mini|Darstellung von nassauischen Truppen in der Uniform zur Zeit des Krieges in Spanien Die Herzoglich Nassauische Armee war die Armee des Herzogtums Nassau von 1806 bis 1866.
Geschichte Vorgeschichte – das Militär der Vorgängerstaaten mini|Der Getreidespeicher in Diez wurde bereits vom Fürstentum Oranien-Nassau zur Kaserne ausgebaut und vom Herzogtum Nassau weiterverwendet Das Militär von Nassau-Weilburg und Nassau-Usingen im Heiligen Römischen Reich war weitgehend bedeutungslos. Beide Fürstentümer hatten nur die Mindestzahl an Soldaten, die das Reich für die so genannten Kreistruppen forderte, also jeweils zwei Kompanien à 56 Mann. Die Kampfstärke dieser vier nassauischen Kompanien galt als gering.
Mit den Gebietserweiterungen nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 war den beiden Herrschern klar, dass das größer gewordene Nassau seine Rüstungsanstrengungen verstärken musste. Hierzu wurden zunächst die Truppen der übernommenen Gebiete in das nassauische Heer übernommen. Wichtig war hier vor allem die Übernahme des sogenannten „Scheitherschen Jägerkorps“, dass Nassau nach Verhandlungen mit dem Mainzer Kurfürsten Ende 1802 in voller Montur und Bewaffnung übernahm. Das Korps war 1800 mit britischen Subsidiengeldern für den Kurfürsten für den Kampf gegen Frankreich aufgestellt worden. Es bestand aus vier kompletten und vor allem kampferfahrenen Kompanien, hatte eine Stärke von 13 Offizieren und 312 Unteroffizieren und Gemeinen, und bildete in den nächsten Jahren den Kern der nassauischen Armee. Wichtig war auch, dass Nassau mit diesem Bataillon erfahrene Offiziere erhielt, die in der Nassauer Armee Karriere machen sollten. Sein Kommandeur, Major Conrad von Schäffer, wurde sechs Jahre später zum ersten Nassauer General befördert; der als Hauptmann übernommene Ludwig von Bismark stieg zum General-Adjutanten auf.
Napoleonische Zeit mini|Uniformen des 2. Infanterie-Regimentes, 1810 in Spanien Die Geschichte der nassauischen Armee ist eng mit den jeweiligen Bündnisverpflichtungen des Herzogtums verbunden. Bereits mit der Gründung des Rheinbundes hatte sich Nassau, wie die übrigen Staaten, verpflichtet Napoleon mit Truppen zu unterstützen. Die Rheinbundstaaten mussten zusammen 63.000 Soldaten stellen, dies entsprach je einem Soldaten je 155 Einwohner. Auf das Herzogtum Nassau entfielen damit 1680 Mann.
Die Organisation der nassauischen Truppen erfolgte bereits 1803 unter Einbeziehung von Verbänden, die aus Vorgängerstaaten übernommen wurden. Es wurden folgende Einheiten aufgestellt: 1. Leibbataillon aus Nassau-Usingener Grenadieren in Wiesbaden und Biebrich 2. Jägerbataillon aus Nassau-Weilburger Jägern in Weilburg 3. Jägerbataillon aus Kurmainzer Jägern in Hochheim und Höchst 4. Musketierbataillon in Deuz und Linz
Jedes Bataillon bestand aus vier Kompanien, mit insgesamt 15 Offizieren und 536 Mann. Da hierbei die Truppenanzahl deutlich aufgestockt wurde, erfolgte die Rekrutierung der erforderlichen Soldaten durch Konskription. Das Offizierskorps bestand anfänglich aus Offizieren der Vorgängerstaaten. Den Oberbefehl über die Truppen lag beim Herzog, der durch einen General-Adjutanten vertreten wurde. Der erste Herzog, Friedrich August hatte umfassende militärische Erfahrung und war 1790 vom Kaiser zum Feldmarschall ernannt worden. 1804 erfolgte die Vereinigung der Nassau-Usingischen Reiter sowie der Wildenburgschen und Hachenburgschen Husaren zu einer Kavallerieschwadron.
Die Soldaten trugen ab 1803 grüne Uniformröcke. Bei der Infanterie trug man graue oder weiße Hosen, gelbes Lederzeug und Tschakos, beim 1. Bataillon Raupenhelme, ab 1810 einheitlich Pelzmützen. Die Bewaffnung bestand aus Steinschlossgewehren mit Bajonett. Bei der Kavallerie gab es grüne Spenzer und Hosen, schwarzes Lederzeug sowie Raupenhelme, ab 1810 Pelzmützen. Das Zentraldepot der Armee wurde 1808 zunächst im säkularisierten Kloster Eberbach im Rheingau errichtet.Wolfgang Einsingbach, Wolfgang Riedel: Kloster Eberbach im Rheingau. S. 25. Im Zuge des Ausbaus der Wiesbadener Kasernen erfolgte eine Verlegung nach Wiesbaden.
