Das Kapuzinerkloster Waldshut ist ein ehemaliges Kloster des Kapuzinerordens in der Stadt Waldshut am Rhein, Deutschland.

Die Grundsteinlegung erfolgte 1654. Die franziskanisch bescheidene materielle Ausstattung, zu der jedoch eine Marienkrönung von Johann Melchior Eggmann, eine umfangreiche Bibliothek und zwei fürstliche Herzbestattungen gehörten, ist verloren beziehungsweise wurde zerstreut. Die Waldshuter Kapuziner waren fest im öffentlichen Leben der Stadt eingebunden. Sie nahmen auch in der Geschichte der Vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz eine tragende Rolle ein.

Der seit der Aufhebung von 1821 mehrfach vollständig umgebaute Gebäudekomplex wurde ab 1859 vom Spitalfond Waldshut genutzt, dem späteren Krankenhaus und heutigen Klinikum Hochrhein.

Geschichte Gründung mini|links|Musterentwurf für das Kloster aus der Handschrift Don 879 in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart Die flächendeckende Einrichtung von Kapuzinerklöstern in Vorderösterreich war ein Akt der Gegenreformation, der bereits nach dem Regierungsantritt Leopold V. begonnen wurde. Der Französische Krieg von 1633 bis 1648 und die darauf folgende französische Besatzung der Waldstädte bis zum 18. Oktober 1650 sorgte für eine Unterbrechung des Programmes, das unter Leopolds Sohn Ferdinand Karl wieder aufgenommen wurde. Unter der Maxime Glaube und Treue sollte der weitgehend von protestantischen Gebieten umgebene habsburgische Korridor konfessionell und ideologisch gefestigt werden. 1633 waren die Besatzungen der Waldstädte in großen Teilen zu den Schweden übergelaufen.Mathaeus Merian: Theatrum europaeum. Band 3. Frankfurt am Main 1670, S. 97 ff.

Für die Gründung reichte die Anordnung oder Erlaubnis des Landesherrn nicht aus. Zusätzlich forderten die kapuzinischen Konstitutionen die Zustimmung des jährlich an verschiedenen Orten tagenden Provinzkapitels beziehungsweise des Definitoriums, die Billigung des Diözesanbischofs, die Einwilligung des Generalministers und seines Definitoriums und zuletzt die Erlaubnis des Heiligen Stuhles.

Unter der Aufsicht des Basler Fürstbischofs Johann Franz von Schönau übernahm die Schweizer Kapuzinerprovinz die Planung, Errichtung und Besetzung der drei Klostergründungen in Rheinfelden, Laufenburg und Waldshut. In Säckingen waren bereits die Franziskanerinnen vertreten. Ein frommer Wetteifer, der Städte Laufenburg und Waldshut um die Schnelle der Errichtung, ist eine Fama. Priorität hatte aus organisatorischen Gründen das Kloster Rheinfelden, das deshalb bereits 1657 fertiggestellt wurde. Der vor 1668 begonnene und nach 1673 vollendete handschriftlicher Kodex aus der Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen, der Codex Donaueschingen 879 dokumentiert das Schweizerisch-Österreichische Gemeinschaftsprojekt. Das Werk wird nach Schriftvergleichen dem aus Pfullendorf stammenden Ordensbaumeister Probus Heine zugeschrieben.Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz. Band 70, Einsiedler Anzeiger, 1978, S. 47. Probus Heine war als Baumeister des Ordens auch für die Errichtung des Waldshuter Klosterkomplexes verantwortlich. Die wichtigsten Geldgeber und Förderer des Waldshuter Kapuzinerklosters waren Franz Ludwig von Roll (Bernau) und seine Frau Maria Agnes aus der Familie des 1643 verstorbenen Statthalters Marx Jakob von Schönau, mit 1000 Gulden. Weitere Stiftungen machten der Fürstabt von St. Blasien Franz I. Chullot, der Landgraf im Klettgau Johann Ludwig II. von Sulz und Bürger und Funktionsträger der Stadt. Der Rat der Stadt Waldshut unterstützte logistisch und durch die Abgabe von Naturalien. Für den Klosterbau in Waldshut wurden 4203 Gulden und 9 Batzen veranschlagt.

