Die St. Bartholomäus-Kirche in Kist ist die denkmalgeschützteBayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler Kist, Stand 3. Juli 2018: http://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_679154.pdf, S. 1. Abgerufen am 22. November 2019. Pfarrkirche der gleichnamigen römisch-katholischen Pfarrei Kist im Bistum Würzburg. Errichtet wurde sie in den Jahren 1871 bis 1872. Die Spitze des 37 Meter hohen, nachts angestrahlten Kirchturms stellt mit dem Turmkreuz den höchsten Punkt im Landkreis Würzburg dar.

Baugeschichte Vorgängerbauten Eine erste Kirche könnte bereits um 900 existiert haben und den Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan geweiht gewesen sein.So Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 105, demzufolge die Existenz einer solchen Kirche zwar geschichtlich nicht belegbar, aber „wahrscheinlich“ sei. Eine Erklärung, worauf er seine Annahme stützt, bleibt Ebert allerdings schuldig. Eine zweite Kirche, die wohl der Hl. Margarethe geweiht war, existierte um das Jahr 1344.Erwähnung einer ecclesia bei H. Hofmann: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 18/19, Pfarreiorganisation im Mainzer Landkapitel Taubergau 1344-1549. in: Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 105. Sie wurde wegen Baufälligkeit durch eine ebenfalls der Hl. Margarethe geweihte, demnach dritte Kirche ersetzt, die der damalige Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn errichten ließ, und die im Jahre 1598 geweiht wurde.Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 110. Wohl einziges Überbleibsel dieses Renaissance-Baus ist ein Gedenkstein von 1598 mit dem Wappen und einer Mahnung des Fürstbischofs, der beim Bau der heutigen Kirche im Bereich des Haupteingangs im Turm angebracht wurde. Er trägt folgende lateinische Inschrift: Julius Praesul et Dux Franconiae a fundamentis hanc sacram construxit eadem et aram in honorem Sancta Margarethae in eadem posuit ut posteris dati beneficii accepti meminerint et religionem conservent AD [M?][D?]XCVIII, zu deutsch: Julius Fürst und Herzog von Franken hat dieses Heiligtum vom Fundament an gebaut und in demselben den Altar zu Ehren der heiligen Margarethe errichtet damit die Nachkommen der erhaltenen Wohltaten eingedenk seien und die Religion bewahren Im Jahre des Herrn 1598.Übersetzung nach Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 112. Im letzten Halbsatz bezieht sich der als Gegenreformator bekannte Fürstbischof ganz offensichtlich auf die seinerzeit herrschenden Glaubenskonflikte zwischen Protestanten und Katholiken, und ermahnt die Kister Bürger dazu, der Katholischen Kirche treu zu bleiben. Die Baukosten der Echter-Kirche werden beschrieben mit „305 fl. (rh.)Die Abkürzung „fl.“ steht für florenus bzw. floreni, zu deutsch: Gulden. Gemeint ist der Rheinische Gulden, der zu jener Zeit als eine von zwei Währungen im Hochstift Würzburg diente. 4 x hat die Kirchen zu Kist von neuem zu bauen gecostet“.Staatsarchiv Würzburg unter Adm.f. 419/8435, in: Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 112. Dies entspricht nach heutigen Maßstäben einer Kaufkraft von etwa 405.708 Euro.Vgl. z. B. https://www.mittelalterrechner.de/cms/page/mar/html/Geld. Abgerufen am 26. November 2018.

Von den beiden unmittelbaren Vorgängerbauten der heutigen Kirche wurden archäologische Befunde gemacht, sodass der Bereich um die Kirche als Bodendenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen ist (Bezeichnung: Archäologische Befunde im Bereich der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Vorgängerbauten der bestehenden spätneuzeitlichen Kath. Pfarrkirche St. Bartholomäus in Kist, Denkmalnummer: D-6-6225-0315).Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Bodendenkmäler Kist, Stand 3. Juli 2018: http://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_679154.pdf, S. 2. Abgerufen am 22. November 2019.

