mini|Gemälde von William N. Copley (Foto von Paolo Monti, 1960) William „Bill“ Nelson Copley (* 24. Januar 1919 in New York City, New York, USA; † 7. Mai 1996 in Key West, Florida) war ein US-amerikanischer Maler, Kunstsammler und Mäzen. Er gilt als ein wichtiger Vermittler zwischen den Surrealisten und der Pop-Art-Bewegung und zählte zu den eigenwilligsten Persönlichkeiten der Kunstszene.William Copley. Hrsg. von der Stiftung Frieder Burda und Götz Adriani. Kehrer, 2012. William N. Copley war zunächst als Galerist tätig und baute in dieser Eigenschaft eine umfangreiche Kunstsammlung auf, bevor er durch die Freundschaft mit Surrealisten wie Marcel Duchamp, René Magritte und Max Ernst selbst zum Künstler wurde. Das malerische und zeichnerische Werk von William Copley setzt sich ironisch und humorvoll mit der Tradition von Dada, Surrealismus und der aufkommenden Pop Art auseinander.Bill Copley, Lühn Linn (Hrsg.): CPLY. 1919–1996. Köln, 2000

Leben Kindheit, Jugend und Ausbildung mini|Ira C. Copley William N. Copley wurde als Findelkind an der Türschwelle des New York Foundling Hospitals am Ende einer Influenza-Epidemie gefunden, der seine Eltern vermutlich zum Opfer gefallen sind. 1921 wurde William von Ira C. und Edith Copley adoptiert. Ira Copley war Magnat in der Energieversorgungsbranche und Zeitungsverleger in Aurora; von 1911 bis 1923 war er Mitglied des Repräsentantenhauses der USA. Als William zehn Jahre alt war, zog Ira Copley mit seiner Familie nach Coronado Island bei San Diego. William war ein kränkliches Kind und fehlte oft in der Schule. Um die Fehlzeiten wettzumachen, las er viel. Von 1932 bis 1936 absolvierte Copley eine Ausbildung an der Phillips Academy in Andover, Massachusetts; von 1926 bis 1928 studierte er an der Yale University, bevor er 1940 in die US-Armee eintrat und von 1942 bis 1946 zum Kriegsdienst als Soldat der Infanterie in Nordafrika, Sizilien und Italien stationiert war.

In Kalifornien (1945–1951) Nach Kriegsende kehrte Copley nach Kalifornien zurück. Zunächst begann er eine Arbeit als Reporter für die Zeitungen seines Vaters. Er heiratete bald Marjorie Doris Wead, die Tochter eines Testpiloten der US-Marine; 1946 kam Sohn William Bryant („Billy“) zur Welt. Darauf machte er Bekanntschaft mit dem Ehemann seiner Schwägerin, John Ployardt, einem Künstler, der als Zeichner und Erzähler für die Disney Studios arbeitete. Ployardt brachte Copley die Malerei und insbesondere den Surrealismus nahe.

„Der Surrealismus“, schrieb Copley, „machte alles verständlich: meine vornehme Familie, der Krieg und warum ich ohne meine Schuhe am Yale Prom teilnahm. Es sah nach etwas aus, das mir gelingen könnte.“

Die beiden besuchten Ausstellungen in Mexiko und New York, trafen sich mit Künstlern und begannen, sich in die surrealistische Ideenwelt zu vertiefen. Sie fassten den Plan, eine Galerie zu eröffnen und suchten den Kontakt zu Walter Conrad Arensberg, einem Industriellensohn und Sammler, der gleichzeitig enger Freund und Mäzen von Marcel Duchamp war. In der gleichen Zeit begann Copley sich autodidaktisch mit Malerei zu beschäftigen; zu seinen frühen Werken gehört 2 bis Ferou, Woman in Doorway. Seine Werke signierte er fortan mit CPLY, um nicht mit dem amerikanischen Porträtmaler John Singleton Copley (1738–1815) verwechselt zu werden. Daneben betätigte er sich auch schriftstellerisch; es wurden jedoch nur wenige Texte in den Zeitungen seiner Familie veröffentlicht. mini|Alexander Iolas Auf Vermittlung Man Rays reisten Ployardt und Copley 1947 nach New York, um Marcel Duchamp zu treffen, der ihnen weitere Kontakte verschaffte. Neben Künstlern lernten sie auch die Galeristen Julien Levy und Alexander Iolas (1907–1987) kennen, die sich dem Surrealismus verschrieben hatten. Iolas wurde ab Mitte der 1950er-Jahre der wichtigste Galerist Copleys.

