mini|Gefaltetes Gestein, Swartberg Pass, nahe Oudtshoorn, Westkap, Südafrika Der Kap-Faltengürtel (Kapländisches Faltengebirge,Siegfried Passarge: Südafrika. Eine Landes-, Volks- und Wirtschaftskunde. Quelle & Meyer, Leipzig 1908, S. 101. Kap-Faltengebirge, ) ist eine Gebirgsregion und geologische Großstruktur in Südafrika, die sich aus der Zusammenfassung einer Mehrzahl von Gebirgsketten ergibt und die Provinzen Westkap sowie den westlichen Abschnitt von Ostkap geomorphologisch prägt. Er besteht aus einer Abfolge aufgefalteter Sedimentgesteine des Paläozoikums und bedeckt große Teile der Südwestecke von Südafrika mit Gesteinen der Cape Supergroup.
Berglandschaften Die Faltungszone tut sich als Gebirgsregion hinter den zahlreichen Buchten und Landspitzen des Westkaps auf und erfasst Territorien, die vom Kap der Guten Hoffnung aus ungefähr 400 km in nördlicher und ungefähr 500 km in östlicher Richtung im Hinterland der Küstenstreifen des Atlantischen wie des Indischen Ozeans liegen. Entlang der Garden Route (von Mossel Bay bis Plettenberg Bay) kommt die Gebirgsregion mit den Outeniqua-Bergen, den Kouga-Mountains und den Tsitsikamma-Bergen an die Küste heran.B. R. Allanson, R. C. Hart, J. H. O'Keeffe, R. D. Robarts (eds): Inland Waters of Southern Africa: An Ecological Perspective. (= Monographiae Biologicae, 64), S. 51 ff. Vom Ostschenkel der False Bay ziehen die Hottentots Holland-Berge nordwärts, die in die Boland-Berge übergehen. Im Westen liegen die Zederberge. Tiefer im Landesinneren warten ostwärts die Langeberg Mountains und die Swartberge auf. Mit dem Seweweekspoortpiek erreicht die Faltungszone in den Swartbergen ihre höchste Erhebung (2325 m).Africa Ultra-Prominences: 84 Mountains with prominence of 1,500m (4,921 ft.) or greater. Tabelle, online auf www.peaklist.org (englisch).
Geologie Die Gebirge des Faltengürtels bestehen zu großen Teilen aus Tafelbergsandstein, mithin einer Sedimentabfolge verschiedener quarzitischer Sandsteine und schwachmetamorpher Schieferformationen (Metasedimente). Er erstreckt sich von Nieuwoudtville über die Tafelbergregion bei Kapstadt bis zur Spitze der Kap-Halbinsel und in die Region des weiter entfernten Gqeberha (Port Elizabeth). Innerhalb lithostratigraphischer Zusammenhänge Südafrikas gehört der Kap-Faltengürtel zur Tafelberg-Gruppe, die bezüglich ihres Alters dem mittleren Paläozoikum zuzuordnen und ein Teil der Kap-Supergruppe ist.University of Cape Town, Department of Geological Sciences: .
Die heutigen Gesteinseinheiten des Kap-Faltengebirges haben sich seit dem erdgeschichtlichen Zeitalter des Ordovizium entwickelt, einem chronostratigraphischen System des Paläozoikums.J. J. Veevers, Chris McA. Powell: Permian-Triassic Pangean Basins and Foldbelts Along the Panthalassan Margin of Gondwanaland. (= Geological Society of America, Memoir 184) The Geological Society of America, Boulder (CO) 1994, (Titel, PDF). In dieser Phase erfolgte eine diskordante Aufeinanderlagerung der Gesteinsschichten. Überlagert wurden hierbei feinklastische Sedimentgesteine wie Silt- und Tonsteine sowie Grauwacken der älteren Malmesbury-Gruppe. Während des Karbon und des nachfolgenden Perm setzte sich die Auffaltung fort und führte zur Verschmelzung zum Superkontinent Pangaea.Alfred Wegener: Die Entstehung der Kontinente und Ozeane. 2. gänzlich umgearbeitete Aufl., F. Vieweg & sohn, Braunschweig 1920.
