Die Beschießung von Arnsberg im April 1762 während des Siebenjährigen Krieges führte zur Zerstörung von Schloss Arnsberg und weiten Teilen der Stadt Arnsberg.Die Darstellung beruht im Wesentlichen auf den von Karl Féaux de Lacroix in seiner Geschichte Arnsbergs gesammelten mehr oder weniger zeitgenössischen Berichten. Auch eine neuere Darstellung greift darauf im Kern zurück.
Erste Kriegsjahre in Arnsberg Die Stadt Arnsberg war das Herrschaftszentrum des kurkölnischen Herzogtums Westfalen. Das Arnsberger Schloss war Residenz der Kölner Kurfürsten in diesem Territorium. Im 17. und 18. Jahrhundert schätzten diese die Gegend auch wegen der guten Jagdmöglichkeiten.vgl. dazu: Katrin Liebelt: Die Sozialstruktur der Residenzstadt Arnsberg im 17. Jahrhundert. Dortmund 1996 Clemens August von Bayern hat das Schloss von Johann Conrad Schlaun zwischen 1730 und 1734 zu einem Barockbau umgestalten lassen. Die höfische Prachtentfaltung erlebte in dieser Zeit einen Höhepunkt.vergl. zum Schlossbau u. a.: Karl-Heinz Strothmann: Das Jagd- und Lustschloss des Kurfürsten Clemens August Arnsberg. Arnsberg, o. J. [um 1967]
Die Außenpolitik des Kurfürsten war von verschiedenen Wechseln der Bündnispartner geprägt. Zuletzt war er mit Österreich und Frankreich im Siebenjährigen Krieg gegen Preußen verbündet. mini|Schloss Arnsberg 1757 von Nordosten Der Krieg wurde zu einer schweren Belastung für die kurkölnischen Territorien. Die eigentlichen Kriegshandlungen in Westfalen fanden im Wesentlichen in den Ebenen statt, so dass das Herzogtum zunächst nur am Rande betroffen war. Das Möhne- und Diemeltal diente je nach Kriegslage als Heerstraßen für die alliierte Armee oder die französischen Truppen. Zu Gefechten kam es in diesem Zusammenhang mehrfach bei Marsberg. Zum Schutz der Marschwege ließ Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel ein ständig bemanntes und befestigtes Lager bei Rüthen erbauen. Betroffen wurde das Land zunächst vor allem durch die Zwangslieferungen an die Armeen.
Die Stadt Arnsberg war, abgesehen von ihrer Bedeutung als Herrschaftssitz, von einer gewissen strategischen Bedeutung durch Straßenverbindungen in Richtung Rheinland und in Richtung Hessen.Ernst Plaßmann: Erlebnisse zur Zeit des siebenjährigen Krieges aus dem Amt Balve. In: Blätter zur näheren Kunde Westfalens. 1857 S. 55 ff.
In den ersten beiden Jahren des Krieges war Arnsberg nicht direkt von den Kriegsereignissen betroffen. Die Franzosen waren in dieser Zeit militärisch erfolgreich und drängten die Alliierten aus Westfalen heraus. Auf dem kurfürstlichen Gut in Obereimer wurde ein Magazin für die französischen Truppen angelegt. Im Jahr 1758 wendete sich das Kriegsglück und die Franzosen mussten sich an den Rhein zurückziehen. Die alliierten Truppen nahmen Winterquartier in Westfalen. In Rüthen, Brilon und Arnsberg lagen hessische Truppen und in Sundern lagen preußische Husaren. In Arnsberg waren mehrere hessische Kompanien einquartiert. Dies führte zu Belastungen der Zivilbevölkerung. Der regierende Bürgermeister Romberg notierte: „Jeder nur etwas bemittelte Bürger hatte acht bis zwölf, jeder Dürftige, jeder Bettler, ein bis zwei Mann zu beherbergen und zu verpflegen. Es trat Teuerung und Verarmung der nicht eben sehr begüterten Einwohner ein.“Bericht Romberg für 1759. In: Karl Féaux de Lacroix: Geschichte Arnsbergs. Stein, Arnsberg 1895. (Reprint: Stein, Werl 1983) S. 435.
Kriegskontributionen an die unterschiedlichen Parteien, Schatzungen des Landesherrn, Beschlagnahme von Pferden und Wagen belasteten die Bevölkerung. Die Armeen gingen zudem in der Region auf Rekrutenfang. Allein in einer Nacht sollen im Herzogtum 1800 Männer zwangsrekrutiert worden sein. Die Äcker lagen brach, es kam zu Seuchen und Krankheiten und die Bevölkerung verarmte.Jürgen Schulte-Hobein: Arnsberg im siebenjährigen Krieg. (Teil 1) In: Heimatblätter des Heimatbundes Arnsberg. 8/1987 S. 65.
