Katharine Teresa Gun (eigentlich Gün, * 1974 als Katharine Teresa Harwood in Taiwan) ist eine ehemalige Übersetzerin im Dienst des britischen Government Communications Headquarters (GCHQ). Im Jahr 2003 trat sie als Whistleblowerin mit streng geheimen Unterlagen zu illegalen Aktivitäten während des Irakkrieges (auch Dritter Golfkrieg oder Zweiter Irakkrieg) im selben Jahr an die Öffentlichkeit. Die Dokumente beweisen, dass der US-Geheimdienst NSA mittels illegaler Abhöraktionen Informationen sammelte, um sechs stimmberechtigte Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen zu erpressen, damit diese dem illegalen Angriffskrieg der USA gegen den Irak zustimmen. Ziele waren Angola, Kamerun, Chile, Bulgarien, Guinea und Pakistan.Der Spiegel Katharine Gun und der Irak-Krieg - die Whistleblowerin, Christoph Gunkel 28.10.2019, 15.28 UhrDie Welt Die Rückkehr der Unbestechlichen, Hanns-Georg Rodek 25.11.2019 Die bereits umstrittene Begründung des Irakkriegs wurde noch weiter erschüttert. Der Krieg wurde trotzdem begonnen.

Das von der britischen Justiz gegen Gun angestrengte Gerichtsverfahren wegen Verstoßes gegen den Official Secrets Act 1989 wurde am 25. Februar 2004 nach einer nur halbstündigen Verhandlung eingestellt, weil die Anklagebehörde keinerlei Beweismaterial vorlegte.

Für ihre Enthüllung wurde Gun im Jahr 2003 mit dem Whistleblowerpreis Sam Adams Award ausgezeichnet.

Leben Gun wurde als Kind britischer Eltern in Taiwan geboren, wo sie auch einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte. Später studierte sie an der University of Durham in England Japanisch und Chinesisch und begann nach ihrem Studium für das GCHQ als Übersetzerin zu arbeiten.Oliver Burkeman, Richard Norton-Taylor: The spy who wouldn't keep a secret. In: The Guardian. 26. Februar 2004.

Einige Jahre vor 2019 zog Gun mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter in die Türkei.

Whistleblowerin Am 31. Januar 2003 erhielt sie eine E-Mail vom NSA-Angestellten Frank Koza, dem Chief of Staff für „regionale Ziele“,Katharine Gun: Ten years on what happened to the woman who revealed dirty tricks on the UN Iraq war vote? In: The Guardian. 3. März 2013, abgerufen am 8. Februar 2014. in der das GCHQ um Amtshilfe bei der Übersetzung von Material aus der Überwachung und dem Abhören der Büros der Vereinten Nationen gebeten wurde, die durch das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen von 1961, einem völkerrechtlichen Vertrag, als illegal deklariert ist. Der Befehl zur Sammlung und Auswertung lautete:

Betroffen waren die Staaten Angola, Bulgarien, Kamerun, Chile, Guinea und Pakistan, die zu diesem Zeitpunkt Stimmrecht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatten, von dem die Vereinigten Staaten den Angriffskrieg gegen den Irak legitimieren lassen wollten. Gun leitete den betreffenden Text an die Zeitung The Observer weiter.Revealed: US dirty tricks to win vote on Iraq war. In: The Observer. 2. März 2003, abgerufen am 23. August 2020. Bei der Erstveröffentlichung kam es zu einem Fauxpas seitens des Korrektorats: Die ursprünglich in amerikanischem Englisch verfasste E-Mail wurde ins britische Englisch übertragen und abgedruckt (beispielsweise favourable statt favorable oder emphasise statt emphasize). Später wurde dies korrigiert.US plan to bug Security Council: the text. In: The Observer. 2. März 2003, abgerufen am 23. August 2020. Tage nach der Veröffentlichung im März wurde Gun verhaftet. In einer Botschaft an die Öffentlichkeit rechtfertigte sie die Veröffentlichung:

Sie erhielt breite öffentliche Unterstützung durch einzelne Personen wie Whistleblower Daniel Ellsberg, Bürgerrechtler Jesse Jackson, Schauspieler Sean Penn sowie von Organisationen wie dem Institute for Public Accuracy und dem National Council for Civil Liberties.US stars hail Iraq war whistleblower. In: The Guardian. 18. Januar 2004, abgerufen am 8. Februar 2014.