Gebirgsbildung (Zeitalter der Kap-Supergruppe) Die Berge des Kap-Faltengürtels sind ein Ergebnis früher Erosionsabläufe hauptsächlich der neoproterozoischen Malmesbury-GruppeNick Normann, Gavin Whitfield: Geological Journeys. A traveller’s guide to South Africa’s rocks and landforms. Struik Publishers, Cape Town 2006, S. 62. mit Sedimentationsvorgängen und nachfolgender Gebirgsbildung im geologischen Zeitabschnitt zwischen dem Mittelordovizium und dem frühen Karbon (510–360 mya).C. R. Penn-Clarke, C. Browning, C. Vorster, R. W. Gess: The Cape Supergroup (Middle Ordovician-Lower Carboniferous) of South Africa: A review. In: South African Journal of Geology, Vol 129 (2026), Ausgabe 1, S. 109–160 (Abstract, englisch). Die etwa 555 ± 5 Millionen Jahre alte Malmesbury-Gruppe, die sehr alte Ablagerungen von Rutschungen und Trübeströmen an einem Kontinentalrand in einem früheren Ozean darstellt, besteht aus wechsellagernden Schichten von dunkelgrauen, feinkörnigem Grauwacken und schwach metamorphen Schiefern. Dieser lithostratigraphischen Einheit lagert die Tafelberg-Gruppe (ältester Teil der Kap-Supergruppe) auf, ein 800 bis 1500 m mächtiges Schichtenpaket, das sich aus Quarzsand, Silt und Schlamm bildete und sehr witterungsbeständige Gesteine umfasst. Spätere magmatische Intrusionen erzeugten in den Sedimentschichten der Kap-Halbinsel dunkle Dolerit-Gänge.Anonymus: Geology of Cape Town. The Malmesbury Group und Table Mountain Group. University of Cape Town, Department of Geological Sciences; Kurzbeschreibung auf www.science.uct.ac.za (englisch).
Die Sedimentgesteine, aus denen die heutigen Gebirgszüge des Kap-Faltengürtels bestehen, wurden als Meeressedimente im Zeitraum zwischen dem Kambrium und dem Ordovizium (vor etwa 510 bis 330 Millionen Jahren) in einem überfluteten Beckenbereich einer Riftzone abgelagert. Diese waren größtenteils Sandschichten mit zwischengelagerten Ton- und Schluffablagerungen. Sie bildeten einen bis 8000 m mächtigen Sedimentaufbau, der präkambrische bis kambrische Metasedimente und Granite des Grundgebirges überlagert. Darüber liegen wiederum jüngere glaziale, turbiditische-, terrestrische und basaltische Ablagerungen der Karoo-Supergruppe.Robert W. Gess et al.: The Cape Supergroup . Albany Museum Earth Sciences Department & Rhodes University Geology department, Kurzbeschreibung auf www.devoniansouth.weebly.com (englisch).
Die Sedimentationsvorgänge endeten etwa vor 300 Mio. Jahren und die Spreizung der Erdkruste, durch die das Riftsystem entstand, kam zum Stillstand. Bereits vor 330 Mio. Jahren setzte hier eine Kompression der vorhandenen Riftbereiche ein, die sich schließlich zu einer Kollisionszone von Kontinentalplattenrändern mit einer Subduktionszone am südlichen Rand von Gondwana entwickelte. Diese Erdkrustenbewegungen führten zur Verformung und mächtigen Auffaltung der Sedimentpakete aus dem inzwischen überfluteten Riftbecken. Das Kap-Faltengebirge ging aus diesen tektonischen Einwirkungen hervor.
Die Kap-Supergruppe (Cape Supergroup) besteht aus aufeinanderfolgendem lithostratigraphische Untergliederungen: Witteberg-Gruppe (Mitteldevon bis unteres Karbon, Flachseesedimente und Ablagerung im Agulhas-Meer / Agulhas Sub-basin). Bokkeveld-Gruppe (Unter- bis Mitteldevon, Tiefseesedimente), Tafelberg-Gruppe (Mittelordovizium bis Unterdevon), Eine in der Provinz KwaZulu-Natal sich erstreckende Schichtenablagerung (auch Klipheuwel Group oder Natal Group), die Msikaba-Formation (Mittel- bis Oberdevon), gilt als Äquivalent der Witteberg-Gruppe und wird der Kap-Supergruppe zugeordnet.
Eine kleine Region um das urbane Gebiet von Kapstadt gehört nicht zum Kap-Faltengürtel, jedoch geologisch an der Tafelberg-Gruppe anteilig beteiligt. Damit blieb der Tafelberg und das Gebirge der Kap-Halbinsel von diesen Gebirgsbildungsprozessen ausgenommen.
