Boyhood () ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Regisseur Richard Linklater mit Ellar Coltrane, Patricia Arquette und Ethan Hawke in den Hauptrollen. Der Film wurde über einen Zeitraum von zwölf Jahren gedreht, wobei die ersten Aufnahmen im Sommer 2002 stattfanden. Im Oktober 2013 schloss Linklater das Projekt ab. Die Besonderheit an diesem Film ist, dass die Schauspieler im Verlauf des sehr langen Filmprojekts wirklich wachsen und altern, so dass die Erwachsenwerden-Geschichte wirklichkeitsgetreu immer mit derselben Besetzung inszeniert werden konnte. Insofern ist Boyhood eine fiktive filmische Langzeitstudie. Dazu kommt, dass die vier wichtigsten Schauspieler innerhalb eines weiten, von Linklater vorgegebenen Rahmens selbst Dialoge geschrieben und dabei ihre persönlichen Erfahrungen eingebracht haben. Boyhood ist insofern auch ein experimentelles filmisches Werk, als die Entwicklungen besonders der jungen Schauspieler nicht vorhersagbar waren und Linklater den Rahmen für das Drehbuch nur jahrweise schreiben konnte.Justin Chang: Richard Linklater on ‘Boyhood’, the ‘Before’ Trilogy and the Luxury of Time. In: Variety, 25. Juni 2014.

Der Film feierte seine Premiere beim Sundance Film Festival 2014.Richard Linklater’s Ambitious ‚Boyhood‘ Premieres at Sundance bei slashfilm.com, abgerufen am 7. Februar 2014. In Deutschland lief er erstmals im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2014,Boyhood bei berlinale.de, abgerufen am 7. Februar 2014. bei dem Richard Linklater für seinen Film mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet wurde.Preise der Internationalen Jury bei berlinale.de, abgerufen am 15. Februar 2014. Der Film war ab dem 5. Juni 2014 in deutschen Kinos zu sehen.

Handlung Der Film zeigt zwölf Jahre im Leben des jungen Mason, von seinen schulischen Anfängen im Alter von sechs Jahren bis zu seinem Eintritt ins College.

Im Jahr 2002 leben der sechsjährige Mason Evans und seine ältere Schwester Samantha mit ihrer alleinerziehenden Mutter Olivia in einem Ort in Texas zusammen. Olivia will studieren und dafür nach Houston ziehen, weil sie mit ihrem derzeitigen Job zu wenig Geld für die Familie verdient. Trotz Einwänden der Kinder zieht die Familie kurz darauf nach Houston um, wo auch die Großmutter der Kinder, Olivias Mutter, wohnt und ihre Enkel mit betreuen kann.

Olivia nimmt 2003 an der University of Houston ein Studium in Psychologie auf. Eines Tages holt der Vater und Exfreund von Olivia die Kinder bei der Großmutter ab, um mit ihnen bowlen zu gehen. Er bringt sie danach entgegen der Absprache direkt zum Wohnhaus der Familie. Die Kinder zeigen ihm ihre Zimmer. Als Olivia nach Hause kommt, ist sie deshalb sauer und streitet sich mit ihm. Die Kinder beobachten den Streit vom Fenster aus, wobei ihre Hoffnung schwindet, dass ihr Vater über Nacht bleibt.

Olivia nimmt Mason 2004 mit in die Psychologie-Vorlesung über den Pawlowschen Reflex und stellt ihn anschließend ihrem Professor Bill Welbrock vor. Bill und Olivia heiraten und die beiden Familien ziehen zusammen. Bill bringt seine zwei Kinder Mindy und Randy aus seiner vorherigen Beziehung mit, welche im gleichen Alter wie Mason und Samantha sind. Bill erscheint zunächst als fürsorglicher Familienvater, doch zeigt er sich bald als strenger Patriarch mit einem Alkoholproblem. Nachdem er betrunken gewalttätig geworden ist, flieht Olivia aus dem gemeinsamen Haus, holt später ihre Kinder und lässt den gesamten Besitz zurück. Die Familie wohnt vorerst bei ihrer alleinerziehenden Freundin Carol. Olivia lässt sich von Bill scheiden und meldet die Geschehnisse dem Jugendamt.

Während eines Treffens des Vaters Mason Evans Sr. mit seinen Kindern Samantha und Mason kommt zur Sprache, dass die mittlerweile 13-jährige Samantha einen Freund hat. Der Vater gibt ihr daraufhin Ratschläge zum Thema Verhütung. Samantha soll aus seinen und Olivias Fehlern lernen und nicht zu früh Kinder bekommen. Ihr ist dieses Gespräch sichtlich peinlich. Danach geht der Vater allein mit Mason im Pedernales Falls State Park campieren. Samantha zieht es vor, nicht mitzukommen, um stattdessen die Party einer Freundin zu besuchen. Vater und Sohn öffnen sich dabei in längeren Gesprächen füreinander, ihr Vertrauensverhältnis vertieft sich.

