Die Bundesbahndirektion Mainz war ein Verwaltungsbezirk der Deutschen Bundesbahn mit Sitz in Mainz. Unter anderen Bezeichnungen übte sie die gleiche Funktion unter anderem für die Deutsche Reichsbahn und zuvor seit 1897 für die Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft aus. Sie wurde 1972 aufgelöst.
mini|Erstes Direktionsgebäude (ehemalige Direktion der Hessischen Ludwigsbahn) mini|Erweiterungsbau von 1938
Geschichte Königlich Preußische und Großherzoglich Hessische Eisenbahndirektion Gründung mini|Eigentümer-Plakette an einer Lokomotive der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Staatseisenbahnen mini|hochkant|Gründungs-Präsident Paul von Breitenbach mini|hochkant|Erstes Direktionsgebäude
Eine Eisenbahndirektion in Mainz war von Seiten Preußens zunächst gar nicht vorgesehen. Dort war zunächst geplant, die zu verstaatlichenden BahnenEs handelte sich im Wesentlichen um die Hessische Ludwigsbahn und Strecken der Großherzoglich Hessischen Staatseisenbahnen. auf die Direktionen Frankfurt, Köln und St. Johann-Saarbrücken zu verteilen. Die Direktion in Mainz war ein Verhandlungserfolg des Großherzogtums Hessen. Ihr wurden allerdings nicht alle verstaatlichten Strecken unterstellt, sondern im Wesentlichen die, die in den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen lagen. Die Strecken in der Provinz Oberhessen fielen an die rein preußische Direktion Frankfurt (Main).Bernhard Hager: David und Goliath. In: Eisenbahn Geschichte 111 (April/Mai 2022), S. 40–49 (48).
Gegründet wurde die Mainzer Direktion zum 1. Februar 1897,Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 1. Februar 1897, Nr. 1. [Bekanntmachung Nr. 1], S. 1. um das Streckennetz der 1897 vereinigten Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft zu verwalten.Artikel 5, Absatz 1, Preußisch-hessischer Staatsvertrag. In: Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 1. März 1897, Nr. 8. Bekanntmachung Nr. 18, S. 29 (32). Als Dienstsitz bezog sie das ehemalige Direktionsgebäude der Hessischen Ludwigsbahn in Mainz aus dem Jahr 1888. Gründungs-Präsident war Paul von Breitenbach.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 1. April 1897, Nr. 26, S. 239; Übersicht über die Besetzung der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion Mainz, des Direktionsbüreaus und der Inspektoren. In: Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter, Jahrgang 1897, S. 179, S. 239. Im Leitungsgremium der Direktion war je ein Sitz für einen hessischen und einen badischen Beamten reserviert.Vgl.: Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 5. Januar 1918, Nr. 1. Personal-Nachrichten.
Zum 1. Februar 1897 übernahm sie die Verwaltung der Strecken der Hessischen Ludwigsbahn, zum 1. April 1897 traten eine Reihe von Strecken aus dem Bestand der Preußischen Staatsbahnen hinzu.Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hrsg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz (Sonderausgabe) vom 30. Januar 1937, Nr. 6, S. 29: Zum 40jährigen Bestehen der Reichsbahndirektion Mainz am 1. Februar 1937. Eine vollständige Auflistung der Strecken findet sich in Bekanntmachung, die Festsetzung des Eisenbahndirektionsbezirks Mainz und die anderweitige Abgrenzung des Eisenbahndirektionsbezirks Frankfurt a. M. betreffend vom 24. März 1897. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 11 vom 31. März 1897, S. 58f. Die Zuständigkeit der Direktion hinsichtlich der ihr zugeordneten Bahnstrecken änderte sich später zum Teil. Das Gebiet der Direktion erstreckte sich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs über die Provinz Rheinhessen und die Provinz Starkenburg des Volksstaats Hessen sowie entlang des Rheins bis unmittelbar südlich von Koblenz, entlang von Nahe und Glan und ab dem 1. April 1937, nach Übernahme des verbliebenen Zuständigkeitsbereichs der Reichsbahndirektion Ludwigshafen, auch über die Pfalz.