Die Truppen verließen im März 1759 die Winterquartiere. In den folgenden Monaten wechselten sich kleine Einheiten der unterschiedlichen Kriegsparteien in der Stadt ab. Im Winter bezogen wieder hessische Truppen Quartiere. Darunter war auch ein General mit seinem Stab. Außerdem hatte die Stadt 4000 Reichstaler Kriegskontributionen an Preußen zu zahlen. Ähnlich hoch waren die Abgaben in den folgenden Jahren.
Im Mai 1760 marschierten die Truppen in Richtung Waldeck und Hessen ab. Stattdessen rückten die Franzosen unter dem Kommando des Generalleutnants Comte de Saint Germain im Juli 1760 in Arnsberg ein. Sein Korps bezog ein Lager am Lüsenberg und an der Haar, bevor es nach Meschede weiter zog. Zum Schutz des Nahrungsmittelmagazins blieb eine geringe Zahl von Soldaten zurück.Bericht Romberg für 1760 und 1761. In: Karl Féaux de Lacroix: Geschichte Arnsbergs. Stein, Arnsberg 1895. (Reprint: Stein, Werl 1983) S. 437.
Erster Angriff 1760 Daneben nutzen Freikorps und Jägertruppen die Stadt als Ausgangspunkt für Überfälle auf alliierte Truppen, die in Lippstadt in Garnison lagen. Ihre Beute schafften sie nach Arnsberg. Gegen Arnsberg wurde von Lippstadt aus eine etwa 500 Mann starke Einheit hannoverscher Truppen mit zwei Kanonen in Marsch gesetzt. Die Geschütze wurden am Galgenberg (heute Schreppenberg) in Position gebracht, während ein anderer Teil der Truppen die Stadt einnahm. Die in der Stadt gelagerten Vorräte der Franzosen wurden an die Bürger verteilt. Vom Galgenberg aus wurde am 15. Juli 1760 das Schloss beschossen, gleichzeitig wurde es von der Stadtseite aus angegriffen. Der Besatzung gelang es, beide Angriffe in einem Stunden dauernden Gefecht abzuschlagen. Gegen den Galgenberg wurden Kanonen benutzt, gegen die von der Stadtseite herankommenden Soldaten reichte Musketenfeuer aus. Durch den Angriff wurden Teile des Schlosses beschädigt. Die Verteidiger hatten nur einige wenige Leichtverwundete, während die Angreifer etwa 100 Tote und Verwundete zu beklagen hatten. Unklar ist, weshalb die Franzosen kurze Zeit später abzogen. Möglicherweise fürchtete die schwache Truppe stärkere Angriffe. Möglicherweise machte der Verlust der Vorräte den Aufenthalt unnötig.Tagebuch eines alten Arnsbergers. In: Karl Féaux de Lacroix: Geschichte Arnsbergs. Stein, Arnsberg 1895. (Reprint: Stein, Werl 1983) S. 438 f.
Bis Dezember 1760 blieb die Stadt bis auf einige Patrouillen beider Seiten vom Militär verschont. Am 24. Dezember kam es innerhalb der Stadt zu einem Kampf zwischen zwei dieser Spähtrupps. Kurze Zeit später wurde die Stadt von einem alliierten Korps besetzt. Nachdem die Stadt ihm Vorräte geliefert hatte, zogen die Truppen ab. Eine kleine Einheit kehrte zurück und besetzte unter anderem das Schloss. Die in Grevenstein stehenden Franzosen überfielen diese Truppe in der Nacht und machten einige Gefangene.Karl Féaux de Lacroix: Geschichte Arnsbergs. Stein, Arnsberg 1895. (Reprint: Stein, Werl 1983) S. 439.
Französische Besatzung mini|Grundriss des Schlosses Arnsberg mit Verteidigungsanlagen (Karte von 1762) In der Folge war das Schloss französisch besetzt, während die Stadt weiterhin von kleinen Truppen beider Seiten durchzogen wurde. Schließlich organisierten die Bürger einen ständigen Postendienst, was den Durchzug von Patrouillen beendete. Nach der Niederlage der Franzosen bei Vellinghausen im Juli 1761 marschierte ein Teil der französischen Armee unter Charles de Rohan, Prince de Soubise, durch Arnsberg nach Herdringen, wo sie ein paar Tage lagerte. Die Armee zog danach weiter in Richtung Rhein.