Die Planung geht auf das Jahr 1650 zurück. 1652 wurde das Gelände den Kapuzinern übereignet. Am 14. Juni 1654 erfolgte die Grundsteinlegung durch Franz I. Chullot. Gleichzeitig wurde ein Steinkreuz aufgerichtet. Der Baubeginn der Klausur folgte am 4. Oktober 1655. Die Weihung der Konventskirche wurde nach Romuald von Stockach am 7. September 1659 durch den Konstanzer Bischof Franz Johann Vogt von Altensumerau und Prasberg vorgenommen. Das Presbyterium wurde unter das Patronat des Hl. Antonius von Padua und die Laienkirche unter das Patronat der Beata Virgo Maria Immaculata gestellt.Vigilius Greiderer: Conventus Waldishutanus in: Chronica ref. provinciae S. Leopoldi Tyrolensis ex opere Germania Franciscana, typis Joannis Thomae nobilis de Trattnern. Wien 1781, S. 244.

Wichtige Ereignisse 1654 Legung des Grundsteines und Errichtung des Kreuzes mit den Kreuzigungswerkzeugen. 1656 verstarb der Förderer des Klosters Johann Franz von Schönau kurz vor der Erhebung in die Kardinalswürde in Pruntrut an der Wassersucht. Der Fürstbischof verfügte testamentarisch eine Herzbestattung in einer silbernen Kapsel, die nach seinem Wunsch im Presbyterium des im Bau befindlichen Waldshuter Kapuzinerklosters einzumauern war. 1659 wurde das Kloster mit acht Patres, die überwiegend aus dem Rheinfelder Kapuzinerkloster abgezogen wurden, besetzt. 1664 richteten die Städte Rheinfelden, Laufenburg und Waldshut einen gemeinsamen Gesuch an Erzherzog Sigismund Franz zur Anbindung ihrer Kapuzinerklöster an eine eigene Vorderösterreichische Ordensprovinz, da man nicht von den „jeweils abhold gewesten Schweizern“ getröstet und geistlich versehen werden wollte.Ernst Adolf Birkenmayer: Das frühere Kapuzinerkloster. Freiburger Diöcesan-Archiv, Band 21, Freiburg, Herder’sche Verlagsbuchhandlung, 1890, S. 217. 1668 spalteten sich die 27 vorderösterreichischen KlösterVigilius Greiderer: Conventus Waldishutanus in: Chronica ref. provinciae S. Leopoldi Tyrolensis ex opere Germania Franciscana 1788, typis Joannis Thomae nobilis de Trattnern, 1781. Wien, S. 241. am 16. April auf dem Provinzialkapitel der Schweizer Kapuzinerprovinz in Wyl ab und gründeten die Vorderösterreichische Kapuzinerprovinz. 1681 erteilte der vom Rat und den Bürgern eingeladene und begeistert aufgenommene Kapuziner Marco d’Aviano seinen Segen.Biografia di San Marco d’Aviano, Attraverso la Germania. S. 33 (online auf: documentacatholicaomnia.eu) (PDF; 1,3 MB) 1687 verfügte Johann Ludwig II. von Sulz ebenfalls seine Herzbestattung im Presbyterium. 1688 vermittelten die Kapuziner bei einem Einfall der Franzosen. 1697 wurde das Gymnasium, der Ausbildungsort der vorderösterreichischen Novizen, von Markdorf bis 1739 nach Waldshut verlegt. 1726 wurde der Fürbitte der Patres und der Geistlichkeit eine Eindämmung des Stadtbrandes, der 46 Häuser forderte, zugeschrieben. Auf ihre Gebete hin legte sich der Wind. 1746 wurde das im Erbfolgekrieg durch Franzosen und Bayern in Mitleidenschaft gezogene Kloster umfassend renoviert. 1754 wurde die Fideliskapelle erstmals erwähnt. 1758 ereignete sich ein Zwist mit der Stadt wegen der Einrichtung von Kreuzwegstationen in der Laienkirche. 1772 ließ Maria Theresia mit dem Hoferlass vom 20. März nur noch geborene Österreicher in Leitungsfunktionen des Ordens zu. 1781 vollzog der letzte Definitor der Vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz, R.P. Reinhard von Waldshut die von Wien am 24. März angeordnete Abtrennung der fürstenbergischen Kapuzinerklöster. 1781 wurde die Aufnahme von Novizen mit dem Hofdekret vom 8. Juni untersagt. 1784 verwendete sich die Stadt angesichts der drohenden Aufhebung. 1788 wurde am 1. Februar das Almosensammeln, der Amulett- und Kräuterbüschelverkauf untersagt. Die Patres wurden durch den Religionsfonds alimentiert. 1796 griffen Rückzugsgefechte zwischen dem Tross der französischen Rheinarmee unter General Tharreau und österreichischer Verbände unter General Wolf auf das Kloster über. 1801 wurde das Kloster nach dem Entschädigungsplan gemäß der Frieden von Luneville und Amiens dem Johanniterorden übertragen. 1803 geschah die nochmalige Zuweisung an den Johanniterorden durch den Reichsdeputationshauptschluss. 1804 wurde die Laienkirche aufgrund eines Debakels beim Neubau von St. Marien bis 1808 im Schichtbetrieb als provisorische Stadtkirche genutzt. 1806 ging das Kloster am 12. Juli mit der Rheinbundakte vom souveränen Fürstentum Heitersheim an das Großherzogtum Baden über. 1807 erweiterte die großherzoglich badische Regierung den Aussterbeetat um ein Zuzugsverbot. 1809 starb R.P. Werner Fechtig von Rottenburg, Guardian von Waldshut und letzter Provinzial der Vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz, am 12. November in Waldshut. 1814 wurde der Konventstrakt aufgrund eines Typhusausbruches innerhalb der Schwarzenbergischen Armee in ein Seuchenlazerett umgebaut und erhielt den Anbau einer zweistöckigen großen Latrinenanlage an der Westseite. Bis 1816 wurde der Konvent als Militärspital genutzt. Die Laienkirche diente als Materiallager. 1817 ordnete die großherzogliche Regierung die Umsiedlung der letzten drei Brüder in den Staufener Konvent an. 1820 starb der letzte Guardian von Waldshut P. Azarias. 1821 wurde das Waldshuter Kapuzinerkloster am 7. November nach dem Umzug des übrig gebliebenen Pater Sabinus in das Ordenshospiz nach Staufen im Breisgau und der Entbindung des letzten Laienbruders vom Gelübde aufgehoben.