Olivia schließt ihr Studium der Psychologie mit sehr guten Noten ab, ihr Exfreund macht seinen Abschluss in Versicherungswirtschaft. Als Olivia eine Stelle als Dozentin für Psychologie in San Marcos an der Texas State University bekommt, zieht die Familie erneut um. In ihrem neuen Zuhause gibt Olivia eine Antrittsparty für ihre Studierenden. Dabei lernt sie Jim, einen ihrer Studenten und ehemaligen Soldaten im Irakkrieg, näher kennen und heiratet ihn kurz darauf. Mason findet in seiner neuen Schule Freunde und stößt langsam auf das Interesse von Mädchen.

mini|hochkant|Ellar Coltrane (2013) Zu Masons 15. Geburtstag kommt der Vater mit seiner neuen Frau Annie und ihrem gemeinsamen Baby zu Besuch. Mason und Samantha fahren mit zu den Eltern von Annie auf das texanische Land. Der Vater schenkt Mason eine selbst zusammengestellte Post-Beatles-Mix-CD, die er als Black Album bezeichnet, und einen Anzug. Annies Mutter schenkt Mason eine red letter bible, Annies Vater überreicht ihm ein Schrotgewehr. Samantha und Mason lernen schießen und am nächsten Tag gehen alle zusammen in die Kirche.

Mason besucht eine Party und lernt dort Sheena kennen. Mit ihr als aufmerksamer Zuhörerin führt er lange philosophische Monologe. Später wird sie seine Freundin. Als Mason einmal erst nach Mitternacht nach Hause kommt, entsteht ein Streit mit Jim. Kurz darauf trennt sich Olivia von Jim.

Mason und Sheena schauen sich die Universität von Texas in Austin an. Sheena will dort studieren. Samantha studiert dort bereits und teilt sich im Studentenwohnheim ein Zimmer mit einer Mitbewohnerin. Samantha übernachtet bei ihrem Freund und überlässt Mason und Sheena ihr Bett für die Nacht. Nach dem Besuch in einem Musikclub und einem Restaurant schauen Mason und Sheena später vom Dach gedankenverloren über die morgendliche Stadt. Die beiden verschlafen und werden von der nach Hause kommenden Mitbewohnerin geweckt.

mini|hochkant|Patricia Arquette (2009) Während ihres letzten Schuljahrs an der Highschool trennen sich Sheena und Mason, weil sich Sheena im entfernten Austin mit einem College-Studenten und Lacrossespieler eingelassen hat. Masons Interesse und Talent für Fotografie entwickeln sich weiter, und er gewinnt eine Silbermedaille und ein Stipendium im Landesfotografiewettbewerb. Seine Familie organisiert ihm eine Schulabschlussparty. Vater Mason Sr. gibt seinem Sohn Ratschläge in Bezug auf die Überwindung von Trennungen. Mason geht zum Studium an die Sul Ross State University. Olivia verkauft das Haus, in dem die Familie in den letzten Jahren gewohnt hat, weil mit Mason das letzte Kind auszieht. Alle müssen ihre Sachen durchsortieren und auf das Wesentliche reduzieren, weil Olivia in eine kleine Wohnung zieht und dort den Besitz ihrer Kinder nicht aufbewahren will. Als Mason seine Sachen packt, weint Olivia. Sie meint, sie hätte immer gedacht, dass da noch mehr im Leben wäre, doch nun habe sie alle wichtigen Etappen ihres Lebens bereits hinter sich, der nächste Schritt sei dann ihre Beerdigung. Mason relativiert ihre Sichtweise und meint, sie hätte mit dieser Einschätzung mehrere Jahre ausgelassen.

Mason fährt mit seinen Umzugskartons zur Universität und zieht in ein Zimmer im Studentenwohnheim. Dort trifft er seinen Mitbewohner Dalton, den ihm die Universität über einen Fragebogen zugeordnet hat. Die beiden gehen zusammen mit Daltons Freundin und deren Mitbewohnerin Nicole im Big-Bend-Nationalpark wandern. Daltons Freundin gibt Mason zuvor einen Haschkeks. Im Nationalpark angekommen, machen sie es sich zum Sonnenuntergang auf einem Felsen bequem. Nicole sagt zu Mason, man ergreife nicht selbst den Moment, sondern der Moment ergreife einen. Mason antwortet, dass der Moment konstant sei. Man sei immer im Jetzt.

