Mannus (Manne, Man) von Köln zu Worms, auch Mannus von Worms (hebräischer Name מנחם בן שמעון - MenachemVgl. Leopold Zunz: Namen der Juden. Eine geschichtliche Untersuchung. L. Fort, Leipzig 1837, S. 50 (Google-Books). ben Simon; geboren in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts vermutlich in Köln; gestorben nach 1386 vermutlich in Worms) war ein deutscher jüdischer Unternehmer, der in Köln und Worms wirkte.

Leben Mannus von Worms stammte aus Köln.Vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 1/3761A, 3761B und 3762). Sein Vater Simon (gest. zwischen 1349 und 1377)Vgl. „מנחם בן הק׳ר׳ [= הקדוש רב] שמעון - Menachem, Sohn des seligen Rav (= Herrn) Simon“ in der Urkunde vom Mai 1377. konnte mit seiner Familie offenbar dem Pogrom von 1349 in Köln entkommenÄltere Literatur verwendet für „קדוש“ („heilig, selig, verstorben“) oft zu einseitig die Übersetzung „Märtyrer“. und fand Aufnahme in der Eifelstadt Montjoie (Monschau).Vgl. Matthias Schmandt: Köln: Jüdisches Zentrum am Niederrhein. In: Christoph Cluse (Hrsg.): Europas Juden im Mittelalter. Beiträge des internationalen Symposiums in Speyer vom 20.–25. Oktober 2002. Kliomedia, Trier 2004, S. 443–454, bes. S. 451. Simon und sein Sohn Isaak, Mannus’ Bruder, nannten sich nach ihrem Zufluchtsort Simeon Munschau und Isaak von Montjoie oder Monschau.

Ansiedlung in Worms Mannus von Köln ließ sich vor 1362 in Worms niederVgl. Alex Lewin: Die Gotschalke von Bacharach und Kreuznach. Ein Beitrag zur Geschichte d. Juden in Frankfurt um d. J. 1400. In: Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt. 11/11 (1933), S. 279f; 12/1 (1933), S. 13.Vgl. „Vivelin Mannen bruder von Worms“ in der Urkunde vom 23. August 1369; Straßburg nimmt sechs Judenfamilien unter bestimmten Bedingungen auf fünf Jahre auf. In: Hans Witte und Georg Wolfram: Urkunden und Akten der Stadt Strassburg: Bd. V/2 Politische Urkunden von 1332 bis 1380. K. J. Trübner, 1896, S. 647f.Vgl. „deme bescheiden Juden manne von Colle bûrger zû Wormesze“ in der Urkunde 1370. Dezember 17. – Jakob Schnittlauch von Kestenburg, Ritter, bekennt dem Juden von Köln, Bürger von Worms, 28 Goldgulden schuldig zu sein und bietet dafür Sicherheit. In: Heinrich Boos (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Worms, Bd. II 1301–1400. Weidmann, Berlin 1890, S. 430f (Nr. 666) (Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg). und betrieb dort Kreditgeschäfte.Vgl. Winfried Reichert: Finanzpolitik und Landesherrschaft. Zur Entwicklung der Grafschaft Katzenelnbogen vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Auenthal, Trier 1985, S. 133 f. Er und sein Schwiegersohn Gottschalk von Worms waren Schutzjuden des Grafen Diether VIII. von Katzenelnbogen (1340–1402). Die Grafen von Katzenelnbogen besaßen seit 1312 das Judenregal und haben verschiedentlich auswärtige Juden gegen Bezahlung in Schutz genommen.Urkunde vom 19. Juli 1312; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Bestand B 3 Urkunden der Grafschaft Katzenelnbogen (Obergrafschaft), Nr. 29); vgl. etwa Hermann Keussen: Brief-Eingänge des 14. und 15. Jahrhunderts. B. Undatirte Stücke, 1. Hälfte. In: Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Köln 10 (1896), S. 1–102, bes. S. 81 (Commons); Friedrich Battenberg: Katzenelnbogen, Grafschaft: Germania Judaica, Bd. III/3. J. C. B. Mohr, Tübingen 2003, S. 1892–1894.

1370 gewährte Mannus dem Ritter Jakob Schnittlauch (Snydelauch) von KestenburgKastanienburg oder Maxburg, das spätere Hambacher Schloss. als seinem „Scholtmar“ (Schuldner) ein Darlehen über 28 Goldgulden. Als Bürgen wurden die Edelknechte Johann Kämmerer von Worms († 1415)Grabmal in der Oppenheimer Katharinenkirche. und Hans Frank von Lamsheim gestellt.

