mini|Wanderer in der Leventina Der Tourismus ist in der Schweiz ein wichtiger Wirtschaftszweig. Als Destination wird dieser durch die Alpen, die grosse Schönheit vieler Landesteile, der guten Infrastruktur und der zentralen Lage in Europa begünstigt. Eine noch vor 200 Jahren als feindselige und schwer zugänglich erscheinende Natur und Landschaft bildet heute die Grundlage des Schweizer Tourismus. Jedoch trägt dieser auch zum Biodiversitätsverlust in der Schweiz bei und verursacht laut einem Bericht des Bundesamtes für Raumentwicklung rund ein Viertel des Personenverkehrs in der Schweiz.

Im Travel and Tourism Competitiveness Report 2017 des World Economic Forum belegt das Land Platz 10 von 136 Ländern, als einzige Schwäche gilt das hohe Preisniveau der Schweiz.

Wirtschaftliche Bedeutung Wirtschaftsleistung und Wertschöpfung + Herkunft der Touristen in der Schweiz (2025) Herkunft Anteil 48,1 % 8,8 % 8,4 % 4,0 % 3,5 % 2,1 % 1,8 % 1,7 % 1,5 % 1,2 % 1,2 % Der Umsatz der Branche betrug 2013 knapp 35 Milliarden Franken,Die Schweiz schöpft viel Wert aus dem Tourismus. Seite mit aktuellen Daten des Schweizer Tourismus-Verbands (swisstourfed.ch); mit weiterführenden Links zu wirtschaftsstatistischem Materialien. wobei der klassische Tourismus – Beherbergung und Verpflegung in Gaststätten und Hotels (Gastronomie und Hotellerie) – zwei Drittel des Umsatzes generiert.

Gäste aus dem Ausland haben im Jahr 2011 15,6 Milliarden Franken in der Schweiz ausgegeben. Mit 5,2 % der gesamten Exporteinnahmen im Jahr 2011 ist der Tourismus damit die viertgrösse Exporteinnahmequelle der Schweiz, direkt hinter der chemischen Industrie, der Metall- und Maschinenindustrie sowie der Uhrenindustrie. Seit Jahren weist die Fremdenverkehrsbilanz zudem einen aktiven Saldo aus (2011 z. B. 3,2 Milliarden Franken), das heisst, die ausländischen Reisenden in der Schweiz geben mehr aus als Schweizer Reisende im Ausland. auf: www.bfs.admin.ch 2016 schrieben 65,4 % aller Gastbetriebe Verlust; und auch die Tourismusbilanz war erstmals seit langem negativ mit 300 Mio. Schweizerfranken. 2017 betrug das Defizit noch 122 Millionen Franken.Peter Grunder: Gute Zahlen, schlechte Lage, GastroJournal, Zürich 26. Juli 2018, S. 8

Insgesamt ist der Tourismus in seiner Bedeutung zur Zeit abnehmend, 2012 betrug der direkte Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) nurmehr 2,6 % (bei etwa 200'000 Beschäftigten), in der Gesamtwertschöpfung mit Folgewirkung bei etwa um 8 %.Schweiz - Anteil des Reise- und Tourismussektors am BIP - Gesamter Beitrag des Reise- & Tourismussektors am BIP - % Anteil. knoema.de: weltdatenatlas (abgerufen am 20. Juni 2015). Der Beschäftigtenanteil sank von 5,7 % in 2003 (Hotels und Restaurants) auf 4,4 % in 2012. Gerade für die strukturschwächeren Alpenkantone ist Fremdenverkehr aber noch immer von zentraler Bedeutung.Gerhard Lob: Im Tessin werden knapp 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts durch den Tourismus erwirtschaftet. Diese Wertschöpfung liegt über dem Schweizer Mittel, aber unter dem Bündner und Walliser Vergleichswert. In: Tessiner Zeitung. 20. Februar 2015, S. 3. Prognosen sehen den Sektor mittelfristig wieder steigend.