Zum Sommerfahrplan 1898, der am 1. Mai in Kraft trat, wurde das System der Zugnummern im Direktionsbezirk neu geordnet,Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter, Jahrgang 1898, Nr. 18 vom 23. April, S. 131, Bekanntmachung Nr. 182. zum Winterfahrplan des gleichen Jahres die 4. Wagenklasse eingeführt.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter, Jahrgang 1898, Nr. 42 vom 17. September 1898, S. 291 ff., Bekanntmachung Nr. 377. Da es dort nur wenige Sitz- und überwiegend Stehplätze gab, kam es in der Folge zu Verspätungen, weil die Reisenden am Zug entlang liefen und nach einem freien Sitzplatz suchten, satt einzusteigen.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter, Jahrgang 1898, Nr. 48 vom 29. Oktober 1898, S. 332, Bekanntmachung Nr. 432. Auch sonst wurde Service reduziert: Das Nachlösen von Fahrkarten im Zug war seit Oktober 1898 nur noch in Ausnahmefällen möglich: Die Reisenden mussten am nächsten Bahnhof aussteigen und sich dort an den Fahrkartenschalter begeben.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter, Jahrgang 1898, Nr. 47 vom 22. Oktober 1898, S. 327, Bekanntmachung Nr. 425. 1898 wurde auch eine Eisenbahnschule zur Ausbildung des höheren Personals gegründet.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter, Jahrgang 1898, Nr. 49 vom 31. Oktober 1898, S. 339 ff., Bekanntmachung Nr. 446. Geleitet wurde sie vom Vorstand des Betriebsbüros, Schullokal war der Konferenzsaal der Eisenbahndirektion; ein „Lehr- und Stundenplan“ wurde aufgestellt und veröffentlicht.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter, Jahrgang 1898, Nr. 49 vom 31. Oktober 1898, S. 341–346. Ebenfalls 1898 erhielt die Direktion eine direkte telegrafische Verbindung mit der Eisenbahnabteilung im preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin.Die Verbindung wurde folgendermaßen hergestellt (in Klammern die jeweiligen Rufzeichen): Ministerium (Emb) – Schlesischer Bahnhof, Berlin (Schl) – Magdeburg – Eisenbahndirektion Frankfurt-Sachsenhausen – Frankfurt (Main) Hauptbahnhof – Eisenbahndirektion Mainz (Wd). Zugleich waren alle Betriebsinspektionen der Direktion mit dieser nun telegrafisch verbunden.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter, Jahrgang 1898, Nr. 55 vom 10. Dezember 1898, S. 400, Bekanntmachung Nr. 491.
Zuständigkeit Die Eisenbahndirektion Mainz war anfangs im Wesentlichen für die nunmehr verstaatlichten Strecken der ehemaligen Hessischen Ludwigsbahn und der ehemaligen Großherzoglich Hessischen Staatseisenbahnen zuständig.
Zum 1. Oktober 1902 wurde die Main-Neckar-Eisenbahn-Gesellschaft (MNB) mit dem Staatsvertrag über die Vereinfachung der Eisenbahnverwaltung vom 14. Dezember 1901 als Kondominalbahn zwischen Preußen, Hessen und Baden aufgelöst. Der auf badischem Gebiet liegende Streckenteil kam zu den Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen. Der Streckenteil, der auf hessischem Gebiet lag, wurde überwiegend der Direktion Mainz unterstellt. Ausgenommen hiervon war der Streckenabschnitt nördlich des Bahnhofs Frankfurt-Louisa, der auf preußischem Gebiet lag und der Direktion Frankfurt zugeschlagen wurde. Außerdem gingen die staatseigenen hessischen Strecken an die Mainzer Direktion über, die bisher von der MNB betrieben worden waren.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter vom 1. Oktober 1902. 6. Jahrgang. Nr. 50. Bekanntmachung Nr. 429, 430, S. 367–411. Darin: S. 407ff: XVI. Alphabetisches Verzeichniß der in den Direktionsbezirk Mainz übergegangenen Stationen und Dienststellen der Main-Neckarbahn und der Hessischen Nebenbahnen; Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter vom 4. Oktober 1902. 6. Jahrgang. Nr. 55. Bekanntmachung Nr. 455, S. 475: Umstellung der Güterwagen der MNB in den Wagenpark der Eisenbahndirektion Mainz; Helmut Schmidt: Deutsche Eisenbahndirektionen. Grundlagen I: Entwicklung der Direktionen 1835–1945. Berlin 2008, ISBN 978-3-933254-85-6, S. 49. Bereits einen Monat später war der Übergang reibungslos vollzogen und Minister Hermann von Budde sprach dafür seinen Dank gegenüber der Direktion Mainz aus.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter vom 8. November 1902. 6. Jahrgang. Nr. 64. Bekanntmachung Nr. 523, S. 587.