Bartholomäuskirche

Die Kister Pfarrkirche St. Bartholomäus wurde im 19. Jahrhundert unter dem Rimparer Baumeister Balthasar Schömig als Saalkirche im neoromanischen Stil errichtet.Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 120. Die Grundsteinlegung erfolgte am 5. August 1871, endgültig vollendet wurde der Bau am 1. Oktober 1872. Die feierliche Einweihung des Gotteshauses durch den damaligen Würzburger Bischof Johann Valentin Ritter von Reißmann erfolgte bereits am Sonntag, den 14. Juli 1872. Abweichend vom überkommenen Ansatz, die Kirche von Westen (Turm) nach Osten (Chor) auszurichten, ist die Kister St.-Bartholomäus-Kirche von Nord nach Süd ausgerichtet.

mini|Eines der ursprünglichen Seitenportale (im Hintergrund) Nachdem die Kirche in den 1950er Jahren drastisch entkernt und die ursprüngliche Ausstattung, inklusive des Hochaltars und der Seitenaltäre, nahezu vollständig entfernt worden war, wurde sie von 1980 bis 1982 unter Pfarrer Konrad Martin erneut einer grundlegenden Renovierung unterzogen, und der ursprüngliche Zustand durch Wiederaufstellen der noch vorhandenen, zuvor eingelagerten Ausstattung annähernd wiederhergestellt. Im Zuge dessen erfuhr die Kirche durch Anbau zweier kleinerer Seitenschiffe auch eine behutsame Vergrößerung, indem die unteren Teile der früheren östlichen und westlichen Außenmauern unter Verkürzung der Seitenfenster abgebrochen wurden und so im Innern die heutigen, der dorischen Säulenordnung angenäherten Seitenpfeiler entstanden, sodass sie heute dem Bautypus einer Basilika entspricht. Die alten Seiteneingänge mit den Sandstein-Portalen aus der Entstehungszeit verschwanden und wurden durch je einen Eingang an den nördlichen Stirnseiten der Seitenschiffe ersetzt. Eines der Portale wurde im südwestlichen Außenbereich der Kirche als Durchgang zur Katholischen Kindertagesstätte St. Bartholomäus aufgestellt. Ebenfalls neu errichtet wurde ein angrenzendes und mit der Kirche verbundenes Sakristeigebäude mit Beichtzimmer, Versammlungsraum, u. a. Die so neu gestaltete Pfarrkirche wurde zu ihrem 110-jährigen Jubiläum am 18. Juli 1982 durch den damaligen Bischof von Würzburg, Paul-Werner Scheele neu geweiht, dessen Wappen zur Erinnerung an die Renovierung in die Balkonbrüstung der Empore eingelassen ist.

In der jüngeren Vergangenheit erfuhr die Kirche erneut diverse Innen- und Außenrenovierungen, die jedoch nur leichte farbliche Änderungen und Anpassungen mit sich brachten. Die ursprüngliche Ausmalung aus der Entstehungszeit der Kirche dürfte noch unter den darüber liegenden Farbschichten erhalten sein. Auch der Außenbereich wurde im Zuge der Errichtung des gegenüberliegenden Dorfplatzes neu gestaltet, indem ein Teil der alten Begrenzungsmauer abgetragen und durch große, terrassenförmig angeordnete Sitzstufen ersetzt wurde. Der andere Teil der Mauer blieb erhalten, ebenso das schmiedeeiserne Gitter mit Tor am Hauptaufgang. Im östlichen Außenbereich der Kirche fand zudem ein Sandstein-Bildstock aus der Zeit von der Wende des 17. zum 18. Jahrhundert Platz. Trotz der Eintragung als Bodendenkmal und damit zu erwartender Funde von Resten der Vorgängerbauten und des ehedem ringsum bestehenden Friedhofs ist eine archäologische Begutachtung unterblieben.