Produktion Linklater plante zunächst nur einen Film über die Kindheit, wollte sich dabei aber nicht auf eine Phase beschränken. Daraus entstand die Idee, einen Film über die gesamte Kindheit eines Menschen umzusetzen.Reliving ‚Boyhood‘: how Richard Linklater spent 12 years shooting one movie bei theverge.com, abgerufen am 7. Februar 2014. Dann wollte er die Geschichte einer Eltern-Kind-Beziehung von der ersten bis zur zwölften Klasse darstellen. Problematisch dabei war, dass Kinder sich im Verlauf ihrer Entwicklung schnell und stark verändern, so dass das im Lauf eines üblichen Filmdrehs nur sehr schwierig umzusetzen gewesen wäre. Die Lösung war, den Dreh über elf Jahre zu strecken und die Schauspieler beizubehalten. Damit ließ sich Linklater auch auf die Entwicklungen der Schauspieler ein und sagt bezogen auf den Hauptdarsteller Ellar Coltrane:

Im Mai 2002 gab Linklater bekannt, dass er ab dem Sommer einen Film in seiner Heimatstadt Houston drehen würde. Im Jahr 2002 stellte Linklater die Crew zusammen, mit der er zwölf Jahre für einige wenige Wochen im Jahr zusammenarbeitete. Zunächst überzeugte Linklater seinen langjährigen Stammschauspieler Ethan Hawke von dem Projekt. Kurz darauf wurde Patricia Arquette als Mutter gecastet. Die Rolle des Mason besetzte Linklater mit dem damals siebenjährigen Ellar Coltrane. Die Rolle von Masons Schwester Samantha besetzte der Regisseur mit seiner Tochter Lorelei Linklater.Sundance: In Richard Linklater’s 12-year ‘Boyhood,’ a profile of a man bei latimes.com, abgerufen am 7. Februar 2014.Steven Rea: De Niro reassures a studio about a boy. In: The Philadelphia Inquirer, 19. Mai 2002.

mini|Ethan Hawke auf dem Filmfestival 2009 in Venedig Die 39 Drehtage verteilten sich relativ gleichmäßig auf die zwölf Jahre, wobei die Crew immer für drei bis vier Drehtage pro Jahr zusammenkam. Danach ging Linklater mit der Filmeditorin Sandra Adair sofort an den Schnitt des jeweiligen Abschnitts, den sie dann nahtlos an die bereits fertigen Filmteile anfügten. Die lange Entstehungsdauer brachte auch technische Herausforderungen mit sich. 2002 begann das Team mit dem Dreh des Films auf 35-mm-Film, der danach aber zunehmend durch digitale Produktionsmethoden verdrängt wurde. Weitere Probleme ergaben sich mit veralteter Ausrüstung und sich stetig verschlechternder Qualität von Entwicklungsstudios.

So drehte Linklater jedes Jahr eine Episode von etwa 15 Minuten, deren Themen und Inhalte durch gemeinsame Arbeit mit Ellar Coltrane, Lorelei Linklater, Patricia Arquette und Ethan Hawke entstanden.

Ethan Hawke sagte 2013 über Boyhood:

Die Finanzierung des Projekts übernahm der New Yorker Independent-Filmverleih IFC Films.Sundance 2014: Richard Linklater unveils ‘Boyhood,’ a movie 12 years in the making bei insidemovies.ew.com, abgerufen am 7. Februar 2014. Die Schauspieler konnten keine Verträge für ihre Beteiligung am 12-Jahres-Projekt bekommen, weil Verträge mit einer Laufzeit von mehr als sieben Jahren rechtlich nicht zulässig sind. Linklater trug Ethan Hawke für den Fall seines Todes auf, die Arbeit am Film weiterzuführen und zu beenden. Die Produktionsfirma IFC wendete für das Budget von Boyhood 200.000 US-Dollar im Jahr auf, das waren 2,4 Millionen in zwölf Jahren. Linklater erfreute sich einer ungewöhnlich großen Gestaltungsfreiheit durch die Produktionsfirma, der er während der Produktionszeit keine Resultate vorweisen musste. Der Film wurde laut Ethan Hawke auch nur durch das unkonventionelle und unkomplizierte Verhalten des für Boyhood verantwortlichen Mitarbeiters der Produktionsfirma möglich, der die nötigen Summen für den unüblichen Langzeitdreh geschickt im Firmenbudget unterbrachte.