Lübz ist eine an der Müritz-Elde-Wasserstraße gelegene Kleinstadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist Sitz des Amtes Eldenburg Lübz. Der Ort ist ein Grundzentrum.Regionales Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015
Lage Die Stadt liegt in den Niederungen beidseits der Müritz-Elde-Wasserstraße. Während es im Stadtgebiet selbst keine größeren Seen gibt, grenzt es im Norden an den Passower See. Die im Osten des Stadtgebietes befindlichen Höhen liegen etwa vierzig Meter über der Stadt bei . Hier befindet sich auch das Waldgebiet Bobziner Tannen östlich von Riederfelde. Östlich von Lübz liegt das bewaldete Naturschutzgebiet Im neuen Teich und im Norden das Naturschutzgebiet Alte Elde bei Kuppentin.
Lübz liegt etwa 15 Kilometer östlich von Parchim und zirka 15 Kilometer westlich von Plau am See.
Stadtgliederung mini|Luftaufnahme 2025 mini|Die Elde in Lübz (Blick von der Weinbrücke) Zu Lübz gehören folgende Ortsteile:§ 2 der
Bobzin Broock Burow Gischow Hof Gischow Lutheran Riederfelde Ruthen Wessentin
Geschichte mini|Amtsturm und Museum in der Altstadt Name 1224 hieß der Ort Lubicz. Der Name veränderte sich in Louize (1274), Lubicz (1317), Lubitze (1328) und Lubisse (1377), danach verkürzt Lubcze (1322) und Luptz (1342) und im 16. Jahrhundert dann Lübz. Der altpolabische Name der Stadt leitet sich vom Personennamen Lubec (Ort des Lubec), dem slawischen Ortsgründer, ab. Da L'uby „geliebt“ heißt, bedeutet Lübz „geliebte Stadt“.Ernst Eichler, Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1 Die etymologische Herkunft des Ortsnamens ist damit ähnlich wie bei Lübeck.
Mittelalter Im Jahr 1224 wurde Lübz erstmals urkundlich erwähnt. Fünf Jahre später fällt die „Landschaft Ture“, also die Region um das heutige Lübz, bei der ersten mecklenburgischen Hauptlandesteilung an die Herrschaft Parchim-Richenberg. Nach der Entmachtung von Pribislaw I. und der Aufteilung der Herrschaft gelangte Nikolaus I. von Werle in den Besitz der Region. Mit Beginn des Norddeutschen Markgrafenkrieges im Jahr 1308 wurde die Region von den brandenburgischen Markgrafen besetzt. Die brandenburgischen Markgrafen Otto IV. mit dem Pfeil (Stendaler Linie) und Hermann der Lange (Salzwedeler Linie), Sohn Ottos V. des Langen, bauten bei der Siedlung Lübz die Eldenburg. In der lübischen Detmar-Chronik heißt es dazu: Des sulven jares weren de marcgreven wol mit ver dusent groten rossen unde mit vele anderen volke in deme lande to wenden unde bueden dat vaste hus de eldeneborch, dat oc lubyze is gheheten.... Währenddessen starb Hermann. Die Brandenburger mussten die Eldenburg Ende des Krieges wieder räumen. Seit 1328 gehört Lübz zum Fürstentum Mecklenburg, dies wurde 1348 von Kaiser Karl IV. bestätigt. 1352 wurde der Ort bei der Landesteilung Mecklenburg-Stargard zugeschlagen.Daniel Zander: Stoff zur Landeskunde von Mecklenburg-Strelitz, Bd. 1: Grenze, Bodeninhalt, Kulturpflanzen, Verkehrsstraßen und Geschichte des Herzogtums. Barnewitz, Neustrelitz 1889, S. 31. Bereits 1471 starb die Linie aus, und die Stadt kam zum Herzogtum Mecklenburg. Nach 1456 erhielt Lübz das Stadtrecht. Lübz wurde eine Landstadt in Mecklenburg und war bis 1918 als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten.
16. bis 19. Jahrhundert mini|150px|Grossherzogliche Siegelmarke Die Eldenburg wurde im 16. Jahrhundert zum Schloss umgebaut und bis 1634 als ein Witwensitz der herzoglichen Familie genutzt. Hier lebte u. a. Herzogin Sophie, die mit den Bürgern gegen Wallenstein Widerstand geleistet hatte. 1633 stiftete sie das später nach ihr benannte Sophienstift als Wohnstift für Witwen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Lübz 1637 von kaiserlichen Truppen geplündert. Die Stadt wurde immer wieder von Bränden heimgesucht.
