mini|Menstruationszyklus
Die Menstruation, die Monatsblutung und die Menses sind Bezeichnungen für die periodisch wiederkehrende Blutung aus der Gebärmutter einiger Tierarten und des Menschen mit Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut, die bei einer Dauer von durchschnittlich vier bis fünf Tagen (Menstruationstage) umgangssprachlich auch Periodenblutung oder kurz Periode genannt wird. Die erste Menstruation wird Menarche genannt, die letzte Menstruation heißt Menopause. Sie markieren den Beginn (Geschlechtsreife) und das Ende der körperlich fruchtbaren Zeit im Leben einer Frau beziehungsweise eines weiblichen Körpers.
Das Wort leitet sich ab von lateinisch menstruus „monatlich“ (zu „Monat“; Plural menses), weil der Menstruationszyklus beim Menschen wie der Mondmonat ungefähr 28 Tage dauert.Elisabeth Raith-Paula: Gefährliches Halbwissen um die fruchtbare Zeit. In: Wirtschaftsmagazin für den Frauenarzt, Ausgabe 3, 2016, S. 3 (online auf mfm-programm.de). Synonyme sind Regel, Mens, Tage oder Menorrhö (von (men) „Monat“ und (rheo) „ich fließe“; veraltet auch Monatsfluss oder Regelblutung).
Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Nebenbedeutung des Wortes Mens.Anmerkung: Mens ist eine in der deutschsprachigen Geburtshilfe seit dem 20. Jahrhundert gebräuchliche Abkürzung des lateinischen mensis („Monat“) in der Nebenbedeutung „Schwangerschaftsmonat“. Schreibweisen wie „Mens IV“ oder „Graviditas mens IV“ stellen medizinisches Fachlatein (Ärztelatein) dar und entsprechen nicht der klassischen lateinischen Grammatik und sind somit kein korrektes klassisches Latein. Klassisch müsste es heißen: graviditatis mense quarto oder graviditas quarto mense. Historisches Beispiel: Albert Sippel: XIII. Doppelseitige Hüftgelenksankylose. Absolute Beckenenge. Schwere Nephritis. Supravaginale Amputation des Uterus gravidus V. mens. Heilung. In: Monatsschrift für Geburtshilfe und Gynäkologie. 24. Jahrgang (1906), S. 307–316. In der älteren und teilweise noch heute verwendeten medizinischen Fachsprache bezeichnet Mens als Kurzwort auch den Schwangerschaftsmonat (Mensis graviditatis) und damit gerade nicht die Monatsblutung, sondern die (Anzahl der) ausgebliebenen Monatsblutungen (Amenorrhö, Cessatio mensium). So bezeichnen zum Beispiel „Mens IV“ den vierten Schwangerschaftsmonat (also die Schwangerschaftswochen 13 bis 16) und Mens VIII (manchmal noch kürzer: m. VIIIWillibald Pschyrembel: Praktische Geburtshilfe und geburtshilfliche Operationen. Walter de Gruyter Verlag, 14. Auflage, Berlin / New York 1973, ISBN 3-11-001683-4, S. 48, Abbildung 40.) den achten.Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung, München / Berlin / Wien 1973, 5. Ordner (Mem–Rz), ISBN 3-541-84005-6, S. P 297. In der älteren Geburtshilfe ist mit Mens dabei häufig aber nicht ein Kalendermonat (Sonnenmonat, bürgerlicher Monat) gemeint, sondern der geburtshilfliche Monat (Mondmonat, Lunarmonat, siderischer Monat) mit einer Dauer von vier Wochen oder 28 Tagen. Mens X ist also der Zeitraum von 253 bis 280 Tagen seit der Empfängnis oder ab dem ersten Tag der letzten Monatsblutung. Denn das lateinische Wort mensis = Monat leitet sich ab von den altgriechischen Wörtern μηνη (mene) oder μηνας (menas) zur Bezeichnung des Mondes.Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon, 3. Auflage, Verlag der Deuerlich- und Dieterichschen Buchhandlung, Göttingen 1844, S. 608. Digitalisat der Ausgabe von 1844, Internet Archive.
