Johannes Brahms schrieb die Violinsonate Nr. 2 A-Dur Op. 100 im Sommer 1886 in Thun, wo der damalige Schweizer Aufenthaltsort heute als „Brahmsquai“ bezeichnet wird. Eine Bronzeplastik mit der populären Bezeichnung Brahmsrösi erinnert dort zudem an den Komponisten. Die Sonate ist auch bekannt unter der Bezeichnung Thuner Sonate. Als solche fand sie auch Eingang in die Kriminalliteratur.Stefan Haenni: Brahmsrösi – Ein Musikkrimi, Gmeiner Verlag 2010, ISBN 978-3-8392-1036-9
Die Uraufführung der Sonate erfolgte am 2. Dezember 1886 in Wien, mit Joseph Hellmesberger an der Violine und Brahms selbst am Klavier.
Hintergründe zur Entstehung Brahms verbrachte den Sommer 1886 am Thuner See. Als er die Nachricht erhielt, die Sängerin Hermine Spies werde ihn dort gemeinsam mit Freunden besuchen, begann er ihr zu Ehren mit der Komposition der Sonate, die er „in Erwartung einer lieben Freundin“ schrieb. Er hatte zudem zwei Lieder für die Sängerin komponiert.
Hermine Spies’ Schwester Minna erinnerte sich: „Ein Spätsommertag war’s. Die Nachmittagssonne stand vor ihrem Untergange und strahlte golden über die Wasser und durch die geöffneten Fenster zu uns herein. Die Blumengehänge, die über die Ufer des Sees herabfielen, wurden zu neuen glutvollen Farben erweckt und sandten ihren Duft herüber. Hermine sang dazu. Zwei neue, noch ungedruckte Lieder lagen auf dem Notenpult des Flügels: ‚Immer leiser wird mein Schlummer‘ und ‚Wie Melodien zieht es‘. Brahms begleitete.“
Einem dieser Lieder liegen die folgenden Verse von Klaus Groth zugrunde – aus der Liedmelodie dieser Verse entwickelte Brahms das Seitenthema des ersten Satzes seiner Sonate:
„Wie Melodien zieht es Mir leise durch den Sinn, Wie Frühlingsblumen blüht es Und schwebt wie Duft dahin.“
Aufbau 1. Satz: Allegro amabile Der 1. Satz ist ein Allegro amabile, d. h. liebenswürdig. Die Violinsonate op. 100 von Brahms wird manchmal als seine „Meistersinger“-Sonate bezeichnet, da der erste Takt des Werks sowohl melodisch als auch harmonisch dem „Preislied“ von Walther von Stolzing („Morgenlich leuchtend im rosigen Schein“) im dritten Akt von Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ ähnelt. Brahms war ein großer Bewunderer Wagners. „Als Richard Wagner starb“, schrieb Brahms an einen Freund, „war mein erster Impuls, einen schönen Kranz nach Bayreuth an sein Grab zu schicken.“Classical TV 24. November 2011 (abgerufen am 12. Juli 2026)
2. Satz: Andante tranquillo – Vivace – Andante – Vivace di più – Andante – Vivace Der 2. Satz beginnt mit einem ruhigen Andante tranquillo, gefolgt von einem lebhaften Vivace. Es folgt wieder ein Andante, gefolgt von einem schnellen Mittelteil, einem Vivace di più. Anschließend folgt wieder ein Andante, danach noch einmal ein Vivace. Dieser Satz enthält eine strikte Grenze zwischen beiden Tempi.
3. Satz: Allegretto grazioso (quasi Andante) Der 3. Satz ist ein graziöses und elegantes Allegretto grazioso (quasi Andante). Er ist ungewöhnlich für ein romantisches Stück, da er die üblichen Leidenschaften und Eigenschaften romantischer Stücke vermeidet. Der 3. Satz ist in Rondo-Form und beginnt mit einem Legato. In der Mitte des Satzes erfolgt ein emotionaler Ausbruch, bevor er wieder ruhig wird. Am Schluss kommt das Thema noch einmal, bevor der Satz triumphal endet.
Siehe auch Liste der musikalischen Vortragsbezeichnungen
Weblinks
Johannes Brahms: «Thuner Sonate», Violinsonate A-Dur, op. 100 im Online-Kammermusikführer der Villa Musica, abgerufen am 1. März 2019 Joseph Viktor Widmann: Johannes Brahms in Erinnerungen. Paetel, Berlin 1898, ; zur Entstehung der Sonate siehe Kapitel Die drei Sommer in Thun, S. 53–55 (); Gedicht Thunersonate von Johannes Brahms, S. 175–178 () Walter Niemann: Die «Thuner Sonate». In: Brahms. Schuster & Loeffler, Berlin 1920 (Kapitel Brahms’ Schaffen. Die Instrumentalmusik), S. 217–219 Wolfgang Alexander Thomas-San-Galli: Zur Entstehung der Sonate in Erinnerungen von Zeitzeugen. In: Johannes Brahms. Mit vielen Abbildungen, Notenbeispielen und Faksimiles. Piper, München 1922, S. 237–239, (Kapitel Die neue Kammermusikperiode) Zur Brahms-Feier in Thun am 6. und 7. Mai 1922. In: Die Berner Woche in Wort und Bild. Heft 18/1922, doi:10.5169/seals-637520#261, S. 236 M. Lüthi: Brahms und seine Thuner Zeit. In: Schweizerische Lehrerinnen-Zeitung. Heft 16, 20. Mai 1956, doi:10.5169/seals-316519#537, S. 244–248 Joseph DuBose, Kobi Malkin: Johannes Brahms: Violin sonata No. 2 in A Major, Op. 100 (englisch) auf classicalconnect.com, abgerufen am 1. März 2019
Einzelnachweise
Kategorie:Sonate Kategorie:Musik für Violine Kategorie:Musik 1886 Kategorie:Werk von Johannes Brahms