Das leerstehende und verfallene Schloss wurde bis auf den Amtsturm ab 1691 abgerissen. Seit dem 17. Oktober 1976 beherbergt der letzte Turm der einstigen Eldenburg das Stadtmuseum.Die offizielle Website der Stadt charakterisiert den Amtsturm als einen der am besten erhaltenen Wehrtürme in Deutschland. Die neueste Ausgabe des Handbuchs der deutschen Kunstdenkmäler (Dehio) für Mecklenburg-Vorpommern (ISBN 3-422-03081-6, S. 327f.) weiß nichts von einem solchen Superlativ. Auf den Gewölben des alten Schlosses wurde ab 1759 ein herzogliches Amtshaus errichtet. 1774 erfolgte der Bau einer Brücke und einer Schleuse.
1836 wurde die Elde zum Schifffahrtsweg ausgebaut, und 1846 entstand die Fangschleuse. In diese Zeit fällt ebenfalls der Bau der Chausseen nach Parchim (1845–1847), Plau (1853–1854) und Goldberg (1860–1862). Von 1858 bis 1890 war der aus Güstrow stammende Ludwig Simonis Bürgermeister der Stadt, in dessen Amtszeit sich in Mecklenburg-Schwerin der Zuzug der Landbevölkerung in die wenigen Städte des Landes verstärkteHanna Haack: Siedlung und Bevölkerung in Mecklenburg-Schwerin zwischen 1819 und 1933. In: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 1984/I, S. 133–156 (bes. S. 150–152). und Lübz sich zu einer kleinen Industriestadt entwickelte. 1877 entstand die Brauerei. 1883 wurde ein Krankenhaus gebaut. Einen Bahnanschluss erhielt die Stadt 1885, im Jahr 1889 dann eine Molkerei und 1894 die Zuckerfabrik. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen noch ein Elektrizitätswerk (1904) und ein Wasserwerk (1913) dazu.
Neuere Geschichte Russischer Wegweiser nach Plau und Parchim an der Post (2015)|mini 1911 wurde die Freiwillige Feuerwehr Lübz gegründet. Sie besteht noch heute. Das einstige Großherzogliche Amt (ab 1815), seit 1919 Amt Lübz-Marnitz, wurde 1925 aufgelöst und in das Gebiet des Amtes Parchim einbezogen. 1934 wurde der Hafen gebaut. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 52 Frauen aus der Sowjetunion bei der Verlegung von Bahngleisen sowie weitere Zwangsarbeiter in den Heinkel-Flugzeugwerken Zwangsarbeit verrichten. Geplant war gegen Ende des Krieges auch der Aufbau eines KZ-Außenlagers, wofür bereits erste Baracken am Neuen Teich errichtet wurden. Ein Erinnerungszeichen an diese Lager gibt es nicht.
Zum Kriegsende galt die Stadt für die Alliierten als Nadelöhr, verwinkelt und voll von Panzern und Geschützen. Die verbliebenen deutschen Soldaten waren noch kampffähig. Am 2. Mai 1945 kamen ca. 90 Soldaten der US-Armee nach Lübz. Letztere waren Teil einer Aufklärungseinheit unter der Führung des Oberleutnants (1st Lt.) und späteren US-Generals William A. Knowlton, die Kontakt zu den sowjetischen Verbänden aufnehmen sollte.William A. Knowlton: Your mission is to contact the Russians. In: US-Journal "The Readers Digest" 47(1945)280, S. 116–128. Dabei erfolgten in der Stadt aber keine Gefechtshandlungen mehr. Es kam unmittelbar zur Besatzung durch die Rote Armee. Dies war unter anderem auch der besonnenen Unterstützung des deutschen Offizieranwärters Gerhard Gerik zu verdanken. Schließlich folgte in Lübz eine Siegesfeier von Amerikanern und Rotarmisten.
mini|„Alaska“ Das Gebäude der früheren Kreissparkasse (früher Rathaus, bis 2019 Lebensmittelmarkt) war Sitz der sowjetischen Kommandantur. Bürgermeister war 1945 Paul Koch, ihm folgte bis 1950 Paul Graepp. Ende 1945 begann die erste Bodenreform in der SBZ. 23 Neubauern wurden auf der Gemarkung des Bauhofes angesiedelt. 1952 wurde dann die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gegründet. 1960 wurde ein Milchzuckerwerk (Molkerei, Käserei), 1964 das Gemüsekombinat, 1968 der VEB Getreidewirtschaft errichtet, 1972 das Agrochemische Zentrum (ACZ) und 1984 die Mineralwollewerke (nach 1990 zu ISOVER gehörend) gegründet. In den 1960er Jahren wurde ein Neubaugebiet mit Filmtheater und Schule in Plattenbauweise errichtet. Mitte der 1980er wurde am Fuchsberg ein weiteres Wohnbaugebiet („Alaska“) fertiggestellt.