Im selben Jahr starb sein Adoptivvater Ira Clifton Copley im Alter von 83 Jahren; die Geschäfte übernahm darauf sein älterer Bruder James Strohn Copley („Jim“, 1916–1973), während sich William immer mehr von seiner konservativen Familie entfernte, mit deren Weltanschauungen er sich – gerade nach seinen Kriegserfahrungen – nicht mehr länger identifizieren konnte. Copley wurde Anhänger der linksliberalen Politik, nahm an politischen Treffen teil und verteilte Flugblätter der Progressive Party um Henry A. Wallace.

Zu der Zeit, als Copley und Ployardt ihre surrealistische Galerie planten, bestand eine Vereinigung verschiedener Philanthropen, darunter die Arensbergs und der Schauspieler Vincent Price, die eine gemeinnützige Galerie am Rodeo Drive eröffnete. Das Modern Institute of Art wurde im Februar 1948 eröffnet, „mit dem Ziel, das Westküstenäquivalent zum New Yorker Museum of Modern Art zu werden.“ Die erste Ausstellung umfasste Werke von Marc Chagall, Joan Miró, Henri Matisse und Marcel Duchamp - allesamt Avantgarde-Künstler von einer Statur, die in Südkalifornien selten zu sehen war, die Copley und Ployardt jedoch Ende der 1940er-Jahre nicht mehr zeitgemäß erschienen.

Im kalifornischen Beverly Hills eröffneten Copley und Ployardt die Copley Galleries am North Canon Drive im September 1948 mit einer Ausstellung von mehr als 30 Gemälden von René Magritte, die sämtlich aus Alexander Iolas Sammlung stammten. In den folgenden Monaten zeigten sie Werke von Malern wie Yves Tanguy, Joseph Cornell, Man Ray, Roberto Matta und Max Ernst ausstellte und zum Kauf anbot. Arensberg steuerte für einige Ausstellungen wichtige Werke aus seiner Sammlung als Leihgaben bei. Zu dieser Zeit gab es jedoch in Los Angeles kaum Interesse an surrealistischer Kunst und wenig Gelegenheit, sie auszustellen oder anzusehen. Obwohl lokale Sammler wie Walter und Louise Arensberg wichtige Sammlungen von Gegenwartskunst anhäuften, zögerten die wenigen Museen in Los Angeles, dies zu zeigen. Das Los Angeles County Museum war nach Copleys Worten „ein Mausoleum mit einer Struktur […], die einige Missverständnisse von William Randolph Hearst und einigen Stofftieren beherbergte.“ Vier Meilen weiter östlich hatte das junge, privat geführte Pasadena Art Institute 1953 das Vermächtnis der spektakulären Sammlung von Galka E. Scheyer erhalten und sich ein Jahr später in Pasadena Art Museum umbenannt. Die surrealistischen Bilder fanden daher kaum Käufer, weswegen Copley im Frühjahr 1949 die Galerie aufgab. Die Malerei stand fortan im Mittelpunkt seines Schaffens; es entstanden Gemälde wie Portrait of the Artist as a Young Ex-Partiate und Bienvenue/Île de France. 1951 fand in Los Angeles Copleys erste Einzelausstellung im Royer's Book Shop statt.

In Frankreich (1951–1962) Man Ray, Juliet Ray, William Copley und Marcel Duchamp an Bord der SS De Grasse am 12. März 1951 vor ihrer Abreise von New York nach Paris. The Getty Research Institute, Los Angeles aus dem Gloria de Herrera Archive (1951) Link zum Bild (Bitte Urheberrechte beachten) Im Frühjahr 1951 unternahm Copley zusammen mit Man Ray, dessen Frau Juliet und der jungen Kunstkonservatorin Gloria de Herrera (1929–1985) eine Schiffsreise nach Paris. Seine Frau Doris und die beiden Kinder Billy und Claire (geboren 1948) hatte er zurückgelassen; die Ehe wurde bald darauf geschieden. In Paris konzentrierte sich Copley auf die Malerei und unternahm mehrere Reisen, u. a. besuchte er Pablo Picasso in Vallauris. 1953 heiratete er in Paris Noma Rathner und erwarb ein Anwesen in Longpont-sur-Orge in der Region Île-de-France. Es folgten Einzelausstellungen in der Galerie du Dragon und der Galerie Furstenberg in Paris sowie bei Alexander Iolas in New York. 1954 gründete er gemeinsam mit seiner zweiten Frau die William and Noma Copley Foundation, die später die Bezeichnung Cassandra Foundation erhielt.illiam Nelson Copley, American (1919–1996) (englisch). Um 1955 verkaufte er seine geerbten Familienanteile an seinen Adoptivbruder Jim und seine Schwester Helen. 1956 nahm er am XXième Salon de Mai im Musée d’art moderne de la Ville de Paris teil; 1961 wurden Copleys Arbeiten am Londoner Institute of Contemporary Arts gezeigt. Man Ray hielt die Eröffnungsrede auf seinen Freund.