Ausstattung Hochaltar Im Inneren der in dezentem Weiß und hellem Gelb gehaltenen Pfarrkirche ist insbesondere der hölzerne, im romanischen Stil gehaltene Hochaltar sehenswert, der im Zuge des Kirchenbaus von Frl. Margaretha Horn aus Würzburg (gestorben am 7. August 1871) gestiftet und auf Veranlassung ihres Stiefvaters Sg. Behringer von den Würzburger Kunstschreinern Adam und Stefan Barth gefertigt wurde (Nr. 18 des Werkverzeichnisses).Martin: Kirchenführer Pfarrkirche St. Bartholomäus Kist. 2006, S. 6. Nach dem Ausbau des Hochaltars in den 1950er Jahren mussten im Rahmen der Wiederaufstellung zu Beginn der 1980er Jahre sein gesamter Aufbau, der größte Teil des vergoldeten Zierrats und verschiedene Einzelteile nach Originalen und alten Fotografien behutsam nachgeschaffen werden.Martin: Kirchenführer Pfarrkirche St. Bartholomäus Kist. 2006, S. 7. In seiner Mitte zeigt der Hochaltar eine von Carl BehrensSignatur „C B f = Carl Behrens fecit [hat gemacht]“, Martin: Kirchenführer Pfarrkirche St. Bartholomäus Kist. 2006, S. 7. geschaffene Statue des Kirchenpatrons, des Hl. Bartholomäus, mit Messer und Buch in den Händen. Auch die beiden ihn flankierenden Statuen dürften wohl aus der Hand des Künstlers aus dem 19. Jahrhundert stammen. Sie zeigen die beiden Vorgänger im Kirchenpatronat: Links den Hl. Kilian mit Mitra, Buch, Schwert und Krummstab, und rechts die Hl. Margarethe mit Krone, Palmzweig und Kreuzstab auf einem Drachenkopf stehend. Über der Statue des Kirchenpatrons befindet sich eine Darstellung des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube inmitten eines neugeschaffenen goldenen Strahlenkranzes (hierzu auch im Abschnitt Langhaus). An dieser Stelle befand sich zuvor ein Ölgemälde mit einer Darstellung der Dreifaltigkeit (Gnadenstuhl), das verloren gegangen war, jedoch zwei Jahre nach dem Kirchenumbau von 1982 wieder aufgefunden und zurückgekauft werden konnte, dann aber einen eigenen Platz über dem Chorbogenkreuz bekam, da man die 1982 am ursprünglichen Platz des Ölgemäldes angebrachte Taubenfigur nun dort beließ (hierzu auch im Abschnitt Altarraum und Chor).Martin: Kirchenführer Pfarrkirche St. Bartholomäus Kist. 2006, S. 6. In den beiden Nischen in den oberen Ecken des Hochaltars befinden sich zudem zwei stehende Engelsfiguren, die jeweils ein Spruchband halten, deren lateinische Inschriften zusammengesetzt die Anfangsworte des Gloria ergeben: Das linke Spruchband beginnt den Satz mit den Worten GLORIA IN ECCELSIS DEO (= Ehre sei Gott in der Höhe), das rechte beendet ihn mit ET IN TERRA PAX HOMI(NIBUS?) (= und Friede den Menschen auf Erden). Anstelle eines modernen Panzertabernakels wurde auch wieder der Original-Tabernakel in den Hochaltar eingesetzt.Martin: Kirchenführer Pfarrkirche St. Bartholomäus Kist. 2006, S. 7 f. Hinter dem Hochaltar befinden sich auch zwei Trageleuchter, die ansonsten für die örtlichen Fronleichnams-Prozessionen verwendet werden. Vor dem Auge des gewöhnlichen Kirchenbesuchers verborgen sind zwei Heiligenbildnisse an der Rückseite des Hochaltars angebracht, die vor der Erneuerung der Kirche in den 1950er Jahren jeweils über den Seitenaltären befestigt waren.

Seitenaltäre Jene Seitenaltäre sind schlichtere Nachschöpfungen der ursprünglich vorhandenen Holzaltäre, von denen nicht mehr genug erhalten geblieben sei, um sie zu restaurieren. Der linke Seitenaltar ist der Gottesmutter geweiht und trägt eine Statue einer das Jesuskind auf dem linken Arm haltenden Mondsichelmadonna im Strahlenkranz mit Zepter und Krone, die auf einer Mondsichel und einem Schlangen- oder Drachenkopf steht. Nach Ansicht von Martin sei sie wohl würzburgisch und stamme aus der Barock-/Rokokozeit.Martin: Kirchenführer Pfarrkirche St. Bartholomäus Kist. 2006, S. 11. In einem aus dem Jahr 1911 stammenden Exemplar aus der Buchreihe Die Kunstdenkmäler von Bayern findet sich auf Seite 84 neben der dortigen Beschreibung der Kister Kirche und deren Ausstattung eine handschriftlich eingetragene Bemerkung, wonach in der Kirche noch zwei Barockfiguren zu finden seien, von denen in dem Eintrag eine als Guter Hirte, die andere als Maria mit dem Kind bezeichnet ist. Mit letzterer könnte, die Einschätzung Martins bestätigend, die Mondsichelmadonna gemeint sein, die ursprünglich an der westlichen Wand des Langhauses stand, wie auf dem obigen Foto mit der Bildunterschrift Das Kircheninnere vor 1952 zu erkennen ist. An ihrer jetzigen Stelle im Seitenaltar stand ursprünglich eine Marienfigur der Unbefleckten Empfängnis (Maria Immaculata), die heute jedoch verschollen ist.Martin: Ein Gang durch unsere neue Kirche., in: Ebert: Kirche St. Bartholomäus und Pfarrei Kist. 1982, S. 29.

Der rechte Seitenaltar trägt als Pendant eine Statue des Hl. Josef, ebenfalls im Strahlenkranz mit dem Jesuskind, das einen Reichsapfel in Händen hält.