Zum 1. April 1904 gab es eine Reihe von Änderungen bei der Abgrenzung zu den Nachbardirektionen Frankfurt/Main und St. Johann/Saarbrücken. Anlass war vor allem die Inbetriebnahme der Umgehungsbahn Mainz und ihrer zusätzlichen Rhein- und Mainbrücke (Kaiserbrücke und Eisenbahnbrücke Hochheim).Acker: Die Bundesbahndirektion Mainz, S. 10.
Zum 1. Oktober 1907 gab es erneut örtliche Zuständigkeitsänderungen gegenüber der Direktion Frankfurt/Main.
Weitere Entwicklung Zum 1. April 1902 wurden die Telegrafenmeistereien aufgelöst,Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter vom 15. März 1902. 6. Jahrgang, Nr. 12, Bekanntmachung Nr. 111, S. 78. die Wartung der Geräte den bedienenden Beamten vor Ort übertragen, die übrigen Wartungsarbeiten von den Bahnmeistereien wahrgenommenEisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter vom 15. März 1902. 6. Jahrgang, Nr. 12, Bekanntmachung Nr. 111, S. 79f. und bauliche Angelegenheiten den Betriebsinspektionen übertragen.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter vom 29. März 1902. 6. Jahrgang, Nr. 15, Bekanntmachung Nr. 144, S. 97. Die Telegrafenleitungen konnten auch für den privaten Depeschenverkehr genutzt werden.Zusammenstellung der Stationen des Eisenbahndirektionsbezirks Mainz, die für den Privatdepeschenverkehr eröffnet sind mit Angabe der Dienststunden, in denen die Annahme und Zustellung der Privattelegramme erfolgen kann. In: Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 24. November 1906, Nr. 63. Bekanntmachung Nr. 655, S. 539–543.
Anfang 1904 waren alle preußischen Strecken des Direktionsbezirks, auf denen Schnellzüge verkehrten, mit Telefonen („Fernsprechern“) ausgerüstet,Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 16. Januar 1904, Nr. 3. Bekanntmachung Nr. 33, S. 28. 1906 dann auch die auf hessischem Gebiet liegenden.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 17. Februar 1906, Nr. 9. Bekanntmachung Nr. 78, S. 70.
1906 erhielten alle die Blockstellen, die bisher nur mit einer Nummer bezeichnet wurden, einen Namen und alle Blockstellen Namensschilder.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 31. März 1906, Nr. 17. Bekanntmachung Nr. 165, S. 155.
Ebenfalls 1906 wurden die Lokomotiven umnummeriert:Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 3. März 1906, Nr. 12. Bekanntmachung Nr. 115, S. 108. Schnellzuglokomotiven 1–1500 Personenzuglokomotiven 1501–3000 Güterzuglokomotiven 3001–6000 Tenderlokomotiven 6001–9000
Für das Jahr 1909 wurde ein Verzeichnis über die Streckeneinteilung der Haupt- und Nebeneisenbahnen des Direktionsbezirks Mainz[,] die der Berechnung der geleisteten Wagenkilometer zugrunde zu legen sind veröffentlicht, die den kompletten Bestand der damals betriebenen Strecken wiedergibt.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 26. März 1909, Nr. 15. Bekanntmachung Nr. 209, S. 162–165.