In New York (1963–1980) Nach einem kurzen Aufenthalt in Los Angeles kehrten William und Noma Copley 1963 nach New York zurück. In der Kunstszene der Stadt pflegte er Kontakte zu Christo, Roy Lichtenstein, Walter de Maria, Ray Johnson, Larry Bell, Ed Ruscha und später auch zu Andy Warhol. Er hatte ein Apartment in 81st Street; am Lower Broadway richtete er sich ein Atelier ein, in dem er Freunde zu Partys empfing. 1967, inzwischen von seiner zweiten Frau Noma geschieden, gründete er mit dem Künstler Dimitri Petrow den kurzlebigen Kunstverlag The Letter Edged in Black Press, in dem er Mappen mit Multiples verlegte. 1968/69 erschienen insgesamt 14 Mappen mit Werken von Duchamp, Lichtenstein, Man Ray, Christo, Richard Hamilton, Claes Oldenburg, Yoko Ono, John Cage, Kasper König, Mel Ramos, Dieter Roth, Bernar Venet und Bruce Nauman.Auf dem Höhepunkt der Pop Art und der Color Field-Malerei war das Anliegen Copleys, „den Künstler von den Beschränkungen des Formats [zu] befreien und den erweiterten Gebrauch von Materialien in jeder (Kunst-) Kategorie zu ermöglichen“. Es war ihm besonders wichtig, die beteiligten Künstlern zu keinen Beschränkungen zu verpflichten und er garantierte die individuelle Freiheit in der Gestaltung und Wahl der Materialität. Jeder Künstler, unabhängig von Namen und Bekanntheitsgrad, erhielt 100 Dollar für seine abgelieferte Arbeit. Es wurden ca. 2000 Sets produziert; die restlichen Exemplare übergab Copley 1981 einem New Yorker Museum. Vgl. Documenta 6 / Kat.3, S. 335; Archiv Söhm, S. 319; Moeglin-Dellcroix, S. 116; Papier-Gesänge S. 107; de Jong: Weiner - The Multiples.

In einer ersten Ausstellung in Deutschland wurden 1968 Copleys Arbeiten in der Galerie Rudolf Springer gezeigt; auf der Documenta 5 (1972, in der Abteilung Individuelle Mythologien mit Imaginary Flags of Ten CountriesWilliam N. Copley’s “Imaginary Flags of Ten Countries” (1972) bei artnet.de) und der Documenta 7 (1982) in Kassel waren Copleys Werke, fast alle mit dem charakteristischen Kürzel cpLy signiert, ebenso zu sehen wie auch in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, Österreich, Frankreich, in den Niederlanden und den USA. Im September 1968 heiratete er seine dritte Frau Stella Yang und erwarb ein Haus in Roxbury, Connecticut, lebte jedoch meist in New York City und verbrachte den Großteil seiner Zeit mit Malerei. 1970/71 beschäftigte er sich mit der Werkgruppe der Nouns (Gegenstände) in Comic-artiger und an die Pop Art erinnernder Manier. 1977 schrieb er mit Viola Stephan das Theaterstück Even If You're Unhappy Is No Reason Why You Shouldn't Behave Yourself, das in New York uraufgeführt wurde. In dieser Zeit verfasste er auch den Bericht CPLY: Porträit of the Artist as a Young Dealer, in dem er über seine Erlebnisse und Erfahrungen als Galerist berichtete; der Artikel erschien erstmals 1977 im Katalog zur Ausstellung Paris-New York, die im Centre national d'art et de culture Georges Pompidou gezeigt wurde. mini|Andy Warhol (links) und Tennessee Williams (rechts) im Gespräch, im Hintergrund: Paul Morrissey (1967). World Journal Tribune Foto von James Kavallines. 1979, nach seiner Scheidung von seiner dritten Ehefrau, ließ Copley bei Sotheby’s in New York seine Sammlung surrealistischer Werke fast vollständig versteigern, nachdem er einen Großteil seines Erbes verbraucht hatte. Mit einem Erlös von 6 Millionen Dollar war es zu diesem Zeitpunkt das höchste Ergebnis, das je eine Sammlung erzielt hatte. Danach konzentrierte er sich auf das Sammeln zeitgenössischer Kunst. In den 1980er-Jahren beschäftigte er sich mit Performanances und arbeitete mit neuen Materialien, wie Spiegeln, Glas und Fetischobjekten. 1986 wurde die Installation The Tomb of the Unknown Whore anderthalb Monate im New Museum of Contemporary Art ausgestellt.

Späte Jahre (1980–1996)