Arnsberg blieb aber in französischer Hand. Stadtkommandant war ein gewisser Muret. Er kommandierte 150 Mann von Regiment Elsaß, 130 Mann eines Freikorps sowie 40 Husaren. Insbesondere die Berittenen hatten die Aufgabe, durch Streifzüge zu erkunden, ob rund um die Waffenplätze der Gegner in Hamm und Lippstadt auffällige Aktivitäten zu beobachten waren. Dabei beunruhigten sie die Bevölkerung und raubten Leute, Munition und Lebensmittel. Die Stadt hatte im Winter 1761/62 insofern strategische Bedeutung, weil sie die Verbindung zwischen zwei französischen Armeen am Niederrhein und in Hessen schützte. Für den alliierten Befehlshaber Herzog Ferdinand von Braunschweig war es daher von großer Bedeutung, diese Verbindungslinie aufzuheben.Karl Féaux de Lacroix: Geschichte Arnsbergs. Stein, Arnsberg 1895. (Reprint: Stein, Werl 1983) S. 441. Die Franzosen wurden offenbar freundlich aufgenommen. Sie veranstalten Bankette, Musikaufführungen und Tanzveranstaltungen, an denen die Honoratioren der Stadt sowie der Adel der Umgebung teilnahmen.Tagebuch eines alten Arnsbergers. In: Karl Féaux de Lacroix: Geschichte Arnsbergs. Stein, Arnsberg 1895. (Reprint: Stein, Werl 1983) S. 442.
Belagerung mini|Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel Der französischen Besatzung von etwa 200 Mann war die Gefahr durch die Alliierten durchaus bewusst. Die Soldaten bereiteten sich seit Anfang April 1762 systematisch auf einen Angriff vor. Es wurden umfangreiche Befestigungsarbeiten ins Werk gesetzt. So wurden Wälle, Brustwehren, Bastionen und Palisaden errichtet. Von der Klosterbrücke wurde ein Teil der Bohlen entfernt, um einen Übergang über die Ruhr zu erschweren. Das Schloss wurde mit Kanonen versehen. Teilweise wurden Geschütze aus anderen Schlössern wie Schnellenberg oder Wocklum herangeschafft. Allerdings waren es insgesamt nur wenige und zudem noch schlechte Kanonen. Eine zeitgenössische Karte zeigt verschiedene Bastionen mit Geschützstellungen und anderen Verteidigungseinrichtungen. Besonders auffällig ein offenbar starker Wall auf dem Plateau des Schlossberges.Bericht Lorenz Hüppe. In: Karl Féaux de Lacroix: Geschichte Arnsbergs. Stein, Arnsberg 1895. (Reprint: Stein, Werl 1983) S. 441 f.
Am 12. April deuteten Aktivitäten der Gegenseite bei Hamm auf einen bevorstehenden Angriff hin. Von Münster kommend, marschierten die Truppen von Hamm unter dem persönlichen Kommando des Erbprinzen Karl Wilhelm von Braunschweig ins Herzogtum Westfalen ein.Jürgen Schulte-Hobein: Arnsberg im siebenjährigen Krieg. (Teil 2) In: Heimatblätter des Heimatbundes Arnsberg. 9/1988, S. 66. Er befehligte ein Korps von etwa 15.000 Mann. Es bestand aus Kavallerie, Infanterie, Husaren und Jägern sowie zahlreichen Geschützen. Die Armee bewegte sich in zwei Kolonnen.Zeitungsbericht Köln 1762 In: Karl Féaux de Lacroix: Geschichte Arnsbergs. Stein, Arnsberg 1895. (Reprint: Stein, Werl 1983) S. 445. Von Lippstadt marschierte eine zweite alliierte Truppe unter dem Kommando des Generalleutnants von Oheim in Richtung Arnsberg.Bericht des Frankfurter Staats-Ristrettos 1762 In: Karl Féaux de Lacroix: Geschichte Arnsbergs. Stein, Arnsberg 1895. (Reprint: Stein, Werl 1983) S. 449 f.
Der Stadtkommandant in Arnsberg schickte die bei einer Belagerung nutzlosen Kavalleristen fort, auch um Entsatz heranzuholen. In Werl wurden von den Alliierten alle erreichbaren Zimmerleute verpflichtet, eine Ruhrbrücke bei Bremen für den Flussübergang zu reparieren, da der Fluss Hochwasser führte. Daneben wurden weitere Brücken geschlagen, um die Truppen schnell über die Ruhr zu bringen. Die Alliierten marschierten mit leichten Truppen auch in andere Teile des Herzogtums ein und zwangen die Einwohner, angesehene Persönlichkeiten als Geiseln zu stellen. Die Hauptmacht der Alliierten rückte auf Arnsberg vor. Verschiedene Orte der Umgebung wie Hövel, Hachen, Sundern und Hellefeld wurden besetzt. Auch die Gegend in Richtung Meschede wurde gesichert, um mögliche Verstärkungen für die Franzosen zu verhindern. mini|Plan der durch die alliierten Truppen unter Commando des Erbprinzen von Braunschweig mit 11 Batls., 15 Esquadrons und 21 schweren Piecen auf Arensberg gemachten Expedition