Nater ist ein Familienname, der als Nahtmacher vom Beruf des Schneiders oder Kürschners abgeleitet wurde und seit dem späten 13. Jahrhundert im Bodenseeraum eingeführt wurde. Die Bedeutung ging verloren, sodass später Wappen der „Nater“ entstanden, die eine Natter zeigen.

Zur Herkunft der Thurgauer Nater (Familienname) Der Name Nach Ernst Leisi begannen einige Konstanzer Bürger schon um 1200 Familiennamen zu führen. Die freien Bauern und die Hörigen folgten, um 1300 setzten sich die Familiennamen auch bei Frauen durch. Die Bischofsstadt Konstanz übte oft eine Vorreiterrolle aus; im Gebiet der deutschen Schweiz kommen die bürgerlichen Familiennamen in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts auf.

Häufig wurden Berufsbezeichnungen zu Familiennamen, so auch in diesem Fall. Im Idiotikon, dem Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache, steht: Nâter m. Schneider, Kürschner.Id. 4, Sp. 849 Nach einem Gutachten von Stefan Sonderegger (siehe unten) hat sich der Name Notter mundartlich aus der alt- und mittelhochdeutschen Bezeichnung nâtar, nâter für Schneider oder Kürschner entwickelt, d. h. aus der Berufsbezeichnung dessen, der die Naht macht. Daraus wurde dann ein Familienname, was man in der Regel daran erkennt, dass der Artikel „der“ zwischen Vor- und Beinamen entfällt. Er taucht als Berufsbezeichnung in der Form Nâter (mit Artikel) in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erstmals auf (Zürich: 1265–87, St. Gallen: 1284, Bern: 1295 und wohl auch im habsburgischen Rheinstädtchen Diessenhofen, vgl. TU4, Nr. 1412, 13. Februar 1338).

Auf dem Lande gab es noch keine Schneider, erst recht nicht Kürschner; die Kleider wurden von den Bauern selber angefertigt oder erworben von fahrenden Händlern oder auf dem Markt. Allenfalls kamen vielleicht städtische Schneider auf die Stör. Ländliche Handwerkszünfte treten erst in der Neuzeit auf. Aus der Berufsbezeichnung der Nater mit Artikel wurde der Eigenname Nater ohne Artikel. Die ältesten Belege für Nater als Familiennamen (ohne Artikel) haben wir in Bern 1295 (FRB3, S. 604. Nr. 612), Zürich 1314 (UZ9, S. 132f., Nr. 3261), Freiburg im Üechtland 1312 (FRB4, S. 504, Nr. 479), in Berlingen TG ab 1317, Schaffhausen 1334, in Thun 1336.

Die Berufsbezeichnung Nater geriet bald nach dem Aufkommen der Familiennamen in der deutschen Sprache ausser Gebrauch zugunsten von Schneider und Kürschner. Offenbar war mit dem Eindringen der Mode in bürgerliche Kreise das Zuschneiden wichtiger geworden als das Nähen, das jede Frau beherrschte. In der französischen Sprache ist dagegen der semantisch gleich abgeleitete couturier, die couturière, lebendig geblieben bis hinauf in die haute couture.

Im Laufe der Zeit ging das Wissen um die Herkunft des Namens völlig verloren, weil auch die Berufsbezeichnung Nâter verschwunden war. Dies zeigt auch die Wahl eines „sprechenden“ Wappens mit einer Natter.

Der Familienname Nater, auch mit der Rundung zu Notter, ist in der deutschen Schweiz und in Süddeutschland bis heute weit verbreitet. Eine Kontinuität über Jahrzehnte, wohl eine Familie, ist erstmals in Berlingen – in den frühen Quellen ,Berwang‘ – belegt. Das Kloster auf der gegenüberliegenden Reichenau hatte hier noch 1504 einen Dinghof; vielleicht gehörte ihm einmal das ganze Dorf.

Die Nater in Berlingen

Von Berlingen 1317 bis 1375 erscheint ein Ulrich oder Ueli Nater von Berlingen in den Reichenauer Akten, es dürfte sich um zwei Generationen gleichen Vornamens handeln, z. B. die erste zwischen 1317 und 1343 ist nur als Nachbar erwähnt, die zweite von 1343 bis 1375, ist im Besitz von Weingärten, welche sie mit Erlaubnis des Reichenauer Abtes belastet.