Mit Ausbruch des Krieges zwischen Preußen und Frankreich 1806 musste Nassau seine Bündnisverpflichtung mit Frankreich erfüllen. Die Bataillone wurden auf sechs Kompanien vergrößert und gemäß Vereinbarung in der Rheinbundakte zu einer Brigade zusammengefasst. Zuvor waren die Einheiten noch formal getrennt den beiden Altfürstentümern unterstellt gewesen. Weiterhin wurde eine zusätzliche Kompanie berittener Jäger aufgestellt.
Nassau setzte zunächst im September 1806 das 3. Jägerbataillon unter Major Meder in Marsch. Dieses nahm als Teil des VII. französischen Korps an der Schlacht bei Jena teil. Nachdem sie auf volle Stärke gebracht worden waren, rückten am 10. November 1806 das 1. Leibbataillon und das 2. Jägerbataillon unter Oberst von Schäffer aus. In Magdeburg vereinigten sich die drei nassauischen Bataillone und marschierten auf Berlin. Dort dienten sie von Ende Dezember 1806 an als Besatzungstruppen. Mitte Februar 1807 stieß das 4. Musketierbataillon hinzu. Im April 1807 erfolgte die Verlegung von zunächst acht Kompanien nach Schwedisch-Pommern. Die Truppen beteiligten sich an der Kämpfen bei Ueckermünde und Anklam. Von Juni an nahmen das 2., 3. und 4. Bataillon vollständig an der Belagerung von Kolberg und Stralsund teil. Ab November 1807 kehrten die Truppen über Berlin, Bayreuth und Frankfurt nach Nassau zurück. Eine Parade am 1. Januar 1808 bei Königstein bildete den feierlichen Abschluss des Feldzugs. Zuvor hatte Herzog Friedrich August am 9. August 1807 die Herzoglich Nassauische Tapferkeitsmedaille für Unteroffiziere und Soldaten gestiftet.
Es folgte eine Reorganisation der Truppen. Die Armee sollte aus zwei Regimentern mit je 2 Bataillonen zu fünf Kompanien bestehen. Hintergrund war die Forderung Napoleons, die Sollstärke der Truppen um 25 % zu erhöhen. Die Sollstärke der nassauischen Armee betrug nun 2750 Mann. Die Organisation in Regimenter sollte verhindern, dass die Kompanien in französische Regimenter eingegliedert und von französischen Obersten befehligt wurden.
Bereits im August 1808 marschierte das vergrößerte 2. Herzogliche Nassauische Infanterieregiment mit 1732 Mann nach Spanien zur Unterstützung der französischen Truppen. Es war aus dem 2. und 3. Bataillon, je einer Kompanie der anderen Bataillone, einer Eskadron reitender Jäger und 300 neuen Rekruten gebildet worden. Jedes Bataillon bestand aus einer Grenadierkompanie, vier Füsilierkompanien und einer Voltigeurkompanie. Der Einsatz dauerte fast fünf Jahre. In dieser Zeit nahmen die Truppen an sieben Schlachten und 33 Gefechten teil. In Spanien verlor das 2. Regiment rund 2.700 Mann. Die Voltigeure wurden in der Schlacht bei Talavera vollständig aufgerieben. Während des Spanienfeldzugs wurde das Regiment insgesamt mit 1675 Mann verstärkt.
Das 1. Herzogliche Infanterieregiment und eine weitere Eskadron wurde ab April 1809 mit 1554 Mann gegen Österreich im Fünften Koalitionskrieg eingesetzt. Es war aus den verbliebenen Teilen des 1. und 4. Bataillons sowie Truppen der Fürstentümer Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen und Isenburg gebildet worden. Im Frühjahr 1810 erfolgte die Verlegung nach Spanien. Dort war es in den nächsten Jahren an 35 Gefechten beteiligt. Das 1. Regiment verlor in diesen Feldzügen rund 1300 Mann und erhielt 1436 Mann Ersatz. Die beiden nassauischen Kavallerieschwadrone zogen mit zusammen 314 Mann nach Spanien und verloren rund 100 Mitglieder. Aufgrund des umfangreichen Spanieneinsatzes musste das Herzogtum keine Truppen für den Russlandfeldzug 1812 stellen.
