des Weibchens, doch sind beim Männchen die Spinnwarzen blassgelb gefärbt.

+ Beinlängen des Weibchens in Millimetern nach Gündüz, Kaya und Eren Beinpaar  Femur Patella Tibia Metatarsus Tarsus Gesamtlänge 1 7,4 bis 8,7 2,5 bis 3,1 6 bis 7,1 5,6 bis 6,8 3,7 bis 4,4 25,2 bis 30,1 2 7 bis 8,3 2 bis 2,3 5,3 bis 6,3 5,2 bis 6,2 3,5 bis 4,2 23 bis 27,3 3 6,1 bis 7,3 2,4 bis 2,8 4,3 bis 5,2 4,5 bis 5,4 3,3 bis 3,9 20,6 bis 24,6 4 7,6 bis 9,1 2,8 bis 3,4 7 bis 8,3 5,7 bis 6,8 4 bis 4,7 27,1 bis 32,3

Genitalmorphologische Merkmale mini|Frontale Detailansicht eines Männchens mit gut erkennbaren Bulbi Die Tibien der Pedipalpen (umgewandelte Extremitäten im Kopfbereich) verfügen beim Männchen der Großen Jagdspinne über je eine gegabelte Apophyse (Fortsatz) und zusätzlich eine mediane (mittlere) Apophyse. Letztere ist an der Basis dünn, zum Apex (spitze) hin gekrümmt und verdickt und annähernd schnabelförmig gestaltet. Außerdem tragen die Tibien ventral (unten) jeweils eine Reihe langer borstenartiger Setae. Eine dritte Apophyse ist wie bei anderen Uferjägern (Dolomedes) dorsal (oben) auf der Tibia befindlich. Im Falle dieser Art ist sie deutlich verdunkelt und mit einer auffälligen Kerbung versehen. Das Tegulum (zweites und mittleres Sklerit, bzw. Hartteil) eines einzelnen Bulbus (männliches Geschlechtsorgan) erweitert sich in prolaterale (vorne seitliche) Richtung des Bulbus selber und ist distal (von der Körpermitte entfernt) konisch geformt. Der Embolus (drittes und letztes Sklerit des Bulbus) ist basal (an der Basis) dick, lang und gekrümmt verlaufend. Ansonsten ist er eher dünn. Der Konduktor (den Embolus führender und stützender Fortsatz) ist vor allem retrolateral (hinten seitlich) recht membranös.

mini|links|Epigyne eines Weibchens Die Platte der Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan) ist bei der Großen Jagdspinne breiter als lang. Am posterioren (hinteren) Rand befindet sich eine deutlich ausgeprägte, kräftige, rechteckige und sklerotisierte (verhärtete) Platte. Das Atrium (innere Kammer am Eingang) ist in anteriore (vordere) Richtung hinverjüngt. Außerdem sind die für die Gattung typischen lateralen (seitlichen) Erhebungen bei der Großen Jagdspinne posterior deutlich verbreitert. Die Spulen der Spermatheken (Samentaschen) und der Kopulationsgänge haben einen deutlichen Abstand zueinander.

Differenzierung von der Gerandeten Jagdspinne +Gerandete Jagdspinne(Dolomedes fimbriatus)WeibchenMännchen100x100px100x100px Die Große Jagdspinne kann sehr leicht mit der Gerandeten Jagdspine (D. fimbriatus), dem einzigen anderen auch in Mittel- und Nordeuropa vorkommenden Uferjäger (Dolomedes sp.) sowie Fischerspinne (Dolomedidae sp.) verwechselt werden, zumal beide Arten sympatrisch (gemeinsam) vorkommen können. Auch wenn die Große Jagdspinne etwas größer werden kann, so ist die Körperlänge kein sicheres Unterscheidungsmerkmal beider Arten. Gleiches trifft auf die Färbung zu, da sich Farbelemente beider Spinnen ebenso überlappen können. Somit sind lediglich die genitalmorphologischen Eigenschaften beider Arten sichere Unterscheidungsmerkmale. Beim Männchen der Gerandeten Jagdspinne ist die jeweilige dorsale Tibialapophyse der Pedipalpen statt einer Kerbe mit einem langgezogenen Punkt auf mesaler (zur Körpermitte gelegener) Fläche versehen. Die lateralen Erhebungen der Epigyne sind bei der anderen Art posterior ebenfalls verbreitert, doch ist hier der Übergang deutlich fließender, während er bei der Großen Jagdspinne abrupter gestaltet ist.

Verbreitung und Lebensräume mini|Weibchen auf Wasservegetation, gefunden in der englischen Stadt Gloucester Das Verbreitungsgebiet der Großen Jagdspinne umfasst Europa, die Türkei, Russland (Europa bis Südsibirien) und Kasachstan. Dabei ist sie Europa selber flächendeckend verbreitet und fehlt nach bisherigen Kenntnissen innerhalb Kontinentaleuropas nur in Portugal, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, dem Kosovo, der Republik Moldau sowie in fast allen Bereichen des europäischen Festlandteils von Russland einschließlich der Oblast Kaliningrad mit Ausnahme des zentraleuropäischen. Auch aus dem angrenzenden Kaukasien fehlen nachweise der Art. Außerdem fehlen Nachweise der Spinne innerhalb Europas von der russischen Doppelinsel Nowaja Semlja, Franz-Josef-Land, der Inselgruppe Spitzbergen, Island, Irland, den Balearischen Inseln, Korsika, Kreta und Zypern.

Als Habitate (Lebensräume) nimmt die Große Jagdspinne gerne die Uferbereiche von Seen, bewohnt aber auch Marschlandschaften oder Sümpfe. Allgemein nimmt die Art pflanzenreiche Gewässer und hat dabei anscheinend eine Präferenz für Stromtäler. Die Spinne gilt als sehr stenök (wenig tolerant gegenüber Umweltfaktoren aufweisend) und als reiner Bewohner von Flachland. Außerdem nimmt sie nur Gewässer mit maximal leichter Strömung und minimal teilweiser Besonnung, sodass die Große Jagdspinne an Gewässern mit starker Strömung und ständiger Beschattung nicht anzutreffen ist. Eine weitere Voraussetzung an ein geeignetes Habitat ist das Vorhandensein strukturierter, offener Uferflächen mit krautiger Vegetation, darunter Seggen (Carex), Rohrkolben (Typha) oder die Krebsschere (Stratiotes aloides).

Lebensweise mini|Weibchen auf der Wasseroberfläche Die Große Jagdspinne ist wie alle Uferjäger (Dolomedes) semiaquatisch und hält sich bevorzugt auf Wasserpflanzen oder direkt auf der Wasseroberfläche auf. Sie kann sich dank dieser Anpassung auch an Land problemlos aufhalten. Die Art lebt nomadisch und spannt hinter sich bei der Fortbewegung an Land einen Wegfaden.