Der Name Nater kann sich kaum in Berlingen aus der Berufsbezeichnung für Schneider/Kürschner entwickelt haben. Viel plausibler ist der umgekehrte Fall, dass die Nater als vermögliche Konstanzer – (Schulte I, S. 211) zählt sie zu den alten „auch in andern Reichsstädten verbreiteten“ Geschlechtern – in Berlingen und anderswo am Untersee, wo sie auftreten, Grundbesitz erwarben, beispielsweise Rebberge, deren Ertrag leicht per Schiff nach Konstanz gebracht werden konnte. Berlingen stand mit der Stadt Konstanz im Burgrecht, d. h. seine Bürger galten als Ausbürger der Stadt. Das bedeutete, dass die Berlinger sich dort ohne Einkaufsgebühr niederlassen und im Kriegsfall den Schutz der Stadt geniessen konnten. Für initiative Berlinger brachte dieses Burgrecht ausgezeichnete Aufstiegsmöglichkeiten.

Der Vorname des aktenkundigen Nater in Berlingen ist bemerkenswerterweise häufig Ulrich. St. Ulrich ist der Patron des Klosters Kreuzlingen. Dieses lag damals noch nahe vor der Stadt Konstanz und war in deren religiöse Gebräuche einbezogen. Für einen Einwohner aus dem Einzugsbereich des Klosters war es sehr leicht, in die Stadt zu wechseln und sich dort zu integrieren.

Der erste Berlinger Nater wird nur als rebenbesitzender Nachbar genannt, nämlich der Güter des Dompropsts Konrad von Klingenberg. Der Dompropst hatte diese Güter teilweise von Ritter Dietegen von Kastell erworben, dem Bruder des Abtes der Reichenau. Mit dieser Nachbarschaft sind wir an der Spitze der Nomenklatur.

Im Gegensatz zum ersten, treffen wir den zweiten Ulrich Nater sehr oft in Urkunden, nämlich 13–14 Mal und es spricht alles dafür, dass es sich dabei um eine einzige Person handelt. Er hat eine Schwester Margareth, die teilweise Mitbesitzerin seiner Güter ist. 1348 wird auch seine Frau mit dem seltenen (recht städtischen) Namen Euphemia und sein Sohn Hermann genannt. Dieser muss zu diesem Zeitpunkt volljährig (d. h. mindestens etwa 15-jährig) sein, sonst hätte er einen Beistand. Einen solchen, nämlich Hans Schedler, hat die Frau Euphemia (s. Anhang II), was wohl bedeutet, dass sie eigenes Gut in die Ehe eingebracht hat z. B. ein Widum, worüber ihr Gatte nicht verfügen darf ohne ihre Zustimmung. Seine Schwester Margareth ist verheiratet mit Konrad Sunnentag, einem reichen Konstanzer Patrizier.

Es geht in diesen Urkunden (s. Anhang II) fast immer um Güter, meist Weinberge, in Berlingen, deren Verpfändung und die Sicherung der dafür der Reichenau geschuldete Zinsen. Wenn Ulrich Nater Güter verpfändet, bedeutet das nicht notwendigerweise, dass es ihm finanziell schlecht geht, eher dass er die Liquidität anderswo einsetzen will, z. B. im Handel; zudem geht es um vergleichsweise geringe Beträge und der Weinbau ist kapitalintensiv.

Nach 1375 finden wir am Untersee nach keine Nater mehr in den Urkunden; Abt Eberhard von Brandis, zu dem die Nater offenbar gute Beziehungen unterhielten, starb 1379. Seine Nachfolger konnten (oder wollten) ihre Rechte immer weniger durchsetzen, d. h. man holte ihre Zustimmung zu solchen Geschäften wie obigen gar nicht mehr ein, sondern liess sie sich, wenn nötig, von einer Konstanzer Amtsstelle bekräftigen, die keine Quellen hinterlassen hat.

Ueli Nater in Konstanz Ueli Nater finden wir von 1376 bis 1391 im Konstanzer Rat (KR Bl 1 SA-379). Da die früheren Ratslisten nicht erhalten sind, darf man davon ausgehen, dass er schon vorher im Rat sass, denn er gehört offensichtlich nicht zu den aufständischen Zünften, sondern zu den Patriziern der Gesellschaft ‚zur Katz‘. Ulrich war nicht gerade ein seltener Vorname, dennoch waltet eine erhebliche Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Angehörigen derselben Familie handelt, der wir in Berlingen begegnet sind, der Name wird in den Quellen Nater, Nâter und Näter geschrieben.