Kölner Prozess Graf (später Herzog) Wilhelm II. von Berg (1348–1408) hatte 1373 ein Darlehen über insgesamt 5.100 (= 2 × 2.550) Gulden bei den beiden Juden Bunheim Schaiff (gest. um 1392/94) aus Köln und Isaak van dem Bruele (vom, von Brühl) aufgenommen.Vgl. Urkunde vom 7. September 1373; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Düsseldorf (102.01.01-02 Berg, Urkunden, 455).Vgl. Axel Kolodziej: Herzog Wilhelm I. von Berg (1380–1408). (Bergische Forschungen 29). Schmidt, Neustadt an der Aisch 2005, S. 355f. Isaak van dem Bruele ist identisch mit Mannus’ Bruder Isaak von Montjoie aus Brühl. Er war der „Judenbischof“ (Gemeindevorsteher) des Erzbischofs Friedrich III. von Saarwerden (* um 1348; † 1414) in Köln.Vgl. Schadlosbrief vom 3. April 1374, auch Schreiben von Erzbischof Friedrich an Lübecker Bürger vom 1. April 1374; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Düsseldorf (101.03.01 Kurköln I, Kartulare und Repertorien); vgl. Quittung von 1382 (Kurköln, 1.1.1.2 Lehen, Generalia AA 0054, 19 II 1, Blatt 20b). Als Isaak, der den Erzbischof unterstützte, um 1376 im sogenannten „Schöffenkrieg“ zwischen der Stadt und Friedrich III. aus Köln fliehen musste, beschlagnahmte die Stadt Waren bzw. Gelder, die Mannus und sein Schwiegersohn Gottschalk bei Isaak von Montjoie eingelegt hatten. Die Stadt Köln schrieb 1376 wegen der von Mannus angemeldeten Ansprüche auf das dem Grafen von Berg geliehene Geld an die Herzöge von Bayern (Rheinpfalzgrafen), die sich für Mannus eingesetzt hatten.Vgl. Regest vom 1. Dezember 1376; Kaspar Keller (Bearb.): Die stadtkölnischen Kopienbücher. Regesten I. 1367–1387. In: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln 1, Heft 1 (1883), S. 61–98, bes. S. 91.

Im April 1378 sagte Graf Diether VIII. von Katzenelnbogen der Stadt Köln die Fehde an, weil sie Gottschalk und dessen Schwiegervater Mannus den Schaden nicht ersetzen wollte.Vgl. zum Folgenden Hermann Keussen: Brief-Eingänge des 14. und 15. Jahrhunderts A. Datierte Stücke 1320–1400. In: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln Heft 22 (1892), S. 77–177, bes. S. 88 f. (Digitalisat bei OpenLibrary).Vgl. Regest vom 7. April 1378, Keller 1883. Im Juni söhnte sich Graf Diether VIII. wegen der entstandenen Fehde mit der Stadt Köln aus.Vgl. Graf Dietrich von Katzenellenbogen söhnt sich bezüglich der wegen des Juden Manys entstandenen Fehde mit der Stadt Köln aus. 1386, 20. Juni. In: Leonard Ennen (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Köln, Bd. V. M. DuMont-Schauberg, Köln 1875, S. 517. Ihm wurden 2.000 Gulden „von Mannis wegen“ zugesprochen.Vgl. Quittung des Grafen Dietrich von Katzenellenbogen über 2000 Gulden, die ihm die Stadt Köln wegen des Juden Manys bezahlt hat. 1386, 1. Juli. In: Leonard Ennen (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Köln, Bd. V. M. DuMont-Schauberg, Köln 1875, S. 526 f.Vgl. Winfried Reichert: Finanzpolitik und Landesherrschaft. Zur Entwicklung der Grafschaft Katzenelnbogen vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Auenthal, Trier 1985, S. 133 f.

Im August fanden in Koblenz Verhandlungen statt, zu denen die Erzbischöfe Friedrich III. von Köln und Kuno II. von Falkenstein († 1388) von Trier den Unterhändlern der Stadt Geleit gewährten.Vgl. Regesten vom 6. August und 7. August 1378, Keller 1883. Diether VIII. machte beim Rat der Stadt Köln Schadenersatz über mehr als 2.000 Gulden „wegen Schädigung seines Juden Godschalk“Vgl. Regest vom 18. September 1378, Keller 1883. bzw. 2.550 Gulden wegen des seinem Schwiegervater vorenthaltenen Eigentums geltend. Herzog Wilhelm II. von Jülich und Geldern (1325–1393) bot seine Vermittlung an und wurde darum gebeten;Vgl. Regesten vom 18. September und 24. Oktober 1378, Keller 1883. Auf die Rückzahlung des Kredites über 2.550 Gulden an den Herzog Wilhelm II. von Berg musste Mannus verzichteten, was von Ritter Dietrich von Grenzau († 1416)1373 von Wilhelm II. von Berg mit der Hälfte des Godenhauses bei Sinzig belehnt, 1380 von Kurtrier mit der Hälfte von Dernbach belehnt, vermutlich aus der Familie Nieder-Isenburg-Grenzau., Kurkölner Amtmann auf der Burg zur Nette bei Andernach, Johann von der Hauben († nach 1393) in Worms, Kammermeister von Pfalzgraf Ruprecht II. (1325–1398), und Diether VIII. von Katzenelnbogen besiegelt wurde.Vgl. Der wormser Jude Mannys verzichtet auf die 2550 Gulden, die er von der Stadt Köln zu fordern hatte. 1386, 30. Mai. In: Leonard Ennen (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Köln, Bd. V. M. DuMont-Schauberg, Köln 1875, S. 515f.