Innenstadt und Amtshaus wurden im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 grundhaft erneuert (Brücken, Freiraum Burghügel, Markt). Die Molkerei stellte 1990, die Zuckerfabrik 1992 ihren Betrieb ein. Das Krankenhaus wurde am 30. September 1995 geschlossenSVZ Im Artikel steht fälschlicherweise „Das Erdgeschoss ist das Urgebäude der 1883 gebauten Klinik“. Vom Originalbau ist nach mehreren Umbauten jedoch nichts mehr erhalten.. 2021 wurde die Ruine abgetragen.
Von 1952 bis 1994 war Lübz Kreisstadt des Kreises Lübz (bis 1990 im Bezirk Schwerin, danach im Land Mecklenburg-Vorpommern). In der Kreisreform Mecklenburg-Vorpommern 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Parchim eingegliedert. Seit der Kreisgebietsreform Mecklenburg-Vorpommern 2011 liegt sie im Landkreis Ludwigslust-Parchim.
Eingemeindungen Ruthen zum 1. Januar 1966 Bobzin und Riederfelde 1978 Broock mit Broock und Wessentin zum 1. Januar 2009StBA: Gebietsänderungen am 01.01.2009 Lutheran zum 25. Mai 2014Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Gebietsänderungen Gischow mit Gischow und Burow zum 26. Mai 2019Bekanntmachung des Ministeriums für Inneres und Europa vom 16. Januar 2019, AmtsBl. M-V, S. 254.
Bevölkerung
Jahr Einwohner 1890 2681 1905 3396 1925 3808 Jahr Einwohner 1990 7869 1995 7188 2000 6786 2005 6201 2010 6152 2015 6281 Jahr Einwohner 2020 6204 2021 6167 2022 5936 2023 5902 2024 5892
ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden., ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Lübz besteht aus 19 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 42,2 % 9 41,7 % 8 AfD – – 22,8 % 4 Die Linke 33,4 % 7 17,3 % 3 SPD 14,3 % 3 10,6 % 2 Wir Leben Demokratie (WLD) – – 4,0 % 1 Einzelbewerber Jens Kühl – – 3,5 % 1 Wählergemeinschaft Gischow-Burow 5,8 % 1 – – Wählergemeinschaft Broock/Wessentin 4,4 % 1 – – Insgesamt 100 % 21 100 % 19
Bürgermeister 1991–2019: Gudrun Stein (CDU)Bürgermeister von Lübz auf luebz-online.de seit 2019: Astrid Becker (Die Linke)
Becker wurde als gemeinsame Kandidatin der Linken und der SPD in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 52,8 Prozent der gültigen Stimmen für eine Amtsdauer von sieben Jahren gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019
Wappen, Flagge und Dienstsiegel Wappen
Flagge links|200px Beschreibung der Flagge: „Die Flagge der Stadt Lübz ist von Rot, Gold, Rot quergestreift, wobei die roten Streifen je 4/9 der Höhe der Flagge ausmachen, während die Höhe des in der Mitte verlaufenden goldenen Streifens 1/9 der Höhe der Flagge beträgt; in der Mitte des Flaggentuches liegt das zwei Drittel der Höhe des Flaggentuches ausmachende schwarz konturierte Stadtwappen. Die Länge des Flaggentuches verhält sich zur Höhe wie 5 zu 3.“§ 1 der
Die Flagge wurde gestaltet vom Heraldiker Karl-Heinz Steinbruch und angenommen von der Stadtvertretung der Stadt Lübz am 13. Oktober 2021. Nach Genehmigung durch den Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern hat die Stadtvertretung der Stadt Lübz die Flagge auf ihrer Sitzung am 26. Oktober 2022 in die Hauptsatzung aufgenommen.
Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Stadt mit der Umschrift .
Städtepartnerschaften Lübz unterhält Städtepartnerschaften zu Halstenbek in Schleswig-Holstein, Hartkirchen in Österreich und Oyama in Japan. Zudem bestehen freundschaftliche Beziehungen zu Valga in Estland.
Sehenswürdigkeiten
mini|hochkant|Amtsturm mini|hochkant|Waschhaussteg mini|hochkant|Marktplatz mini|hochkant|Brunnen „Schirmkinder“ (von Christian Genschow) und Amtsturm