Anklage und Prozess Die Anklage wegen Verstoßes gegen den ersten Absatz des Official Secrets Act 1989 erfolgte am 13. November 2003, die Eröffnung des Verfahrens am 25. Februar 2004. Gun plädierte auf „nicht schuldig“ und bekannte sich weiter öffentlich zu ihren Taten:

Eine halbe Stunde nach Eröffnung wurde das Verfahren eingestellt, da die Anklagebehörde unter Lord Goldsmith keinerlei Beweise zu ihrer Position vorbrachte. Die Gründe hierfür sind unbekannt; gemeinhin wurde vermutet, dass ein im Sinne des GCHQ erfolgreich geführter Prozess die Veröffentlichung von weiteren geheimen Dokumenten oder politische Exposition mit sich gebracht hätte – zumal die Bevölkerung ohnehin kritisch gegenüber dem Irakkrieg eingestellt und eine Verurteilung durch eine Jury also unwahrscheinlich war.Katharine Gun. BBC, 26. Februar 2004, abgerufen am 8. Februar 2014.

Nachspiel und Auswirkungen Direkt gestärkt wurde besonders die Haltung von Diplomaten und Politikern aus Chile und Mexiko, die USA „arbeiteten regelmäßig mit schmutzigen Tricks“.

Veröffentlichung von Gun im Jahr 2006 Im Jahr 2006 veröffentlichte Gun den Text Iran: Time to Leak, in dem sie dazu auffordert, weiterhin geheime Dokumente zu Aktivitäten von öffentlichem Interesse zu veröffentlichen.

Interview von Gun im Jahr 2013 Im Jahr 2013 sagte Gun in einem Interview über ihr Whistleblowing:

Gun im Jahr 2019: Medien tragen eine gewisse Mitschuld Der Deutschlandfunk schreibt am 14. November 2019 u. a.:

Anders als zum Beispiel Edward Snowden in den USA drohen Katharine Gun in ihrer Heimat aber keine juristischen Konsequenzen mehr. Es fällt ihr schwer nachzuvollziehen, warum Medien Whistleblower immer wieder mit unterschiedlichem Maß beurteilen.

„Warum werden einige als Whistleblower dargestellt und andere als Verräter? Zu einem gewissen Grad tragen die Medien die Mitschuld daran, dass die Reputation einiger Menschen beschädigt wurde.“

Auszeichnung/Preis 2003: Sam Adams Award

Verfilmung Im Januar 2019 feierte die Verfilmung von Guns Aktivitäten unter dem Namen Official Secrets im Rahmen des Sundance Film Festivals ihre Premiere. In der Hauptrolle ist Keira Knightley zu sehen und die Regie führt Gavin Hood. Die Verfilmung ist an das 2008 veröffentlichte Buch The Spy Who Tried to Stop a War: Katharine Gun and the Secret Plot to Sanction the Iraq Invasion von Marcia Mitchell angelehnt.

Literatur Marcia Mitchell: The Spy Who Tried to Stop a War: Katharine Gun and the Secret Plot to Sanction the Iraq Invasion, Polipoint Press, 2008, ISBN 978-0-9815769-1-6.

Weblinks Katharine Gun: Time to Leak. WikiLeaks, 2006, abgerufen am 8. Februar 2014. International War Whistleblowers Tell Why They Exposed Their Governments. Interview in: Democracy Now, 9. September 2004, abgerufen am 8. Februar 2014. 15 Years Later: How U.K. Whistleblower Katharine Gun Risked Everything to Leak a Damning Iraq War Memo. In: Democracy Now. 19. Juli 2019.

Einzelnachweise Pamela McClintock: Harrison Ford, Anthony Hopkins to Star in 'Official Secrets'. In: hollywoodreporter.com, 28. Januar 2016, abgerufen am 31. Januar 2016.

Kategorie:Nachrichtendienstliche Person (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Whistleblower Kategorie:Person im Irakkrieg Kategorie:Übersetzer aus dem Chinesischen Kategorie:Übersetzer ins Englische Kategorie:Person (Türkei) Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1974 Kategorie:Frau