Vorkommen Die Menstruation tritt ausschließlich bei Säugetieren auf und ist auf einige wenige Arten beschränkt. Sie kommt bei den afrikanischen Rüsselspringern, Stachelmäusen und einigen Fledermausarten vor, sowie bei den höheren Primaten einschließlich des Menschen. Einige Evolutionsbiologen schätzen den Anteil der menstruierenden Säugetiere auf ungefähr 1 %. Alle anderen etwa 5500 bekannten Säugetierarten haben statt eines Menstruationszykluses einen Brunstzyklus.
Biologie
Der erste Tag der Menstruation definiert den Beginn des Menstruationszyklus, der über seine hormonellen Regelkreise zur Reifung eines Graafschen Follikels, zum Eisprung und zur Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung der schließlich befruchteten Eizelle führt. Im Durchschnitt werden beim Menschen 50 ml, maximal 80 ml Flüssigkeit ausgeschieden.
Menstruationsflüssigkeit Die Menstruationsflüssigkeit besteht überwiegend aus leicht verdünntem Blut, enthält aber auch Vaginalsekret, abgestoßene Gebärmutterschleimhaut und Bakterien.
Es kann auch geronnenes Blut (Koagel) zu finden sein. Das Gerinnen von Blut ist ein natürlicher Prozess, welcher der Blutstillung dient und kein Krankheitssymptom.
Die Menstruationsflüssigkeit und Koagel können aufgrund unterschiedlicher Konzentration des roten Blutfarbstoffs und dessen Sauerstoffsättigung unterschiedliche Farben aufweisen. Meist erscheinen sie zum Anfang und zum Ende der Menstruation in einem hellrot, zur Mitte der Menstruation dunkler.
Zyklus Das Ausbleiben der Menstruation wird als Amenorrhoe bezeichnet. Das Ausbleiben der Menstruation nach einer Empfängnis ist das erste deutlich wahrnehmbare Anzeichen des Beginns einer Schwangerschaft.
Bei starkem und übermäßigem Monatsfluss (über 80 ml) spricht der Mediziner von Hypermenorrhoe. Eine zu häufige Menstruation mit einem Intervall unter 25 Tagen wird als Polymenorrhoe bezeichnet. Bei einem Intervall von mehr als 35 Tagen spricht man von Oligomenorrhoe. Auslöser der Blutung ist die bei Primaten periodisch auftretende Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut, die bei der Frau ungefähr alle 28 Tage ±3 Tage erfolgt und etwa drei bis sieben Tage dauerthttps://flexikon.doccheck.com/de/Menstruation. Frauen menstruieren im Schnitt mehr als 400-mal in ihrem Leben.Eva Schläfer, Hoffnung im Blut, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 12. Juli 2026, S. 15.
Beschwerden Eine deutlich schmerzhafte Menstruation wird Dysmenorrhoe genannt. Sie kann ein Krankheitszeichen sein und sollte daher medizinisch geklärt, bei entsprechendem Leidensdruck auch behandelt werden.
Andere Lebewesen Wildlebende weibliche Tiere menstruieren nur selten, denn selbst wenn sie, wie Bonobos, nicht nur einmal im Jahr empfängnisbereit sind, findet zumeist eine Befruchtung statt. Dies liegt unter anderem daran, dass viele Tiere eine sogenannte induzierte Ovulation haben. Das heißt: Einen Eisprung gibt es bei ihnen nur bei der Paarung beziehungsweise kurz davor.
Evolution
Es gibt verschiedene Theorien über die Evolution der Menstruation. Ihr adaptiver Wert ist aufgrund der Seltenheit der Menstruation in der Tierwelt fraglich.D. Emera, R. Romero, G. Wagner: The evolution of menstruation: a new model for genetic assimilation: explaining molecular origins of maternal responses to fetal invasiveness. In: BioEssays: news and reviews in molecular, cellular and developmental biology. Band 34, Nr. 1, Januar 2012, S. 26–35, doi:10.1002/bies.201100099, PMID 22057551, .
Eine Theorie besagt, dass die Menstruation sich entwickelt hat, um Gebärmutter und Eileiter von an Spermien anheftenden Krankheitserregern zu reinigen, indem infizierte Teile der Gebärmutterschleimhaut entfernt werden, während Immunzellen in die Gebärmutter vorstoßen.
Eine weitere Hypothese besagt, dass die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird, da die zyklische Regression und Erneuerung energetisch günstiger ist als die ständige Aufrechterhaltung der Gebärmutterschleimhaut in dem metabolisch aktiven Zustand, der für die Einnistung einer Zygote notwendig ist. Daher könnten die im Vergleich zu anderen Spezies starken Blutungen von Menschen und Schimpansen auf die relative Größe der Gebärmutter in Bezug auf die Körpergröße und die im Verhältnis kleinen Blutgefäße zurückgeführt werden.