Beherbergungen 2024 wurde mit 42,8 Millionen Hotelübernachtungen ein neuer Höchststand verzeichnet. Der bisherige Rekord aus dem Vorjahr lag bei 41,8 Millionen Logiernächten. Der vorherige Rekord aus dem Jahr 2019 lag bei 39,6 Millionen Logiernächten. 2020 sind die Logiernächte coronabedingt um 40,0 % auf 23,7 Millionen gesunken. Dies ist der tiefste Wert seit Ende der 1950er-Jahre. 2021 wurden 29,6 Millionen Logiernächte verzeichnet und 2022 38,2 Millionen. Zu den beliebtesten Urlaubszielen zählen unter anderem die Orte Zürich, Genf, Zermatt, Luzern, Basel, Davos, Lausanne, St. Moritz, Bern, Interlaken, Lugano und Grindelwald. 2012 wurden 34,8 Millionen Hotelübernachtungen in 4'742 Betrieben verzeichnet. Es standen 246'951 Gästebetten zur Verfügung. Die Hotelübernachtungen gingen 2012 um 2 % gegenüber 2011 zurück. Die inländische Nachfrage lag bei 15,7 Millionen Logiernächten. Die ausländischen Gäste generierten 19,1 Millionen Logiernächte, was einem Rückgang von 3,3 % entspricht. Die grösste ausländische Nachfrage verbuchten die deutschen Gäste mit 4,6 Millionen Logiernächten (−11 % gegenüber 2011). Es folgen das Vereinigte Königreich mit 1,5 Millionen Logiernächten (−9,1 %) und die Vereinigten Staaten mit ebenfalls 1,5 Millionen Einheiten (+2,2 %). 3,3 Millionen Logiernächte wurden von Gästen aus Asien, besonders aus China, Japan und Indien, generiert. Zwischen 2008 und 2012 stieg die Hotellerienachfrage der Besucher aus Asien und den arabischen Ländern stark an. Arabische Touristen geben durchschnittlich 410 Euro am Tag aus, Chinesen 290 Euro, Deutsche 120 Euro.

+ Logiernächte und Ankünfte nach Kanton (2025)Bundesamt für Statistik (BFS): vom 19. August 2026 Kanton/Region Logiernächte Ankünfte 6'944'112 4'015'137 6'316'388 3'175'532 5'679'939 2'210'435 4'532'842 2'058'999 3'851'477 1'996'533 3'114'208 1'623'866 2'511'517 1'353'665 2'510'079 1'218'930 1'686'289 907'235 1'103'557 557'334

Geschichte Eine der ersten Reiseberichte über Land und Leute publizierte 1611 Thomas Coryat in seinem Buch Coryat’s Crudities: Hastily gobled up in Five Moneths Travels in France, Savoy, Italy, Rhetia commonly called the Grisons country, Helvetia alias Switzerland, some parts of high Germany and the Netherlands. Coryat hatte 1608 zu Fuss während zehn Tagen die Schweiz bereist und dabei Chur, Walenstadt, Zürich, Baden, Rheinfelden und Basel besucht. Er beschrieb besonders auch die Lebensweise der Bewohner.Sarah Rindlisbacher Thomi: Eine Reise durch die Schweiz im Jahr 1608 Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 7. Februar 2022

Anfänge im 19. Jahrhundert mini|«Die Gotthardpost»; Gemälde von Rudolf Koller, 1873 mini|Hotel Badrutt’s Palace mini|Pilatusbahn, um 1910 mini|Funi-Schlitten in Braunwald (GL), um 1940 Die Geschichte des Schweizer Tourismus beginnt gegen Ende des 18. Jahrhunderts und ist eng mit der Entdeckung und Erschliessung der Alpen verbunden. Zu dieser Zeit war es für Söhne des englischen Adels üblich, sich auf der sogenannten Grand Tour durch Europa weiterzubilden. Die Reisen führten auch durch die Schweiz. Dadurch wuchs die Bekanntheit und Beliebtheit der Alpen und der Schweiz. Die Erzählungen von Johann Wolfgang von Goethe, der nach seiner Schweizreise Friedrich Schiller zu seinem Wilhelm Tell inspirierte, trugen ihr Übriges dazu bei. Ab Ende des 18. Jahrhunderts war es üblich, den Tourismus mit der Alpenbegeisterung gleichzusetzen. Die Reiselust blieb indes vorerst einer kleinen, aber wohlhabenden Elite vorbehalten. Die Verkehrswege waren zu dieser Zeit noch unsicher und beschwerlich, und Hotels noch unbekannt. Die Revolutionswirren während der napoleonischen Kriege erschwerten ausgedehnte Reisen.

Ab dem späten 18. Jahrhundert entwickelte sich der Lago Maggiore mit seinen Ufern und Inseln zu einer bedeutenden Touristenregion. 1826 erfolgte die Einführung der Dampfschifffahrt. 1835 wurde mit der Bellevue das erste Dampfschiff auf dem Thunersee für Touristen in Betrieb genommen.Reto Bleuer: Schöne Aussichten am Thunersee. Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 8. August 2023 Durch die aufkommende Eisenbahn (→ Geschichte der Schweizer Eisenbahn) und den Ausbau des Strassennetzes, insbesondere auch der Alpenpässe (→ Liste der Pässe in der Schweiz), wurden die Reisen vom Ausland zu den Schweizer Alpen bedeutend einfacher. Mit der Lancierung von Pauschalreisen durch die Schweiz leistete Thomas Cook 1863 Pionierarbeit für den Schweizer Tourismus. Zahlreiche Hotels wurden in dieser Zeit in der Schweiz eröffnet, so 1834 das Hôtel des Bergues in Genf, 1835 das Hotel Schwanen in Luzern, 1838 das Baur en Ville in Zürich, 1842 das Hotel Drei Könige in Basel, 1859 der Schweizerhof in Bern und 1865 das Euler in Basel.