Worms 1377 war Mannus einer von 36 jüdischen Haushaltsvorständen, die der Stadt Worms ein Zwangsdarlehen von 20.000 Goldgulden gewähren mussten.Vgl. Stadtarchiv Worms (Abt. 1 A I, Nr. 217); 1377. Mai. - Die Juden von Worms geben der Stadt Worms ein Zwangsdarlehen von 20000 Goldgulden. In: Heinrich Boos (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Worms, Bd. II 1301–1400. Weidmann, Berlin 1890, S. 463–467 (Nr. 723). Auch sein Schwiegersohn wurde wahrscheinlich zu dieser Abgabe genötigt.Er ist wahrscheinlich identisch mit „Eljakim, Sohn des Rav (= Herrn) Eleazar ha-Kohen“ (→ den Artikel „Gottschalk von Worms“).

Mannus von Köln und sein Schwiegersohn Gottschalk gewährten 1380 den Brüdern Friedrich († nach 1407) und Wolf von Meckenheim († zwischen 1395 und 1407)Die Ritter von Meckenheim bildeten zusammen mit den Dalberg die Ganerbschaft von Burg Gundheim bei Worms. ein Darlehen über 100 Gulden guter Wormser Währung. Als Bürgen fungieren Ritter Heinrich Winter von Alzey († nach 1392) aus Worms sowie die Edelknechte Diether Kämmerer von Worms († 1398)Zu ihm vgl. zahlreiche Urkunden in: Valentin Ferdinand Gudenus (Hrsg.): Codex Diplomaticvs Anecdotorvm. Res Moguntinas, Francicas, Trevirenses, Hassicas, Finitimarumque Regionum, Bd. V, hrsg. von Heinrich Wilhelm Anton Buri. Ulrich Weiß, Frankfurt am Main / Leipzig 1768 (Google-Books). und sein Vetter Heinrich Kämmerer von Worms gen. von Rodenstein († nach 1395).Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Bestand A 2 Urkunden der ehemaligen Provinz Rheinhessen, Nr. 255/813).Vgl. 1380. August 8. - Friedrich und Wolf von Meckenheim, Ritter, Gebrüder, bekennen dem Juden Mannis von Köln und Gottschalk seinem Tochtermann, Bürger zu Worms, 100 Gulden schuldig zu sein. In: Heinrich Boos (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Worms, Bd. II 1301–1400. Weidmann, Berlin 1890, S. 501 f. (Nr. 774) (Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg).

Familie Als Kinder des Mannus von Köln aus Worms werden genannt:

Simon (gest. nach 1409), als „Symont Mannes son von Colne“ 1390 erwähnt, der zusammen mit Simon von Bensheim Pfandbriefe des Grafen Emich d. A. von LeiningenGemeint ist vermutlich Emich V. von Leiningen († um 1381). auf die Dörfer Kleinbockenheim, Großbockenheim, Kindenheim und GossenheimWüstung bei Kindenheim. besaß,Vgl. Heinrich Boos (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Worms, Bd. II 1301–1400. Weidmann, Berlin 1890, S. 614–616, bes. S. 616 (Nr. 941). um 1398 bis 1409 als „Simon Mans“ in Zwingenberg belegt, Graf Johann IV. von Katzenelnbogen († 1444) zwang ihn und seinen Sohn Kaufmann 1409, auf alle Forderungen gegenüber der Grafschaft zu verzichten,Regest vom 13. Oktober 1409. In: Karl Ernst Demandt (Bearb.): Regesten der Grafen von Katzenelnbogen, Bd. I Urkundenregesten 1060–1486. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 11/1). Selbstverlag der Historischen Kommission, Wiesbaden 1953, S. 730 (Nr. 2619). (Tochter) (gest. nach 1388), verheiratet (⚭ vor 1375) mit Gottschalk von Worms (gest. nach 1388, vermutlich nach 1398). Gottschalk von Bacharach oder Gottschalk von Oppenheim (gest. 1395/96) aus Köln, verheiratet mit Besselin (gest. nach 1395), 1362 in Bingen, 1367 in Bacharach, wirkte später Sobernheim, Oppenheim und nach 1393 in Frankfurt am Main.Zu ihm vgl. Gottfried Kneib: Juden in der kurmainzischen Stadt Sobernheim während des ausgehenden Mittelalters. In: Mainzer Zeitschrift 104 (2009), S. 107–132, bes. S. 118–126.