Die Gebirgsketten des Kap-Faltengürtels bildeten, als retroarkisches Vorlandgebiet, mit ihrem Detritus über einen Zeitraum von 70 mya das Liefergebiet für Sedimente im Karoo-Becken nördlich der Berge.
Aufgrund quarz- und tonmineralhaltiger Gesteine (siliziklastische Sedimente) sind die Gebirgslandschaften relativ wetterfest. Schwemmböden in den entstandenen (tief geschnittenen) Tälern sowie äolische Ablagerungen an den heutigen Meeresküsten und Fluss- und Seeufern im Neogen und Quartär bilden die oberflächennahen Schichten.Nick Normann, Gavin Whitfield: Geological Journeys. A traveller’s guide to South Africa’s rocks and landforms. Struik Publishers, Cape Town 2006, S. 62 ff. und 68 ff.
Landschaften des Kap-Faltengürtels mini|Cape Fold Belt im Keerom Koo, nahe Robertson Zederberge Olifants River Mountains Piketberg (Piketberg) Winterhoekberge Skurweberge Hex River Mountains Du Toitskloof Mountains Simonsberg Hottentots Holland Mountains Drakenstein-Berge Kogelberg Stettynsberge Langeberg Mountains Riviersonderend Mountains Kleinrivier Mountains Witteberge Swartberge Outeniqua-Berge Langkloof Mountains Kouga Mountains Tsitsikamma Mountains Baviaanskloof Zuurberge
Klima Das Klima des Kap-Faltengebirges ist subtropisch mediterran mit regenreichen Wintern, wobei sich ostwärts Spitzenregenzeiten zum Beginn des Frühjahrs und Herbstende feststellen lassen. Auf Höhe von Port Elisabeth am Ostrand des Belts lassen sich gleichmäßige Ganzjahresniederschläge messen. Bis zu 2500 mm Niederschlag sind dort im Jahresdurchschnitt zu erwarten. Westwärts nehmen die Niederschläge im Küstenbereich ab, da die Outeniqua- und die Tsitsikamma-Berge wie eine Wetterscheide wirken. Dort fallen in der Umgebung durchschnittlich maximal 750 mm Regen. Landeinwärts (insbesondere im Westen des Belts) verringern sich die Niederschlagsmengen auf 400 mm im Jahr.
Die Wasserabläufe sind oligotroph. Nur wenige Nährstoffe sind darin gebunden, was lediglich geringe organische Produktion zulässt. Geschuldet ist dieser Umstand den geomorphologischen Voraussetzungen, die der Tafelbergsandstein hergibt. Das klare aber saure Wasser weist oft pH-Werte um 4,3 auf. Hierauf weisen auch die Vegetationsformationen hin, die sich oft in Sklerophyllen und Heidelandschaften erschöpfen.
Fauna/Flora Das verhältnismäßig saure Wasser des Kap-Faltengebirges lässt in den Gewässern keine größere Artenvielfalt zu. Endemische Karpfenfische, Galaxien, zwei Arten von Kap-Buschfischen und eine Reihe von Vertretern der Gattung Barbus. Isolationsprozesse haben in der Gattung Pseudobarbus zu allopatrischer Artbildung geführt. Auf Zeiten, die bereits vor dem Teilungsprozess Gondwanas lagen, entwickelten sich in der Kapregion die teils endemischen Habitate für Insekten, Gliederfüßer, Kleinlibellen, Fluginsekten, wie Steinfliegen und Amphibien wie Gespenstfrösche.
Typische Pflanzengemeinschaften sind Sauergrasgewächse wie Simsen, Thurniaceae aus der Familie der Süßgrasartigen und Dicranaceae aus der Familie der Laubmoose. Weiterhin wird die Vegetation durch Berg-Fynbos dominiert, Silberbaumgewächse, Silberbäume, Seifenbaumgewächse, Korbblütler, Spindelbaumgewächse und Felder von Zuckerbüschen. Daneben treten in höheren Regionen der Berge Rooibos, Rittersporne, Rautengewächse und Orchideen auf.CapeNature: .
Einzelnachweise
Literatur Stephen T. Johnston: The Cape Fold Belt and Syntaxis and the rotated Falkland Islands: dextral transpressional tectonics along the southwest margin of Gondwana. In: Journal of African Earth Sciences, Vol. 31 (2000), Ausg. 1, S. 51–63 (Link)
Kategorie:Gebirge in Afrika Kategorie:Gebirge in Südafrika Kategorie:Geographie (Westkap) Kategorie:Geographie (Provinz Ostkap)