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren Hotelpioniere zu finden, die in Städten und an wenigen touristischen Standorten ihre Hotels zum Blühen brachten. Nebst diesen stechen diejenigen hervor, die ihre Gasthäuser in Hochtälern errichteten, als diese Standorte verkehrsmässig noch nicht erschlossen waren. Ein solcher Pionier mit Visionen war etwa Alexander Seiler in Zermatt. Mit seinen Investitionen in die Transitstation Gletsch ist Seiler ein Beispiel für jene Hotelpioniere, die das touristische Potenzial der verkehrstechnischen Entwicklung eines Standorts erkannten. Funktionierten die früheren Gaststätten noch als Absteigequartier, das man auf einer Durchreise aufsuchte, wollten die moderneren Hoteliers nicht primär Reisende anziehen, sondern Touristen für ihren Ferienaufenthalt im Hotel gewinnen.

St. Moritz im Engadin war im Vergleich zu Interlaken oder Luzern abgelegen und nur schwerer erreichbar. Um für sein 1856 erbautes «Engadiner Kulm» auch im Winter Gäste zu gewinnen, schloss der Hotelier Johannes Badrutt im Herbst 1864 mit sechs englischen Gästen eine Wette ab: Er lud sie ein, Weihnachten in seinem Hotel zu verbringen und versprach, dass sie bei Sonnenschein hemdsärmelig auf seiner Terrasse sitzen könnten. Sollte er Unrecht haben, würde er zusätzlich die Reisekosten von London nach St. Moritz übernehmen. Die Engländer kamen, sonnten sich und kehrten erst an Ostern in die Heimat zurück. Die Mundpropaganda lockte weitere Touristen an. Der Wintertourismus war lanciert. Im Jahr 1879 brannte im Speisesaal des St. Moritz Kulms die erste Glühbirne der Schweiz.Der Hotelpionier, der Licht nach St. Moritz brachte In: Zeitblende von Schweizer Radio und Fernsehen vom 29. Juni 2019 (Audio)

Wegen der heilenden Wirkung des Hochgebirgsklimas wurde 1841 in Davos eine Anstalt für halsdrüsenerkrankte und schwindsüchtige Kinder eröffnet, und ab 1853 galt das Heilklima in Davos als sicheres Mittel gegen die Tuberkulose. In der Folge wurde eine Vielzahl von Sanatorien in den Schweizer Bergdörfern errichtet, die sich nun als Luftkurorte bewarben.

Aufkommender Alpinismus Wagemutige Alpinisten begannen ab 1800, das Schweizer Hochgebirge zu bezwingen. Nach der Erstbesteigung der Jungfrau folgten viele weitere Erstbesteigungen. Ein dramatischer und tragischer Höhepunkt war 1865 die Erstbesteigung des Matterhorns durch den Briten Edward Whymper. Die durch wohlhabende britische Bergsteiger geprägten Jahre zwischen 1854 und 1865 werden als die «goldenen Jahre des Alpinismus» bezeichnet. 1863 wurde der Schweizer Alpen-Club (SAC) gegründet.

Belle Époque Der 1882 eröffnete Gotthardeisenbahntunnel verkürzte die Reisezeiten vom ganzen Kontinent her bis hinauf zu den Gipfeln weiter. In der Folge wurden zwischen 1888 und 1914 40 Seil- und 13 Zahnradbahnen errichtet, so z. B. die Pilatusbahn, die Gornergratbahn und die Jungfraubahn. Die Hotelzahl, insbesondere auch der Grandhotels, verdoppelte sich von ca. 1700 auf über 3500 und Orte wie Luzern, Montreux, Interlaken, Zermatt und St. Moritz entwickelten sich zu weltberühmten Reisezielen. In dieser Zeit, der sogenannten Belle Époque, erlebte der Schweizer Tourismus einen ersten Höhepunkt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte der Glanzzeit ein jähes Ende.

Ab dem 19. Jahrhundert entstanden besonders in Davos und in Leysin zahlreiche für Tuberkulose spezialisierten Höhenkliniken. An Tuberkulose erkrankte Personen aus ganz Europa fuhren für Wochen oder Monate in die Schweizer Berge zur Heilung. Der deutsche Schriftsteller Thomas Mann schuf mit seinem Roman „Der Zauberberg“ ein literarisches Denkmal für Davos.Katrin Brunner: Ab in die Schweiz! Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 14. Dezember 2022

20. Jahrhundert Besonders nach 1909 wurde die sogenannte Rigikrankheit vermehrt ein Thema, ein Brechdurchfall, ausgelöst durch Coli-Bakterien in der Trinkwasserfassung. Teilweise erkrankten auf der Rigi bis zu 50 Prozent der Gäste.Adi Kälin: Der Streit um die Rigikrankheit. Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 22. Oktober 2024