Aufgaben und Tätigkeiten des Konvents mini|links|Johann Murbach: Kapuziner bei der Abnahme der Beichte, Gouache 1767 Die Kapuzinerpriester halfen zeitweilig innerhalb des Dekanats Waldshut aus. In den Statuten des Waldshuter Kapitels von 1749 sind sie jedoch nicht aufgeführt.Statuta Venerabilis ruralis capituli Waldishutani. Felner, Freiburg 1750. Seelsorgerisch betreuten sie das Spital Waldshut und die Beschäftigten der Hammerwerke in Albbruck. Ab 1670 kam nach der Abschaffung des Pfarrzwanges die Abnahme der Beichte hinzu. In der Folge berichteten die vorderösterreichischen Kapuzinerklöster über jährlich bis zu 800 000 abgenommene Beichten.Peter Blickle: Das Alte Europa: vom Hochmittelalter bis zur Moderne. H.C. Beck, München 2008, S. 116. Die seelsorgerische Betreuung der Kranken und Sterbenden war nach dem Usus der Zeit fast ausschließlich den Kapuzinern anvertraut. Der damit verbundene Einfluss auf die Abfassung von Testamenten brachte ihnen wiederholt den Vorwurf der Erbschleicherei ein.Petra Rhode In: Heiko Haumann, Hans Schadeck (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg. Theiss Verlag, Stuttgart 2001, Band. 2, S. 421. Kapuziner nahmen sich in Gefängnissen in besonderer Weise Inhaftierter und Verurteilter an und begleiteten die zum Tode verurteilten auf ihrem letzten Gang.Beda Mayer: Helvetia Franciscana. Band 12, Heft 6, 1977, S. 149. Heinrich von Kleist verarbeitete diese Aufgabe in der 20. Anekdote (vom Kapuziner) im 53. Abendblatt, vom 30. November 1810.

Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Mission, die sich bis tief in die reformierten Kantone der Eidgenossenschaft erstreckte. Dies führte zu wiederholt Verhandlungen der Eidgenössischen Tagsatzung, so am Osterdienstag 1735 nach einer scharfen Predigt eines Waldshuter Kapuziners.Johann Müller: Der Aargau: seine politische Rechts-, Kultur- und Sitten-Geschichte. Band 2, F. Schulthess, Rupperwyl 1871, S. 210. Wiederholt wurden in der Eidgenossenschaft auffällig gewordene Kapuziner der Schweizer Kapuzinerprovinz nach Waldshut versetzt. Ein Bruder des Zürcher reformierten Predigers Johann Kaspar Lavater suchte noch 1777 das Waldshuter Kapuzinerkloster mit Konversionsabsichten auf.

Aufgrund eines nicht näher bezeichneten Skandals wurde das Gymnasium zur Novizenausbildung in der Vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz zwischen 1697 und 1739 von Markdorf nach Waldshut verlegt.

Im Auftrag des Waldshuter Kirchenfonds buken die Laienbrüder Hostien. Der letzte Laienbruder Sidonius Fuchs beantragte am 22. September 1822 den Dispens vom Ordensgelübde und verlegte sich mit seiner Gattin erfolgreich auf die Hostienbäckerei.Allgemeine Kirchenzeitung. Band 4, Karl Wilhelm Leske, Darmstadt 1825, S. 535.