Nach den Konstanzer Quellen hat Uli Nater mit dem Leinwandgewerbe zu tun: 1388 ist Uli Näter Leinwandschauer (Wielandt 1, S. 136), d. h. einer der Zuständigen, die auf dem Markt die Qualität der Leinwand begutachten. Das Amt gab es erst seit 1376, die Funktion hat er vielleicht schon früher ausgeübt. Der Schwager des Berlinger Naters, Konrad Sunnentag (auch Sonnentag oder Sonntag geschrieben), wird in der Urkunde als Gewandschneider bezeichnet, worunter ein Leinwandhändler zu verstehen ist. Er war Patrizier und verwandt mit der Familie Ehinger, die ursprünglich aus Überlingen stammte und dort Bürgermeister stellte; auch in Konstanz bekleideten mehrere Ehinger das Amt des Stadtammanns, einer gar des Oberbürgermeisters, einige von ihnen durch Kaiser Sigismund geadelt (Oberbadisches Geschlechterbuch 1, S. 286). Mit den Ehinger waren aber auch die Nater verwandt, weswegen ihr Wappen in der Chronik der Familie Schulthaiß figuriert.

Die reichen Konstanzer, Adelige, Kaufleute, ferner einige Zünfter, gehörten zur Gesellschaft „zur Katz“, die auch eine politische Rolle spielte und sich um 1424 neu konstituierte. Namen und Wappen der damaligen Mitglieder wurden aufgezeichnet und sind in einer Kopie aus dem 16. Jahrhundert überliefert, der sog. Konstanzer Wappenrolle, hier stehen die Wappen Sunnentag und Ehinger nebeneinander gleich zu Beginn der letzten Reihe der ersten Tafel, ein paar Plätze vor dem Naterwappen (vgl. Kapitel Nater-Wappen).

Auf der Liste der 105 reichsten Konstanzer, die 1388 mindestens 1400 Pfund Heller Vermögen besassen, figuriert Ueli Nater nicht (Nuglisch, S. 363). 1391 erscheint Uli Nater letztmals in den Quellen, wohl weil die folgenden Ratslisten nicht mehr erhalten sind. Ueli Nater wird in den Ratslisten meist vor Lütfrid Muntprat aufgeführt, was andeutet, dass er zu dessen Umkreis gehörte; er dürfte ausgangs des 14. Jahrhunderts schon Teilhaber von Muntprats Handelsgesellschaft gewesen sein. Lütfried II. Muntprat vereinigte um 1408 seine Handelsgesellschaft mit der seit etwa 1380 bestehenden Ravensburger Gesellschaft der Mötteli und den Humpis zur Grossen Ravensburger Handelsgesellschaft (Schulte I, S. 17f.).

Für diese, heisst es, habe Philipp Nater, wohl ein Verwandter Ueli Naters, an einem unbekannten Ort eine Niederlassung geführt (Schulte I, S. 27). Auf der Wappenrolle der Gesellschaft ‚zur Katz‘ befindet sich das Nater-Wappen gleich vor dem der Mötteli: vielleicht hatte ein Nater die Ravensburger Mötteli in die Gesellschaft „zur Katz“ eingeführt.

Im Steuerregister von 1418 ist er mit 2550 Pfund Heller eingetragen; (Luitfrid Muntprat mit 62'000, Hainrich Muntprat mit 10'000, Peter Sunnentag mit 9200, bei einem Gesamttotal von 129'170). Das Durchschnittsvermögen eines Bürgers betrug 260 Pfund Heller. Am 10. Februar 1419 verlor er das Siegel der Muntprat zwischen Ravensburg und Konstanz, wie es scheint ohne schwerwiegende Folgen, vermutlich war er ebenfalls Teilhaber der Gesellschaft (Schulte I, S. 193).

Nachdem er schon 1420/21 mit etwa 30 Standesgenossen nach Überlingen übersiedelt war, 1425 verliess er Konstanz, um sich anderswo niederzulassen. 1425 hat er wegen des Fernhandelsverbots Konstanz verlassen (Joos, S. 39 mit Anm. 49).