Mit dem Wechsel zur antinapoleonischen Allianz erhielten die Truppen den Befehl zum Frontwechsel. Oberst August von Kruse wechselte mit dem 2. Regiment am 10. Dezember 1813 bei Bayonne zu den Engländern. Es sollte per Schiff über England in die Niederlande verlegt werden. Bei einem Sturm vor der Insel Texel sanken zwei der Schiffe. Dabei ertranken 230 Soldaten und Offiziere. Oberst Friedrich Wilhelm Meder hielt seinen Eid auf Napoléon und verweigerte mit dem 1. Regiment den Frontwechsel. Das Regiment wurde von den Franzosen am 22. Dezember 1813 entwaffnet und gefangen genommen. Oberst Meder wechselte in die französische Armee und fiel in Spanien. Insgesamt starben etwa 62 % der am Spanieneinsatz beteiligten nassauischen Soldaten während des Feldzugs.
Gleichzeitig musste Nassau nach dem Wechsel weitere Truppen aufstellen. Mit einer Brigade bestehend aus dem 3. Infanterie-Linienregiment, dem Landwehr-Regiment und einem Jägercorps beteiligte es sich 1813/14 an der Belagerung von Mainz. Zusätzlich musste Nassau einen Landsturm von bis zu 36.000 Mann organisieren. mini|Waterloo-Denkmal, Wiesbaden mini|Die nassauische Waterloo-Medaille Nach der französischen Kapitulation 1814 überließ das Herzogtum das 2. Infanterieregiment dem Königreich der Niederlande für sechs Jahre und löste den Landsturm wieder auf. In den Schlachten bei Quatre-Bras und Waterloo kämpften die herzoglichen Truppen in der englisch-niederländischen Armee. Bei Waterloo stand das 1. Regiment im Zentrum und das 2. Regiment, das zuvor bei Quatre-Bras gefochten hatte, im linken Flügel. Insgesamt kämpften 7507 nassauische Soldaten, darunter 169 freiwillige Jäger, bei Waterloo, 887 von ihnen verloren ihr Leben. Für die Überlebenden wurde die Waterloo-Medaille gestiftet. Das Waterloo-Denkmal auf dem Wiesbadener Luisenplatz erinnert an die Nassauer Gefallenen.
Infolge des Wiener Kongresses kam es zu weitreichenden Änderungen. So wurden mit Preußen infolge der Gebietsabtretungen auch ca. 1700 Soldaten ausgetauscht. Das 3. Infanterie-Linienregiment, das Landwehr-Regiment und die berittenen Jäger wurden aufgelöst.
Deutscher Bund mini|Ehemalige nassauische Infanteriekaserne in Wiesbaden (erbaut 1817–1819) mini|Ehemaliges Militärhospital (1828 ~ 1840) und Offiziersschule (1840–1866); letztes erhaltenes Gebäude der nassauischen Kasernen in Wiesbaden Die ab 1815 bestehende Truppenorganisation richtete sich nach der Bundeskriegsverfassung des Deutschen Bundes. Die beiden nassauischen Bataillone gehörten zur 2. Division des IX. Bundes-Corps. Sie umfassten 4039 Mann. In Friedenszeiten standen hiervon jedoch nur etwa ein Sechstel unter Waffen. Die übrigen wurden nach der Ausbildung, mit Ausnahme der Herbstmanöver, beurlaubt. Garnisonstädte der Armee waren Weilburg (1. Regiment 1. Bataillon), Diez (1. Regiment 2. Bataillon), Wiesbaden (2. Regiment und Artillerie) und Biebrich (Jäger und Pioniere). Eine besondere Einrichtung war die Garnisonskompanie auf der Festung Marxburg; sie diente der Versorgung pensionsberechtigter Militärangehöriger, die auf ihre Entlassung aus dem aktiven Militär verzichteten.Staats- und Adreß-Handbuch des Herzogthums Nassau. Wiesbaden 1827. (online) Daneben bestand der Landsturm, der in 27 Kompanien gegliedert war. Die Rekruten wurden aus dem Kreis der Wehrpflichtigen ausgelost, ihre Dienstzeit dauerte vom 20. bis zum 26. Lebensjahr, zuzüglich eines Jahres in der Reserve. Der erloste Rekrut konnte sich von einem „Einsteher“ vertreten lassen. mini|Die „Hainkaserne“ entwickelte sich aus der 1820 zur Kaserne umgebauten Weilburger Münze.