Ebenso wird es für möglich gehalten, dass die Menstruation Gebärmuttergewebe im Sinne einer „Vorkonditionierung“ auf das hohe Maß an Entzündung und oxidativem Stress vorbereitet, das beim Menschen mit der tiefen Plazentation einhergeht.
Eine weitere Theorie geht davon aus, dass die Menstruation mechanistische Folge der spontanen Dezidualisierung (Umformung der Zellen in der Gebärmutter) ist, was von der Korrelation zwischen spontaner Dezidualisierung und Menstruation bei verschiedenen Spezies unterstützt wird.
In den meisten Spezies geschieht die Dezidualisierung nicht spontan, sondern wird erst durch embryonale Signale ausgelöst. Die spontane Dezidualisierung könnte jedoch das Abstoßen defekter Embryonen erleichtern, d. h. sie könnte sich in höheren Primaten aufgrund eines Konflikts zwischen Mutter und Fötus entwickelt haben, der entschieden wurde, indem sich weibliche Primaten – ohne vom Fötus ausgehende Signale – bereits auf die Schwangerschaft vorbereiten.
Forschende überlegen ebenso, ob der Unterschied zwischen menstruierenden und nicht menstruierenden Säugetieren durch Aktivieren oder Blockieren eines Genoms zustande kommen kann.
Geschichte
In der abendländischen Medizin galt die als Reinigungsvorgang angesehene Menstruation lange Zeit als unerlässliche Voraussetzung für die Erhaltung der Gesundheit und der Fruchtbarkeit von Frauen,Michael Stolberg: Menstruation. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 971 f. wobei der weibliche Körper periodisch von überschüssigen Substanzen befreit wird.Vgl. etwa Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer. Philipp Reclam jun., Leipzig 1979 (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771); 6. Auflage ebenda 1989, ISBN 3-379-00411-1, S. 101 und 192, Anm. 9, zur „Reinigung von Menstrualblut“ in Hippokrates, Über Luft-, Wasser- und Ortsverhältnisse.
Nicht nur Kontakt mit Menstruationsblut macht laut Tora und jüdischer Tradition zufolge Gegenstände und Lebewesen für einen fest definierten Zeitraum unrein, sondern die Tatsache, dass (nach jüdischem Glauben) im Körper der Frau ein Absterbeprozess stattgefunden hat, sie deswegen als „unrein“ betrachtet wird und diese Unreinheit auch übertragen kann.
In hinduistischen Traditionen kann die Anwesenheit einer Frau während ihrer Tage bei einem religiösen Ritus zu dessen Wirkungslosigkeit oder schlimmer, zu dessen Umkehrung führen. Im Judentum und Islam ist es während der Periode den Ehepartnern nicht erlaubt, miteinander den Geschlechtsakt zu vollziehen, während dieser Zeit ist der muslimischen Frau auch das typische rituelle Gebet nicht erlaubt.
Aberglaube
Bis heute hält sich bei einigen der jahrhundertealte Aberglaube von der Schädlichkeit des Menstruationsbluts oder der Körperflüssigkeiten menstruierender Frauen. Demzufolge sollten menstruierende Frauen beispielsweise keine Sahne schlagen, da diese sonst schlecht würde, kein Obst und Gemüse einkochen, nicht beim Schlachten helfen oder nur mit Haushaltshandschuhen putzen.
In der heutigen Zeit sterben Menstruationsmythen zunehmend aus. Wissenschaftlich gesehen gibt es nichts, was diesen Aberglauben stützen könnte. Im Menstruationssekret sind normalerweise keine Gifte oder Viren enthalten, die nicht auch in normalem Blut vorhanden wären, obwohl lange über Stoffe wie Menotoxin diskutiert wurde. Daraus folgt jedoch auch, dass Erreger, die durch den Kontakt mit infektiösem Blut übertragen werden können, z. B. Hepatitis B oder HIV, über Menstruationssekret und benutzte Hygieneprodukte zu Infektionen führen können. Die Vaginalflora enthält zudem Keime, die das Menstruationssekret zersetzen und so zu einem unangenehmen Geruch führen können.